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Aus dem Buch: Andreas Gross - Die Götter der XUS - (Auswahlband)
 
Die Götter der XUS

Prolog

Er war verrückt. Verrückt, weil er sich auf eine Suche begeben hatte, bei der er nur den Tod finden konnte. Verrückt, weil er Hinweisen nachging, die einem Hirngespinst entsprungen sein mussten. Dabei war ihm bewusst, dass er sich an einem Ort aufhielt, bei dem es nicht rationeller zugehen konnte. Nirgendwo im ganzen Rest des Universums war die Vernunft stärker vertreten als in dieser Stadt.
Und doch war auf diesem Planeten ein Krieg ausgebrochen. Cyborgs kämpften gegen Cyborgs.
Es würde nicht lange dauern, bis sie seine Spur wieder gefunden haben würden. Aus diesem Grund blieb ihm nicht viel Zeit, sein Ziel zu erreichen. Er schob den EMP-Strahler in das Halfter, das an seinem Gürtel hing, und schaute zurück, aber die Straße hinter ihm lag verlassen da. Entschlossen sandte er die Störimpulse aus, die den verborgenen Projektor außer Betrieb setzten. Das Kraftfeld, das eine metallene Barriere vorspiegelte, erlosch.
Geräuschlos betrat er den langen Gang, der sich hinter der Wand befand und sich in endlosen Kehren in die Tiefe schlängelte. Die Rezeptoren seiner Augen passten sich augenblicklich den neuen Lichtverhältnissen an und er nahm selbst in der Finsternis jedes Detail wahr. Unerbittlich trieb ihn die Neugier vorwärts.
Seit er in den riesigen Datenspeichern auf die Information gestoßen war, dass sich unter der Maschinenstadt das geheimnisvolle Archiv verbergen sollte, hatte er nach der genauen Lage dieser Kammer gesucht.
Warum verbargen die Cyborgs dieses Archiv? Sie konnten sich doch jederzeit und überall in die Informationskanäle einloggen und Zugriff auf alle Daten nehmen, die sie jemals abgespeichert hatten.
Diesen Sammelhort des Wissens umgab für den Suchenden mehr als ein Hauch von Mystik. Umso mehr überraschte es ihn, dass seine Suche nun von Erfolg gekrönt sein sollte.
Er wusste nicht, in welche Tiefen er sich vorgearbeitet hatte - als eine verschlossene Tür ihm den weiteren Weg versperrte. Irritiert blieb er stehen und musterte das Hindernis, suchte nach einem Hinweis, wie es sich öffnen ließe.
Tief in seinem Innern fühlte er den unstillbaren Drang, sich Zutritt zu dem Raum zu verschaffen. Was immer sich darin verbarg, es schien nicht nur für die Cyborgs von großer Bedeutung. Ein solcher Wissensschatz, wie er ihn hier vermutete, konnte für alle Völker der Galaxis entscheidend in ihrer weiteren Entwicklung sein.
In der Vergangenheit liegt die Zukunft verborgen.
Er fragte sich, von wem dieser Satz wohl stammte. Und wo er ihn gelesen hatte. Dabei waren seine Gedanken in diesem Augenblick völlig unwichtig. Vorrangig war, das Hindernis zu diesem Wissensschatz zu überwinden.
Ein erster Versuch, allein über die Datenströme an den Verschlusscode zu gelangen, scheiterte kläglich, denn er musste feststellen, dass dieses Archiv von virtuellen Mauern umgeben war, die niemand durchdringen konnte. Die Bibliothek war also autark, versorgte sich mit Energie, die aus Quellen stammte, die womöglich tief im Innern des Planeten verborgen lagen.
Er hatte bereits einiges über die Cyborgs herausgefunden. Das Volk war von Geheimnissen umgeben. Aufgrund ihres Verhaltens nannte man sie auch ?Marodeure?. Es handelte sich bei den Aliens auch nicht wirklich um Cyborgs. Es gab eine unendliche Anzahl verschiedenartigster Roboter und Androiden unter ihnen. Allerdings hatte sich die Bezeichnung Cyborgs bei den Völkern der Galaxis längst eingebürgert. Man konnte meinen, die Marodeure trügen diesen Namen mit Stolz, so als hätte man ihnen damit eine Identität gegeben.
