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Aus dem Buch: Helga Sadowski - Abenteuer im Ameisenland
 
Abenteuer im Ameisenland

Fridolin war ein aufgeweckter Ameisenjunge und lebte im tiefen Wald in einem Ameisenstaat.
Tagein, tagaus rannte er mit seinen Brüdern und Schwestern durch die Gegend und sammelte allerlei Dinge. Das wurde ihm irgendwann zu langweilig und so beschloss er fortzugehen.
In einiger Entfernung hatte er vor ein paar Wochen eine Felsengruppe entdeckt. Er hatte sich gefragt, was wohl dahinter sein mochte.
Fest entschlossen es herauszufinden, packte er eines Tages seinen Rucksack. Zog seine grobe Strickjacke an, die derben Wanderschuhe und machte sich auf den Weg ins Ungewisse. Fröhlich, ein Liedchen auf den Lippen, schritt er mutig voran. Zu Anfang begegnete er noch einigen Ameisen aus seiner Familie. Alle wollten wissen, wohin er denn ginge.
"Ich will mein Glück suchen!", war stets seine einzige Antwort.
Nach etlichen Stunden stand er plötzlich vor diesem riesigen Gebirge. So hoch hatte er sich das nicht vorgestellt. Es war sehr zerklüftet und mit allerlei Gräsern und Moos überwuchert.
Er lupfte seinen Filzhut und kratzte sich erst einmal am Hinterkopf.
Das würde sicher einige Stunden in Anspruch nehmen, da hinauf zu klettern. Was sollte er machen? Er hatte keine andere Wahl.
Nicht weit entfernt, entdeckte er einen Brombeerenstrauch. Die Beeren leuchteten verlockend in der Sonne. Er beschloss erst einmal, eine dieser leckeren Früchte zu pflücken und sich damit für den Aufstieg zu stärken.
Gesättigt und zufrieden schulterte er seinen Rucksack und machte sich an den Aufstieg. Vorsichtig setzte er einen Fuß vor den anderen, und seine ihm zur Verfügung stehenden vier Hände, waren stets bemüht den richtigen Halt zu finden. Jeder Handgriff und Fußtritt wollte wohlüberlegt sein.
Ächzend und schwitzend bewegte er sich weiter und weiter den ersten Hügel empor. Als er schon fast oben war, vernahm er eine Stimme unter sich, die seinen Namen rief.
Konnte das sein, oder bildete er sich das nur ein? Vorsichtig schaute er nach unten. Er wollte seinen Augen nicht trauen. Dort stand zu seiner Überraschung Ottokar, sein bester Freund.
Er war eine leicht untersetzte Ameise. Immer gut drauf und für jede Dummheit zu haben ? ein echter Kumpel eben.
So schnell Fridolin konnte, bewältigte er den Rest des ersten Hügels und suchte sich dort oben einen sicheren Platz. Er winkte seinem Freund zu und legte seine oberen Hände wie einen Trichter um seinen Mund. "Komm hoch", schrie er, so laut er konnte, "wenn du mich begleiten willst!"
Sein Freund überlegte nicht lange und folgte ihm. Es dauerte aber eine ganze Weile, bis er ihn erreichte. Sie umarmten sich zur Begrüßung.
"Wo um alles in der Welt kommst du her?", wollte Fridolin wissen. Denn er hatte seinen Freund schon lange nicht gesehen.
"Ich war in unserem Staat, um euch mal zu besuchen. Da sagte man mir, dass du dich vor einer Ameisenstunde davongemacht hattest", erklärte er. "Also, bin ich dir, so schnell wie möglich, gefolgt. Was hast du jetzt vor?"
"Dachte, es wird Zeit mir, die Welt anzuschauen", erwiderte Fridolin. "Möchtest du mich nicht begleiten? Zu zweit macht das sicher viel mehr Spaß."
"Gerne, aber dann sollten wir weiterklettern, denn es wird in wenigen Stunden dunkel."
Meter für Meter kämpften sie sich gemeinsam höher und höher. Der oberste Hügel war nicht sehr bewachsen, was die Kletterei nicht einfacher machte. An einer besonders glatten Stelle kam Fridolin ins Rutschen. Er gab einen spitzen Schrei von sich, als er endgültig den Halt verlor.
Doch sein Freund bekam ihn gerade noch an einer Hand zu fassen. Trotzdem wurde es sehr brenzlig.
Mit voller Wucht schlug Fridolin sich die Hüfte erheblich an der Felswand an. Vor Schmerzen wurde ihm kurz schwarz vor den Augen.
Sein Kumpel aber hielt ihn nun bereits mit zwei Händen fest. Mit den anderen beiden sicherte er sich, so gut er konnte, am Felsen.

"Jetzt werde mir bloß nicht bewusstlos", schrie er den Freund an.
Der Verunglückte atmete mit geschlossenen Augen tief durch.
Erst dann schaute er zu seinem Retter mit schmerzverzerrtem Gesicht hinauf.

