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Aus dem Buch: Chrissy Lazemare - Ɯberlieferungen vom Rand der Zeit
 
Der Fall

Mein Name war einst Emanuel. Bis zu diesem Tag, der alles änderte. Demütig kniete ich vor einer Gruppe aus erhaben wirkenden Engeln und blickte doch verständnislos in die Runde. Voller Verzweiflung zerrte und riss ich an den Fesseln, die meine Handgelenke auf dem Rücken zusammenbanden. Ich flehte. Ich schrie. Vergebens. Die Engelsschar starrte mich an, als hätte ich eine ansteckende Krankheit.
"Was habe ich denn Schlimmes getan?", erkundigte ich mich, ohne zu begreifen ...
Erzengel Michael schälte sich aus der Menge "Das weißt du ganz genau." Er richtete das brennende Feuerschwert auf meine Brust. "Auf Hochverrat steht die Höchststrafe."
Ich muss eingestehen: Ich hatte tatsächlich eine Liaison mit einem Mädchen der Finsternis. Einverstanden. Aber glaubte ich deshalb weniger? War ich nicht immer noch der Alte? Wir hatten es doch extra vermieden, über Politik zu sprechen.
Aus der Menge entbrannten Schmährufe. Wüste Beschimpfungen, von denen "Verräter" noch die harmloseste war. Ich setzte zu Erwiderungen an, doch Erzengel Michael schnitt mir barsch das Wort ab:
"Wenn du nicht zu deinem Verbrechen stehst, macht es die Sache nur noch schlimmer."
Ich biss mir auf die Zunge und schwieg. Sie würden es doch nicht verstehen. Sie verstanden gar nichts. Im Grunde hatten sie noch nie irgendetwas verstanden. Vielleicht war ich wirklich anders als all die Anderen.
Die Spitze des Feuerschwertes berührte inzwischen meine Brust und brannte ein Loch in mein weißes Gewand. Der Erzengel sprach mit einer Stimme, die so schneidend wirkte, wie seine Klinge selbst: "Emanuel, empfange nun deine Strafe."
Wortlos trat nun auch Erzengel Raphael aus der Menge. Er stellte sich hinter mich, so dass ich ihn nicht sehen, sondern nur spüren konnte.
Die Pein, die ich daraufhin verspürte, war so furchtbar, dass ich lauthals aufbrüllte. Ein stechender Schmerz durchzuckte meine Flügel. Ein lang anhaltender und dauerhafter Schmerz.
Plötzlich musste ich feststellen, dass sich meine Schwingen nicht mehr bewegen ließen. Raphael musste sie mir zur Strafe gebrochen haben. Ich biss mir auf die Unterlippe, um weitere Schreie unterdrücken zu können. Keuchend fiel ich auf die Knie.
Erzengel Michael ragte vor mir in den Himmel. "Irgendwelche letzten Worte?", erkundigte er sich streng.
Ich schaute zu ihm auf und konnte mit einem Mal die Tränen nicht mehr zurückhalten. Die Erkenntnis des Unausweichlichen befiel mich mit Macht. Panik drohte mich zu überwältigen. Ich wollte nur noch aufspringen und einfach wegrennen, irgendwohin wo sie mich nicht finden würden. Aber kaum dass ich Anstalten machte, mich zu erheben, sprangen zwei Engel aus der Menge hervor und hielten mich fest. Ihre Hände fühlten sich an, wie Schraubstöcke.
Von Tränen überwältigt schaute ich in Michaels Augen. Doch die waren kalt wie Eis. Ich erkannte, dass kein Flehen helfen würde. Aber ich hatte Angst vor dem Kommenden. Unbeherrschbare, alles lähmende Angst.
"Bitte", stammelte ich, "bitte tut es nicht!"
"Es ist zu spät, Emanuel", hörte ich Raphaels Stimme. Sie drang wie aus einer fremden, weit entfernten Welt an meine Ohren. Die beginnende Panik vernebelte mir die Sinne, ließ mich am ganzen Leibe zittern. Meine Tränen schienen sich in glutflüssige Rinnsale zu verwandeln.
Ich dachte an sie, an das Mädchen, durch das ich in diese Situation geraten war. An jenes, einst so liebreizende Mädchen, das ich abgöttisch geliebt hatte. An das kalte Geschöpf, das mich verführt und dann schnöde verlassen hatte.
Lilith ...
Erzengel Michael erhob das flammende Schwert hoch über sein Haupt.
"Bitte nicht!", bat ich erneut. "Bitte nicht!"
Doch der Racheengel zeigte sich vollkommen unbeeindruckt und ließ die Klinge mit aller Kraft auf mich nieder sausen.
Dies war mein Ende im Reich der geflügelten Freunde.
Die Wolke unter mir verflüchtigte sich in formlosen Nebel und ich schrie auf. Und dann begann mein Fall.
Mir war, als flöge ich rückwärts durch den Tag.
Die hellen Strahlen der Mittagssonne wurde zusehends schwächer und wichen einer rückwärts laufenden, rötlich schimmernden Morgendämmerung. Von Schmerz und Angst betäubt, versuchte ich nach dem fliehenden Licht zu greifen, es festzuhalten. Doch es entglitt mir, rann durch meine Finger. Immer dunkler und dunkler wurde es um mich herum. Nur noch ein letzter Funke war zu sehen. Voller Panik versuchte ich meine Hand nach diesem letzten, sich immer weiter entfernenden Schimmer verschwindenden Lichts auszustrecken, doch er war unerreichbar. Der letzte Stern über mir erlosch endgültig, und dann war ich allein in tiefschwarzer Nacht.