Jetzt trat er an die Tür heran und legte eine Hand auf das schwarz glänzende Metall. Nichts geschah. Das Portal fühlte sich kalt wie Eis an. Doch plötzlich blinkte neben dem Durchlass ein Rechteck auf. Tiefrot. Einen Atemzug lang zögerte der Eindringling, ehe er es mit den Fingern berührte. Lautlos glitt die Tür zur Seite.
Instinktiv wartete er einen Augenblick, ehe er mutig durch die Öffnung schritt. Ein kreisrunder Raum offenbarte sich, der bis auf eine Liege in seiner Mitte völlig leer zu sein schien. Allerdings waren die Wände mit Myriaden von Kristallsplittern bedeckt, und er war nicht sicher, ob sich hinter den glitzernden Steinchen Wände aus Metall oder ein anderes, ihm unbekanntes, Material verbargen.
Mit leisem Zischen schloss sich die Schiebetür hinter ihm. Sofort überfiel ihn das Gefühl, in eine Falle geraten zu sein. Doch bevor er darüber nachdenken konnte, senkte sich eine Säule aus blauem Licht von der Decke herab, hielt über der Liege inne. Das Licht spiegelte sich tausendfach in den Kristallen an den Wänden.
*Tritt näher, Suchender*, erklang eine Stimme in seinem Schädel. Tief und mechanisch.
Verwirrt schaute sich der Angesprochene um. Die Stimme musste aus dem blauen Licht gekommen sein.
?Wer bist du??, fragte er den Unsichtbaren.
*Wissen und Gewissen. Macht und Ohnmacht. Beobachter und Lernender. Ich bin der Erste. Der Chronist, der Hüter des Archivs.*
Das Licht der Säule schien sich zu verdichten, bis ein etwa armdicker, blauer Strahl darin etabliert war.
?Zeige dich mir!?, stieß der Gast ungehalten aus. ?Ich mag mich nicht auf diese Weise mit dir unterhalten.?
*Meine wahre Gestalt ist untergegangen, Mensch. Ich bin ich und existiere nur innerhalb des Lichts.*
Überrascht zuckte der Besucher zurück, als das blaue Licht auf ihn zuschoss und ihn blendete. Taumelnd tastete er nach der Liege, um Halt zu finden.
?Warum hast du das gemacht??, rief er. ?Ich bin nicht dein Feind. Ich bin nur auf der Suche nach der Wahrheit.?
Farbige Flecken tanzten auf seiner Netzhaut, verschwanden jedoch wieder. Aber er suchte vergeblich nach dem Sprecher.
*Welche Wahrheit?*, klang es fragend in seinem Kopf. *Es gibt viele Ebenen, auf denen sie existieren kann. Suchst du die deinige oder die meinige? Bist du an wirklichem Wissen interessiert? Oder verbirgt sich hinter deiner Selbstlosigkeit am Ende die Suche nach einer Möglichkeit, eines meiner Völker zu vernichten?*
?Nein, Hüter?, versuchte der Mensch sich zu rechtfertigen. ?In früheren Zeiten habe ich die Cyborgs gehasst und ich hätte sie bis zum letzten Tropfen meines Blutes bekämpft, aber nach meinem Eintreffen in eurer Heimat erkannte ich, dass die Cyborgs weit mehr sind, als bloße Maschinen. Es muss einst einen tieferen Grund für eure Existenz gegeben haben.
Einen Grund, den ich herausfinden muss, damit der unselige, immer noch andauernde Krieg beendet wird. Wer sind die Erbauer der Marodeure? Warum wurden sie erschaffen? Warum führten sie einen unerbittlichen Feldzug gegen die Menschheit? Und warum unterbrachen sie ihn plötzlich, obwohl sie schon im Zentrum des Solaren Machtbereichs standen und den Sieg bereits in der Tasche hatten ...?
