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Aus dem Buch: GRM Brainfuck
 
Das Jahrtausend
Begann lausig.
Es gab keinen Computerbug.
Es gab keine verdammte Katastrophe.

Dabei hatten sich die Bewohner der westlichen Welt darauf gefreut, dass nach den unendlich öden 90er Jahren endlich etwas passieren würde. Etwas, das nicht mit einer Finanzkrise zu tun hätte, die nur für Investmentbanker eine Aufregung bereitstellte, auf den letzten Metern vor dem Aufprall ihrer fitten Körper auf dem Asphalt. Wird mein enorm fitter Körper ebenso auf dem Pflaster zerplatzen wie ein weißer, dicker, untrainierter Verliererleib? Oder wird er abprallen, in die Luft federn?

Das frische Jahrtausend hatte eine Überschrift. Sie hieß. ADHS. Kursiv darunter stand: Wir ordnen den Scheiß jetzt neu.
Es war die Zeit, in der Facebook groß wurde. In der viele ältere Leute dachten, das Internet bestünde nur aus dieser Idiotenplattform.
Es war die Zeit der massenhaften Falschmeldungsverbreitung, der Massenmanipulation. Die Menschen wurden unglaublich schnell süchtig nach den Likes ihrer Unbekannten. Die Jugendlichen wurden noch schneller abhängig von einer Erregung, die aus der Mischung von Mobbing, Gewalt, Sex und Bullshit entstand.
Es war die Zeit, in der zur realen Grausamkeit der Menschen noch die virtuelle hinzugefügt wurde.
In der die Sehnsucht nach Verständnis zu einer Wut der Unwissenden wurde.
Nie gab es so viele durch das Netz befeuerte Verschwörungstheorien. Der Vatikan, die Koch-Brüder, die Hayek-Gesellschaft, der Club of Rome, die Reptiloiden, die fache Erde - mit der täglich immer komplizierter scheinenden Weltlage wuchs der Wunsch der Bevölkerung nach einem Donnergott.
Es war die Zeit vor irgendwas.
Es ist ja immer die Zeit vor irgendwas.
Später also, nachdem das neue Jahrtausend sich ein wenig warmgelaufen hatte, gab es dann doch ein kollektives Ereignis, das die Menschen in einer Erregung vereinte: Ein Flugzeug flog ins Pentagon und hinterließ ein Loch im Gebäude, das wirkte so, als hätte jemand mit der nassen Hand einen Tunnel in eine Sandburg gegraben. Zwei andere Flugzeuge landeten in Hochhäusern. Die Hochhäuser fielen in sich zusammen, und schon wieder sprangen Menschen aus den Fenstern.
Es war das Jahrtausend, in dem der Zweifel über die Weltbevölkerung kam. Und es normal wurde, dem Staat und den Geheimdiensten, der Presse und den Brillenträgern, dem Wetter, den Büchern, den Impfungen, den Wissenschaftlern und den Frauen zu misstrauen.
Das neue Jahrtausend brachte den Menschen, die das Glück hatten, frisch geboren worden zu sein, eine Reihe unschlagbarer Vorteile. Weltweit ging es der Bevölkerung besser. Hieß es. Sie lebten länger, zufriedener, die Bildung nahm zu, die Säuglinge überlebten das Säuglingsstadium. Die Märkte hatten es gerichtet. Prost auf die Märkte.
Es gab ein paar Verlierer. Sie hatten entweder Pech gehabt oder sich nicht hinreichend um Erfolg bemüht. Jeder konnte aus seinem Leben etwas machen. Wenn er nur wollte. Großartig.
Man gewann fossile Brennstoffe. Mit hydraulischer Fraktuierung wurde der Meeresboden von Erdgas und -öl befreit. Stuxnet - der Computervirus - verlangsamte das iranische Atomprogramm. Blockchain, das die Banken überflüssig machen würde, war erfunden. Die E-Bombe dito. Die Welt sortierte sich neu, der Westen kämpfte um den Erhalt seiner Wichtigkeit. Im Osten schlossen sich China, Russland, Japan und Korea zusammen, um die Märkte neu zu interpretieren.
Die Sprachkommunikation mit Computern wurde eingeführt. AI war noch kein populäres Thema. Die Menschen hatten Handys. Sie fotografierten sich. Sie hatten zu tun. Unentwegt.

