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Aus dem Buch: Hrsg. Christine Jurasek - Lachender Tod
 
Die Hütte am See
von Jürgen Gabelmann

Blut, überall Blut.
Da war er wieder, dieser Traum.
Selbst als er erwachte, hatte er das Dunkelrot noch vor Augen.
Dieser Fall ließ ihn einfach nicht los, ließ ihn die Nacht zum Tage werden und der Alkohol hatte längst Einzug gehalten. So war es auch diesmal.

Der kleine Zeiger hatte kaum an der Vier gekratzt, als er aufstand, auf die Toilette ging und von dort direkt zum Kühlschrank. Hier füllte er sich ein Glas jeweils zur Hälfte mit Jack Daniels und Cola, um es anschließend auf einen Zug zu leeren.
Seine Frau hatte ihn schon lange verlassen, ihn darum gebeten, sich in Behandlung zu geben. Wenn nicht für sie, dann wenigstens für ihre beiden Kinder.
Jetzt war es zu spät, die Kinder waren bei ihr.
Er konnte nicht loslassen von dem Gedanken, diesen Typen zu fassen.
Der zehnte Mord war der grausamste. So, als ob er ein blutiges Jubiläum feierte. Es gab keine Spur von ihm, keinen Fingerabdruck, keine DNA, nichts.
Nur das, was ein männliches Opfer, kurz bevor dessen Leben vorüber war, noch leise in sein Ohr
hauchen konnte:
"Clown."
Der Name eines Massenmörders war geboren.

Paul ging mit einem neu befüllten Glas in sein Arbeitszimmer und startete den Computer.
Suspendiert hatten sie ihn damals wegen seines Alkoholkonsums. Die Worte Lächerlich und Arschloch entfuhren ihm daraufhin gegenüber seinem Vorgesetzten.
Also machte er sich daran, den Kerl selbst zu finden, nur so konnte der Teufelskreis durchbrochen werden, der sein Leben derzeit war.
Während der Rechner nach oben fuhr, schaute Paul sich die Fotos an, die er sich in all der langen Zeit sorgfältigst an die Wand gehängt hatte.
Sie waren ihm alle bekannt.
Trotzdem fielen ihm immer wieder neue Details auf, die ihn, wie er hoffte, weiterbringen würden.
So wie in dieser Nacht. Er konnte nicht glauben, dass es ihm nicht aufgefallen war!
Paul ließ vor Erstarren das Glas aus seinen Händen gleiten, das auf dem Fußboden in tausend Stücke zerbarst.
Dann stützte er sich mit beiden Händen an der Wand ab und sein Blick bohrte sich tief in die zwei Fotos hinein. Jene zwei Fotos, die seine Aufmerksamkeit geweckt hatten.
"Wie konnte ich das nur übersehen!"
Sein ganzer Körper zitterte. Er fluchte, brauchte jetzt einen klaren Kopf für einen Plan.

Sein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass in etwa einer Stunde die Sonne aufgehen würde.
Er schaltete die Kaffeemaschine an. Die Zeit, die diese brauchte, um den Kaffee aufzubrühen, nutzte er, um zu duschen und sich anzuziehen.
Im Schlafzimmer legte er einer Frau, die in diesem Moment wach geworden war und ihn mit verschmierter Schminke anschaute, Geld auf den Nachtisch.
"Bestell dir ein Taxi, wenn du willst", waren die kalten Worte, die folgten.
Paul trank eine Tasse Kaffee und füllte den Rest in einen Thermobecher. Den nahm er mit in sein Auto und fuhr anschließend los. Zu der Stelle im Wald, wo er früher mit seinem Vater oft gewandert war, denn dann würde er die Hütte finden. Die Hütte auf den beiden Fotos.
Immer und immer wieder schlug er während der Fahrt mit seiner Hand aufs Lenkrad.
"Warum nur habe ich das nicht früher entdeckt, warum?"
Doch heute war der Tag gekommen, an dem sich alles ändern würde, das fühlte er.
Auf der Fahrt immer tiefer in den Wald hinein öffnete Paul mit der rechten Hand das Handschuhfach, während seine linke das Lenkrad festhielt. Seine Pistole lag dort, geladen und gesichert und wartete darauf, benutzt zu werden.

Ein dichter Nebelteppich empfing ihn, als wollte er ihn verschlingen.
Noch bevor er seinen Wagen verließ, schnappte er sich sein Handy und wählte eine Nummer. Der Empfang war nur minimal.
Als auf der anderen Seite sein ehemaliger Kollege Tom dran ging, fing er zitternd vor Aufregung an: "Ich glaube, ich habe ihn!"
"Paul, bist du das?", fragte Tom mit belegter, müder Stimme.
"Verstehst du denn nicht, ich weiß, wo er sich versteckt hält!"
"Wer?" Noch immer wirkte Tom, als ob der Sandmann an seiner Stimme kratzte.
"Der Clown natürlich!" Paul war genervt.
"Fängst du schon wieder damit an." Toms Stimme klang im Gegenzug nicht weniger genervt.
"Dieses Mal bin ich mir sicher!" Paul lief aufgeregt um den Wagen und fuchtelte währenddessen mit seinen Händen herum.
"So sicher wie die letzten Male? Was macht dich denn so sicher?"
"Die Tatorte! Auf zwei Beweisfotos von zwei verschiedenen Tatorten kann man im Hintergrund ein Foto erkennen. Mit einer Hütte darauf."
"Ja, und?" Tom stand offenbar auf dem Schlauch.
"Es war immer die gleiche Hütte, und ich denke, die Opfer kannten den Clown, verstehst du denn nicht?"
Pause.
"Noch nicht so richtig", erwiderte Tom.
"Ich denke, der Clown ist in dieser Hütte und ich weiß, wo sie ist und bin auf dem Weg dort hin."
"Und was willst du von mir?"
"Dass du dort hinkommst! Im Moment habe ich noch Empfang, das wird sich aber gleich ändern."
Stille.
"Tom? Kommst du?", fragte Paul hoffnungsvoll.
Wieder Stille.
"Na gut."
Paul erklärte Tom den genauen Weg, dann beendete er das Gespräch und ging mit der Waffe in der Hand los.
Vom Boden war nicht mehr viel zu sehen. Zu dicht waren die Nebelbänke, die ihm mittlerweile bis zu den Knien reichten ...
ISBN: 978-3-946498-04-9


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