Eine kurze Pause entstand, ehe die Stimme aus dem Nichts wieder erklang: *Das sind viele Fragen auf einmal. Doch du scheinst ein außergewöhnlicher Mensch zu sein. Aber warum sollte ich dir auf diese Fragen antworten? Ich bin nur ein Chronist. Ich beobachte.*
Der Suchende stieß sich von der Liege ab und musterte das blaue Licht.
?Dein Volk bekämpft nicht nur uns, sondern auch sich selbst. Und wenn der Konflikt nicht beendet wird, droht uns und euch der Untergang. Ich könnte dein Volk retten und ihm seine wahre Bestimmung zurück geben. Aber dafür muss ich alles über die sogenannten Marodeure, alles über das Volk der Cyborgs erfahren. Vor allem muss ich wissen, warum ihre Existenz einmal notwendig war.?
Aus der blauen Illumination tönte es ohne Umschweife: *Leg dich nieder, Mensch und lerne. Ich werde dich unterrichten.*
Das kam unerwartet. Aber er erhielt damit die Chance, alle ersehnten Antworten zu erhalten. Doch konnte er dem Chronisten trauen?
Mutig und dennoch vorsichtig setzte sich der Suchende auf den Rand der Liege. Mit Bedacht brachte er seinen Körper in liegende Stellung.
Die glatte Fläche unter ihm fühlte sich überraschend angenehm an. Das blaue Licht wanderte an seinem Körper empor, bis es den Kopf erreicht hatte.
Plötzlich schien der Strahl sein Volumen auszudehnen, er erleuchtete den Raum vollkommen. Lichtblitze zuckten zwischen der Lichtquelle und den Kristallsplittern in der Wand hin und her, wurden schließlich herab gelenkt zu ihm und hüllten seine menschliche Gestalt ein, bis sie förmlich von einer sprühenden und wabernden Lichtblase umgeben war.
Vor den Augen des Suchenden begannen sich Bilder zu formen. Im ersten Augenblick war er nicht sicher, ob diese Bilder direkt in seinem Gehirn entstanden, oder ob sie bloß an die innere Wand der Lichtblase projiziert wurden. Aber immer konkretere Konturen entstanden, bis er Sterne, Planeten, Raumschiffe und lebendige Gestalten erkannte.
Anhand der Konstellation der Sternbilder stellte er fest, dass er auf das heimatliche Sonnensystem niederblickte. Er befand sich inmitten einer Raumschlacht. Einer Schlacht, die zwar schon lange geschlagen war, doch jetzt gehörte er unvermittelt zu den Protagonisten.
Die Stimme befahl: *Sieh und begreife!*
1. Akt: Die letzte Schlacht

?Kontakt in fünf Minuten?, hallte die Stimme des Taktikoffiziers über die Brücke.
Captain Thomas K. Lawrence hob den Blick und schaute zum Frontbildschirm, auf dem sich am unteren Rand das Kugelsegment des Saturnmondes Titan abzeichnete. Blitze lösten sich aus der Schwärze des Weltalls, um Tod und Zerstörung unter den Raumfahrzeugen der terranischen Flotte zu verbreiten.
Lawrence zog den Sicherungsgurt fester und ließ hörbar den Magnetverschluss einschnappen. Die Nerven des Captains waren zum Zerreißen gespannt. Sein Schiff, die Corleone, war auf Feindkurs. Sie suchte sich ihren Weg ins Zentrum der entfesselten Strahlenhölle. Bereits seit mehreren Minuten erschütterten heftige Einschläge das Schiff. Und sie wurden noch heftiger.
Thomas K. Lawrence befand sich zusammen mit seiner Mannschaft inmitten der tosenden Auseinandersetzung. Doch seine Männer bildeten eine eingespielte Crew, in der jeder wusste, was er zu tun und wie er sich zu verhalten hatte. Es war nicht die erste kriegerische Auseinandersetzung, die sie zusammen bestritten.
