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Aus dem Buch: Das nackte Grauen
 
Der Käfer - Eine makabre Geschichte
Jan Küchenthal


Es begab sich einmal, in der Zeit der Blüte meines Lebens oder kurz danach, dass mir das unerwartete Schicksal in seiner absonderlichsten Form begegnete. Ich arbeitete zu jener Zeit, ohne dass es von Bedeutung wäre, in einer kleinen, recht jungen, jedoch schnell expandierenden Firma, um mich dort um Geschäftsbeziehungen und deren Erschließung zu kümmern. Wir hatten einige Marktlücken entdeckt und zu nutzen gewusst, und machten nun in kürzester Zeit ein beachtliches Auskommen. In diesem wenig spektakulären, jedoch weitestgehend zufriedenstellenden Beruf ergab sich mir die Möglichkeit, mein beschauliches Leben nach meinen Vorstellungen zu gestalten, und dieses ohne große Unvorhersehbarkeiten oder gar böse Überraschungen zu bestreiten.

Eines Tages also, als ich des Morgens frühzeitig mit der gelassenen Vorfreude auf ein gemütlich eingenommenes Frühstücksmahl erwachte, wurde ich im morgendlichen Taumel eines unbestimmbaren Druckgefühls im ungefähren Bereich der rechten Schläfe gewahr. Etwas beunruhigt überlegte ich, ob es sich um eine sich ankündigende Migräne handeln konnte, da ich mit derlei Problemen in der Vergangenheit bereits konfrontiert worden war, und eine gewisse Empfindlichkeit in dieser Hinsicht entwickelt hatte. Ob einiger Unterschiede entschloss ich allerdings, es müsse sich um etwas weniger Bedrohliches handeln.
Bei einem Blick in den Rasierspiegel erkannte ich, dass es eine Art von Pustel oder, wahrscheinlicher noch, ein angeschwollener Stich einer Mücke oder eines anderen Insektes sein durfte.
Nach einer Stärkung mit Butterbrot und Honig sowie zwei Bechern Minztee, genossen zu den Klängen der Ungarischen Rhapsodie Nr.2 in d-Moll und der Betrachtung der ersten, lieblichen Sonnenstrahlen dieses Spätsommertages aus dem Fenster meiner im siebenten Stockwerk gelegenen Wohnung, wurde ich von einem mild-angenehmen Optimismus erfüllt; und mir war nicht im Mindesten daran gelegen mein Alltagsglück von irgendwelchen Belanglosigkeiten zum Negativen hin manipulieren zu lassen.
Ich beschloss also, den Weg zur Arbeit nicht wie gewohnt mit dem Wagen zurück zu legen, sondern die herrliche morgendliche Luft bei einem Fußmarsch in mich aufzusaugen. Die Sonne vermochte bereits zu wärmen, und eine leichte, angenehme Brise strich mir um das Haupt. Ich war guter Dinge und hatte reichlich Zeit, sodass ich mir wenig Eile aufzuerlegen hatte. Da mir jedoch auch das Trödeln und Bummeln fremd war, ging ich flotten Schrittes, äußerst beschwingt und heiter im Gemüt.
Nach ungefähr der Hälfte des Weges wurde ich mir jedoch einer ungewohnten Anstrengung bewusst, die mich überraschte; schrieb ich mir doch zu, äußerst gut in Form zu sein. Auch war es meine Manier, mich in eben dieser Form zu halten, indem ich regelmäßig ausgedehnte Spaziergänge zu unternehmen pflegte, die nicht selten in Sport ausarteten, was mir jedoch weder missfiel noch unbeabsichtigt gewesen wäre.
So wunderte ich mich nun, denn das erwähnte Gefühl der Anstrengung wandelte sich schnell schon in eine regelrechte Erschöpfung. Ich begann ernsthaft am guten Zustand meiner Gesundheit zu zweifeln, zog gar eine sich anbahnende Erkältung in Betracht. In den Tageblättern war zu lesen, dass zu dieser Zeit eine heftige Welle von Infektionen umging, die oft nicht glimpflich verlief, wie berichtet wurde. Diesen Gedanken verwarf ich jedoch sofort wieder, war es doch kein Geheimnis, dass zu einem gesunden Körper ein gesunder Geist gehörte, und Zweifel waren die Saat des Verfalls! Sicher lag es daran, dass ich mich in der nächtlichen Bewusstlosigkeit in eine unvorteilhafte Position gebracht, mir den Rücken verdreht oder verspannt hatte. Dies würde sich durch eine aufrechte Haltung und gesunde Bewegung wieder richten, und mit einem optimistischen, weltoffenen Geist sollte auch diese Kleinigkeit mit Würde zu überstehen sein!
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir nach wenigen hundert Metern diese Laschheit und Anstrengungen geboten, den Autobus für den restlichen Weg zu nehmen, der an eben dieser Straße ein oder zwei Haltestellen anfuhr.
Ich gelangte also, zugegebenermaßen etwas außer Kräften und zu spät, an der Stätte meines Tagewerkes an, und zog mich in mein Büro zurück, in welchem ein komfortabler Schreibtischsessel auf mich wartete. In diesen sank ich erschöpft, und musste mich sogleich über das bei meinem Anblick erschreckende Gesicht meiner fleißigen Sekretärin wundern. Diese entschuldigte sich, fragte zögerlich nach meinem Wohlergehen. Nichts, sagte ich, nichts von Belang.
Ich ließ mir einen Kaffee bringen und kam nach einer ungefähren Viertelstunde wieder zu brauchbaren Kräften. So begann ich, meine Unterlagen zu studieren, und wurde durch meine Pflichten, welche ich stets gewissenhaft zu beachten pflegte, von allen Unzulänglichkeiten meines Zustandes abgelenkt, wenngleich sich doch auch diese bereits deutlich abgeschwächt hatten.

