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Aus dem Buch: Paul Sanker - Brutus und der Rotlicht-Kolibri - (Auswahlband)
 
Brutus und der Rotlicht-Kolibri

Kapitel 1 - Ein Penner kommt selten allein

"Vorsicht, Parasiten!" Der hagere Dozent im weißen Kittel hob abwehrend seinen linken Arm in die Luft. Die achtköpfige Studentengruppe blieb vor Schreck wie angewurzelt stehen, als Brutus Schmitz seinen Warnruf ausstieß.
Schmitz wurde von seinen wenigen Freunden und auch Kollegen meistens nur Brut genannt, in Anspielung auf die französische Bezeichnung extra trockener Champagner-Sorten. Und diesen Spitznahmen trug er beileibe zu Recht. Man konnte nicht behaupten, dass Brutus Schmitz keinen Humor gehabt hätte. Allerdings handelte es sich um die Art von Humor, der so scharf war wie Chili-Schoten, ätzend wie Schwefelsäure und so schneidend wie das Schwert eines Scharfrichters.
Der sechsundvierzigjährige Rechtsmediziner schaute die zukünftigen Kollegen an wie der Bauer eine Kuhherde, bei der gerade Maul- und Klauenseuche festgestellt worden war.
Die sieben Frauen und der einzelne junge Mann im Alter zwischen zweiundzwanzig und sechsundzwanzig Jahren starrten ihm stumm und erwartungsvoll entgegen.
Brutus seufzte ergeben und ließ den Arm wieder sinken. Er atmete einmal tief durch und strich sich durch das dichte schwarze, nach hinten gekämmte Haar, das an den Schläfen schon einen deutlichen Grauansatz zeigte.
Er wies mit dem Zeigefinger auf einen Metalltisch, der sich im Abstand von circa einem Meter links von der Gruppe an der weiß gefliesten Wand befand.
"Mit Stolz zeige ich Ihnen hier unseren neuesten Seziertisch AST 6/95. Er besteht komplett aus Edelstahl mit einem Unterbau aus stabilen Edelstahlprofilen sowie vier lenkbaren und feststellbaren Rädern.
An der Schmalseite wurde eine Leichenmulde eingeschoben, mit einer Klappe verschlossen und fixiert. Unterhalb der Leichenmulde liegt eine Auffangwanne mit Prägung zum Ablauf. Der Ablauf ist über einen Bajonettverschluss mit einem Auffangcontainer verbunden."
Während er so dozierte, schritt Brutus vor den Jungmedizinern hin und her und runzelte dabei konzentriert seine Stirnfalten.
"Der Abluftstutzen ist mittig vom Tisch angebracht. Die Position des Abluftrohres ermöglicht auch sitzendes Arbeiten am Tisch. Kurzum ..." Dabei drehte er sich blitzschnell auf dem Absatz seiner weißen Slippers um und fixierte eine blonde, blasse Studentin mit Pferdeschwanz, runder Nickelbrille und viel zu großem verknitterten Kittel, die vor Schreck einen Schluckauf bekam und heftig errötete. "Ein Wunder der Technik. Der ganze Stolz des Rechtsmedizinischen Institutes der Universität zu Köln." Dabei verzog er seine Lippen zu einem sardonischen Grinsen, das seine perfekten und gebleichten Zahnreihen voll zur Geltung brachte, die in angenehmem Kontrast zu der dezenten Sonnenbank-Bräune im Gesicht standen.
"Doch bei weitem weniger erfreulich ..." Sein aufgesetztes Lächeln verschwand wie weggewischt. "... ist der Zustand unseres teuren Zeitgenossen, der gerade die fragwürdige Ehre hat, auf diesem edlen Spitzenprodukt der Metallfertigungs-Industrie zu liegen."
Damit wies Schmitz mit seiner linken Hand auf den nackten, männlichen Körper, dessen blasse Haut im Bereich der Auflagefläche deutliche bläuliche Verfärbungen aufwies. Der Tote war vielleicht fünfundsechzig Jahre alt geworden. Sein Schädel war in der Mitte kahl und hatte an den Seiten wirre, fettige graue Haare. Der ebenfalls graue Vollbart war verklebt und verfilzt, die Hände verdreckt, unter den Fingernägeln ein breiter Schmutzrand. Die Unterschenkel und Füße waren übersät mit eiternden Geschwüren.
