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Aus dem Buch: Sissy Gross - Abenteuer im Drachenland - (Auswahlband)
 
Zapps abenteuerliche Suche nach dem Regenbogen

Allabendlich, noch vor Einbruch der Dunkelheit, legte sich alles im Sandmännchenwald schlafen: Bäume, Sträucher und Blumen ruhten bis zum Sonnenaufgang träumend auf dem Waldboden. Erst dann richteten sie sich wieder auf und streckten ihre Wipfel, Blätter und Blüten nach den ersten Sonnenstrahlen aus. Bald waren der Wald und seine Bewohner zu neuem Leben erwacht.
Wie immer schwebten die Honigelfen zu den zahlreichen süßen Blüten auf der Wiese. An diesem Morgen spürten sie, dass die Luft von Unruhe erfüllt war und das machte sie besorgt.
Auch in der Drachenhöhle ging es morgens munter zu: Drei kleine Drachen, Zapp, Rapp und Tama, erfüllten sie nämlich mit reichlich Trubel, bis die Mutter sie nach draußen schickte. Auf der Wiese liefen sie den Elfen entgegen, aber die geflügelten Wesen umschwirrten sie heute nicht lachend.
"Was ist los?", fragte Zapp, das älteste Drachenkind. "Wo ist eure Unbeschwertheit, euer Lachen geblieben??
"Das wissen wir selbst nicht, aber wir fühlen, dass heute etwas Aufregendes geschehen wird!?, riefen die Elfen, ließen sich auf den Blüten nieder und die Drachenkinder wandten sich ihrem Spiel zu.
Die Sonne stieg höher und auf einmal drang lautes Zischen bis zum Sandmännchenwald hinunter.
Die Honigelfen horchten auf und schwirrten unruhig umher. "Unsere liebe Sonne weint!?, riefen sie. "Es sind ihre Tränen, die so zischen, als fielen sie auf heißes Gestein!?
Die Waldbewohner und die Drachenkinder erschraken bei dieser Nachricht, denn außer den Elfen verstand niemand die Sprache der Sonne.
"Unsere gute, alte Sonne vermisst schmerzlich ihren Regenbogen", übersetzten die Elfen. "Er wurde ihr gestohlen. Und weil es heute gegen Abend regnen wird, braucht sie ihn dringend.?
Allen war bewusst, zu Sonnenschein und Regen gehörte als dritter im Bunde der Regenbogen.
Zapp schwor deshalb: "Die Sonne sollte nicht mehr traurig sein. Lachen und den Himmel zum Strahlen bringen, ja, das soll sie. Ich werde den Regenbogen finden!"
"Das schaffst du nicht allein!?, riefen die Elfen. "Wir kommen mit!"
Zapp schüttelte sein Drachenhaupt. "Bei der Suche kann ich keinen gebrauchen, auf den ich auch noch aufpassen muss.?
Er holte seinen Ausflugs-Rucksack, steckte ein paar Brocken Maisbrot hinein und nutzte einen günstigen Augenblick, um sich, von den Eltern unbemerkt, davonzuschleichen. Guter Dinge schritt er dahin, ohne zu ahnen, was für ein Abenteuer ihn erwartete.
Er lief und lief. Seine Pranken schmerzten bereits empfindlich.