Zur Mittagsstunde war es Gepflogenheit, dass sich die höheren Beamten und Verantwortungsträger zu einer vormittäglichen Besprechung trafen, und danach nicht selten ein gemeinsames Mahl einnahmen. Beim Betreten des Konferenzraumes, wurde ich verstärkt eines Phänomens gewahr, welches sich so bereits beim Durchqueren der Betriebsräume bemerkbar gemacht hatte. Die Blicke der mir begegnenden Personen wurden sämtlich und meist während der Begrüßungen von einem Punkt schräg über meinem rechten Auge angezogen, und in der Mimik der Betrachter regte sich etwas, das mir einige Verwirrung bereitete. Ich schimpfte mich insgeheim paranoid, obgleich ich mich des Eindruckes nicht erwehren konnte, in den Gesichtern einen Anflug von Abscheu auszumachen, der im Bruchteile einer Sekunde wieder verflog.
Dies hätte sich wohl leicht als Hirngespinst abtun lassen, wenn es sich einmal ereignet hätte, vielleicht auch zweimal. Nicht mehr jedoch, nachdem die versammelte Belegschaft samt und sonders nach einem Punkt an meinem Kopfe Ausschau hielt, den zu sehen ich weder imstande war, noch in das Zentrum meiner Konzentration zu lenken beabsichtigte.
Ausnahmslos verliefen die Begegnungen gleich, ein Blick in die Augen, ein Händedruck, und während diesem weiteten sich die Augen meines Gegenübers für den kleinsten bemerkbaren Moment; ein kaum merkliches Zurückzucken, auf das wieder die Beherrschung des Ausdrucks folgte, beinahe mit Beschämung bei einigen, so unverhohlen gestarrt zu haben. Mein bestimmtes Auftreten schien jeden Gedanken an einen diesbezüglichen Kommentar zunichte zu machen, sodass es bei dem beschriebenen Verhalten der Anderen blieb.
Was mich aber wahrlich äußerst missmutig stimmte, war die darauf folgende, veränderte Verhaltensweise der gesamten Belegschaft mir gegenüber. Es schien mir beinahe, als würde ich gemieden werden, so es denn nicht unerlässlich war, das Wort an und den Blick auf mich zu richten. Wenn ich dann doch gesehen wurde, meinte ich in den Gesichtern Sorge zu erkennen, und ? Ekel.
Anmerken ließ ich mir beileibe nichts. Das verbot mir schon mein Stolz, jedoch fasste ich den Plan ins Auge, bei der nächstbesten Gelegenheit einen Spiegel aufzusuchen. Ich meinte, die Ereignisse hätten mir einen unterdrückten Zorn zu Kopf steigen lassen, den ich zu verwerfen beabsichtigte. So war es doch meine Art, mich mit Wohlgedanken zu beschäftigen und nicht grämen zu lassen. Schon gar nicht von derartigen Kinkerlitzchen, denn als solches tat ich die Angelegenheit zumindest in Gedanken ab. Allein, das Gefühl des Druckes schien nicht von mir weichen zu wollen.

