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Aus dem Buch: Paul Sanker Hrsg. - Corona Borealis - (Auswahlband)
 
Nach dem Erwachen
Stefan Cernohuby

Wie auch immer das Neuralnetz in seinen Kopf implantiert worden war, es war gründlich geschehen, ohne Operationsspuren zu hinterlassen. Sein glattrasierter Schädel war nun von einem dünnen Metallgespinst umgeben.
Von einem freien Mann, der wie alle anderen in einem Menschenviertel gewohnt hatte, war er nun zu dem geworden, was jedem von ihnen bevorstand, wenn sie das richtige Alter erreicht hatten - ein Sklave.
Schon als Kind hatte man ihm beigebracht, dass er sich nicht sträuben solle. Denn als Mensch war man den Höheren in jeglicher Hinsicht unterlegen.
Diese Tatsache beschäftigte ihn nicht allzu sehr, er hatte sie im Laufe der Jahre als gegeben hingenommen. Dennoch unterschied ihn etwas von den anderen in seinem Viertel. Er machte sich eigene Gedanken und stellte unbequeme Fragen. Er hatte noch nie so viel Aggression erlebt wie damals, als er die Grundlagen der Existenz der Höheren infrage gestellt hatte.

***

"Aber warum? Ich will einfach nur wissen, warum?"
Sein Gesprächspartner wurde rot im Gesicht und schien unglaublich wütend über die Frage des jüngeren Menschen. Noch wütender als bei dessen Ankündigung herausfinden zu wollen, was sich außerhalb der gewaltigen Betonwand um ihr Viertel befände. Noch heute glaubte ihm niemand, was er gesehen hatte. Nachdem er durch Stacheldrahtwälle gekrochen und sich anschließend bis an die Oberkante der Mauer gezogen hatte, erspähte er nur schwarze, verbrannte Erde, soweit das Auge reiche.
"Weil?, brüllte ihm die Neunzehn als Antwort entgegen, ?es schon immer so war - so wird es überliefert. Mit Zwanzig wird die Entscheidung getroffen. Entweder du bist würdig, als Sklave zu dienen, oder du wirst ausgelöscht!"
Die unterschwellige Verzweiflung in dessen Stimme verriet, dass er genau wusste, dass die Entscheidung über ihn in Kürze fallen werde. Ihn daran zu erinnern, war keine gute Idee gewesen. Nun stand er hier, eine unbedeutende Siebzehn - Seine genaue Bezeichnung war 17/0145 - und verlangte Antworten.
"Ja!", brüllte er wütend zurück. "Ich möchte herausfinden, wie es so weit kommen konnte. Wer die Höheren überhaupt sind. Warum wir Sklaven sein müssen! Warum jede Generation mehr vergisst als die vorherige und warum dumme Menschen wie du sich blind in ihr Schicksal ergeben!"
Die hitzige Debatte war anschließend mit Fäusten fortgesetzt worden. Er bezog damals die schlimmsten Prügel seines Lebens, denn absolut niemand stand auf seiner Seite. Es dauerte Tage, bis er wieder gehen und noch länger, bis er wieder etwas anderes als flüssige Nahrung zu sich nehmen konnte. Man tötete ihn jedoch nicht. Natürlich nicht: Nur Höhere durften Leben nehmen.
Dennoch änderte der Kampf nichts. Weder für ihn, noch für seinen damaligen Kontrahenten. Die arme Neunzehn von damals war kein Sklave geworden.
Sklaven erlaubte man, sich von ihren Freunden zu verabschieden, nachdem man ihnen das "Neuralnetz" eingepflanzt hatte. Die Neunzehn gehörte allerdings zu denjenigen, die nie wieder auftauchten. Und der junge Mann hatte auch kaum Freunde gehabt, denen seine persönliche Nummer bekannt gewesen wäre. Jene Nummer, die jedem von ihnen nach der Geburt in die Brust gebrannt wurde.