Er suchte mit seinen freien Händen nach Halt.
Was ihm schließlich auch gelang.
"Kannst mich wieder loslassen", gab er Bescheid.
"Pass jetzt besser auf!", forderte Ottokar energisch. Sie setzten ihren Weg schweigend fort.
Unter Aufbietung seiner letzten Kräfte, schaffte es der Verletzte mit etwas Hilfe bis ganz nach oben. Dort fanden sie ein kleines Plateau vor.
Der Boden war sehr uneben. Es gab unter anderem eine tiefe Mulde, welche sich zum Schlafen anbot. Sie rollten dort ihre Decken aus und machten es sich so bequem wie möglich. Für den herrlichen Ausblick, mit einem wunderschönen Sonnenuntergang, hatten sie aber keine Augen.
Zuerst begutachteten sie die Verletzung von Fridolin. Die Hüfte hatte sich bereits stark blau gefärbt und war auch sehr geschwollen.
Eilig schaute sich sein Begleiter nach etwas Kühlendem um. Unterhalb der Bergspitze, auf der anderen Seite, lief Wasser aus einem Felsspalt den Hügel hinunter.
Die Stelle war für ihn leicht zu erreichen. Er kletterte schnell hinunter und machte sein Taschentuch nass. Außerdem füllte er seine Feldflasche, die er immer bei sich trug.
Wieder oben angekommen, versorgte er den Verletzten und gab ihm auch ausreichend zu trinken. Erst jetzt bemerkten sie ihre Erschöpfung.
Eng aneinandergekuschelt schliefen sie, trotz des unbequemen Untergrundes, sehr schnell ein.

Am nächsten Morgen erwachten beide sehr früh. Fridolin konnte sich zuerst gar nicht bewegen. Alles tat ihm weh. Sein Freund bemühte sich, ihn wieder auf die Beine zu bekommen.
Es dauerte geraume Zeit, bis sie imstande waren, weiterzugehen.
Alles wurde wieder in ihren Rucksäcken verstaut, die Decken zusammengerollt und oben drauf gebunden. Ottokar übernahm zum Abstieg auch das Gepäck von Fridolin, damit der es leichter hatte.
Sie kamen nur sehr langsam voran. Denn hinunterzuklettern war doch nicht ganz so einfach. Immer wieder mussten sie rasten.
Nach einigen Stunden erreichten sie endlich die Ebene, durch die sich ein kleiner Bach schlängelte. Dort lagerten sie den Rest des Tages. Ottokar kühlte Fridolins Verletzung immer wieder.
Für die Nacht hatten sie zum Liegen einen bequemen Unterschlupf mit viel Moos und etwas Blattwerk darüber gefunden. Sie hatten die Hoffnung, wenn der Verletzte eine ganze Nacht schlafen konnte, dass es am nächsten Tag besser voranging.
Ottokar kannte hier in der Gegend ein Ameisendorf. Dort würden sie sich sicher einige Zeit ausruhen können. Die Bewohner waren sehr freundlich, als er das erste Mal dort gewesen war.
Der Patient schlief fast die ganze Nacht durch. Als über dem Fluss die Sonne aufging, fühlte sich Fridolin schon um einiges besser. Nach einem ausgiebigen mit gutem Appetit verzehrten Beerenfrühstück, machten sie sich erneut auf den Weg.
Sie kamen nun schon besser zurecht. Fridolins Schmerzen waren auszuhalten.
Da es stets an dem Gewässer entlangging, konnten sie seine Hüfte von Zeit zu Zeit wieder kühlen.

Gegen Mittag erreichten sie das Dorf. Es war seltsam still. Vorsichtig näherten sie sich.
Oh je! Was ist hier geschehen? Kein Stein befand sich mehr auf dem Anderen. Alles sah schrecklich verwüstet aus.
Ottokar standen Tränen in den Augen.
"Was ist hier geschehen, wo sind die Bewohner geblieben?"
Plötzlich vernahmen sie ein Rascheln unter einem der eingestürzten Behausungen. Sie überlegten, was das sein könnte und ob es nicht besser sei, das Weite zu suchen. Doch dann siegte ihre Neugier.
Sie hoben vorsichtig ein paar Steine an und schauten darunter, aber nichts war dort zu finden. Sie wollten schon aufgeben, als sie ein leises Weinen vernahmen.
Da war jemand verschüttet!
Schnell machten sie sich daran, alle Steine beiseite zu schaffen. Sie mussten sehr aufpassen, um nicht alles noch schlimmer zu machen.
Je tiefer sie kamen, umso lauter wurde das Schluchzen. Würden sie es noch rechtzeitig schaffen, das arme Geschöpf zu befreien?
Plötzlich war es ganz still. Fridolin legte sein Ohr an einen der Steine, doch nichts war mehr zu hören. Wie von Sinnen räumten sie den Rest vom Haufen nun Stein für Stein beiseite. Da, eine Hand!
"Hallo!", rief Ottokar. "Lebst du noch? Wir haben es bald geschafft, halte durch, wir kommen!"
Es dauerte dann aber noch geraume Zeit, bis sie ein Ameisenmädchen herausziehen konnten. Sie war in einem erbarmungswürdigen Zustand, Blut und Dreck verschmiert.
Ottokar öffnete seine volle Feldflasche und beträufelte ihren Mund ganz vorsichtig mit Wasser. Sein Freund kontrollierte ihren Herzschlag. Der war zwar sehr schwach, aber es gab ihn noch, immerhin. Vorsichtig trugen sie das arme Geschöpf an einen schattigen, sicheren Platz.
Fridolin, der jetzt dringend eine Pause benötigte, blieb bei ihr. Sein Kumpel machte sich derweil auf die Suche nach weiteren Opfern. Fridolin versuchte, sie so gut es ging zu säubern. Man konnte gar nicht sehen, wo sie wirklich verletzt war.

Auf einmal begann sie, ihre Augen zu öffnen. Ein leises Stöhnen rang sich aus ihrer Kehle. Als sie Fridolin wahrnahm, schreckte sie zurück.


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