Jene Gelegenheit ergab sich nun, nachdem alle geschäftlichen Belange besprochen und keinerlei Probleme kundgetan worden waren. Mein Weg führte nicht zum mittäglichen Mahl, unter Anderem auch, da mir der sonst gesunde Appetit an diesem Tage keineswegs zu Eigen war, sondern in die Waschräume, wo ich mein Gesicht einer genauen Betrachtung zu unterziehen gewillt war.
Und was ich sah, ließ mich, der ich doch über einen gefestigten Charakter und durchaus belastbare Nerven verfügte, erschrocken zusammenfahren: Während meine linke Gesichtshälfte wie von äußerster Anstrengung gerötet war, wobei auch diese Röte nun vor Schreck zu großen Teilen verflog, vollzog sich hinlaufend nach der rechten Seite meines Antlitzes ein krasser Farbverlust. Etwa auf Höhe des rechten Auges verlor sich diagonal nach oben jegliche Gesichtsfarbe, hinterließ allein eine Blässe, wie sie einer Leiche zu ihrem grausigen Schreckensanblick gereicht hätte. Doch damit nicht genug, erstreckte sich eine weitere Verfärbung, die sich als blasses Grün äußerte, hin zu meiner Schläfe, auf der ? ich hätte es noch am Morgen nicht erdenken können ? ein schorfiger Auswuchs von der Fläche eines Daumennagels thronte. Dessen Ränder, oh Graus, waren wund und rot gefärbt. Ein derartig von Krankheit zeugendes Ekzem hatte ich zuvor nie sehen müssen und Schreckensgedanken von Siechtum und Verderbnis ereilten mich.
In meiner lähmenden Ohnmacht konnte ich mich des Bewusstwerdens meines Befindens nicht länger erwehren. Bis jetzt hatte ich alles abgetan und mit Beschäftigung und Schönfärbereie überdeckt.
Aber jetzt ereilte es mich nun mit ungezügelter Gewalt und ließ mich in einem Moment des Kräfteverlustes in die Knie gehen.
Als ich mich nun derart im Spiegel sah, im ungeheuren Kontrast zu meinem morgendlichen Optimismus, berief ich mich auf meine Selbstdisziplin, die mich bereits vor vielem Übel und Verdruss hatte bewahren können. Einreden, ich könne meine Arbeit noch vor Ort fortsetzen, wollte ich mir nicht. Ich musste zu einem Arzt, ach was, ins Bett! Ich hatte aus Gründen der Vorsorge ein mannigfaltiges Sortiment an Salben und Medizin angehäuft und wollte verdammt sein, wenn ich der Situation nicht durch beherrschtes Vorgehen hätte Herr werden können.
Daher nahm ich mir also alle noch zu bearbeitenden Unterlagen sowie meinen Mantel, unterrichtete meine Sekretärin und begab mich auf den Weg zurück zu meiner Wohnung. Dieses Mal achtete ich besonders auf den Sitz meines Hutes, er hatte den unerfreulichen Anblick zu verdecken. Nicht, dass ich mich schämte, jedoch war ich nicht gewillt, unschuldige Passanten mit dem Zeugnis der Ungesundheit zu verschrecken, zumal ich darauf angewiesen war, den Heimweg mit dem Bus zurückzulegen.
Ich machte, trotz meiner Schwäche, Halt beim Apotheker, den ich nach Tinkturen oder Salben für Furunkel und Warzen fragte. Wir kannten uns, und er händigte mir anstandslos einige medizinische Mittel aus, mit der Anweisung, damit nicht zu sparen. Nicht, dass ich ihm Näheres erzählt, geschweige denn gezeigt hätte. Allein, es wurde mir langsam sehr eilig damit, mein Ziel zu erreichen.
Denn es hatte eine arge Beschwerde meines Kreislaufes eingesetzt, die ich mir mit dem Erleiden von Stress und dem Versäumnis des Mittagessens erklärte. Außerdem, und dies war es, was mich zu einer wahren Hatz antrieb, bemerkte ich einen wachsenden Druck an der Schläfe, welcher mir, allein schon durch die mich ereilenden, wahngleichen Vorstellungen, eine beachtliche Übelkeit bereitete.

