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Aus dem Buch: Auf magischen Pfaden
 
Auf den Zauberpfaden
Ulrik van Doorn

Thalia, die rotmähnige Amazonenkriegerin, begab sich neben die Elfe Dorell, deren blasses, ebenmäßiges Gesicht, von pechschwarzen Haaren umrahmt wurde. Thwindor, der junge Zauberer und Thalias Sohn, kletterte gerade durch die Klappe im Boden in die Kammer des Turms.
"Was nun?", flüsterte Thwindor und schaute sich suchend um. Sein Blick glitt zu Dorell und er hob fragend die Schultern. "Wo, bei Thor, soll denn hier ein Eingang zu den Zauberpfaden versteckt sein?"
Die Elfe zögerte nicht. Zielstrebig ging sie auf eines der hohen Fenster zu, die nach Süden gingen. Diese Fenster waren zum Schutz vor dem Meereswind mit hölzernen Läden verschlossen und zusätzlich noch unter schweren Vorhängen verborgen. Dorell schob die Vorhänge beiseite und öffnete die Läden.
Zunächst konnte Thwindor zu seiner Enttäuschung nichts Ungewöhnliches entdecken. Dann wurde ihm plötzlich bewusst, dass am hier Firmament, im Gegensatz zum Nachthimmel vor dem Turm, kein einziger Stern zu sehen war. Nun konnte er es auch spüren: Dort, hinter diesem Fenster, lag etwas Unnatürliches und Gefährliches. Sein ganzer Körper vibrierte vor Spannung.
Dorell wandte sich zu ihnen um. Ihre Augen leuchteten in strahlenden gelb-goldenen Farben. Ehrfurcht erfüllte den jungen Zauberer. Thalia straffte sich, reckte erwartungsvoll das Kinn vor und fasste ihr Schwert fester.
"Seid ihr bereit?", fragte die Elfe. "Wir werden jetzt Thwindor und Ralla folgen. Denkt daran, dass Lyxon, der Weltentod, sie in die Falle gelockt hat. Er wird versuchen auch uns an unserer Mission zu hindern. Bleibt zusammen! Wendet euren Blick nicht zurück! Bleibt auf jeden Fall auf dem Pfad! Weicht ihr ab, so seid ihr verloren! Vertraut auf unsere Göttin!" Dorell murmelte eine kurze Zauberformel und legte ihre Rechte an den Fensterrahmen.
Heftige Winde, wie von einem Sturm, fegten in den Raum und zerrten an ihnen. Dorell sprang auf den Sims. Ihre Haare wehten, wie ein schwarzes Banner, um ihren Kopf. Hinter ihr konnte Thwindor plötzlich nur eine erschreckend graue Düsternis erkennen.
"Kommt! Schnell!", forderte die Elfe sie auf und hüpfte vom Fensterbrett hinunter.
Thalia zog grimmig ihr Schwert, nickte Thwindor kurz zu und folgte ihr. Der junge Zauberer schloss kurz die Augen, unterdrückte das Zittern seiner Knie und sprang ebenfalls hinterher.
"Ralla, ich komme!", rief er, während er sich abstieß.
Sie landeten weniger hart, als es ihr Absprung hatte befürchten lassen. Thwindor aber hatte zu viel Schwung, kam ins Stolpern und rollte sich über seine Schulter ab. Auf einem deutlich sichtbaren Pfad, aus blassweißen, einheitlich runden Kieseln, der hinter ihnen im Nichts verschwand, blieb er staunend liegen.
Ein unnatürliches Zwielicht erhellte diese Welt. Eine nebelverhangene Wüste, überspannt von einem bleigrauen Himmel, erstreckte sich schier endlos in alle Richtungen. Vom Fenster im Turm war keine Spur mehr zu sehen. Die Luft roch alt und staubig. Kein Laut, außer ihren eigenen, nervösen Atemzügen, drang an ihre Ohren. Thwindor rappelte sich hoch und zog mit großen Augen den Mantel enger.
"Wo, bei Crams unglaublichen Zaubereien, sind wir hier?", wollte er wissen.
"Wir sind jetzt zwischen den Welten. Bleibt zusammen", sagte Dorell finster und schob Thwindor zu seiner Mutter.