Drei Schiffe des Gegners versuchten, dem Schlachtschiff zu folgen. Doch aufgrund des Sperrfeuers der Heckgeschütze mussten sie ihre Geschwindigkeit reduzieren, und so blieben sie hinter der Corleone zurück. Das eigentliche Ziel des Schiffes lag irgendwo vor ihnen. Es war unsichtbar, aber dennoch hatten seine Salven schon so manchen eigenen Zerstörer in eine glühende Wolke verwandelt.
Mühelos konnten die ersten Treffer der voraus liegenden Kampfstation vom Schutzschirm absorbiert werden. Die Corleone passierte mehrere Wracks der eigenen Flotte. Dann leitete die Automatik das erste Bremsmanöver ein.
Lawrence war genau auf Kurs. Sein Gegner befand sich direkt im Zentrum der Schlacht, die seit Stunden zwischen den äußeren Planeten des Solsystems tobte. Aber das hier war der Höhepunkt. Nur noch wenige Sekunden, bis die Corleone ein wirklich gutes Ziel für den verborgenen Gegner abgeben würde.
Geschosse trafen das Schiff. Nicht alle konnten vom Schutzschirm abgefangen werden. Thomas K. Lawrence wurde wütend. Wütend auf sich selbst und wütend auf den Feind, der nur auf den Ausfall der Schirme wartete und nun gleich versuchen würde, sein Schiff in Stücke zu schießen.
Lawrence kannte die Gegner nur als Maschinen. Seelenlose Roboter, die brutal und unbarmherzig zuschlugen. Sie zerstörten alles, was ihnen begegnete und zogen eine Spur der Verwüstung hinter sich her; Marodeure, im wahrsten Sinne des Wortes.
Doch es handelte sich nicht etwa nur um einfache Roboter. Es handelte sich zum großen Teil um hochentwickelte Cyborgs, halb Mensch, halb Maschine, die aus dem Imperium der Xus gekommen waren, und nun mit ihren Kampfstationen die bislang gut geschützte Basis der Menschen auf dem Saturnmond Titan angriffen. Die Aliens waren gerade dabei, die größte und wichtigste Militärbasis im terranischen Machtbereich dem Mondboden gleichzumachen.
Wie schon in der Vergangenheit, waren sie auch diesmal plötzlich in der interplanetaren Nacht aufgetaucht. Zwischen Uranus und Neptun hatte man die Materialisierung ihrer Kampfstationen verfolgen können. Eines ihrer mächtigen Tore hatte sich weit draußen manifestiert; ein Wirbelfeld purer Energie. Ein solches Portal entstand vor jedem Angriff der Marodeure. Es spuckte Kampfstationen und Schiffe aus, wie ein Vulkan glutflüssige Gesteinsbrocken.
Captain Thomas K. Lawrence fühlte ohnmächtigen Zorn, wenn er daran dachte, wie hilflos man dieser Invasion gegenüberstand. Wenn die Wissenschaftler der Streitkräfte wenigstens wüssten, wie diese Himmelspforten funktionierten, wie sie erzeugt, wie sie mit Energie versorgt wurden, dann hätte die Menschheit vielleicht eine reelle Chance gehabt. Aber keiner war je hinter dieses Geheimnis gekommen. Noch arbeiteten Ingenieure und Techniker Tag und Nacht an diesem Problem.
Thomas K. Lawrence blickte für einen kurzen Moment hinüber zum Sessel des zweiten Taktischen Offiziers. Oberst Mason Stratham saß dort. Eigentlich hatte Lawrence den Auftrag erfüllen sollen, den Verbindungsoffizier der UTA, der United Terra Association, zum Flaggschiff der Flotte zu bringen. Doch daraus würde nichts werden, solange diese Schlacht tobte.
Stratham bemerkte den Blick des Captains. Seine stahlblauen Augen musterten Lawrence scheinbar gefühllos. Unter dem kurz geschnittenen, blonden Haar, in dem sich deutlich silberne Strähnen abzeichneten, hob sich ein kantiges Gesicht ab, das von tiefen Falten durchzogen war.