Das ist die Geschichte von

Don
Gefährderpotenzial: hoch
Ethnie: unklare Schattierung von nicht-weiß Interessen: Grime, Karate, Süßigkeiten Sexualität: homosexuell, vermutlich Soziales Verhalten: unsozial
Familienverhältnisse: 1 Bruder, 1 Mutter, Vater - ab und zu, aber eher nicht

Sie beginnt in Rochdale.
Fucking Rochdale. Ein Ort, den man ausstopfen und als Warnung vor unmotivierter Bautätigkeit in ein Museum stellen müsste. Messingschild: "So leben Menschen im neuen Jahrtausend, wenn sie sich nicht an die Gegebenheiten der Märkte anpassen."
Ein Sammelbecken für die Unnützen. Ein Pool nichtgenmodifizierten Ausschusses.
Also Rochdale. Ein kleines Kaff in der Nähe von Manchester. Bekannt für sein konstantes Wetter. Also schlecht. Rochdale war laut den Berechnungen bereits im fünften Jahr die deprimierendste Stadt des Königreiches. Stadtgewordene Gehirnschäden sind absolut nicht konsumfördernd, und also befand sich die Stadt im Todeskampf.

Seit Jahrzehnten. Wie Tausende Städte des Westens, die sich alle ähnelten: Backsteinhäuser, durchgeweichte Straßen und ein Kino, geschlossene Postämter, geschlossene Supermärkte. Das Zeug braucht man nicht mehr, denn es ist die Zeit des Internets. In dem man jeden Film streamen kann. Alle notwendigen Lebensmittel, sprich Margarine und Weißbrot, kaufen kann. Die Pappkartons werden in die Häuser geliefert. Die Insassen hätten aber auch genauso gut Tapete mit Salz bestreuen und verzehren können.
Rochdale war in den überschaubaren Zirkeln Objektophiler berühmt für die sieben Hochhäuser. Mithin sah man sie verstohlen um die Sozialbauten streichen und hektisch die blätternde Fassade lecken. In den Seven Sisters, so ihre inoffizielle Bezeichnung, war jede Woche etwas los. Was meist mit dem Ableben eines Menschen zu tun hatte. Don beneidete die Menschen, die dort leben durften. Sie hatten das interessantere Leben. Interessanter als das ihre, das in einer ganz normalen Sozialsiedlung ein paar Minuten entfernt stattfand. In den Seven Sisters wurde im großen Stil mit Drogen gehandelt, da erschlugen sich Familienmitglieder, und immer wieder sprangen oder - sagen wir - glitten Menschen aus einem der oberen Stockwerke in die Tiefe. Don hatte damals noch keine Toten gesehen und war überzeugt, dass der Anblick ihr ein großes Geheimnis offenbaren würde. Vielleicht würde er noch einmal die Augen öffnen, der Tote, und im Stil einer BBC-Reporterin mit Helmfrisur fragen:

"Und, wie ist das so für einen jungen Menschen" - innehalten und nachdenken, ob das Substantiv zutreffend ist –, "in dieser Stadt aufzuwachsen?" Don würde so tun, als dächte sie nach, und dann sagen: "Wissen Sie, jeder hält doch das Leben, in dem er sich aufhält, für normal. Man kennt kein anderes. Ich wurde hier geboren und habe die Stadt in ihrer Schäbigkeit nie hinterfragt. Sie ist da, wie das schlechte Wetter, wie die langweiligen Schulferien, ich habe nicht darüber nachgedacht, dass es andere Orte gibt. Oder sagen wir so. Ich weiß, dass im Netz behauptet wird, es gäbe sie."
Der Tote würde kurz insistieren: "Ist Ihre Ausdrucksweise wirklich kindgerecht?", bevor er weiter tot sein würde.
Don war nicht mehr Wurmfortsatz ihrer Eltern, sondern ein selbständiger Mensch. Sie hatte keine Angst mehr, wenn ihre Mutter nicht anwesend war, suchte deren Gesicht nicht mehr nach Anzeichen des Unmutes ab, sie fragte sich nicht mehr, wie sie ihre Mutter endlich glücklich machen könnte. Kurz gesagt, fragte Don sich nicht mehr, welche Anstrengungen sie unternehmen könnte, damit sie endlich geliebt würde. Es ging Don besser ohne diese komplette emotionale Abhängigkeit.
Wäre sie älter und von ihrer Wichtigkeit erfüllt, würde sie Dinge murmeln wie: "Ich kann sehr gut mit mir alleine sein." Es fragte sie nur keiner, denn Don war so jung, dass Erwachsene sie nicht als Menschen betrachteten. Dabei war alles schon vorhanden. Die Gefühle, die Gedanken, die Einsamkeit. Es gab nur noch keine vertrauten Fächer, um die Gefühle ordentlich zu sortieren.
Don empfand die ersten Jahre ihres Lebens nicht als schrecklich. Vielleicht ein wenig bleiern, ohne dass sie damals das Wort dafür gekannt hätte. Vielleicht ein wenig öde und ruhelos, wie es normal ist in der Zeit, in der Kindheit zu Jugend wird, in der man ahnt, dass sich etwas ändern wird, aber nicht weiß, was. Don
Hatte Musik.
Scheinbar nur für sie war Grime erfunden worden. Don wusste nicht, von wem, auch nicht, aus welchen Bestandteilen - das war Diskussionsstoff für junge Männer, die sich mit Fachbegriffen eine Aura von Unbesiegbarkeit verleihen konnten –,
Don wusste nur, dass die Musik so klang, wie sie sich gerne fühlen würde. Wütend und gefährlich. Die Stars hatten die besten Turnschuhe, Ketten und Autos. Sie hatten es geschafft. Sie waren Helden.
Grime lief im Viertel den ganzen Tag. Als Musik zum Lebensgefühl. Wobei Kinder nicht von einem Lebensgefühl reden würden - es war ihr Leben. Wenn man erwachsen war, betäubte man aufkommende Gefühle mit Drogen, wenn man jung war, hörte man Musik. Und betäubte sich im Anschluss mit Drogen. Grime war wütende Drecksmusik für Kinder in einem Drecksleben. Don hörte Grime im Bett, im Bad oder draußen. Dem tollen Draußen.
Also –
Vor dem Fenster eine Laterne, Regen oder etwas Ähnliches, vermutlich waren nur die Fenster schmutzig. Die Wohnung befand sich im Erdgeschoss und im ersten Stock. Man konnte das Ganze, wenn man bescheuert war, als Townhouse bezeichnen.
Als sehr, sehr kleines, schäbiges Townhouse. Das Ding bestand aus zwei kleinen Zimmern mit Blick auf den betonierten Sitzplatz und einen Metallzaun. Irgendwann beim Fernsehen war Don aufgefallen, dass etwas in all den Filmen aus dem Ausland fehlte: Metallzäune. Die gab es in der manischen Häufigkeit nur in England. Alle paar Meter. Rot, grün, blau, egal, Hauptsache Zaun, Hauptsache Metall. Jeder Scheiß wurde damit vom Leben abgetrennt - Schulen, Parks, Kindergärten, Feuermelder. Unklar, ob sie dem Bürger Sicherheit geben sollten, ein Gefühl der Heimat inmitten unruhiger Zeiten, oder ob sie einfach nur rumstanden, als Farbakzent im Grau. Don jedenfalls wünschte sich einen Zaun um ihr Bett, der ihren Bruder fernhielt. Dem sie nicht besonders nahestand.
Hinter dem Zaun, draußen, befand sich ein Weg, über den sich die anderen Bewohner des Blocks, einen Meter von ihrem Fenster entfernt, immer mit einem imaginären Rollator bewegten. Es war relativ dunkel und in befremdlicher Art feucht, aber das merkte Don damals nicht. Dass es immer zog, schien ihr normal. Ihre Mutter war noch einigermaßen in Schuss, sie tat ihr Bestes, um Familie zu spielen, aber es wirkte unbeholfen, als wollte sie ein Puppenhaus aus Schlamm bauen.
Dass alles schlimmer werden könnte, war damals noch keine Option. Keine Option für ein Kind, denn die Angst vor der Zukunft ist ein Hobby der Alten, die ohnehin keine Zukunft mehr haben. Damals war Dons Welt in Ordnung, bis auf den Umstand, dass sie keinen Zaun um ihr Bett besaß, oder noch besser: einen Kellerraum, in den sie ihren Bruder hätte sperren können. Der Bruder wimmerte. Vermutlich pinkelte er wieder ins Bett. Fast meinte Don,
Den Urin aus ihm laufen zu hören und