Offensichtlich handelte es sich um einen Obdachlosen. Es roch penetrant nach Fäulnis und Urin.
"Dieses Exemplar der Krone der Schöpfung wurde heute in den frühen Morgenstunden unter der Deutzer Brücke von einer Polizei-Streife aufgefunden."
Schmitz zog aus einem Wandregal ein paar Gummihandschuhe hervor, die er rasch und demonstrativ wie Jack the Ripper überzog, indem er der Blonden mit dem Schluckauf aufmunternd zuzwinkerte.
"Lebte der Mann noch, als man ihn fand?", fragte der Hahn im Korb unter den Studenten.
"Das einzige, was an unserem Freund noch lebte, waren die Tierchen, die in seinen Haaren herumkrabbelten. Flöhe und ..." Er schaute kurz mit zusammengekniffenen Augen auf den Unterleib der Leiche, dann griff er mitten in die Schambehaarung. Triumphierend hielt er kurz darauf mit Daumen und Zeigefinger scheinbar irgendetwas Winziges in die Höhe.
"... Phthirus pubis!", rief er triumphierend. "Die gemeine Filzlaus!"
Mit einem Kreischen und vor Ekel verzerrten Gesichtern stoben die Studenten auseinander und wichen zurück. Brutus verspürte eine heimliche, teuflische Freude. Allmählich machte ihm das Kolloquium Spaß, das ihm Finkeldey, dieses intrigante, faule Aas von Chef ihm so unverhofft aufs Auge gedrückt hatte. Der Kerl war zu einem Kongress in Cancun unterwegs während er ?sein offizieller Stellvertreter im Institut? dessen Arbeit erledigen durfte.
Natürlich hatte er nichts zwischen seinen Fingern. Dennoch tat Brutus so, als ob er das imaginäre Tierchen achtlos in die Ecke schnipsen würde. Ein Raunen des Entsetzens drang aus acht Jungmediziner-Kehlen. Er redete ungerührt weiter, so, als sei nichts gewesen.
"Der Gute lag inmitten seiner eigenen Exkremente. Eine Melange aus Kot, Urin und erbrochenem Rotwein.
Ich weiß nicht, welchen Tropfen er zuletzt genossen hatte. Allerdings bezweifle ich, dass es ein Chateauneuf du Pape gewesen ist." Die Gruppe ließ ein leises Gemurmel und Gekicher vernehmen.
"Aus den Papieren, die man bei der Leiche gefunden hatte, geht hervor, dass der Mann Diabetiker war und entsprechende Medikamente schluckte. Darüber hinaus nahm er aber auch morphiumhaltige Tabletten gegen seine chronischen Rückenschmerzen ein. Was schließen Sie daraus, was die mögliche Todesursache gewesen sein könnte, Frau Kollegin?" Dabei zeigte Brutus ganz unvermittelt auf eine pummelige, Kaugummi kauende Studentin mit schwarzer Kurzhaarfrisur und Nasenpiercing.
"Äh ...", drang es der so Überraschten aus der Kehle.
"Falsch!", meinte Brutus knapp.
"Unser Sokrates hat im Suff die Schmerztabletten mit seinen Blutzucker-Medikamenten verwechselt und ist im Zustand des hypoglykämischen Schocks verstorben, also an Unterzuckerung."
Brutus wandte sich ab, um mit der Gruppe in den nächsten Saal zu gehen. Dort hatte er einige Organpräparate für die Studenten vorbereitet.
"Ist ein nichtnatürlicher Tod mit Sicherheit ausgeschlossen worden?" Die Frage des jungen Mannes kam ganz unvermittelt und ließ Schmitz irritiert inne halten. Er schaute missbilligend den Fragesteller mit seiner mittelblonden Surfer-Frisur, Ohrstecker und Dreitagebart an.