Würde der Oberst sich wirklich zurückhalten? Diese Frage beschäftigte Lawrence nachhaltig. Würde er ihn gewähren lassen und seine Schlachtführung nicht beeinflussen?
Schon seit ihrer ersten Begegnung empfand der Captain wenig Sympathie für diesen Mann. Er hatte ihn als arrogant und seinen Untergebenen gegenüber ziemlich voreingenommen kennengelernt. Doch Lawrence bekam keine Gelegenheit, sich weiter mit Stratham zu beschäftigen. Denn über den Hyperfunk, der wegen eines Störsenders der unsichtbaren Kampfstationen nur noch im Nahbereich arbeitete, bekam er mit, dass Major Marc Chaka mit seinem Verband aus zweiundfünfzig UTA-Schlachtschiffen überraschend neue Koordinaten erhalten hatte und seine komplette Streitmacht daraufhin spurlos im Hyperraum verschwand. Wohin wollte die Flotte? Sie wurden doch hier in der Schlacht um Titan dringend gebraucht.
Das Solsystem galt als die letzte Hoffnung jener Menschen, die einst in die Unendlichkeit des Sternenraumes ausgewandert waren. Terra war die Urheimat des Homo sapiens, auch wenn die Kolonien in ihrer Unabhängigkeit bestanden hatten, waren sie bereit gewesen, ihrer Ursprungswelt beizustehen.
Die terranischen Flottenverbände, die von Präsident Wilson bei dem Saturnmond stationiert worden waren, hatten bereits dreiundsiebzig Schlachtkreuzer und vierzig Schlachtschiffe verloren. Weitere einundzwanzig Schiffe waren der Vernichtung im letzten Augenblick durch die Flucht in den Hyperraum entgangen.
Doch dem Captain blieb keine Zeit, sich über das neue Ziel des UTA-Flottenverbandes Gedanken zu machen, da sich für den Bruchteil eines Augenblicks ein turmdicker Strahl aus den Rohren eines Gegners quer über den Bildschirm zog.
Ein Zeichen für allerhöchste Gefahr. Direkt vor seinem Schlachtkreuzer musste sich demnach eine der unsichtbaren, feindlichen Kampfstationen befinden.
Captain Thomas K. Lawrence reagierte schnell. "Ausweichkurs!" Lieutenant Frank Grubers Hände flogen über das Steuerpult.
Trotz der darauf folgenden, unberechenbaren Sprünge hielt der Kreuzer direkt auf die unsichtbare Bedrohung zu. Der Detektor unterhalb des Frontbildschirms separierte den Energieausstoß der getarnten Kampfstation von der Hintergrundstrahlung des Universums und zeichnete ein Phantombild des Gegners. Natürlich war dies ein aufwendiges Verfahren, aber wenigstens waren die terranischen Streitkräfte dadurch ihren Gegnern nicht vollkommen blind ausgeliefert. Immerhin ein kleiner Erfolg der Wissenschaftler im Kampf gegen die übermächtigen Cyborgs.
Reflexartig umklammerte Lawrence die Armlehnen seines Sessels, als er neue Lichtbündel vor seinem Schiff auftauchen sah. Die Corleone wurde heftig durchgeschüttelt, als die Strahlen auf den dreifach gestaffelten Abwehrschirm trafen. Die Belastung der Schutzschirme stieg durch diese Treffer auf nahezu unzulässige Werte.
"Alle Geschütze haben Erlaubnis zum Feuern!", befahl der Captain durch das Interkom. Daraufhin schien der Kreuzer selbst die Hölle zu entfachen. Aus den eigenen Mündungen lösten sich Kaskaden lichtschneller Energiestrahlen und zuckten auf den unsichtbaren Bereich zu, in dem sich der Gegner befinden musste. Blutrot glimmend brachen sich die kohärenten Lichtwellen an den gegnerischen Schutzschirmen.
Schwere Clusterbomben verursachten auf der Seite des Feindes ein wahres Feuerwerk, das - jeweils für einen kurzen Lidschlag lang - die Sphäre des gegnerischen Abwehrschirms als fluoreszierende Silhouette gegen den nachtschwarzen Hintergrund des Weltraums abbildete.