Don war - Aufgebracht.
Viele schafften das nicht mehr. So eine gute Wut zu erzeugen. Die meisten Älteren, die in Dons Stadt abhingen, waren betäubt und müde und hockten in den Ecken und hatten kaum mehr die Energie, den Kopf zu heben. Ab und zu wurden sie gefüttert, aber. Das vertrug ihr Magen nicht mehr, diese feste Nahrung in einem aufgelösten Dasein, dann übergaben die Menschen sich, die zu unentschlossen waren, um ihren Kopf aus dem Erbrochenen zu heben im Anschluss. Die meisten, denen Don begegnete, waren alt. Was jetzt kein Kunststück war, mit sieben - oder fast sieben. Oder fast acht, aber natürlich älter aussehend. Oder sich fühlend, als ob man älter aussähe. Dons Haare wuchsen senkrecht nach oben. Ihre Augen waren schräg und dunkel, und Don war klein, selbst für eine fast Sieben- oder Achtjährige. Sie war klein und wütend. Dons Wut war so präsent in ihrem Tagesablauf, dass sie nicht sagen würde: "Mann, was bin ich wütend heute." Sie kannte keinen anderen Zustand. Sie war wütend seit ihrer Geburt. Oder von dem Tag an, an den sie sich erinnern konnte. Sie hasste die Welt, in der sie leben musste. Die ein paar Quadratmeter groß war.
Sie hasste diese Welt und war nicht mit ihr befreundet. Sie hatte nicht einmal eine Beziehung zu ihr oder dem Platz, der ihr per Geburt zustand, mit dem für sie vorgesehenen Lebenslauf, der zuerst eine schlechte Schulbildung bereithielt. Falls sie die überlebte und nicht aus Versehen in eine Messerstecherei geriet, würde der Versuch, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, folgen.