Wenn ich auch der Meinung war, die seltsamen und beunruhigenden Umstände würden mich wohl kaum umbringen; der Aufstieg bis zum siebten Stockwerk über die enge und steile Treppe hätte es beinahe geschafft. Kaum hatte ich die Wohnungstüre hinter mir geschlossen, glitt ich schlaff auf den Boden meines Heimes, wo ich am Ende meiner Kräfte, mit kaltem Schweiß bedeckt und von unsäglichen Anfällen geschüttelt, niedergesunken verweilen musste. Ausgestreckt, flach atmend, verbrachte ich eine ungewisse Zeit auf dem Fußboden, meine Sinne kurzzeitig fern der Wirklichkeit.
Irgendwann, es könnten Stunden oder Minuten vergangen sein, kam ich langsam wieder zu spärlichen Kräften, die es mir erlaubten, mich mühsam zu erheben. Einzig die Wärme meiner Schlafstätte schien mir verlockend, in der Hoffnung, im Schlaf Erbarmen und Erholung zu finden.
Ich entledigte mich, am Rande des Verstandes, meiner Garderobe. Bevor ich jedoch niederfallen und hoffentlich ruhen konnte, geschah eine neuerliche, paradoxe Skurrilität. Ein schmerzhafter Ruck schoss durch meinen Kopf.
Ich hätte schwören können, er habe seinen Ursprung in diesem unsäglichen Fremdkörper an meiner Schläfe. War ich vorher bar des größten Teiles meiner Sinne, so brachte mich ein damit einhergehender, gleißender Schmerz von kürzester Dauer wieder in den Besitz meines Bewusstseins. Womöglich war es der Schreck, der mich wieder auf Trab brachte.
Wie auch immer, nun bemerkte ich, trotz der anhaltenden Übelkeit, einen beißenden Hunger, der brennender kaum hätte sein können. Vielleicht lag hier die Lösung, vielleicht könnte eine ordentliche Mahlzeit mir meine Kräfte wiederbringen, vielleicht - war es einzig und allein durch mangelhafte Nahrungszufuhr so weit mit mir gekommen!
Ich war kaum in der Lage, mir etwas Aufwändiges zuzubereiten, sodass ich damit Vorlieb nahm, mir Brot, Wurst, Käse, Honig und Konfitüre einzuverleiben. Der lodernde Hunger, die Übelkeit, die Entkräftung, das Unverständnis und der Wahnsinn der Umstände, dies alles verleitete mich dazu, mir nicht einmal die Zeit zu nehmen, das Brot ordentlich zu bestreichen, sodass ich alle Dinge in mich hineinschaufelte, das Brot in Brocken zerbrach, es mit fahrigen Bewegungen gierig in den süßen Honig tauchte, es verschlang, die Wurst und den Käse in großen Stücken hinunterwürgte ? Es musste nur schnell gehen.
Ich hielt mich auch nicht damit auf, die angerichtete Unordnung zu beseitigen, sondern schlurfte einem Halbtoten gleich in das kleine Schlafzimmer, wo ich niedersank, mir unbeholfen einiges an Salbe an den Kopf kleisterte, ohne es zu verreiben, und sogleich in einen einem Koma ähnlichen Tiefschlaf versank.