Doch bevor der Kreuzer seine Bordkanonen auf das nun deutlich auszumachende Ziel ausrichten konnte, hatte die feindliche Kampfstation bereits den Standort gewechselt und feuerte aus allen Rohren auf das Schlachtschiff der Mars-Klasse. Nicht mehr lange, und die ersten Schüsse würden die Schilde durchbrechen.
Captain Lawrence starrte grimmig auf den Bildschirm, auf dem sich die Strahlenhölle dreidimensional abzeichnete. Nahte da wirklich Hilfe? Ein Verband von fünf Kreuzern stieß an der linken Flanke vor. Die Schiffe fingen mit ihren Schutzschirmen einen Großteil der Strahlen ab. Einer der Kreuzer musste mit einem schweren Treffer in der Flanke in Nottransition gehen. Die anderen hatten weniger Glück. Zwei der verbliebenen Einheiten explodierten prompt im gewaltigen Sperrfeuer der Station, als ihre Schutzschirme zusammenbrachen.
Captain Thomas K. Lawrence biss sich zornig auf die Lippen. Aber er durfte sich keine gedankliche Ablenkung erlauben, wenn er dem Gegner Paroli bieten wollte. Bereits ein kleiner Fehler seinerseits konnte die Vernichtung des eigenen Schiffes bedeuten.
"Neunzig Grad Wende Backbord!", ordnete er an. "Wir werden die Station von unten angreifen. Mit Impulsgeschützen weiter feuern!"
Die wirkungsvollsten Waffen an Bord seines Schiffes waren nach wie vor die schweren Laserkanonen.
Herkömmliche terranische Schutzschirme mit bekannten Technologien stellten kein großes Hindernis für sie dar.
Die Treffer aus diesen Waffen verwandelten jegliche Materie in reines Plasma. Eigenartig war nur, dass die Laserkanonen an den Kampfstationen der Cyborgs nur wenig Wirkung zeigten. Welche Technologie mochte sie wohl schützen?
Die Corleone hielt ihren Beschuss aufrecht, während sie ihre Wende vollendete und nun von unten auf den Ausgangspunkt der unsichtbaren Strahlen zusteuerte. Aber erneut erhielt das UTA-Schiff einen wirksamen Treffer. Funken sprühten aus den elektrischen Anlagen und Kabelkanälen.
Gebannt starrte Larry Nodan, der Erste Offizier, auf die Anzeige der Schutzschirme. "Belastung bereits knapp unter Maximum!", meldete er.
Der terranische Kreuzer schien sich unter dem Anprall feindlicher Energien förmlich aufzubäumen und hin und her zu schlingern. Die Automatik zwang ihn jedoch immer wieder auf den einmal eingeschlagenen Kurs zurück. Immer neue Strahlensalven brachen sich an den Schutzschirmen und tosten um das Schiff.
"Belastung im roten Bereich, Sir!" Tiefe Besorgnis lag in der Stimme des Ersten Offiziers.
Thomas Lawrence ahnte, dass ihm nur noch wenige Sekunden blieben. Einen solchen Dauerbeschuss konnte keines der terranischen Schiffe lange überstehen. Doch ein Zurück gab es nicht mehr. Sie waren dem Gegner auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.
"Belastung überschreitet Maximum!"
Die Warnung des ersten Offiziers verhallte jedoch ungehört. Der wachsame Blick des Captains galt allein dem Bildschirm, auf dem jeden Augenblick die feindliche Kampfstation auftauchen musste. Selbst sie würde auf Dauer dem Beschuss eines Schlachtkreuzers nicht standhalten können und sollte ihre Tarnung verlieren.
Das Feuerwerk an den Schutzschirmen des UTA-Schiffes erreichte seinen Höhepunkt. Die Kampfstation schien ihren Beschuss auf die Geschützreihe des Raumkreuzers zu konzentrieren. Ein immer größeres Strahlengewitter erhellte den Schirm der Corleone.
Verdammt, wo waren nur die anderen Schlachtschiffe?


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