Jurek P – Unschuldige Liebe

Unschuldige Liebe

Meine Liebste! Meine Schönste! Meine Göttergleiche!

Wie sehne ich mich nach dir, nach der Liebe deines Herzens, nach der Reinheit deiner Seele, deiner schneeweißen, unschuldigen Aura, die stets umkränzt scheint von schwebenden, makellos im schönsten Sonnenlicht flimmernden Blütenblättern. Und doch kann ich nicht bei dir sein, trennt uns doch noch das triste Grau unüberwindlicher, kalter Gefängnismauern.

Und so bleibt mir vorläufig nur, immer wieder die wunderbaren Bilder der Vergangenheit heraufzubeschwören, die uns dereinst vereint sah. Damals. In Venedig. Du, einsam und verlassen auf dem menschenvollen Markusplatze, die kleine, zarte Hand deines Töchterchens in der deinen und in deinen unschuldigen Gedanken die Erkenntnis, dass dein erster Ehemann plötzlich und spurlos verschwunden war.

Es war das erste Mal, dass wir einander so innig verbunden waren, und dieses Bild von dir und deinem Kind würde nie mehr aus meinem Herzen zu löschen sein.

Die Kleine, ich weiß es, ist längst auf ihrem eigenen Weg und freut sich, schon bald, in drei Jahren bereits, volljährig zu sein und dann endlich auch offiziell in den wunderbaren Hardcorefilmchen mitwirken zu können, die sie so liebt.

Ach, was wären wir ohne unsere Kinder. Dein Söhnchen, das du in deinen zitternden Armen hieltest, als ich dich aus den eisblauen Fluten zwischen den schwedischen Schären zog, nachdem das Segelboot deines zweiten Mannes mit ihm in der Tiefe der Ostsee versank, weil er sich nicht aus den verhedderten Leinen befreien konnte.

Und doch weiß ich heute, dass weder deine noch die Seele deines Sohnes großen Schaden aus den Ereignissen damals gezogen hat. Der Junge steht heute in seiner schmucken Uniform souverän in vorderster Reihe der Kinderwehrsportgruppe und feiert seine ersten Erfolge.

Wie auch deine Jüngste, dein Goldlöckchen, dein Nesthäkchen. Ich sehe sie vor mir, wie sie tapfer und standhaft allen Anfeindungen und allem Hass in ihrer Kindergartengruppe widersteht, seit das farbige Mädchen in der Schlammpfütze erstickt ist.

Ich hoffe inniglich, dass ich bald wieder bei dir sein kann, dass die Zeit unserer Trennung bald vorbei sein möge, und sich die düsteren Gefängnistore wieder öffnen werden. Ich wünsche mir sehnlichst, dass die Staatsanwaltschaft die Mordanklage möglichst bald fallen lässt und die sturköpfigen, Paragrafen prügelnden Advokaten endlich einsehen, dass der Erfindungsreichtum deines dritten Ehemannes sehr wohl ausreichte, sich mit seiner eigenen Jagdwaffe aus zwei Metern Entfernung versehentlich selbst zu erschießen.

Meine Schöne, meine Reine, meine Unschuldige, Blütenweiße. Meine Taube. Ich weiß, alles wird gut werden. Bald schon, in zwei Wochen schon, werde ich dich im Gefängnis besuchen dürfen.

Pack schon mal das Nötigste zusammen.

Dein Luzifer

Jurek P ist Stammautor bei Sarturia, Herausgeber von Gegenwartsliteratur sowie Coach und Mastercoach im Bereich der markengeschützten Sarturia® Autorenschule. Neben seinen regulären Aufgaben greift er neu hinzugekommenen Autoren hilfreich unter die Arme und sorgt dafür, dass sie ihre Ziele verwirklichen können.

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