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Aus dem Buch: Renate Zawrel Hrsg. - Sternzeichen Regenbogen
 
Benny Bär und seine Freunde
Rita Bittner

Ganz dunkel war es im Kinderzimmer nicht, denn etwas Licht fiel von der Straßenbeleuchtung durch die Fenster. Benny Bär wartete, im Regal sitzend, gespannt auf das kommende Ereignis. Nur noch eine Handvoll Minuten, dann würde der Zeiger des Weckers auf zwölf Uhr springen und für eine ganze Stunde würden die Spielsachen zum Leben erwachen. Benny wohnte noch nicht lange bei dem Kind Dustin. Der Teddy teilte sein Regalbrett mit einigen anderen Stofftieren. Die meisten davon mochte er gut leiden. Das Brett über ihm war mit Büchern und Brettspielen belegt. Im Regal darunter befanden sich Spielzeugautos und Legosteine, die ordentlich in Schachteln verstaut waren.
Dustin, ein kleiner blondhaariger Junge, ahnte von all dem nichts. Er lag zufrieden schlummernd in seinem Bettchen und nuckelte am rechten Daumen. Seinen Arm hatte er um einen sichtlich zerliebten Kuschelbären, es war der alte Bussy-Bär, geschlungen. Dustin war ein Junge, der gerne aufräumte. Es machte ihm richtig Spaß, nicht zuletzt weil er es gerne mit seiner Mutti gemeinsam erledigte und sie dabei oft lustige Lieder sangen oder sie ihm Geschichten erzählte. Zum Schluss durfte der Junge sich dann jeden Abend ein Stofftier aussuchen, das in der Nacht bei ihm im Bett schlafen würde. Wenn er dann eingekuschelt unter seiner Bettdecke lag, kam seine Mama noch dazu. Sie las ihm ein paar Seiten aus einem Buch vor - meist war Dustin schon so müde, dass er dabei einschlief - und löschte das Licht, wenn sie leise aus dem Zimmer huschte.
Benny sah aus wie ein richtiges Bärenkind, nur war er viel kleiner und kuschelig weich. Ein paar Mal hatte Dustin ihn schon für die Nacht ausgewählt und das hatte den Teddy richtig stolz gemacht. Aber meistens nahm der Junge den alten Bussy mit ins Bettchen.
Die anderen Stofftiere und Gegenstände im Regal hatten Benny mit viel Ehrfurcht erzählt, dass Bussy das älteste von Dustins Spielzeugen war. Er durfte schon bei ihm in der Wiege liegen, als Dustin noch ein Baby gewesen war. Bussy hatte nur noch ein Auge, das aber nicht mehr ganz fest saß. Sein Fell war ganz abgeschabt und Dustins Mama hatte den Stoff an ein paar Stellen flicken müssen. Ein Arm hing nur noch an einer dünnen Kordel und an einem Bein fehlte die Pfote. Aber der Junge liebte seinen alten Teddy von ganzem Herzen. Mit Freude hätte auch Benny solche Zeichen der Liebe getragen und gerne gezeigt, aber er vergönnte Bussy die herzliche Zuneigung des Kindes.
Da ? jetzt sprang der Zeiger endlich auf zwölf. Benny gähnte ausgiebig, reckte und streckte sich. Seine Freunde auf dem Regal machten es ebenso.
Wiesli, das Wiesel, war als Erster unten auf dem Fußboden. Es rannte zu dem kleinen Fernseher und drückte darauf herum, bis ein flimmerndes Bild erschien. So war es immer mit Wiesli. Die ganze Stunde über, in der das Spielzeug jede Nacht lebendig war, verbrachte es vor dem Flimmerkasten. Nie redete oder spielte es mit den anderen. Warum das so war, wusste keiner. Aber die Stofftiere konnten das Wiesel deshalb nicht so gut leiden.
Benny schaute nach unten. Das Kind schlief tief und fest. Bussy winkte seinem Spielzeugkameraden mit dem heilen Arm zu. Der Bär würde den Platz an Dustins Seite nicht verlassen. Benny winkte zurück.