Sie schritten auf dem Pfad vorwärts. Die Amazone hatte die Augen zu Schlitzen verengt.
Misstrauisch musterte sie die Umgebung.
"Lebt hier ... etwas? Ich fühle mich beobachtet."
"Ghole." Dorells Stimme war nicht mehr als ein Flüstern. "Weder tot noch lebendig sind jene, die in der Zwischenwelt gestrandet sind. Sie sind verdammt, auf ewig zwischen den Welten umherzuirren. Und sie nähren sich von eurer Lebensenergie. Kommt ihnen nicht zu nahe und bleibt auf dem Pfad. Sie werden versuchen, euch in die Irre zu leiten."
"Wie?", fragte Thwindor. Das Thema interessierte ihn. Sein Vater hatte ihm einmal von Gholen erzählt, die im tiefsten Keller vom Zaubererpalast hausen sollten.
"Ich weiß nicht", fuhr die Elfe ehrlich fort. "Bedenkt, dass auch ich zum ersten Mal auf den Zauberpfaden reise. Alles, was ich weiß, habe ich aus den alten Schriften und den Berichten der alten Weisen."
Auf Thalias Stirn erschien eine senkrechte Falte, die immer dann zu sehen war, wenn sie sehr zornig war, wie Thwindor aus Erfahrung wusste. "Ihr führt uns nach Überlieferungen? Das hättet Ihr uns vorher sagen müssen! Jetzt sitzen wir hier in dieser ... " Sie deutete mit dem Schwert in das Nichts neben dem Pfad, wobei ihr zur Beschreibung die Worte fehlten.
"Ich bin überzeugt, dass Ihr trotzdem mitgekommen wäret. Es geht schließlich um Euren Gefährten", beendete Dorell die Diskussion. "Ich schlage vor, dass wir jetzt weitergehen. Die Zeit rinnt uns durch die Finger."
In der Zwischenwelt war die Zeit nicht messbar, sofern sie hier überhaupt existierte. Das graue Zwielicht, das sie umgab, veränderte sich nicht und zerrte an ihrem Gemüt. Anfangs versuchte Thwindor seine Schritte zu zählen, doch er verhaspelte sich mehrmals, bis er es schließlich aufgab.
Seine Begleiterinnen schwiegen und beobachteten die Düsternis zu beiden Seiten des Weges aufmerksam und angespannt. Die Schwerter steckten mittlerweile zwar wieder in den Scheiden, doch waren sie gelockert, so dass sie jederzeit schnell gezogen werden konnten.
Sie wussten nicht, wie viele Striche vergangen waren, seit sie das Fenster im Turm der Königin durchschritten hatten. Der Hunger zwang sie zu rasten. Da sich der Pfad nicht veränderte und, soweit sichtbar, endlos geradeaus führte, setzen sie sich einfach auf die Kiesel und holten ihren Proviant aus den Rucksäcken.
"Wer hat die Zauberpfade eigentlich angelegt?", fragte Thwindor neugierig und um sich abzulenken. Manchmal hatte er das Gefühl, als bewege sich etwas jenseits des Weges, aber wenn er genauer hinsah, war dort nichts als graues Zwielicht.
"Die Götter ... noch vor der Weltenschlacht, um schnell von einer Welt in die andere zu gelangen", antwortete Dorell, während sie lustlos an einem Zwieback knabberte. "Die Pfade sind alt - älter als unsere Welt."
Thwindor erschauerte. "Könnte man mit ihnen auch einen Weg nach Hcholtlo finden? Zum Sitz der Götter?"
Thalia hob ihren Kopf. Dorell warf Thwindor einen undefinierbaren Blick zu.
"Sei auf der Hut, Thwindor. Die Pfade sind leicht zu manipulieren - von jenen, die wissen wie", antwortete sie warnend. "Wenn die Götter wollen, dass du sie triffst, so werden sie dafür sorgen, dass es geschieht. Wenn nicht, führen dich diese Wege überall hin, und schlimmstenfalls an Orte, von denen es kein Entrinnen mehr gibt."