Ich weiß nicht, wie lange ich durch die Finsternis gefallen war, es kam mir vor wie zwei oder drei unendlich erscheinende Ewigkeiten. Die Tränen in meinen Augenwinkeln versiegten. Doch der innere Schmerz betäubte meine Sinne. Mein eigenes Stöhnen war das einzige, das ich hörte. Ansonsten kam keinen Laut über meine brennenden Lippen. Doch immer wieder stand sie mir vor Augen. Sie. Lilith. Die mir alles genommen und sich dann lachend aus dem Staub gemacht hatte. Lilith, die mich verraten hatte. Die ich jedoch nach wie vor so sehr liebte. So sehr, sogar, dass ich für sie gefallen war.
Der Aufprall kam so plötzlich und unerwartet und mit solcher Wucht, dass ich vollends die Besinnung verlor.
Irgendwann erwachte ich. Ich befand mich in einer von wenigen Fackeln spärlich erleuchteten Höhle auf einer schwarzen Felsinsel in einem See aus Lava. Nichts rührte sich hier unten. Und dann kam der Schrei. So laut und so herzzerreißend, dass ihn selbst Erzengel Michael vernommen haben musste. Ich schrie mir die Seele aus dem Leib. Ich schrie und schrie. Minutenlang.
Und als ich schließlich verstummte, leuchtete ein neuer Glanz in meinen Augen. Ein rotes Feuer diesmal. Meine Verzweiflung war dämonischem Hass gewichen. Und mit diesem Hass wurden meine verkrüppelten Flügel durch schwarze gesunde Schwingen ersetzt. Auch mein Umhang war plötzlich schwarz wie die Nacht. Und meine Seele ebenfalls.
Voller Genugtuung richtete mich auf. Eine befreiendes, grimmig wirkendes Grinsen schlich sich in meine Züge. Ich hob die Faust und schwor Rache. Rache für das, was diese selbstherrlichen Engel mir angetan hatten. Ich würde nicht eher ruhen, bis ich das gesamte Himmelreich ausgelöscht haben würde.
Dies waren meine brennenden Gedanken, als ich über den Styx in meine neue Heimat flog. Ich würde lernen. Die verschwendete Zeit als Engel hatte ich bereits vergessen. Nun war ich ein Kind der Finsternis. So wie sie, so wie Lilith. Mein Name lautete nun Manuren, und das Kommende war meine wahre Bestimmung.
Erwartungsfroh glitt ich in die Hölle ...