Unbarmherzig brannte die Sonne auf ihn nieder. Schließlich erreichte er einen schattigen Wald, ließ sich erschöpft ins kühle Moos fallen und dachte: "Was mache ich eigentlich hier? Meine Geschwister und Freunde spielen derweil im Schatten und erfrischen ihre Pranken im kalten Bach. Ich aber laufe durch die Hitze, um einen Regenbogen zu finden, den irgendeiner gestohlen hat."
Doch dann besann er sich auf seinen Schwur, erhob sich seufzend und setzte seinen Weg fort.
Nach einer Weile lichtete sich der Wald. In der Ferne erblickte Zapp eine große Dunkelheit, in der Lichter blinkten. "Seltsam?, dachte er, "es ist doch Tag. Warum ist dort hinten schon Nacht??
Das musste er genauer wissen. Mutig bewegte er sich trotz seiner Furcht auf die Dunkelheit zu. Er dachte dabei an die liebe Sonne und an seine Worte: "Ich werde den Regenbogen finden.?
Schneller als gedacht stand er vor der finsteren Wand.
Und dann trat Zapp in die Dunkelheit ein! Es war unheimlich.
Bei jedem Geräusch pochte sein kleines Drachenherz lauter. Zu seiner Rechten vernahm er plötzlich flüsternde Stimmen, konnte aber nichts erkennen. Gab es hier Zwerge oder Trolle?
Unerwartet und lautlos wurde er von hinten zu Boden gerissen. Heisere Stimmen kreischten: "Was sucht du hier? Bei uns gibt es nichts zu holen und Fremdlinge dulden wir nicht!"
Wehrlos lag der kleine Drache am Boden, während stinkende Wesen, die er wegen der Dunkelheit nicht erkennen konnte, auf seinem Körper und um ihn herumsprangen. Dabei riefen sie: "Aus welcher Welt kommst du? Einen wie dich haben wir noch nie gesehen!"
Zapp wurde vor Angst übel.
"Ich muss mich zusammenreißen", dachte er. "Sie dürfen meine Furcht nicht spüren, sonst bin ich verloren."
Allmählich gewöhnten sich seine Augen an die Dunkelheit und er erkannte viele böse grinsende Koboldgesichter.
In den aufgerissenen breiten Mäulern leuchteten schwarz durchlöcherte, gelbe Zähne. Ekliger Geruch fuhr Zapp in die empfindliche Nase. Wie Ameisen hatten diese Fieslinge ihn überfallen. Sie waren schnell und stark. Gegen alle zusammen würde er allein nicht ankommen.
"Antworte uns endlich?, knurrten die Scheusale drohend.
Zapp gab sich Mühe, seine Stimme nicht zittern zu lassen, als er sagte: "Ich bin ein Drache und in der Märchenwelt im Sandmännchenwald daheim. Ich suche den Regenbogen, der unserer Sonne gestohlen wurde und habe versprochen, ihn zu finden und zurückzubringen!"
Die Kobolde lachten so laut und schrill, dass Zapp glaubte, taub zu werden. "Hier im Finsterland siehst du weder Sonne, Mond noch Sterne?, kreischten sie. "Wo soll bei uns ein Regenbogen sein? Den brauchen wir nicht!"
"Dann muss ich weiter suchen! Bitte, lasst mich gehen?, bat Zapp.
"Langsam, Drache! Ohne Geschenke für uns kommst du nicht davon. Du hast doch welche dabei?"
Zapp fühlte, dass ihm Tränen übers Gesicht liefen. "Nein, ich habe keine Geschenke für euch. Ich suche doch nur nach dem Regenbogen!"
Aber die Kobolde hatten kein Erbarmen. Sie zerrten den kleinen Drachen in die Höhle und noch tiefer in die Dunkelheit hinein. Dort sperrten sie ihn in ein enges Verlies. Darin musste er auf Knien hocken, denn zum Stehen reichte der Platz nicht. Stockfinster war es nun um Zapp. Er konnte die Pranke nicht vor den Augen sehen.
"Hier bleibst du, bis du uns Geschenke aus deiner Welt überreichst!?, kreischten die Fieslinge und verschwanden.
"Geschenke?", dachte Zapp wütend. "Wasser zum Waschen hättet ihr Stinker am nötigsten."
Er verspürte Hunger. Mit einiger Mühe gelang es ihm, den Rucksack abzunehmen. Vielleicht fand er außer dem Maisbrot ja auch noch Kekse vom letzten Ausflug! Leider stieß er nur auf ein paar Tütchen Brausepulver, die seinen Hunger nicht stillen würden. Eben wollte er sich das Maisbrot in den Mund stecken, da fiel ihm ein, dass dies vielleicht ein passendes Geschenk für die Kobolde war.
Kurz darauf standen sie auch schon wieder vor ihm.
"Na, Märchenländer, hast du nun etwas für uns?", riefen sie ungeduldig.
Zapp holte das Maisbrot hervor. Gierig rissen die Fieslinge ihm das Wenige aus der Pranke. Jeder schnappte danach und ? hast du nicht gesehen ? war das Brot verschlungen. Die gelben Augen der Kobolde leuchteten böse auf. "Was soll das sein? So sieht doch kein Geschenk aus; außerdem ist es viel zu wenig für uns alle?, kreischten sie.
Da fiel Zapp das Brausepulver ein. "Ehe ich euch ein zweites Geschenk mache, müsst ihr mich freilassen", verlangte er.
Die Gier der Kobolde war größer als ihre Vorsicht. Sie öffneten das Verlies und der kleine Drache kroch heraus. Er reckte und streckte sich. Wie gut, dass er sich nichts verrenkt hatte.
"Das Geschenk!?, befahlen die Kobolde ungeduldig.
"Erst will ich dorthin gebracht werden, wo das blinkende Licht ist oder ich esse mein Geschenk selbst?, rief Zapp drohend.
Sofort zerrten die Kobolde ihren Gefangenen durch die Dunkelheit vorwärts.
Das Licht erwies sich als leuchtende Linie, die das Finsterland von der Märchenwelt trennte. Hier herrschte Dämmerlicht und Tapp konnte nun alles deutlich sehen. Er holte die Brausetütchen aus dem Rucksack und warf sie zwischen die Kobolde. Die balgten und rissen sich darum. Doch sobald das Pulver mit ihrer Zunge in Berührung kam, drang ihnen Schaum aus Nase und Ohren und sie bekamen keine Luft mehr.
Nun wäre für Zapp der richtige Augenblick gewesen, sich aus dem Staub zu machen. Aber was wurde dann aus der Suche nach dem Regenbogen?
Da schallte es von der blinkenden Linie zu ihm herüber: "Komm zurück, Zapp! Komm zurück! Alles ist wieder gut!?
Mit einem gewaltigen Satz übersprang der kleine Drache die leuchtende Grenze.
Da wurde es hell um ihn und er war wieder im Märchenland.
Daheim im Sandmännchenwald empfingen ihn aufgeregt die Honigelfen. "Gut, dass du wieder in unserer Mitte bist. Die Sonne muss dir etwas gestehen.? Schon zuckten helle Strahlen über die Wiese und die Elfen übersetzten: "Es tut mir leid, kleiner Drache, dass du dich für mich ohne Not in Gefahr begeben hast. Ich bin uralt und deshalb vergesslich. Den Regenbogen hat mir niemand gestohlen. Ich hatte ihn nur verlegt! Tapferer Zapp, ich werde es wieder gutmachen!"
"Ist schon in Ordnung, liebe Sonne", rief der kleine Drache zum Himmel hinauf. "Ich bin dir nicht böse."