"Sie meinen, ob nicht vielleicht ein böser Erbschleicher versucht haben könnte, ihn zu beseitigen, um an sein Vermögen zu kommen?" Brut funkelte ihn mit sarkastisch blitzenden Augen an. "Vielleicht hat ihm der teure Verblichene seine Villa in Cannes vermacht ... oder seine Aktienanteile von Microsoft?"
Die jungen Frauen fingen an zu Kichern und schauten ihren Kommilitonen schadenfroh an.
Der wurde rot über beide Ohren und schluckte peinlich berührt. Ohne den armen Kerl weiter eines Blickes zu würdigen, ging Schmitz weiter. Die Gruppe folgte ihm leise murmelnd.
Dann war das Kolloquium endlich vorbei. Brut zog sich in sein Büro zurück, um die liegen gebliebene Schreibtischarbeit endlich zu erledigen.
Er seufzte.
Seit sechs Monaten hatte er sich schon um die Bearbeitung des Gutachtens gedrückt. Inzwischen war er bereits drei mal vom Landgericht gemahnt worden. Es ging um Totschlag. Ein polizeibekannter Schläger hatte in einer Kneipe im Streit einem anderen Gast einen Faustschlag ins Gesicht versetzt. Der fiel unglücklich auf den Hinterkopf und verstarb zwei Tage später an einer Hirnblutung.
Dumm gelaufen. Schmitz öffnete das Deckblatt der dreihundert Seiten umfassenden Akte. Darunter lag ein Brief vom Landgericht. Wahrscheinlich wieder eine Mahnung, dachte er, als er den Umschlag gelangweilt öffnete. Es war eine Gerichtsvorladung. Da er das Gutachten immer noch nicht bearbeitet hatte, ließ ihn der Richter jetzt als sachverständigen Zeugen persönlich vorladen.
Na prima! Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Die Verhandlung war kommende Woche. Leise vor sich hin fluchend, nahm er sein Fläschchen Cognac aus dem Schrank, das er sorgfältig zwischen den Seiten eines Aktenordners versteckt hatte. Brut nahm einen kräftigen Schluck. Danach ging?s ihm schon besser. Er beschloss, für heute Schluss zu machen und nach Hause zu gehen. Mittlerweile war es auch schon nach Acht. Es war ein kalter, windiger Novemberabend und schon stockdunkel draußen. Er war der letzte, der das Institut verließ. Am Haupteingang saß nur noch der diensthabende Pförtner.
"Einen guten Abend noch, Herr Doktor Schmitz", rief dieser ihm zu. Brut winkte kurz, dann trat er nach draußen. Es blies ihm ein unangenehmer Wind ins Gesicht.
Fröstelnd schlug er den Kragen seines braunen Trenchcoats hoch und lief eilig die Treppenstufen hinunter, die zum Mitarbeiter-Parkplatz des forensischen Instituts führten.
Am Fuße der Treppe hätte ihn vor Schreck fast der Schlag getroffen. Um ein Haar wäre er gestolpert und lang hingeschlagen. In einer alten, verdreckten Wolldecke eingerollt, hatte sich ein Obdachloser häuslich niedergelassen. Brut machte einen langen Satz über die am Boden liegende Gestalt hinweg und konnte so gerade noch einen Sturz vermeiden.
"Was, zum Teufel, tun Sie da unten?", raunzte er den Mann an, der nun ängstlich zu ihm aufblickte. Schmitz erkannte, dass der Liegende vielleicht Mitte Fünfzig war. Er hatte dunkelbraune, fettige Haare und ein pockennarbiges Gesicht. Um ihn herum lagen mehrere Plastiktüten, mit denen er seine paar Habseligkeiten mit sich herum schleppte. Außerdem stand da noch eine anderthalb Literflasche Lambrusco aus dem Discounter.
"Wegen Ihnen hätte ich mir fast den Hals gebrochen." Der Mann sagte nichts und starrte Brut nur an. Schmitz beschlich ein unbehagliches Gefühl.