Abgespalten

Die Wut träumte. Im Traum schwebte sie durch Raum und Zeit, solange, bis sie einem Leidensgenossen begegnete: Einem feurigen Temperament, das in einer roten Blase schwebte. Die Wut war auf einmal weniger zornig - falls man das von einer wilden Wut wirklich sagen kann - und sie bewegte sich grimmig auf das Temperament zu, immer noch zornig, dass es ihm nicht schon früher begegnet war. "He, Kollege" raunzte es das Temperament unwirsch an, "wurde auch Zeit, dass ich Sie endlich einmal treffe!"
Das Temperament wandte sich um, und als es die Wut erblickte, begann es erfreut wilde Kreise, Schleifen und Spiralen zu fliegen. Dabei jauchzte es: "Hurra! Endlich habe ich jemanden gefunden, mit dem ich mich austauschen kann! Das ist ja wunderbar, Super, Klasse!"
Die Wut zuckte zurück. "Sie scheinen ja gut drauf zu sein.", grummelte sie vor sich hin.
"Sie nicht?", kam die aufgeregte Antwort.
"Nein", antwortete die Wut. "Ich bin eher wütend, dass wir uns jetzt erst begegnet sind, nachdem ich eine Ewigkeit hier herumgeschwebt bin, und weil mich außerdem alles so sehr ärgert, die ganze Situation und so, Sie verstehen schon."
Das Temperament nickte zögerlich, flog dann einen Looping und landete direkt vor der Nase der Wut.
Diese wich weiter zurück und fauchte: "Komm mir nicht zu nahe, das macht mich wütend!"
Das Temperament grinste. "Sorry!", rief es fröhlich, führte einen wilden Tanz in der Luft auf, wobei es sich wieder etwas von seinem Gesprächspartner entfernte, schlug schließlich einen Purzelbaum und rief der Wut zu: "Es tut mir aufrichtig leid. Ich wollte eigentlich nur wissen, wie lange Sie sich schon zu Unseresgleichen zählen, Herr Kollege."
"Zu lange", schimpfte die Wut "ungefähr zehn Jahre."
Plötzlich begann die rote Blase, in der sich das Temperament befand, rot aufzuflammen.
Offensichtlich war das Temperament des Temperaments entflammt. Es brauste auf: "Frechheit! Unverschämtheit! Eine Schande ist das! Ich selbst vegetiere so schon seit über zwanzig Jahren vor mich hin. Dass diese Menschen auch niemals klug werden ... Eine bodenlose Frechheit ist das!"
Die Wut, leicht erschrocken - soweit ihr das möglich war - brüllte zurück: "Hören Sie auf, hier so rumzuschreien! Das macht mich ganz fuchsig!"
Der Traum, in dem sich die Wut befunden hatte, endete mit einer gemeinsamen Schimpftirade der beiden, wie schrecklich doch die Situation, und wie gemein alle anderen waren.
Dann erwachte die Wut.

Der weit abgelegene, fast vergessene Teil des Unterbewusstseins, in dem die Wut herumwaberte, war kalt, verlassen, öd und leer. Und das schon seit Ewigkeiten. Tagein tagaus dieselbe triste Umgebung.
"Verdammt!", ereiferte sich die Wut, "Hör mir jetzt endlich zu! Ich bin auch noch da, kapiert? Ich hab keine Lust mehr, hier vor mich hin zu gammeln, klar? Hol mich verdammt noch mal hier raus!" Ein kurzes Zittern ging durch das Unterbewusstsein in der Nähe der Wut. Für den Bruchteil einer Sekunde fühlte sich die Wut zu ihrem Menschen hingezogen, irgendwie verbunden. Es war, als sei sie für einen Wimpernschlag ins Bewusstsein hochgeschleudert und dort wahrgenommen worden. Sie meinte in diesem Augenblick sogar, selbst ein Nicken ihres Menschen und ein paar winkende Kollegen wahrgenommen zu haben. Doch dann sank sie erneut in die gähnende Einöde des Verdrängtwerdens zurück und wartete auf den Augenblick, an dem sie erneut würde ausbrechen können.