***

Eines Tages, knapp ein Jahr später, war er in einem Keller auf ein Bücherregal gestoßen, das Dutzende vergilbte Folianten enthielt. Es war größtenteils unter einer eingestürzten Wand begraben gewesen und es war reines Glück, dass er es alleine gefunden hatte. Papier war sehr selten und endete oft in kalten Wintern als letztes Brennmaterial, um das Erfrieren zu verhindern. In den Schriften hoffte er Informationen zu finden, die seine Fragen beantworten konnten. Seine Euphorie hielt so lange an, bis er die Werke näher in Augenschein genommen hatte. Da wich seine Hochstimmung der Enttäuschung.
Der Besitzer war offenbar ein Liebhaber von Zukunftsvisionen gewesen. Bücher, die zeigten, wie sich die Welt hätte verändern können. Wie es hätte sein können, wenn nicht ?
Ja, was eigentlich?
Das Lesen war ihm schwer gefallen. Wie alle Kinder hatte er es zwar an Pads gelernt, aber es gab selten etwas, das sich zu lesen lohnte. Und auch hier war er anfangs skeptisch.
Die meisten der Geschichten handelten von Raumschiffen, welche die gewaltigen Abstände zwischen den Sternen überbrückten, und von fremden Zivilisationen, mit denen die Menschheit zusammentraf.
Wenn sich etwas davon tatsächlich ereignet hatte, war es kaum zu ihrem Vorteil gewesen.
Ab diesem Zeitpunkt dachte er lange darüber nach, wie eine alte und fremde Rasse es wohl angestellt hatte, sich zum Herrscher über die einst so stolze Menschheit aufzuschwingen. Denn was die Bücher im Übermaß verströmten, waren Stolz und Aufbruchstimmung. Sie waren in einer Zeit geschrieben worden, als jeder sich noch Hoffnung auf eine bessere Zukunft gemacht hatte.
Viel später, als er sich durch die Schriften fast hindurchgearbeitet hatte, fand er in einem Buch etwas, das ihn wieder aus seiner Lethargie weckte. Durchgestrichene Absätze, herausgerissene Seiten und handschriftlich hinzugefügte Notizen. Der Inhalt des Buches war schnell umrissen. Es handelte von einer Flotte weit überlegener Angehöriger einer fremden Spezies, die ohne Vorwarnung den Planeten Erde mit ihren Kampfschiffen attackierten, aber dank einiger findiger Helden dennoch besiegt werden konnten. Weit interessanter als die eigentliche Handlung waren allerdings die Kommentare und Veränderungen im Buch.
In der Geschichte fand eine nie für möglich gehaltene Verbrüderung zwischen den Nationen statt, offenbar so etwas wie der Zusammenschluss zu großen Menschensiedlungen. Die teilweise zunächst sogar verfeindeten Parteien legten ihre Konflikte bei und verbündeten sich alle gemeinsam gegen die "Außerirdischen". Genau diese Absätze waren durchgestrichen und mit Schimpfwörtern versehen worden, von denen er die Hälfte nicht einmal kannte.
Und dann, auf der letzten Seite des Buches, als der Präsident der sogenannten "Vereinigten Staaten von Amerika" eine flammende Rede hielt, war auf der leeren unteren Hälfte nur ein Wort geschrieben worden:
VERRÄTER
Darüber hatte er fast ein halbes Jahr gebrütet. Er hatte geglaubt, zumindest einige Schlüsse daraus ziehen zu können. Vielleicht war tatsächlich eine fremde Rasse beim Niedergang der Menschheit im Spiel gewesen. Aber ganz bestimmt hatten die unterschiedlichen Gruppierungen nicht zusammengehalten. Vielleicht war sogar jemand zum Feind übergelaufen. Diese und viele weitere Überlegungen hatten ihn in den letzten Monaten, bevor er zwanzig geworden war, gequält.