Keine Lehrstelle bekommen, auf Ämtern sitzen und Sozialhilfe beantragen, keine Sozialhilfe bekommen, weil irgendein Papier fehlt; ihre Mutter erhängt zu Hause vorfinden, die Wohnung verlieren, in eine Art Junge-Frauen-Heim kommen, schwanger werden von irgendwem, verprügelt werden, weil sie schwanger geworden ist, das Kind zur Adoption freigeben, oder auch nicht, es ist egal. Sie würde auf eine Wohnung in einem Sozialbau warten, dann wohl anfangen zu saufen und Crack zu rauchen und Fernsehen zu schauen, Menschen beim Pseudoleben, beim Leben, wie es gedacht war, betrachten. Hellhäutige Personen, die in Gärten Tee tranken und ehrliche Arbeit mit ihren unglaublich zupackenden Händen ausübten. Sie verliebten sich, die Leute im Fernsehen. Und dann passierte: fucking Geigen-Musik.
In Dons Welt verliebte sich keiner. Die Menschen in ihrer Stadt hassten sich oder klammerten sich aneinander, wegen der Panik, die alle spürten, und keiner wusste zu sagen, woher sie kam, diese Aufgebrachtheit. Sie hatten doch Wohnungen. Meistens. Sie hatten doch Essen. Eine Art von Essen.
Don las viel, verstand wenig, und doch so viel mehr, als Erwachsene einem sogenannten Kind zutrauten.
Don fühlte: Wut.
Das ist euer Ernst? Dieser Haufen Dreck, den ihr hier lieblos hingeschmissen habt? "Pass auf! Das ist übrig. Nicht toll, aber es ist deins. Das ist die Erde, die wir leer gefressen haben, das ist dein Viertel, deine Stadt, die diente dazu, Arbeiter unterzubringen, damit sie schnell irgendwelchen Mist herstellen können, den es nicht mehr braucht. Hörst du? Es benötigt die Menschen in deiner Stadt zu nichts, außer um rechtsnationale Idioten zu wählen, die immer eine Antwort auf die Frage nach der Schuld haben."
Wenn der Mensch weiß, wer schuld ist, geht es ihm besser, dann ist eine göttliche Gerechtigkeit wiederhergestellt. Und es gibt ein Ziel für Dons Hass. In ihrer Stadt hasste man den Fremden. Punkt. Dons Stadt, die sie nie verlassen würde, in der sie ihr Leben herumbringen konnte. Es zu Ende bringen, eigentlich war es schon vorbei, ehe es angefangen hatte, denn sie war am falschen Ort geboren. Von falschen Eltern, und außerdem war das Wetter mies. Hatte sie einer gefragt? Hatte sie irgendeiner gebeten, an dieser Veranstaltung teilzunehmen, nach Regeln, die nicht ihre waren? Welche Menschenpflicht erfüllten sie mit ihrem Aufenthalt und ihren Ausscheidungen zwischen acht Milliarden - oder wenn der Gedanke fertig war, waren es vielleicht schon neun –, die hier herumkrochen und schauten, ob sie noch irgendeinen Vorteil aus irgendetwas ziehen konnten. Die alle etwas - wollten. Das Leben war ein Geschenk.
Eingestickt auf pinkfarbenen Wandteppichen hing dieser unglaublich dumme Spruch in den feuchten Küchen der Slumbewohner. Was war, wenn man es ablehnte? Wenn man dieses Geschenk in der Form, die für einen vorgesehen war, einfach nicht besonders interessant fand? Aus seinem Umfeld entkam keiner mehr durch Arbeit. Die es nicht mehr gab.
In andere Lebensbedingungen gelangte man nicht mehr, dafür war kein Platz vorgesehen in einer Welt, in der wenige Menschen darauf bedacht waren, sich viele Menschen fernzuhalten.
"Warum habt ihr das gemacht?" Will man die Alten fragen. "Warum erzeugt ihr Kinder, die ihr dann hasst, weil sie laut sind, weil sie Verlierer sind - vom ersten Moment, und weil ihr euch seht, eure miese Kindheit seht, in ihnen, weil ihr wisst, dass ihr es versauen werdet, wie eure Eltern und deren Eltern durch eure Weitergabe von Chancenlosigkeit.
Wozu? Lasst ihr die Kinder in ihrem Urin vor dem Bett hocken, in dem ihr besoffen liegt oder mit irgendjemandem fickt? Ihr geilt euch an den kleinen Knochen auf, die so leicht brechen, und an dem Gefühl, endlich einmal Macht zu haben über jemanden, der Angst vor euch hat, und dann seht ihr die Kinder an, glasig, und hasst sie in ihrer Bedürftigkeit, die eurer so ähnlich ist. Euch wird ja auch nicht geholfen, von keinem.
Da ist eine Genugtuung in euren matten Hirnen, wenn ihr eure Kinder quält, oder? Jetzt zeigt ihr’s denen richtig. Denen da oben. Die euch ausgelagert haben, weg von den Zentren, durch die sie in eleganten Elektromobilen fahren und von einer blühenden Zukunft reden.
Ihr könntet streiken, aber wozu, wenn ihr nichts leistet. Interessiert keinen. Ihr könntet einen bewaffneten Widerstand beginnen, aber - ihr habt keine Kraft mehr. Und keine Waffen. Und keine Idee, auf wen ihr sie richten sollt. Also bleibt ihr liegen. Mit dem Gesicht in eurem Erbrochenen.
Warum laufen diese Männer da draußen immer noch frei herum, die noch nicht einmal Väter sein wollen, sondern nur auftauchen, um zu ficken oder die Frauen zu schlagen, totzuschlagen, ehe sie dumpf in der Ecke kleben bleiben und sagen: Das habe ich doch nicht gewollt. Ihr habt das alles nicht gewollt? Das ist einfach so passiert, dass es da draußen stinkt und immerzu regnet. Und dass man vom ersten Moment an Angst vor allen anderen haben muss, weil man diesen sogenannten Überlebensinstinkt hat. Das hält doch keiner aus."
Don hielt das nicht aus. Und
Weigerte sich, ihren vorgesehenen Platz als Abschaum einzunehmen.
Und
Wartete nicht mehr auf Liebe,
Wartete nicht darauf, dass da so etwas wie eine Zukunft vor der Haustür wuchs. Da würde nichts mehr wachsen, da war Wüste, von den Alten hinterlassen, mit diesen sogenannten Lebensbedingungen. Und ja verdammt, Don war passiv-aggressiv, sie war weiblich, die konnten das nicht besser. Sollte sie sich fucking Testosteron spritzen, um nur noch wütender zu sein, sollte sie sich Hormone reinjagen, um zu glauben, sie sei klüger, als sie war, und dass sie die Welt beherrschte?
Leute wie sie wurden früher in Zoos ausgestellt. Fiel ihr unzusammenhängend ein.
Wenn Menschen die Gelegenheit bekommen, andere zu quälen, werden sie es tun. Wenn sie die Gelegenheit bekommen, dem anderen etwas wegzunehmen, werden sie es tun, dieser Mechanismus, oder nenn es: diese Instinkte.

Die sie agieren lassen, ohne zu denken, die sie losmarschieren lassen und alles ausrotten, was sich ihnen in den Weg stellt -
Don hasste die Dummheit, die Brutalität, die Verschlagenheit und Falschheit, den Geruch, die unbehaarten, schwitzenden Körper und die feuchten Finger, die alles auf Verwertbarkeit abtasten.
"Ihr wollt Krieg, ihr bekommt Krieg." Sagte Don. Zu sich …


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