Meara Finnegan: Ich will doch nur dass du mich liebst

Sehn­süchtig betra­chte ich ihre schlanke Gestalt, die mit den hochhack­i­gen Schuhen um die Ecke klack­ert. Sie has­st es, so klein zu sein, obwohl ein Meter fün­fund­sechzig doch nun wirk­lich nicht klein sind; denke ich zumin­d­est. Oft habe ich es ihr gesagt, zuger­aunt, während ich sehn­süchtig die Hand nach ihr aus­gestreckt habe.

Ich werde es erneut sagen, laut, per­sön­lich, werde ihr das lange dun­kle Haar zurück stre­ichen und es in ihr Ohr flüstern, während ich sie umarme. An dem Tag, an dem ich es wagen werde, sie anzus­prechen. Aufmerk­sam schaue ich mich um und durch­bohre jeden dun­klen Winkel mit has­ser­füll­ten Blick­en. Wer auch immer es wagen sollte, meine Geliebte zu bedro­hen, wird dafür büßen müssen.

Früher am Abend hat sie noch fröh­lich ihren Fre­undin­nen zugerufen, dass sie auf sich selb­st auf­passen kann, dass doch nie­mand nachts unter­wegs und ihr Weg nicht weit ist.

Nun klack­ern die hohen Schuhe in immer schnellerem Abstand. Das Geräusch, das weit durch die dun­klen Gassen hallt, erin­nert sie daran, alleine zu sein. Verängstigt sie noch mehr als die dun­klen Schat­ten. Aber sie ist nicht alleine, denn ich wache über sie in den Schat­ten und geleite sie sich­er nach Hause.

Verträumt starre ich aus dem Fen­ster in den blauen Him­mel. An einem so schö­nen Tag sollte man hin­aus gehen und seine Lieb­ste zu einem Spazier­gang aus­führen. Die Sonne erprobt die Kraft ihrer Strahlen und wärmt meine Haut, an den Stellen, die nicht beschat­tet werden.

Ganz in der Nähe, nur wenige hun­dert Meter ent­fer­nt, ist ein her­rlich­er Park, eine grüne Oase in der Stadt. Am Woch­enende ist es über­füllt mit Fam­i­lien und kleinen Kindern, aber heute Nach­mit­tag sollte es nicht so über­laufen sein. Dort gibt es einen kleinen See. Sie sagte ein­mal, sie möge Tret­boote nicht lei­den, aber vielle­icht erlaubt sie mir, sie über das glitzernde Wass­er zu fahren. Ich schließe die Augen, und stelle mir ihr lachen­des Gesicht vor, wie es vor dem dia­man­ten glitzern­den Wass­er strahlt.

Auch die Glass­plit­ter haben geglitzert wie tausend Dia­man­ten. Ich wollte die Scheibe doch nicht kaputt machen, ich habe nur das Gle­ichgewicht ver­loren, als ich mich vom Ast des Baumes gebeugt habe. Meine Lieb­ste hat geschrien, so sehr geschrien. Sie hat sich unheim­lich erschrock­en. Auch ich war entset­zt, als sie mich so anbrüllte und auf mich ein­schlug. Über­all glitzerten die Scher­ben, und dann trübte das Blut ihren gleißen­den Schein …

Ich will doch nur, dass Du mich liebst!

Dann haben sie mich abgeholt…

Mein Kopf begin­nt zu schmerzen und ich schließe gequält die Augen. Ruhig atmen, ganz wie Dr. Mör­ler mir gesagt hat …

… ich öffne die Augen und starre verträumt in den blauen Him­mel. Die Sonne zeich­net einen dun­klen Schat­ten vom Git­ter auf mein Gesicht.

Ich will doch nur, dass sie mich liebt. Und mor­gen werde ich wagen mit ihr zu sprechen, und wir wer­den gemein­sam durch den son­ni­gen Park spazieren.

Meara Finnegan ist Autorin und Mit­glied im Aktiv­en-Team Sarturia’s

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