***

Doch nun war all das Vergangenheit.
Er war für tauglich befunden worden, den Höheren als Sklave zu dienen. Er war in einem sterilen, weißen Zimmer aufgewacht. Das Neuralnetz war bereits implantiert. Eine künstliche Stimme stellte ihm frei, sich von seinen Freunden zu verabschieden.
Mit der Begründung, er kenne niemanden, von dem er sich verabschieden wolle, lehnte er ab. Die Stimme hatte nicht widersprochen. So war er für alle anderen nur ein weiterer Mensch, der spurlos verschwand.
Zwei Wochen später sollte es endlich geschehen! Ein Roboter - eine Maschine, die er aus Büchern kannte und die ihn nur minimal beunruhigte - hatte ihn bereits auf seinen Beruf als Reinigungskraft in einer Bibliothek vorbereitet. Heute würde er seine Herren kennenlernen, eskortiert von einem Ausbilder.
Möglicherweise handelte es sich bei den Höheren ebenfalls um Maschinen.
Er würde erneut geprüft werden ob er fähig war, die ihm zugedachte Aufgabe auszuführen, oder eher doch für niedere Arbeiten eingeteilt werden musste.
20/0145 hatte sich vorgenommen, keine Angst zu zeigen. Allerdings blieb es beim Vorsatz. Er glaubte, dass seine Angst keine blinde Panik vor gottähnlichen Kräften war, die sonst in seinem Menschenviertel vorgeherrscht hatte.
"NIMM HIER PLATZ!", wies ihn der insektoide, zwei Meter große Roboter an, nachdem sie in einer Art Vorraum angekommen waren, in dem sich lediglich ein einzelner Stuhl befand.
Er setzte sich wie angewiesen, denn er hatte schnell erkannt, dass Widerstand bestraft wurde. Eine von vielen Funktionen des Neuralnetzes bestand darin, bei Bedarf Schmerzen in jeder möglichen Intensität zuzufügen.
Nachdem er in die Polster des Sitzes gesunken war, machte die Maschine kehrt und verschwand wieder im Gang. Beinahe gleichzeitig schlossen sich schwere Metallbänder um seine Unterarme und Beine.
Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken. Er war gefesselt, wehrlos und dem, was jetzt kam, hilflos ausgeliefert.
"Bist du bereit?", fragte plötzlich eine Stimme hinter ihm. Eine Stimme, die völlig menschlich klang. 20/0145 zuckte zusammen. Aus irgendeinem Grund brachte er kein Wort heraus. Mit Sicherheit war es einer der Höheren, der hinter ihm stand, saß oder schwebte. Was sollte er nur sagen?
"Komm schon, ich weiß, dass ihr nicht zu degeneriert seid, um zu sprechen, auch wenn dir das Wort nichts sagt. Bist du bereit, mich anzusehen? Mein Anblick ist zwar fremdartig, aber du wirst es überleben."
"J?Ja", presste er heraus.
Langsam drehte sich der Stuhl um seine eigene Achse und gab den Blick auf die Gestalt frei, die hinter ihm stand.
Er zog scharf die Luft ein vor Ekel, aber auch vor Überraschung. Das, was er sah, war zwar ein Wesen, das zum größten Teil aus mechanischen Teilen zu bestehen schien, aber dennoch war es auch durchaus menschlich. Augen, Ohren und einige Gliedmaßen waren durch künstliche Ersatzteile ausgetauscht worden. Der Rest der Haut wirkte alt, sehr alt für jemanden aus einer Gesellschaft, in der man maximal zwanzig Jahre alt wurde. Er konnte sich nicht beherrschen und rief aus: "Ihr seid Menschen, ihr Höheren!"
Erschrocken über sich selbst biss er sich auf die Unterlippe.
"Hat man dich nicht angewiesen, nur zu sprechen, wenn du etwas gefragt wirst?"
Das runzelige Gesicht zuckte, die Falten um die Augen zogen sich zusammen, seine Miene nahm fast einen interessierten Ausdruck an. "Allerdings bist du der erste Sklave seit über zweihundert Jahren, der es wagt, eigenständig einen Satz zu formulieren. Das ist eine seltene Abweichung. Darum werde ich über deine Verfehlung vorerst hinwegsehen. Setz dich. Ja, in der Tat. Ich bin ein Mensch. Ein wirklicher Mensch, der so hoch über dir steht, wie deine Abart über konventionellen Nutztieren. Ich bin der Chefbibliothekar des Archivs. Wir benötigen regelmäßig neues Sklavenpersonal. Eine lästige Notwendigkeit, die man selbst im Jahr 2514 nicht besser lösen kann. Unsere Roboter sind einfach nicht in der Lage, mit den alten Büchern schonend umzugehen. Du weißt, was Bücher sind?"