Nach einem tiefen, aber unruhigen Schlaf erwachte ich, in Schweiß gebadet, im Unklaren über meine Situation und von den Nachwirkungen unruhiger Träume gebeutelt. Mit der wiederkehrenden Erinnerung einher ging eine tiefe Scham mir selbst gegenüber, da ich mich, in den bruchstückhaften Erinnerungen, selber am Küchentisch sah, wie ich ohne jeden Anstand und jede Kultiviertheit das Fressverhalten eines Tieres an den Tag gelegt hatte.
Es war eine geraume Zeit von Nöten, um die dämmerige Mattheit der Aufwachphase abzulegen und einen halbwegs klaren Verstand zurück zu gewinnen. Mir drängte sich die Frage nach der Entwicklung des Auswuchses an meinem Kopfe auf, jedoch wagte ich es kaum, daran zu tasten, halb aus Angst vor dem Schmerz, den mir bereits der Druck an der Schläfe als Vorahnung vermittelte, halb aus der Angst, er könne aufbrechen.
Vor meinem geistigen Auge sah ich eitrige Ausflüsse sich aus meinem Kopfe ergießen und sogleich überkam mich ein neuerlicher Anflug von Übelkeit. Was war ich für eine Mimose! Ganz entgegen meiner üblichen Art.
Mir kam eine Rettung verheißende Idee. Wenn ich es schaffte, den Auswuchs aufzudrücken oder anzustechen, so würde dessen Innendruck sinken, und damit der Druck auf meine Schläfe, der mir inzwischen ordentlich zusetzte.
Nachdem ich offenbar bis in den Nachmittag hinein gelegen hatte, war es mir sehr eilig, den Plan in die Tat umzusetzen.
Trotz des langen Schlafens, und vielleicht gerade wegen des langen, matten Herumliegens, fiel es mir ausgesprochen schwer, mich zu erheben, und mit dem Zurückschlagen der Bettdecken bemerkte ich eine deutliche Intensivierung meines Temperaturempfindens. Hatte ich noch eben schwitzend unter der Decke gebrütet, so begann ich nun arg zu frieren.
Mit der Absicht meinen Morgenrock überzuziehen, erhob ich meinen schweren Leib von der Bettkante ... und kam ins Straucheln. Beinahe fiel ich. Ein plötzlicher Schmerz fraß sich von rechts in mein Gehirn; ich sage er fraß sich, denn genau so fühlte es sich an: Als würde sich ein übereifriger Chirurg mit einem Bohrer an mir vergehen. Ich glaube sogar, dass mein Kopf unwillkürlich nach links ruckte und mir so zusätzlich das Gleichgewicht gestohlen wurde.
Ich kämpfte, um nicht zu stürzen, und kämpfte, um die Willenskraft aufzubringen, den Blick in den Spiegel zu wagen. Auch musste ich kämpfen, um die vielfältigen Schreckensvisionen, welche mir in das Bewusstsein drängten, abzuwehren. Ich wollte mir nicht ausmalen, welche neuerlichen Veränderungen sich vollzogen haben mochten und was die Vorgänge zu bedeuten hatten.

Mein Herz drohte stillzustehen. Ich starrte in das Antlitz eines Toten! Wie ein Untoter beim Anblick des leibhaftigen Schnitters stand ich vor dem Spiegel. Jegliche Farbe war meinem Gesichte entzogen worden. Entzogen von der golfballgroßen Beule an meiner rechten Seite: Wund und schorfig, eitrig und blutig an den Rändern, saß sie an meinem Kopf.
Mein hängender, leicht nach links geneigter, blasser Kopf, meine gebeugte Haltung, die dunklen Augenringe, und dann das verdammte Ding obendrauf ?! Das Ding selbst war von verschiedensten Rottönen geprägt, während an den Rändern grüne und blaue Verfärbungen vorherrschten ?
Es war nicht mehr zu retten, keine Salbe versprach mir noch Hoffnung. Ein Arzt musste her, ein Fachmann, ein ... Nein! Es könnte zu spät sein, ging doch just eine heftige Grippewelle um, die jedem Arzt den Terminkalender füllte, und die bereits von Altersschwachen und Kranken oder besonders jungen Befallenen den Tod gefordert hatte.
Ich musste mir selbst helfen, oder ich war verloren. Wer hätte wissen können, dass das, was auch immer sich dort nach außen vergrößerte, nicht auch in Richtung meines Gehirnes wucherte? Wäre dies eine besonders aggressive und neue Form eines Tumors, der mit solch rasender Geschwindigkeit wuchs - in diesem Falle war ich ohnehin schon des Todes.
Mein Blick wanderte umher und fiel auf das Rasiermesser. Mir wurde schwindelig bei dieser Vorstellung; doch jeder Versuch wäre besser als das schiere Nichtstun.
So setzte ich nun die Klinge, die schärfer kaum sein konnte, am Rand der Beule an. Es dürfte nicht sonerlich wehtun, war gerade mein Gedanke, als mich der Schmerz mit der Wucht eines Blitzschlages durchfuhr und gleichzeitig ein helles Gleißen meine Sicht trübte.


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