Thwindor wirkte nachdenklich. "Vater hat uns nie von diesen merkwürdigen Wegen erzählt", sinnierte er. "Er hat gesagt, dass er immer nur an einen Ort gedacht hat, und das Buch der Zauberer hat ihn hingebracht."
"Das ist schwer zu erklären", gab Dorell zu. Sie schwieg eine Weile, wohl um ihre Worte mit Bedacht zu wählen. Als sie fortfuhr leuchteten ihre Augen wieder. "Es liegt daran, dass Ghwindor das Tor bei sich trägt. Verstehst du? Das Buch ist das Tor. Es macht die Pfade. Es ist mir unbekannt, mit welchem Zauber den Magicore dieses Kunststück gelungen ist. Dieser Pfad ist eigentlich nie von Ghwindor betreten worden, weil er das Tor in dem Takt, in dem er es öffnete, schon wieder verließ. Er markiert nur den Weg zwischen dem Einstieg und dem Ausstieg."
Thwindor blies Luft in seine Wangen und stieß sie geräuschvoll wieder aus. In solchen Momenten begriff er, an welchem Grad des magischen Wissens er sich eigentlich befand. Es gab noch so viel, was er nicht wusste, was er noch lernen konnte. Er drehte seinen Stab zwischen den Händen. Vielleicht war er doch noch nicht würdig ihn zu tragen. Vielleicht hatte sein Vater sich getäuscht.
Das Höllengeschöpf kam aus dem Nichts. Es tauchte von einem Moment zum anderen neben dem Weg auf und sprang brüllend und knurrend mitten zwischen sie. Ein Tatzenhieb schleuderte Dorell zu Boden.
Erschrocken sprangen Thwindor und Thalia auf und brachten sich vor dem Angreifer in Sicherheit. Noch im Aufstehen zogen sie mit fast unsichtbaren Bewegungen ihre Schwerter.
"Bei Chritilia und allen Göttern!", rief Thalia aus.
Das Wesen war so groß, wie ein ausgewachsener Stier und besaß auch gebogene Hörner, die spitz wie Dolche aussahen. Ansonsten ähnelte es eher einem überdimensionalen Hund mit einer großen Schnauze voller gefährlicher Reißzähne. Rauch quoll zwischen den Lefzen hervor und Flammen tanzten in den Augen des Monsters. Er knurrte und sein Bellen war so laut, dass die Luft vibrierte.
Das Monster sprang Thalia an und drängte sie nach hinten. Die Amazone stieß mit dem Schwert zu, doch ihr Gegner wich geschickt aus und schlug ihr mit einer seiner Tatzen gegen die Brust. Alle Luft wurde ihr aus den Lungen getrieben und sie taumelte noch weiter rückwärts. Aber durch die jahrelange Erfahrung aus unzähligen Kämpfen fing sich die Amazone schnell.
Thalia ließ den Gegner an ihr vorbeischnappen und schlug erneut auf das Monster ein. Ihr Schwert zog einen blutigen Schnitt über die rechte Hinterhand des Untiers. Der Hund wirbelte brüllend herum, tatzte nach der Amazone, doch Thalia wich dem Hieb mit einer geschickten Drehung aus. Ihr Schwert stieß vor, wie eine Schlange und drang dem Monster in die Seite. Aus den Augenwinkeln, sah Thalia noch, wie Dorell sich gerade wieder aufrappelte. Thwindor stand neben dem Hund, hatte Stab und Schwert erhoben und richtete kreidebleich seine Waffen auf den riesigen Gegner.
"Du hast dir die Falsche ausgesucht!", schrie die Amazone und wollte sich auf den Hund stürzen, als sie hinter sich eine Stimme hörte: "Thalia! Hilfe!" Thalias Kopf ruckte herum. Bei Thrors Axt, sie kannte diese Stimme!
Dort lag Ghwindor! Sie hatten ihn gefunden! Aber seine Arme und Beine waren mit Ketten gebunden. Seine Kutte hing ihm in Fetzen vom Körper und er hatte überall Blessuren und blaue Flecke.
Sein Blick war voller Qual. "Thalia! Ich bin so froh, dass du gekommen bist! Bitte, hilf mir!"
