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Aus dem Buch: Helga Sadowski - Neue Abenteuer im Ameisenland
 
Erwin hat ein Problem

Theobald war Vorarbeiter in einem Ameisenstaat. Wie an jedem anderen Tag stand er mit seinem weißen Schutzhelm und dem grauen Kittel auf einem großen Stein und versuchte, seine Mitarbeiter in einer ordentlichen Reihe zu halten.
Die Arbeiterameisen waren, wie üblich, mit karierten Hemden und blauen Latzhosen bekleidet. Sie trugen gelbe Schutzhelme, derbe Arbeitsschuhe und grobe, graue Handschuhe. Jeder hatten eine Kiefernadel geschultert.
Doch irgendetwas störte die Ordnung heute gewaltig.
Theobald konnte von da oben nur die gelben Helme und die Kiefernadeln erkennen. Doch was geschah da dauernd ziemlich in der Mitte der Reihe? Eine der Ameisen schien immer wieder einen Hüpfer zu machen. Es mutete seltsam an und störte seinen Ordnungssinn.
Also kletterte er nach unten und schaute sich die Riege von der Seite an. Natürlich, es war mal wieder Erwin, der tanzte immer mal aus der Reihe.
Da schon wieder diese Bewegung nach oben.
"Stopp! Alles stehenbleiben!"
Mit einem Ruck blieben alle Ameisen stehen, nur Erwin hüpfte schon wieder. Der Vorarbeiter lief puterrot an und ließ ihn vortreten.
"Was soll das, Erwin, kannst du nicht einmal wie alle anderen deinen Dienst tun?"
"Verzeihung Herr ... ehm ... hicks!"
"Willst du mich veralbern? Du weißt genau, dass ich nicht der Herr Hicks bin, sondern dein Vorarbeiter Theobald Schrups. Für dich immer noch Herr Schrups."
"Das weiß ich doch, Herr ... hicks ... Schrups, aber ich habe Schluckauf ... hicks, hicks."
"Das darf doch wohl nicht wahr sein! Du bringst mir dadurch meine ganze Ordnung durcheinander. Mach, dass du nach Hause kommst, und tu was dagegen."
"In Ordnung ... hicks ... ich gehe ... hicks ... ja schon."
Mit eingezogenen Fühlern machte er sich auf den Weg.
Unterwegs traf er seinen Freund Martin.
"Hallo Erwin, wo willst du denn hin, solltest du nicht helfen Fichtennadeln zu sammeln?"
"Hallo ... Hicks ... der Vorar ... hicks ... arbeiter ... hicks ... hat mich nach ... hicks ... geschickt", versuchte Erwin zu erklären.
"Nach hicks, wo soll das denn sein?"
"Frag ... hicks ... nicht so blöde ... hicks ... Ich habe Schluck? hicks ?auf. Und soll nach Hause ... hicks ... gehen."
"Halt dir die Nase zu, die Luft an und zähl bis zehn. Dann geht der Schluckauf weg", riet ihm sein Freund.
"Ich ... hicks ... kann es ja mal ... hicks ver ... hicks ... versuchen." Erwin hielt sich mit zwei Händen seine Nase zu: "Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben ... hicks ... acht ?"
"Nein, nein!", protestierte Martin. "Jetzt musst du noch mal von vorne anfangen. So nutzt das nichts. Konzentrier dich und ich zähle für dich."
"Gut, noch ... hicks ... nochmal."
Wieder holte Erwin tief Luft und hielt sich mit allen vier Händen Nase und Mund zu.
Sein Freund begann langsam zu zählen: "Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn."
Erwin atmete erleichtert aus und ein. Er war schon etwas blau angelaufen.
"Musstest du so langsam zählen?", fragte er vorwurfsvoll ganz außer Atem.
"Was willst du?", grinste Martin. "Es hat doch gewirkt, und das ist ja wohl die Hauptsache."
"Stimmt, mein Schluckauf ist weg ... hicks."
"Das war ja wohl nichts, das musst du noch mal machen."
"Hicks ... das kommt ... hicks ... gar nicht in Frage. Da ersticke ich dann endgültig ... hicks. Es muss noch was Anderes geben ... hicks."
"Ich kenne keine bessere Methode, leider. Da musst du jemand anderen fragen."
"Mach ich ... hicks ... bis später ... hicks."
Beide gingen in verschiedene Richtungen davon.