Rechts von ihm reckte Tiffy, die Giraffe, ihren langen Hals und schien dadurch noch ein Stückchen größer zu sein. Sie klimperte mit ihren langen Wimpern und warf einen schmachtenden Blick über Benny hinweg zu Zulu, dem Zebramännchen. Tiffy war heimlich in Zulu verliebt, traute sich aber kaum, mit ihm zu reden.
Links neben Benny saß noch ein Teddybär. Der hatte eine blaue Schleife um den Hals gebunden und trug eine freche Jeansmütze. Dustin hatte ihn Fridolin genannt und Benny verstand sich prima mit ihm. Zusammen kletterten sie auf den Boden.
Da war schon eine Menge los. Die Legomännchen hatten sich zusammengetan und bauten mit den vierkantigen Stecksteinen an einem Bauernhof. Kleine Schafe, Kühe und Pferde aus Holz spielten das Vieh. Sie ließen sich einfangen und auf eingegrenzte Stücke auf dem Teppich bringen, welche die Weiden darstellten. Das Vieh tat so, als ob es Gras fressen würde und senkte dazu die Mäuler auf die kurzen Fasern des Kinderzimmerteppichs.
Benny und Fridolin guckten eine Weile zu. Aber sie hatten etwas anderes im Sinn. Sie holten alle Spielsteine, die sie finden konnten: Kegel vom Spiel "Mensch ärgere dich nicht?, die Steine vom Mühlespiel, Dominosteine und Mikadostäbchen. Einfach alles, was ihnen in die Pfoten kam. Damit steckten sie auf dem Boden eine lange und kurvige Rennstrecke ab. Die ging durch das ganze Zimmer, um den Bauernhof herum und unter dem Bett hindurch. So entstand sogar ein richtiger Tunnel.
Gerade als die Bärchen mit dem Aufbau der Strecke fertig waren, spielten die Legofiguren Bauernhochzeit. Das sah lustig aus, weil die Braut mehr einem Burgfräulein ähnelte und der Bräutigam eine Schürze und eine Kochmütze auf dem Kopf trug. Die Hochzeitsgesellschaft präsentierte sich überhaupt sehr komisch: viele Ritter und Astronauten liefen umher, aber auch Bäcker, Handwerker, Cowboys und Indianer. Nur Bauern gab es ganz wenige, obwohl eigentlich sie für die ?Hauptrolle? vorgesehen waren.
Zulu fühlte sich in der Zwischenzeit wie ein Wildpferd. Er galoppierte ungestüm durch die Gegend, warf den Kopf hoch und wieherte, stampfte mit dem Huf auf und schüttelte seine kurze Mähne. Dabei tat er so, als ob er mit dem Lasso gefangen würde. Er stieg, schnaufte und schlug mit den Vorderhufen gegen seine unsichtbaren Angreifer. Zulu machte das alles, um Tiffy auf sich aufmerksam zu machen. Denn das Zebra war heimlich in die hübsche schlanke Giraffe verliebt. Aber es traute sich nicht, sie anzusprechen.
Tiffy spielte mit drei Plüschmäusen "Damen bei der Teegesellschaft?. Die Stofftiere nippten geziert an ihren winzigen Tassen, taten so, als ob sie Kuchen knabbern würden, und unterhielten sich wie elegante Damen. Aber die Giraffe murmelte manchmal auch ein paar dumme Sachen, weil sie nicht richtig aufpasste und immer wieder heimlich zu Zulu hinüberschielte.
Benny und Fridolin hatten sich aus der Kiste je ein Spielzeugauto ausgesucht. Fridolin natürlich ein blaues, weil es so gut zu seiner Kleidung passte, und Benny hatte sich das gelbe Postauto genommen. Das mochte er am liebsten. Kaum hatten sie ihre Autos am Start aufgestellt, ging es schon los. Die beiden Bären sausten über die Strecke, ab in den Betttunnel und wieder hinaus, mit quietschenden Reifen durch die Kurven und am Bauernhof entlang. Die Legofiguren winkten und feuerten sie an. Runde um Runde ging das so. Mal war Benny vorne, dann wieder Fridolin. Aber das spielte keine Rolle. Benny fand es toll, wie der Wind um seine Ohren pfiff und wie Fridolins Schleife flatterte. Am liebsten hätte er nie wieder mit dem Autorennen aufgehört.
