Rezension – Brutus und der Rotlicht-Kolibri

Dr. med. Diplom-Kriminologe Sebastian Schildbach:

Nachwort zum Kriminal-Thriller „Brutus und der Rotlicht-Kolibri“ von Paul Sanker, erschienen im Sarturia Verlag

Der Fall ist gelöst – wieso denn nun noch ein Nachwort?!
Der vorliegende faszinierende Krimi, den Sie immer noch nicht aus der Hand gelegt haben, beginnt auf der 1. Seite mit der Charakterisierung des Protagonisten Dr. Brutus Schmidt und überrascht auf der 2. Seite durch das erste Mordopfer. Solch eine Geschichte bedarf keines Vorwortes. Sie verwebt das berufliche und private Leben des Rechtsmediziners mit einem spannend konstruierten, sachkundigen Kriminalfall. Aus medizinischer und kriminologischer Sicht ist das Geschehen glaubwürdig und flüssig konstruiert.

Es handelt sich zwar um eine frei erfundene Geschichte, doch steigert es das Lesevergnügen zusätzlich, wenn man sich vor Augen führt, dass der Autor am Ort des Geschehens, nämlich in Köln, geboren wurde. Hier spielt nicht nur die Geschichte, sondern dort absolvierte der Autor sein Medizinstudium. Als späterer Neurochirurg agierte er selber immer wieder an der Grenze zwischen Leben und Tod. Vielleicht nur ein Zufall, dass er sich vor 20 Jahren in einer Gemeinschaftspraxis niederließ, in der ein Namensvetter des Protagonisten mit ihm zusammenarbeitete.

Die Situation des Arztes, sein Bezug zum Werk … auch hier verschwimmen die Grenzen, was die Story so wirklichkeitsnah macht. Ein Rechtsmediziner, der zwischen die Mühlsteine der Zuhälter-Mafia gerät, Bordellbesuche, mehrere Todesopfer, Zwangsprostitution – Eros und Thanatos, der Lebens- und Todestrieb, klassische und bewährte Beigaben für einen derart packenden Thriller. Glücklicherweise umfasst das Buch nur 214 Seiten, sodass man es gar nicht mehr aus der Hand legen mag, bevor man es zu Ende gelesen hat.

Für das Schreiben gelten vielleicht vergleichbare Regeln, wie für das Töten: Was bringt es, etwas zu erzählen, das keinen Nachhall hat, wenn man ihn zu Ende gelesen hat? Sind es nicht mitunter auch die Fragen, die sich ein Mörder selbst stellt: Wie erschaffe ich ein Werk von Bestand? Der Autor wünscht sich, dass der Leser noch nach der Lektüre an das Buch denkt. Der Mörder möchte trotz aller Destruktivität auch eine Tat von bleibendem Wert schaffen. Nicht nur für sich selber, sondern auch für alle Übrigen, die in das Bedingungsgeflecht seiner Tat eingebunden sind.

Das Schreiben, die Parallelen zum eigenen Leben, die Morde – feine Fäden, die zusammen die Textur ausmachen, die den Leser gefangen nimmt.

Dr. med. Diplom-Kriminologe Sebastian Schildbach

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