Abgrund der Zeitlinien

Die Linien der Zeit verschwimmen

Es regnet, stürmt, donnert und blitzt. Und mitten in diesem Getöse der Klang unserer gegeneinanderprallenden Schwerter. Wir kämpfen verbissen. In der Nähe eines Abgrunds, der in einer tiefen Steinschlucht mündet.
Längst sind wir völlig durchnässt. Erneut klirren die Klingen gegeneinander. Mein Atem wird schwer und auch du siehst nicht mehr so frisch aus. Wir sind nicht mehr vollkommen bei Kräften. Ich blute aus vielen Wunden. Mit etwas Glück konnte ich deinem Schwert ausweichen, doch nur mit Mühe. Deine Klinge hat eine blutende Schramme auf meiner Stirn hinterlassen. Aber auch an deinem Arm sehe ich Blut. Ich frage mich zum wiederholten Mal, wie das hier enden wird. Will das Schicksal, dass es hier wirklich um Leben und Tod geht?
Dabei waren wir doch einmal so gute Freunde gewesen.
"Hör zu", brülle ich gegen das Gewitter an, "Lass uns vernünftig sein. Lass uns miteinander reden."
"Zu spät!", schreist du in einer zornigen Antwort. "Zu spät, um zu reden." Und schon beginnst du eine überraschende Attacke. Und als ich pariere, schreist du mir zu: "Nenn mir einen Grund, einen einzigen Grund, weswegen ich all das vergessen sollte, was du mir angetan hast! Und versuche nicht wieder, dich herauszureden, denn du hast alles kaputt gemacht!"
"Aber ...", weiter komme ich nicht, denn ein Blitz schlägt direkt neben mir in eine Erhebung. Ich stolpere rückwärts. Du nutzt den unachtsamen Moment, mich zu entwaffnen. Ich starre dich an. Deine Augen sind eine fremde Welt. Eine Welt voller Lügen, Verrat, Enttäuschung, geleugneten Gefühlen und Hass. Du warst noch nie so weit entfernt von mir. Und dann setzt du mir die Spitze deines Schwertes auf die Brust und treibst mich Schritt für Schritt dem Abgrund zu.
Was ist nur geschehen? Was ist aus uns beiden geworden? Ich möchte noch etwas sagen. Doch so weit lässt du es gar nicht mehr kommen. Du holst aus und stößt mir den Stahl in die Brust.
Unglaublicher Schmerz. Blut. Ich taumele ... und tue den letzten Schritt. Während ich in die dunkle Tiefe stürze, höre ich deine hasserfüllte Stimme: "Das ist es, was du verdienst!"
Um mich herum wird es schwarz.

Die Linien der Zeit verschwimmen

Das Gewitter hat uns mitten im Duell überrascht. Jedoch ist es mir egal, es passt wenigstens zu meiner Stimmung. Du kämpfst gut. Aber ich werde dennoch siegen. Ich weiß es. Eine tiefe Wunde in meinem Bein schmerzt. Und dir sickert das Blut aus dem Ärmel. Du senkst das Schwert. "Lass uns aufhören.", rufst du. "Wir werden uns noch gegenseitig umbringen!"
Ich attackiere dich mit einem Ausfallschritt. "Nenn mir einen Grund, aufzuhören!", brülle ich dir zu. "Du hast mein Leben zerstört mit deinen Lügen, deinem ständigen Verdrehen der Wahrheit und deinen Taten. Ich hasse dich! Ich hasse dich abgrundtief!"
Du schaust mich an, dein Blick hat etwas Flehendes. Doch unbeirrt attackiere ich dich weiter. Es ist zu viel geschehen. Die Zeit unserer Freundschaft kommt mir so irreal vor, so als hätte sie in einem anderen Leben stattgefunden. Es hat sich alles geändert. Du hast alles geändert. Du hast einen Abgrund zwischen uns gegraben, größer und tiefer als jener, auf den ich dich jetzt unbemerkt zutreibe. Alles ist deine Schuld! Alles! Wie besessen lasse ich mein Schwert auf dich hernieder sausen, immer wieder. Ich treibe dich - Schritt für Schritt - bis an den Rand der Dunkelheit.
Ein Blitz zuckt vom Himmel. Er erwischt deine Rüstung. Mit weit aufgerissenen Augen stürzt du rücklings in den dunklen Schlund. Du suchst meinen Blick und findest ihn. Doch was du siehst, erschreckt dich noch mehr. Ich lache. Mein Gelächter ist so laut, dass es selbst Sturm und Donner übertönt.
"Du verdienst es nicht anders!", rufe ich, und das ist alles, was du noch von mir hörst.