20/0145 schluckte und beschloss, einen Vorstoß zu wagen. Sein Leben war schließlich das einzige, das er riskieren konnte.
"Ich weiß seit langem, was Bücher sind", antwortete er. "Ich habe auch schon einige gelesen. In diesen kamen Wesen namens Cyborgs vor. Etwas, das Euch der Beschreibung nach sehr ähnelt. Seid Ihr ein Cyborg?"
Der Kopf des Höheren ruckte herum - es wirkte beinahe mechanisch. Seine Augen flackerten, wohl ein elektronisches Äquivalent eines überraschten Augenzwinkerns. Er musterte sein Gegenüber wie das Exemplar eines exotischen Käfers. Keinerlei Emotion spiegelte sich in seinem Gesicht wieder.
"Du hast Bücher gelesen? Cyborg - ja, so hätte man uns früher vermutlich genannt, Sklave. Wie heißt du?"
"Zwanzig, Schrägstrich Nulleinhundertfünfundvierzig."
Er konnte kaum fassen, dass er immer noch lebte.
"Ach ja, ihr habt ja keine Namen im Zuchtgarten. Mein Name ist Alfred Lonsley, aber du kannst mich Alfred nennen. Zumindest, solange unser Gespräch hier andauert."
Der Höhere, der sich Alfred nannte, näherte sich dem Stuhl, auf den sich der Sklave gesetzt hatte. Direkt vor ihm blieb er stehen und schaute interessiert auf ihn herab.
"Faszinierend! Ich wusste zwar, dass man euch Grundlagen im Lesen und Schreiben beibringt, aber ich habe schon seit sehr langer Zeit keinen Sklaven mehr gesehen, der in der Lage war, Informationen zu sammeln, auszuwerten und daraus eigene Schlussfolgerungen zu ziehen. Du hast mein Interesse geweckt. Erzähl mir, was du dir unter dem Begriff Höhere vorgestellt hast?"
Das Wort Zuchtgarten blinkte wie ein Warnlicht im Hinterkopf von 20/0145, dennoch begann er zu sprechen, von Außerirdischen, welche die Menschen versklavt hätten, von der Idee, dass die vereinte Menschheit nicht gegen sie hatte bestehen können. Von Überwesen, die ihnen an Körper und Geist weit überlegen waren.
Der Höhere - Alfred - legte beim Zuhören den Kopf auf die rechte Seite. Er schien genau zu analysieren, was das Gehirn von 20/0145 ausgebrütet hatte.
Als der Sklave schwieg, sprach auch Alfred lange Zeit nicht. Er verschränkte die künstlichen Arme, kratzte sich schließlich das Kinn. Eine ziemlich menschliche Geste.
"Du bist mit deinen Schlussfolgerungen der Wahrheit sehr nahe gekommen."
Er unterbrach sich, offenbar unschlüssig, ob er sich mit dem Sklaven noch länger beschäftigen sollte. Dann, vielleicht einer plötzlichen Eingebung folgend, sprach er weiter.
"Wie du mir zweifellos angesehen hast, bin ich ein Mensch. Unsere Rasse war schon weit entwickelt, als im Zweiundzwanzigsten Jahrhundert immer noch Teile der Menschheit von Emotionen und niederen Instinkten getrieben wurden, Kriege führten und unglaubliche Gräueltaten begingen. Wir wollten unser Wissen weitergeben, zeigen, wie man Überbevölkerung, Hunger und Gewalt überwindet. Doch statt unsere Hilfe anzunehmen, wurden wir von unseren Gegnern angegriffen - zum Glück mit wenig wirksamen Mitteln. Der Krieg dauerte lange, aber wir, von Neid, Hass und Eifersucht befreit, konnten nicht verlieren.
Seit langem haben wir die gefährlichen Seiten unseres Selbst aus unseren Gehirnen getilgt. Keine störenden Emotionen bedeuten zugleich den fehlerlosen Einsatz aller Fähigkeiten. Auch diese Gabe wollten wir teilen. Viele waren bereit dazu, aber nicht alle; doch wir verschonten die Zaudernden.
Diejenigen, die weiterhin an ihren Emotionen und ihren Trieben festhielten, wurden in Städten, wie du sie kennst, angesiedelt. Doch leider sind die meisten dieser Menschen in Stadien zurück gefallen, in denen sie nur noch fähig sind, als Sklaven niedrigste Arbeiten auszuführen. Mit wenigen Ausnahmen ?"
20/0145 wusste nicht, was er sagen sollte. Aber das war auch gar nicht notwendig. Ein kurzer Schmerz blitzte in seinem rechten Unterarm auf, dann wurde ihm schwarz vor Augen.