"Ghwindor!" Die Amazone hatte jetzt nur noch Augen für den Zauberer. Sie stürzte auf ihn zu. Dorell rief eine Warnung, die sie jedoch ignorierte. Verdammte Elfe! Sollte sie Ghwindor dort seinem Schicksal überlassen? Deswegen waren sie doch erst losgezogen. Was sollte denn passieren? Er lag doch direkt neben dem Pfad. Sie streckte ihre Hand nach ihm aus ...
Im gleichen Moment, als Thalia den Pfad verließ ruckten die Ketten, an denen Ghwindor hing, und der Zauberer wurde ein Stück in die Düsternis hineingezogen.
"Thaliaaaa! Hilfeeee!", schrie er voller Pein.
Sie setzte ihm nach. "Ghwindor!", schrie sie. "Ghwindor!"
Siebenmal verflucht! Je schneller sie rannte, desto schneller wurde Ghwindor weggezogen. Sie konnte sehen, wie er sich verzweifelt gegen die Ketten stemmte, doch er kam nicht frei. Während Thalia immer weiter in die Düsternis hinein rannte, wurde sein Schreien schwächer und schwächer, bis Ghwindor ganz verschwunden war und sie seine Stimme nur noch als fernes Echo und von allen Seiten hallend vernehmen konnte.
Keuchend blieb Thalia stehen. Unter ihrer Rüstung hob sich ihre Brust mit jedem Atemzug. Sie stemmte die Arme in die Hüften und atmete durch.
Plötzlich wurde es bitter kalt. Die Luft knisterte regelrecht vor Kälte und schemenhafte, menschenähnliche Gestalten erschienen von einem grünlichen Schimmer umgeben vor ihr, hinter ihr und an den Seiten. Die Amazone straffte sich, hob das Schwert mit beiden Händen hoch über den Kopf und ging in Verteidigungsposition.
Verdammt! Ghole! Und sie hatten sie eingekreist!
Thwindors Blick ging an der Schulter des riesigen Dämonenhundes vorbei. Er sah, dass seine Mutter herumwirbelte, überrascht und erschrocken die Augen weit aufriss, dann mit einem Satz den Pfad verließ und in der Düsternis verschwand.
Der junge Zauberer wollte ihr nach, aber der Hund brüllte ihn an und stellte sich ihm in den Weg. Der riesige Kopf mit den spitzen Hörnern schoss vor und der junge Zauberer musste den Stoß mit seinem Schwert parieren. Es gab ein singendes Geräusch, als die Klinge von den Hörnern abprallte. Er hatte aber nicht den Eindruck, als hätte das Untier den Schlag überhaupt bemerkt.
"Fuoro!" Thwindor richtete seinen Stab auf das Monstrum, und ein weißer, gezackter Blitz traf es mitten zwischen die gesenkten Hörner. Der Hund machte einen Satz rückwärts und taumelte, wobei er seinen riesigen Kopf verwirrt hin und her schwenkte. Eine wilde Freude erfüllte den Zauberer. Der Gegner war angeschlagen! Jetzt wollte er dem Monster nachsetzen, ihm den Rest geben, als ihm eine vertraute Stimme ins Ohr schrie:
"Thwindooor! Nein! Tu das nicht!"
Ralla! Dort war Ralla! Gemeinsam mit seinem Vater war sie verschwunden. Er hatte sie auf diese gefährliche Mission mitgenommen, obwohl sie noch Adeptin war.
Die junge Frau stand fast neben ihm, jenseits des Pfades. Sie sah erschöpft, ja fast verzweifelt aus. Ihre Kleidung war dreckig und verschlissen. Schmutzige Striemen, wie von zu vielem Weinen, zogen sich über ihre Wangen.
Thwindors Herz machte einen Sprung. Seine Kehle war wie zugeschnürt. Er konnte nichts sagen. Wie viele Sorgen hatte er sich um sie gemacht? Wie hatte er sie vermisst?
"Thwindor, wir sind hier in Gefahr! Komm mit mir! Schnell!", forderte sie ihn auf und streckte die Hand aus. "Wir müssen uns verstecken."
Thwindors Blick ging unentschlossen zwischen Ralla und dem Hund hin und her.
Bei Thrors Berge spaltender Axt, er hatte ihn doch fast erledigt!