"Hören Sie nicht, guter Mann? Sie müssen hier weg. Sonst hole ich die Polizei." Aber der Obdachlose blieb sitzen und ließ ihn nicht aus den Augen. Brut überlegte kurz, was er nun tun solle. Doch schließlich ging er einfach weiter zu seinem Wagen. Sollte der Penner ruhig da hocken bleiben. Irgendwann würde es ihm schon dort unten zu kalt werden und er würde verschwinden. Dann stieg er in seinen Audi A6 und fuhr los. Bald darauf hatte er den Mann schon wieder vergessen.
Als Brutus über den Lindental-Gürtel Richtung Sülz fuhr, dachte er an den Anruf seiner Frau Karin von heute Vormittag. Wenn sie ihn anrief, wollte sie immer entweder Geld von ihm oder es gab Ärger wegen ihrer gemeinsamen Tochter Britta.
Britta war einundzwanzig Jahre alt, studierte im zweiten Semester Medizin und lebte in einer Studentenbude in Uni-Nähe. Seit seiner Trennung von Karin vor vier Jahren war seine Tochter nicht gut auf ihn zu sprechen. Sie gab ihm die Schuld daran, dass die Ehe in die Brüche gegangen war.
Wenn man?s genau nahm, war diese Sicht der Dinge von ihrem Standpunkt aus vielleicht auch gar nicht so falsch. Immerhin hatte er das Familienleben mit seinem Alkohol-Problem über Jahre erheblich belastet. Dazu kam die kleine, hässliche Affäre mit einer hübschen, blonden Medizinstudentin, die schließlich nach zweiundzwanzig Jahren die Scheidung zur Folge haben sollte.
Dennoch war es immer so gewesen, dass er bei Karins Problemen mit Britta die Kohlen aus dem Feuer holen musste. So auch diesmal. Während eines Praktikums im Krankenhaus hatte sie einen verheirateten Oberarzt kennengelernt und mit ihm eine Affäre angefangen. Nun war sie fest entschlossen, ihr Studium an den Nagel zu hängen, um Krankenschwester in der Klinik zu werden, in welcher ihr Geliebter arbeitete. Sie war fest davon überzeugt, dass der Kerl seine Frau für sie verlassen würde.
"Du musst ihr das ausreden, Brut. Schließlich bist du doch der Vater." Karins Argumentation ließ sich nicht so ohne weiteres entkräften. Also machte er sich auf den Weg zu seiner Tochter.
Er stand vor der Tür ihres kleinen Appartements und atmete noch einmal tief durch. Dann klingelte er. Kurz darauf wurde die Tür aufgerissen und Britta stand in einem Nichts von Negligee vor ihm und strahlte ihn mit leuchtenden Augen an.
"Da bist du ja endlich!" Doch als sie ihren alten Herrn erkannte, verfinsterte sich ihre Miene schlagartig.
"Was willst du, Brut? Ich erwarte Besuch." Sie drehte sich um und ging in die Wohnung.
"Das sehe ich", brummte er und trottete ihr langsam hinterher.
Britta hatte sich in der Wohnküche aufs Sofa gesetzt und nervös eine Zigarette angezündet. Sie sah ihren Vater gereizt an.
"Hat dich Mama wieder geschickt?" Brutus setzte sich auf einen Stuhl ihr gegenüber.
"Sie macht sich Sorgen um dich."
Schweigen.
Britta schaute betont gleichgültig abwechselnd aus dem Fenster und dann auf ihre Uhr. Brutus sah den feierlich gedeckten Tisch mit den Weingläsern und den brennenden Kerzen.
"Hat er dich versetzt?" Er hatte die Unterarme auf seine Oberschenkel gestützt und schaute zu Boden. Seine Tochter schnaufte wütend.
"Das hättest du wohl gerne, was? Ingo ist Oberarzt in einer chirurgischen Klinik. Da geht es ständig um das Leben von Patienten. Selbstverständlich kann dann auch mal ein Notfall dazwischen kommen. Und der kann nicht warten ... so wie deine Toten." Brutus sah sie mit einem bitteren Grinsen an.
"Ja. Die Toten können warten. Aber kannst du auch warten, bis er sich entschieden hat - für oder gegen seine Familie?" Er stand auf, steckte seine Hände in die Designer-Jeans und stellte sich ans Fenster. Die Leuchtreklame des Pizza-Service gegenüber flackerte.