Erwin erreichte seinen Ameisenhaufen und traf an der Pforte den Herrn Pastor. Eine kugelrunde Ameise, wie immer schwarz gekleidet und sehr würdig voranschreitend.
"Hallo mein Sohn, wohin des Weges? Keine Arbeit heute."
"Grüß Gott ... hicks ... Hochwürden ... hicks", grüßte Erwin artig und machte einen Diener.
"Du armer Kerl, hast du den Schluckauf schon länger?", fragte der Herr Pfarrer besorgt. "Du siehst gar nicht gut aus. Kann ich etwas für dich tun?"
"Glaube ... hicks ... nicht, Hoch ... hicks ... würden. Das geht nun schon ... hicks ... Stunden so ... hicks. Mir tut schon ... hicks ... alles weh."
Zur Bekräftigung seiner Worte hielt er sich den Brustkorb mit allen Händen.
"Komm mit mir, mein Sohn, ich kenne da ein altes Hausmittel von meiner Mutter."
"Gerne ... hicks."
Erwin folgte dem Geistlichen zu einem Baum.
"Hier ist es richtig. Du machst jetzt einen Kopfstand und lehnst dich dabei gegen den Baumstamm, damit du nicht umfällst."
"Und ... hicks ... dann?"
"Dann zählst du solange, bis es aufhört. Du wirst begeistert sein. Ich muss nun nach Hause, meine Köchin wartet mit dem Mittagessen. Wenn ich zu spät komme, wird sie böse."
Ohne eine Antwort abzuwarten, ging er rasch davon.
Erwin aber tat, was der gute Ameisenpfarrer ihm empfohlen hatte. Er hatte einige Mühe, in den Kopfstand zu kommen. Weil er noch nie einen gemacht hatte, und weil der Schluckauf ihn immer wieder aus dem Gleichgewicht brachte.
Endlich hatte er es geschafft. Es sah lustig aus, wie er da so mit dem Kopf nach unten und den Beinen nach oben am Baum lehnte. Seine Bemühungen, zu zählen, hatten nicht allzu großen Erfolg. Er kam immer nur bis acht, um dann von einem erneuten Hicks unterbrochen zu werden. So langsam wurde ihm ganz schummerig im Kopf und er beendete die Übung. Er stieß sich von dem Baumstamm ab und stellte sich wieder auf die Füße. Er musste sich aber erst mal setzen, so schwindlig war ihm.
Traurig ließ er seine Fühler hängen. Sollte er diesen Schluckauf nie mehr loswerden?
"Was machst du hier, ich beobachte dich schon eine Weile. Eine Ameise, die auf dem Kopf steht und dabei an einem Baum lehnt, habe ich noch nie gesehen."
Neben Erwin stand eine Grille mit vor der Brust gekreuzten Armen und sah ihn verständnislos an.
"Ich ... hicks ... versuche, meinen Schluck ... hicks ... auf loszuwerden. Hicks!"
"Nichts leichter als das! Du gehst mit mir zum See und ich zeige dir, wie das geht."
"Bist du ... hicks ... sicher? Bis jetzt hat nichts geholfen ... hicks. Wie heißt du? Hicks ... mein Name ist Erwin ... hicks."
"Hahahahaha, Erwin Hicks, ich lach mich schlapp. Hahahahaha"
"Das ist nicht ... hicks ... komisch, ich ... hicks ... heiße Erwin ... hicks ... Hase."
Jetzt war es um die Fassung der Grille endgültig geschehen. Sie wälzte sich vor Lachen am Boden und konnte sich gar nicht mehr beruhigen. Dass sein schöner Frack dabei ganz dreckig wurde, konnte ihn auch nicht aufhalten.
Erwin schaute erst etwas böse, doch je länger die Grille lachte, umso lustiger fand er es. Schließlich begann er irgendwann, ebenfalls schrecklich zu lachen.
Denn wie man weiß, ist Lachen sehr ansteckend. Zum Schluss lagen beide völlig erschöpft nebeneinander am Boden und erholten sich nur langsam von ihrem Lachanfall.
Erwin wollte nun wissen, wie sein lustiger neuer Freund heißt.
"Ich heiße Bodo Grillewitz."
"Na, so viel besser ist der auch nicht", bemerkte Erwin trocken, was beide schon wieder zum Lachen brachte.
Irgendwann hatten sie sich beruhigt, standen auf und säuberten ihre Kleidung. Am Rücken halfen sie sich gegenseitig, indem sie sich den Dreck herunterklopften.
Danach fragte Bodo: "Kann es sein, dass dein Schluckauf weg ist?"


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