Andreas Gross — Einladung

Ich schritt die Straße hinab, um zu jen­er Adresse zu gelan­gen, zu der sie mich bestellt hat­te. Den Wagen hat­te ich in weis­er Voraus­sicht einige Meter ent­fer­nt, abgestellt. Sie sollte nichts von mein­er Ankun­ft mit­bekom­men, denn ich wollte die Gele­gen­heit zu nutzen, mich umzuschauen, bevor ich den Tre­ff­punkt erreichte.

Meine Schritte hall­ten auf dem Pflaster des Bürg­er­steigs wider, während alle paar Minuten ein Fahrzeug an mir vor­bei­fuhr. Der Wind trans­portierte nicht nur den Geruch der Abgase durch die Häuserzeile dieser Straßen, son­dern trug auch den Ges­tank des in der Nähe befind­lichen Klär­w­erks in meine Nase.

Ich fragte mich, warum sie mich aus­gerech­net an diesen garsti­gen Ort bestellt hat­te, hier im herun­tergekom­men­sten Vier­tel der Stadt. Hier veg­etierten Men­schen vor sich hin, die nichts mehr vom Leben erwarteten, die alle Hoff­nung auf Glück und Reich­tum ver­loren hat­ten. Die meis­ten von Ihnen hiel­ten sich mit Gele­gen­heit­sjobs über Wasser.

An vie­len Häusern bröck­elte der Putz von den Wän­den und Risse zogen sich durch das Mauer­w­erk. Die Far­ben der Fas­saden waren längst verblasst. Nie­mand schien sich für den Erhalt der Häuser zu interessieren.

Ich mochte diese Gegend nicht. Irgend­wie haftete ihr der Ein­druck von Ver­loren­heit an, der niemals wieder ver­schwinden würde.

Es erschien mir selt­sam, dass Sie sich frei­willig hier­her begeben hat­te, aber sie musste einen trifti­gen Grund dafür haben.

Eine dun­kle Wolke schob sich vor die Sonne und ver­stärk­te die Düster­n­is des Bildes, das sich vor mir ausbreitete.

Ich erre­ichte das Haus und hielt inne. Ein Irrtum? Hier würde ich sie bes­timmt nicht antr­e­f­fen. Nein, ganz bes­timmt nicht. Das Gebäude war nicht bloß herun­terkom­men und dem Zer­fall nahe. Es war eine Ruine. Die Fen­ster mit den einge­wor­fe­nen Scheiben wirk­ten wie schwarze Höhlen, hin­ter denen Mon­ster in der Fin­ster­n­is zu lauern schienen.

Entschlossen straffte mich und ging – trotz aller Bedenken — über die Straße. Ich musste mich ein­fach davon überzeu­gen, dass sie sich hier tat­säch­lich nicht aufhielt.

Die schief in den Angeln hän­gende Gar­ten­tür qui­etschte, als ich sie öffnete; mir kam es vor, als würde dieses Geräusch meilen­weit zu hören sein. Langsam ging ich den schmalen Pfad ent­lang, der zu ein­er kleinen Treppe führte.

Bevor ich sie erre­ichte, öffnete sich die Tür wie von Geis­ter­hand. Nie­mand zu sehen.

Ich erstar­rte. Was ging hier vor?

Doch bevor ich reagieren und meine Waffe ziehen kon­nte, hörte ich das heis­ere Bellen eines Revolvers. Ich spürte wie mich zwei Schläge in die Brust trafen.

Mist­stück, schoss es mir noch durch den Kopf, ehe ich zu Boden stürzte …

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Adnreas Gross ist Stam­mau­tor bei Sar­turia und Her­aus­ge­ber der STERNENHAMMER Buchrei­he. Er hat bere­its mit seinen Werken im Genre Sci­ence-Fic­tion viel Aufmerk­samkeit erregt und in dieser Sparte auch einen Lit­er­atur­preis errungen.

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