Die Linien der Zeit verschwimmen

Wir kämpfen verbissen. Im tosenden Unwetter. Es ist so viel geschehen. Zu viel. Erneut klirren unsere Schwerter gegeneinander. Ich schaue dich an. Plötzlich kann ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Sie brechen los, überwältigen mich wie eine Sturmflut. Diese Flut scheint die Mauer in deinen Augen zu zerbrechen. Ich sehe erste Zweifel in deinem Blick.
Ist es das alles wirklich wert?
Die Tränen trüben meine Sicht. Dein Schwert verletzt meinen Oberschenkel. Rotes Blut färbt die Dreckpfützen auf dem Boden. Der brennende Schmerz reißt mich von den Beinen, mein Schwert landet irgendwo im Nichts.
Du beugst dich zu mir herab. Schüttelst mich. "Das habe ich nicht gewollt, bitte glaub mir!"
Mühsam öffne ich die Augen.
Dein Blick ist voller Trauer. Und Reue. Wir beide, die besten Freunde der Welt ... wieso bekämpfen wir uns?
"Ein Fehler.", krächze ich.
"Der größte Fehler überhaupt.", ergänzt du meine Worte.
Ich will aufstehen und ergreife deine ausgestreckte Hand. Doch mein verletztes Bein versagt mir den Dienst. Stöhnend sacke ich zurück auf den harten Felsboden.
"Bitte", sagst du, "du musst aufstehen, bitte! Wir müssen hier weg, bevor das Gewitter noch schlimmer wird!"
In diesem Moment leuchtet der gesamte Himmel in einem grellen Licht auf. Es folgt ein ohrenbetäubender Donnerknall. Ein Kugelblitz reißt einen Abgrund in den Boden. Genau hier, wo wir uns befinden.
Instinktiv springst du zurück, weg aus der Gefahrenzone. Doch ich kann mich nicht bewegen. Ich werde vom Abgrund verschlungen. Du willst mich festhalten, doch deine Hände greifen ins Leere. Ich höre deinen verzweifelten Schrei und spüre den harten Aufprall, tief unten, am Grund der Schlucht.
Meine Sinne schwinden.

Die Linien der Zeit verschwimmen

Du hängst über der gähnenden Schlucht und krallst dich verzweifelt an ihrem Rande fest. Ich packe deine Arme, ergreife sie fest. Ich halte dich. Du versuchst, dich zu mir nach oben zu ziehen, doch in deinem müden Körper ist kaum noch Kraft. Unser Kampf war zu lang.
Wie konnten wir nur so töricht sein?
Das Unwetter bricht los und der Regen verwischt die Spuren unseres Schlachtfeldes. Ich ziehe dich mit aller Kraft zu mir herauf, doch die tiefe Wunde an meinem Arm, die deine Klinge mir zugefügt hat, brennt und schmerzt. Mein Ärmel ist blutgetränkt.
Ich beiße die Zähne zusammen. Alles was jetzt zählt ist, dich zu retten. Doch auch meine Kräfte beginnen zu schwinden.
So darf es nicht enden!
Ich stöhne vor Anstrengung und Schmerz.
"Lass los.", dringt deine Stimme an mein Ohr. "Lass los! Ich verdiene es nicht anders. Schließlich ist alles meine Schuld."
"Unsinn!", quetsche ich zwischen den zusammengepressten Zähnen hervor und versuche ein weiteres Mal, dich in Sicherheit zu bringen.
Ergeben schüttelst du den Kopf.
"Du kannst nicht uns beide retten", sagst du. "Entweder wir beide gehen beide zugrunde, oder du lebst weiter und bestehst die Prüfungen des Daseins - für mich."
Ich starre dich an.
Ich zittere.
Ich weiß, ich kann dich nicht mehr lange halten.
Das Blut rinnt an meinem Ärmel entlang, hinunter zu dir. Es verteilt sich auf deinen Handflächen.
Der Schreck packt mich. Ich spüre, wie sich dein Griff lockert. Auch du spürst es. Ich sehe es.
Du schaust mich an. "Es ist okay.", sagst du.
Ich weine. Ich wimmere. "Verzeih mir!", flehe ich.
Dann spüre ich, wie du unaufhaltsam meinen Händen entgleitest. Dein letzter Blick ist voller Vergebung.
Ich schicke meinen Klageschrei hinauf in den Sturm.
Vielleicht ist dieser Schmerz nun das, was ich verdiene.

Die Linien der Zeit verschwimmen

Lazemare to Patrick
Inspired by Linkin Park "New Divide"



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