"Thwindor! Du kannst den Wächter nicht besiegen! Du darfst nicht hier sterben! Wenn du mich liebst, musst du jetzt mit mir kommen!", flehte sie und streckte ihm jetzt beide Hände entgegen.
Ihre Lippen waren leicht geöffnet, ihre wunderschönen grauen Augen groß und rund. Der Ausschnitt ihrer Bluse stand weit offen. Thwindor konnte den Ansatz ihrer kleinen, festen Brüste sehen, und wie sich mit jedem Atemzug hoben und senkten. Was hatte sie da gesagt? Ihr Götter! Ihm wurde heiß und kalt.
"Ralla!" Seine Stimme versagte. Sie war nicht mehr als ein Krächzen.
"Du musst mich jetzt retten, Thwindor, Liebster! Kämpfe nicht gegen den Wächter", sagte sie und machte einen Schritt rückwärts.
Wie an einer unsichtbaren Schnur gezogen, folgte Thwindor. Jetzt stand er am Rand des Pfades.
Rief dort jemand seinen Namen? Er konnte es nicht hören. Rallas Augen hielten ihn gefangen.
"Ralla! Ich, ich liebe dich doch."
Thwindor wusste nicht, woher den Mut nahm, diese Worte auszusprechen und wurde puterrot dabei, aber ihr Blick, der ihm alles versprach, hatte ihn seine Schüchternheit überwinden lassen. Ralla wich noch einen Schritt vor ihm zurück. Er folgte ihr ... und verließ den Pfad.
"Komm mit mir, Thwindor", säuselte sie und warf ihm einen verführerischen Augenaufschlag zu. "Hier sind wir nicht sicher. Lass uns von hier verschwinden. Ich kenne einen sicheren Ort. Nur für uns beide!"
Sie entzog sich ihm, in dem sie rückwärts im grauen Zwielicht verschwand. Der junge Zauberer sprang ihr nach, doch sie lachte, wirbelte herum und rannte vor ihm weg, wobei sie weiter lachte, wie ein übermütiges Kind.
"Ralla! Warte!" Thwindor versuchte sie einzuholen, doch sie wurde in dem grauen Zwielicht immer durchscheinender. Verdammt! Was sollte dieses Spielchen? Sie waren doch in Gefahr! Sie mussten hier weg. Halb war er verärgert, halb machte er sich Sorgen um sie. Und wo war sein Vater? Ghwindor hatte er in der Aufregung fast vergessen. "Ralla!"
Er stoppte seinen Lauf. Das Mädchen war auf einmal verschwunden. Wohin er auch blickte und seinen leuchtenden Stab auch hinwandte, um ihn herum war nur dieses ekelhafte, graue Unlicht, wie eine Nacht, die nicht enden wollte, oder eine Sonne, die sich nicht entscheiden konnte endlich aufzugehen.
"Ralla!"
Angst kam über ihn. Er wusste nicht mehr, wo der Pfad zu finden war. Was war er doch für ein verdammter Narr! Dorell hatte sie doch gewarnt.
"Mutter! Dorell!", schrie er aus Leibeskräften. Vielleicht konnte er sich an ihrem Rufen orientieren, doch seine Stimme wurde bald verschluckt und das Zwielicht antwortete nicht.
Kälte kroch ihm in die Glieder. Sie kam so plötzlich und war so grimmig, dass sie ihm die Finger erstarren ließ. Sein Atem kondensierte vor ihm in der Luft. Als er den Blick hob, schälten sich geisterhafte Gestalten aus der Düsternis um ihn herum. Männer und Frauen, Menschen und Elfen, vereinzelt Zwerge und sogar Bergmenschen, aber alle durchscheinend, in grünem, unheiligem Schimmer leuchtend und mit unsagbar traurigen Gesichtern.
Thwindor stieß einen erschrockenen Laut aus. Er riss den Stab hoch und ließ einen Blitz in die Gespenster fahren, doch ohne Ergebnis. Lautlos, langsam und mit traurigen Blicken zogen sie ihren Ring um Thwindor immer enger.
"Dorell! Mutter! Dorell!", rief er um Hilfe, aber niemand antwortete.


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