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Aus dem Buch: Jutta E. Schröder - Omaliebchen erzählt - (Auswahlband)
 
Brummelmann will nicht essen
An einem schönen Sonntagmorgen ging Katharina mit ihrer Mutter zum Gottesdienst. Als sie auf dem Heimweg waren, fand das Mädchen allerlei Dinge, die ihm sehr interessant erschienen.
"Mama, was ist das? Wozu kann man das gebrauchen? Mama, sieh mal, da sind Ameisen. Kann ich eine mitnehmen??
"Katharina, bitte lass das", mahnte die Mutter. "Man kann Ameisen nicht mitnehmen. Komm, gehen wir weiter, wir müssen nach Hause. Papa wartet gewiss schon auf sein Mittagessen. Hast du keinen Hunger?"
Doch Katharina war schon weitergelaufen und fand ? ja, was fand sie denn da? Einen Käfer! Es war nicht irgendeiner, sondern ein Maikäfer.
Der kam ihr so wunderschön vor, dass sie bettelte: "Mama, bitte, darf ich den mit nach Hause nehmen, bitte, bitte.?
Eigentlich wollte Katharinas Mama ablehnen. Doch in diesem Augenblick schauten die Kinderaugen sie so lieb und flehend an, dass sie dachte: ?Es wird der Natur nicht weh tun, wenn ein Käfer abhandenkommt.?
Zu ihrer Tochter sagte sie: "Nur unter einer Bedingung: Du kümmerst dich um den Maikäfer. Er braucht jeden Tag frischen Löwenzahn. Wenn ich sehe, dass du dich nicht um ihn sorgst, lass ich ihn sofort frei. Hast du mich verstanden??
"Ja, ja, mach ich. Ich verspreche es!", rief das Mädchen voller Freude und ließ sich von der Mutter zeigen, wie Löwenzahn aussah. Eifrig sammelte das Kind frische Blätter, um sie für ihren Käfer mitzunehmen.
Zu Hause angekommen, wurde rasch ein Häuschen für das Tierchen gebastelt. In einen Schuhkarton stach Katharina viele Luftlöcher, die ihm das Atmen ermöglichten. Die Löcher durften nicht zu groß sein, damit der Krabbler nicht durchschlüpfen konnte. In den Karton hinein legte das Mädchen die Löwenzahnblätter und setzte darauf den Käfer.
"Jetzt braucht er noch einen Namen", sagte Katharina und überlegte. "Brummelmann!?, rief sie. "Weil er so brummte, als wir heimgingen.?
Katharina war glücklich. Den Schuhkarton stellte sie neben ihrem Bettchen auf den Nachttisch.
Wie es der Mutti versprochen hatte, suchte das Mädchen jeden Tag das beste Futter für ihren Käfer. Doch leider verwelkten die Blätter, ohne dass Brummelmann auch nur einmal daran geknabbert hätte.
Enttäuscht ging Katharina zu ihrer Mutti und erzählte ihr, dass der Käfer nicht fressen wollte.
Da nahm die Mutter sie auf den Schoß und versuchte zu erklären: "Weißt du, mein Liebes, ich glaube, dein Brummelmann will lieber draußen sein in der Natur. Dort, wo er auch hingehört. Was meinst du?? Sie schaute mit ernstem Blick auf Katharina.
Dem Kind standen Tränen in den Augen.
Es lief in sein Zimmer und öffnete den Deckel des Schuhkartons. Behutsam nahm es Brummelmann zwischen die Finger, hob ihn hoch und sah seinen kleinen Freund lange an.
"Warum frisst du denn nicht?", fragte Katharina. "Habe ich dir nicht immer gutes Futter gebracht? Ich habe lange suchen müssen, bis ich es gefunden habe. Es ist alles nur für dich, weil ich dich doch liebe. Weißt du das nicht? ? Sie setzte den Käfer wieder in den Karton und schloss den Deckel.
Die Schlafenszeit nahte. Katharina sah noch einmal nach dem Maikäfer. Wieder hatte er nichts gefressen. Traurig ging das Mädchen zu Bett. Bald darauf schlief es tief und fest.
Doch was war das? Plötzlich hob sich der Deckel des Schuhkartons, der Maikäfer krabbelte heraus und direkt auf Katharinas Nasenspitze.
Er brummte: "Wach auf! Ich möchte mit dir reden."
Das Gebrumm und Gekrabbel auf der Nase weckten Katharina und der kleine Käfer wiederholte: "Ich muss mit dir reden!"
"Du kannst ja sprechen!?, flüsterte das Mädchen, nahm den Maikäfer von der Nase und ließ ihn auf dem Finger sitzen.
"Ja, so ist es gut, so können wir uns besser unterhalten", summte der Käfer.
"Worüber willst du denn mit mir reden?", wollte Katharina wissen. "Und warum frisst du denn das Futter nicht??
"Gerade darum geht es", gab der Käfer traurig zur Antwort. "Weißt du, kleines Mädchen, es liegt nicht an deinem Futter, oh nein, das Futter ist köstlich. brumm, brumm. Doch versteh mich richtig: Es schmeckt mir nicht, weil ? weil ich so einsam bin."
"Aber ?", Katharina wollte erklären, dass sie doch da sei und Brummelmann deshalb nicht allein sei.
Doch der Käfer ließ sie gar nicht aussprechen, sondern seufzte: "Ich möchte so gerne wieder frei fliegen können, auf Baumwipfeln landen und klettern. Ja, und wenn es geht, mit anderen Käfern zusammensein.?
Katharina hörte dem Krabbler aufmerksam zu. Wahrscheinlich hatte er recht. Daher sagte sie mit fester Stimme, obwohl ihr zum Weinen zumute war: "Gut, ich lasse dich frei, doch erst, wenn du wieder bei Kräften bist.?
Und damit erklärte sich der Käfer einverstanden.
In diesem Moment wurde Katharina von der Mutter geweckt. "Hallo, mein Kleines, aufwachen, die Sonne scheint. Heute wird wieder ein schöner Tag, was meinst du?"
Katharina hüpfte aus dem Bett, sauste an der Mutter vorbei und zog sich in Windeseile etwas für draußen über.
"Ja, wo willst du denn hin??, wunderte sich die Mutter.
Antwort bekam sie nicht, denn die Tochter war schon auf dem Weg in den Garten, um dort die leckersten Löwenzahnblätter zu pflücken. Wenig später und völlig außer Atem war das Mädchen zurück und legte die Blätter zu Brummelmann in den Schuhkarton.
Der kaute genüsslich an dem frischen Grün und ? es sah beinahe so aus, als blinzle er Katharina zu.


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