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Aus dem Buch: Hrsg. Renate Zawrel Hrsg. - 24 Geschichten aus dem Tierreich
 
Tierischer Adventspaß
Manuela Daniel

Ich verstehe die Menschen nicht mehr, seit Tagen herrscht hier ein hektisches Getümmel im Haus. Nicht mal in meinem Katzenkörbchen gönnt man mir Ruhe.
Dauernd kommt mein Frauchen mit einem langen Stiel, an dem so ein komisches Tuch eingespannt ist, platziert mein Körbchen an einem anderen Platz, und rubbelt mit dem Stiel-Tuch auf dem Boden herum. Ich werd? sogar noch dafür ausgeschimpft, dass ich auch mal mit dem Tuch spielen möchte.
Immerhin bin ich eine Katze und mein Frauchen bewegt den Schrubber, so nennt sie nämlich dieses Teil, immer hin und her. Wenn Frauchen die Spiel-Maus vor meiner Nase schwingt, darf ich ja auch danach pföteln und sie schimpft nicht mit mir.
Die großen Menschen muss ich nun wirklich nicht verstehen. Aber die beiden Kinder haben auch keine Zeit mehr, mit mir zu spielen! Dauernd flüstern sie miteinander, tun total geheimnisvoll und schließen sich dann in ihre Zimmer ein. Es riecht im ganzen Haus auch seltsam. Seit neustem steht so ein komisches Ding im Wohnzimmer auf dem Tisch, darin stecken vier große, rote, runde Dinger, bei denen oben ein kleines weißes Seil ?rausguckt.
Ich hab mich mal auf den Tisch geschlichen und wollte probieren, ob das vielleicht Leckerchen für mich sind. Ich sage euch, das ist vielleicht ein komischer Geschmack, sowas mutet man doch keinem Kätzchen zu. Frauchen hat mich leider beim Probieren erwischt und vom Tisch gejagt. Sie wurde richtig böse. So habe ich sie noch gar nicht erlebt. Vielleicht sollte es aber auch eine Überraschung für mich sein? Irgendwann zieht sie sicher an den Seilen und in diesen runden, roten Dingern sind dann lauter Leckerlis für mich! Da kann ich schon verstehen, warum sie mich jetzt weggejagt hat.
Mein Herrchen ist auch gemein zu mir geworden. Erst gestern kam er mit einem Karton nach Hause, der ganz lustig knisterte und oben war eine Schleife drauf. Erst hat er in die Kinderzimmer geschaut, dann lächelnd mit dem Kopf genickt, den Karton auf seinem Schreibtisch abgestellt und ist darauf in die Küche gegangen.
Ich bin ja nicht neugierig, aber so ein schönes Knistern! Und dann diese tolle Schleife! Also bin ich hochgesprungen und habe zuerst mit der Schleife gespielt, aber dieses glänzende, knisternde Papier hatte es mir noch mehr angetan. Ich habe mal ein wenig davon in mein Mäulchen genommen und daran gezogen. Was für ein Spaß! Endlich denken die Menschen auch mal an mich! Besonders lustig ist es, wenn man mit den Krallen quer durch das Papier fährt. Ein tolles Geräusch und es ist fast wie im Winter ? lauter glänzende kleine Stückchen fallen sanft auf die Erde.
Auf einmal ertönte ein lauter Schrei von meinem Herrchen. Ich dachte, er hätte sich wehgetan und bin zu ihm gelaufen, um zu sehen, ob es ihm gut geht. Doch statt dankbar dafür zu sein, dass ich mich um ihn kümmern will, guckt er mich richtig böse an, schimpft und schmeißt mich aus dem Zimmer. Zu allem Kummer macht er hinter sich auch noch die Tür zu und reagiert nicht auf mein Jammern. Sonst hat er mich immer auf den Arm genommen und gestreichelt, bis ich mich wieder beruhigt habe.
So langsam werde ich nun böse auf die Menschen. Im Moment scheine ich überall zu stören. Dauernd höre ich den Satz: "Weg hier, Miezi, du störst."
Aber ich kann auch stur sein. Immerhin bin ich eine Katze. Ab jetzt werde ich mich nicht mehr um die Menschen kümmern und nicht mehr nachschauen, wenn mal wieder einer von denen schreit. Also verkrieche ich mich unters Sofa und gebe die nächsten Stunden keinen Mucks mehr von mir. Irgendwann werden die Menschen traurig sein, weil sie denken, ich sei weggelaufen und dann nach mir rufen ?
Nanu, warum tut sich denn nichts? So langsam werde ich nervös. In der Küche sind laute Geräusche zu hören: Frauchen und die Kinder reden dauernd von Mehl und Ausstechen.
Ein leckerer Geruch dringt bis unters Sofa, aber keinem scheint aufgefallen zu sein, dass ich nicht mehr da bin. Ob ich vielleicht doch mal in der Küche nach dem Rechten schauen soll?
Auf leisen Pfoten schleiche ich mich durch die halboffene Tür und sehe auf der Arbeitsplatte eine große Holzrolle und ein Blech mit lauter lustigen Figürchen, die Frauchen gerade in den Ofen schiebt. Langsam bewege ich mich auf das Blech zu und schnuppere daran. Frauchen stöhnt auf, eins der Kinder packt mich im Genick, trägt mich aus der Küche und schließt die Tür, nicht ohne zuvor: "Jetzt nicht!" zu rufen.
Mittlerweile habe ich gehört, dass meine Familie diese Zeit Adventszeit nennt. Ich werde jetzt auch eine Katzenadventszeit machen und wenn dann wieder mal einer von denen mit mir spielen will, werde ich ein: "Jetzt nicht" mauzen, mich umdrehen und einfach weggehen. Sollen sie sich doch jemand anderen zum Spielen suchen. Mir reicht es nämlich.
Ich hoffe nur, dass diese Zeit nicht allzu lange dauert, denn ich vermisse meine Streicheleinheiten und möchte doch von allen geliebt werden. Vielleicht ist es ja morgen schon wieder vorbei.
Also für Katzen ist die Adventszeit wirklich grausam. Ich bin dafür, dass die abgeschafft wird, damit man sich wieder um mich kümmert. Mit diesem Gedanken und mit knurrendem Magen lege ich mich in mein Körbchen, denn die haben vor lauter Aufregung sogar vergessen mich zu füttern.
Was ich jetzt machen werde? Schlafen! Denn wenn ich von Knisterpapier, Schleifen und lauter Leckerlis träume, kann mich niemand ausschimpfen.


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