"Wo warst du so lange??, wollten Rapp und Tama wissen. "Zum Glück sind Mama und Papa seit Stunden mit dem Flammenwerfen beschäftigt. Deshalb haben sie nicht gemerkt, dass du weg warst.?
"Kommt, wir setzen uns auf die Wiese", sagte Zapp. "Dort werde ich euch von meinem Erlebnis berichten, denn es ist eine lange Geschichte."
Die Honigelfen schwirrten voraus zu einem schattigen Plätzchen.
Der kleine Drache redete nun mit Armen und Beinen: Mal stellte er die Kobolde dar, mal sich selbst. Er war so stolz darauf, ein solches Abenteuer erlebt und ungeheuren Drachenmut bewiesen zu haben. Rapp und Tama aber beneideten ihn ein ganz klein wenig!
Plötzlich verschwand die Sonne, die ersten Tropfen fielen und dann goss es wie aus Eimern. Die Honigelfen versteckten sich unter den Blättern eines Baumes und die Drachenkinder trampelten fröhlich im Regen umher. Noch ehe die letzten Tropfen gefallen waren, erschien die Sonne erneut am Himmel und mit ihr ein wundervoller Regenbogen. Darüber stand ein kleines Wölkchen, das wie ein Drachenkopf aussah.
"Die Sonne sagt, das ist das Bild des tapferen kleinen Drachen", übersetzten die Elfen das Blinkern der Sonne.
Von diesem Tag an war Zapp der Held des Sandmännchenwaldes.


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