"Hat er Kinder?" Sie starrte ihn an und dann flossen Tränen über ihr Gesicht.
"Du bist ein Schwein, Brut ..."
Er nickte. Plötzlich bemerkte er, dass sein Magen knurrte. Vielleicht sollte er sich nachher auch eine Pizza bestellen. Gegessen hatte er heute noch nicht viel. Eine Banane zum Frühstück. Und tagsüber zwei Kannen schwarzen Kaffee. Zwischendurch den Remy Martin.
"Du weißt, dass er niemals seine Familie verlassen wird ... deinetwegen."
Brutus hasste sich für seine Worte. Er liebte seine Tochter so sehr, dass es weh tat. Doch gerade deswegen musste es sein. Und deswegen ertrug er auch ihren Hass, der ihm nun in ihren Worten begegnete.
"Du musst es ja wissen. Du hast es doch genauso gemacht mit der kleinen Studenten-Nutte in deinem Institut." Sie schrie ihn hysterisch an. Speichel lief aus ihrem Mundwinkel und der Rotz tropfte ihr aus der Nase.
Brutus schaute sie ruhig und gelassen an - richtig cool. Warum konnte er ihr gegenüber nicht seine wahren Gefühle zeigen? Warum blieb er immer so verdammt kalt so, als ob er dem Staatsanwalt vor Gericht erklärte, wie der Angeklagte seinem Opfer das Messer ins Herz gestoßen hatte?
"Vielleicht sollten wir später noch einmal darüber reden ... in Ruhe." Dann ging er zur Tür. Er drehte sich noch einmal zu Britta um. Seine Tochter hatte ihr Gesicht im Sofa-Kissen vergraben und gab sich ihrem Kummer hin.
"Na mal sehn, vielleicht kommt er ja doch noch." Er hätte sich selbst ohrfeigen können für diese Worte. Sie konnten nur zynisch klingen, obwohl sie nicht so gemeint waren. Leise zog er die Tür hinter sich zu.
Im Auto atmete er einmal tief durch. So. Jetzt ab nach Hause. Im Kühlschrank stand noch eine halbe Flasche Ouzo. Zusammen mit einem Gyros-komplett würde das ein Festmahl werden. Er startete den Wagen und fuhr los. Dann fiel ihm ein, dass er seinen Hausschlüssel im Institut vergessen hatte. Scheibenkleister!
Eine Viertelstunde später stand er wieder auf seinem Parkplatz. Als Brutus eilig die Treppe zum Haupteingang hinauf laufen wollte, sah er, dass der Obdachlose immer noch nicht verschwunden war.
Er stand an der Glastüre und presste sich die Nase platt, um einen Blick in die Eingangshalle zu werfen. Der Pförtner war nicht zu sehen. Wahrscheinlich machte er gerade seine Kontroll-Runde.
"Was machen Sie da?", blaffte Brut den Mann an. Erschrocken drehte der sich um und zuckte ängstlich zusammen. Brutus war nun entschlossen, die Polizei zu rufen.
"Musste Karlchen leiden?", flüsterte der Mann mit gesenktem Blick.
"Was?" Brutus wusste nicht, was der Penner von ihm wollte.
"Na Karlchen. Mein Kumpel. Er wurde heute morgen bei euch eingeliefert." Brutus verstand. Der Kerl meinte den Toten mit der Unterzuckerung, der unter der Deutzer Brücke gefunden wurde.
"Kann ich ihn sehen?" Der Mann schaute Brutus traurig an.
"Das geht nicht." Brutus schloss die Eingangstür auf und wollte verschwinden, doch der Obdachlose gab nicht auf.
"Bitte. Ich war sein einziger Freund. Er hatte doch sonst niemanden." Ganz vorsichtig hatte er seine rechte Hand auf Brutus Arm gelegt. Brutus sah, dass dem Mann der Kleinfinger fehlte. Er sah den Arzt flehend an, mit Tränen in den Augen. Schmitz wusste nicht warum. Dennoch rührten ihn die Worte des Obdachlosen. Er überlegte kurz, dann nickte er. Die beiden betraten das Institut.


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