***

Alfred Lonsley blickte noch einen Moment kopfschüttelnd auf den festgeschnallten und betäubten Sklaven, dann wandte er sich um und verließ den Raum.
"Was haltet ihr davon?", fragte er. In Bruchteilen von Sekunden wurde sein Bericht über seinen implantierten Comlink an die ranghöchsten Mitglieder des Sicherheitsrats weitergeleitet, inklusive der Aufnahme des Gesprächs zwischen ihm und 20/0145. Rasch lagen die Beurteilungen vor. Sie deckten sich mit Alfreds eigener Meinung.
"Gefährlich, sehr gefährlich. Er muss umgehend aus dem Verkehr gezogen werden."
Alfred erhob gebieterisch die Stimme und ließ keinen Zweifel daran, wer hier etwas zu sagen hatte.
"Natürlich. Wenn er in Erfahrung brächte, dass die richtigen Menschen seine Unterspezies nur als Organspender und Wirtskörper verwenden, und er bliebe danach am Leben, wäre das äußerst kontraproduktiv. Das Märchen vom Arbeitsdienst könnte man nicht mehr lange aufrechterhalten. Es wäre tatsächlich möglich, dass erneut ein Aufstand unter den Sklaven ausbräche wie vor fünfzig Jahren. Wir hätten keine Körper mehr, in die wir uns weiterverpflanzen könnten. Unsere gesamte Gesellschaft könnte bedroht sein. Dieses Risiko werden wir nicht eingehen."
"Unsere Wissenschaftler müssen sich geirrt haben", warf Serina, die Expertin für Implantationsverfahren, ein, die seit einigen Wochen wieder einen jungen Körper besaß. "Laut unseren Forschungsergebnissen hätte sich ein menschliches Gehirn ohne positronische Implantate in einer Umgebung wie einem Zuchtgarten niemals so weit entwickeln dürfen. Wir müssen ausgiebige Tests vornehmen. Eine weitere derartige Entwicklung muss genetisch unterdrückt werden."
Alfred schien eine Weile nachzudenken. Dann meinte er bedächtig: "Ich stimme zu. Allerdings werden diese Tests direkt am Gehirn vorgenommen. Sein Körper wird weiterverwendet werden. Zudem müssen wir die Bücher, die er gelesen hat, finden und vernichten. So etwas darf nicht noch einmal geschehen."

***

20/0145 träumte. Er fand sich in einer großen Leere wieder, in der er körperlos schwebte. Dennoch war er sich völlig bewusst, dass es sich um einen Traum handelte - handeln musste. Das machte die Sache tröstlich, denn so konnte er Pläne schmieden. Wenn er aufwachte, würde er, wie geplant, in der Bibliothek arbeiten. Dort konnte er in unbeobachteten Momenten in den alten Büchern nachlesen, wie die Geschichte wirklich verlaufen war. Vieles, das Alfred erzählt hatte, war ihm seltsam und fragwürdig vorgekommen, eher wie ein Standpunkt, weniger wie eine Tatsache.
Sobald der Traum zu Ende war, würde er einen Weg finden, Wissen auch für andere nutzbar zu machen. Es musste möglich sein, zukünftigen Generationen von Menschen im Zuchtgarten ein besseres Leben zu ermöglichen. Schritt für Schritt. Und irgendwann würden sie keine Sklaven mehr sein. Er würde den ersten Schritt in die richtige Richtung tun.
Nach dem Traum. Nach dem Erwachen.


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