Und dann geschah ein schreckliches Unglück. Tiffy hatte nicht achtgegeben. Sie hatte beim "Heimlich-Zulu-Beobachten? ihren Hals so verrenkt, dass sie ihr Gleichgewicht verlor und kopfüber mit einem schrillen Schrei auf die Rennstrecke plumpste! Fridolin konnte gerade noch ausweichen und landete im Heuhaufen vom Bauernhof. Aber Benny musste scharf bremsen und überschlug sich. In hohem Bogen flog er durch die Luft, prallte gegen den Fernseher und fiel danach genau auf Wiesli.
Benommen rappelten sich beide wieder auf. Bennys Kopf brummte ein bisschen, aber sonst war alles gut. Wiesli sah nach links und nach rechts, dann zum Fernsehapparat und tappte darauf zu. Kopfschüttelnd drückte er die Ausschalttaste und gesellte sich, ganz ungewohnt, zu den anderen Stofftieren. Übrigens hat das Wiesel nach diesem Unfall nie wieder ferngesehen und wurde zu einem lustigen Kameraden für die anderen Spielsachen.
Aufgeregt hastete Benny zur Unfallstelle zurück, wo Tiffy auf der Seite lag und nach Luft schnappte. Zulu war ebenfalls, so schnell er konnte, zu der Giraffe galoppiert. Er stupste sie sanft mit der Nase an und war ganz außer sich vor Sorge. Die ganze Hochzeitsgesellschaft stand in einem Kreis um Tiffy und bangte mit. Ein Polizeiwagen kam mit "Tatütata? angerast, konnte aber nicht viel ausrichten. Dafür aber das rote Feuerwehrauto mit seiner langen Leiter. Vorsichtig band Benny ein Ende von Fridolins Schleife um Tiffys Oberkörper und das andere an die Feuerwehrleiter. Mit der Hilfe aller Spielsachen wurde die Leiter nach oben ausgefahren und die Giraffe vorsichtig auf die Beine gezogen.
Zum Glück war nichts gebrochen und Tiffy war noch mal mit dem Schrecken davongekommen. Ein wenig zittrig wankte sie in Richtung der Regale und kletterte mit Hilfe von Zulu, der nicht von ihrer Seite wich, wieder hoch und kehrte auf ihren Platz im Regal zurück. Für heute Nacht hatte die Giraffe genug Abenteuer erlebt.
Die Stunde war fast um. Alle fingen an aufzuräumen. Die Legos bauten den Bauernhof wieder ab und verstauten alles in der Kiste. Benny und Fridolin sammelten die Spielsteine ein. Wiesli glättete Fridolins Schleife und überreichte sie freudestrahlend dem Bären. Als Benny sein Auto wegbringen wollte, stellte er bestürzt fest, dass er ein aufgeklebtes Posthorn verloren hatte. Das war bestimmt bei dem Unfall passiert. Fridolin und Benny suchten überall danach und konnten es nicht finden. Sie hatten nur noch ganz wenig Zeit und wollten schon aufgeben. Da kam ein Legoritter auf seinem Legopferd angaloppiert und brachte ihnen das Klebebildchen. Es war bis ganz weit hinten unter das Bett geflogen. Sie klebten das Horn schnell auf die Seite des gelben Autos. Jetzt mussten sie sich sehr beeilen. Selbst Wiesli lag schon wieder im Regal.

Die Bärchen kletterten rasch hoch und wollten sich schon auf ihre alten Plätze stellen, als Benny eine Idee hatte. Mit Fridolin zusammen schubste und zog er so lange an Zulu herum, bis der neben Tiffy stand. Sie ließen ihn dort auch nicht mehr weg. Die Wangen von Giraffe und Zebra färbten sich leuchtend rosarot, aber die beiden sahen sehr glücklich aus.
Benny winkte noch zu Bussy hinunter, der ihm mit seinem heilen Auge zuzwinkerte. Die magische Zeit der Spielsachen war für heute Nacht vorüber und es herrschte wieder Ruhe im Kinderzimmer.


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