Beamten-Tristesse von Equik Bouard

Beamten-Tristesse (Beste Geschichte der Train­ingsauf­gabe 11)

© 2014 von Equik Bouard

Mein tris­ter Beamte­nall­t­ag begin­nt stets mit­ten in der Nacht: Pünk­tlich um halb acht reißt mich der Weck­er aus mein­er wohlver­di­en­ten Erhol­ungsphase. Früh­mor­gens um neun habe ich dann schlaftrunk­en mein­er, stechkarten-doku­men­tierten Anwe­sen­heit­spflicht und Arbeitsvortäuschung im Amt zur Evaluierung förderungswürdi­ger EU-kon­former Ambi­tio­nen nachzukommen.

Arbeit vorzutäuschen ist harte Arbeit. Meine vor­getäuschte Arbeit beste­ht zumeist aus dem müh­samen Umschicht­en irrel­e­van­ter Akten von einem Schreibtisch zum anderen und natür­lich dem Akten­studi­um an sich. Wobei das Vortäuschen inten­siv­en Akten­studi­ums während des Parteien­verkehrs zu den schwierig­sten Übun­gen im Beamte­nall­t­ag über­haupt zu zählen ist. Wirk­lich konzen­tri­ert eine Akte lesen, das kann jed­er, außer vielle­icht ein Anal­pha­bet. Aber unter den ungeduldig fordern­den Blick­en auf­dringlich­er Bitt- und Antrag­steller nur so zu tun, als ob man zutief­st in eine Akte ver­tieft wäre und so konzen­tri­ert sog­ar geflissentlich das nervöse Räus­pern und Schar­ren der Schlange ste­hen­den Bedi­en­twer­den­wol­len­den zu über­hören, das ist schon aller­höch­ste Beamtenig­nori­erkun­st. Ver­gle­ich­bar nur mit der hohen Kun­st des Stem­pelns. Natür­lich, das Stem­peln will gel­ernt sein und es ist noch kein Meis­ter­stem­pler vom Beamten­him­mel gefall­en. Aber ich bin ein­fach ein Stem­pler-Natur­tal­ent, das muss ich ganz beschei­den eingeste­hen, das muss der Neid mir ein­fach lassen!

Apro­pos Neid: Es ist wirk­lich völ­lig unwahr, dass wir Beamten zum Lachen in den Keller gehen. Zumin­d­est nicht auss­chließlich! Es stimmt zwar, dass wir strikt unsere Keller­lachzeit­en ein­hal­ten. Näm­lich immer genau zu den Zeit­en des größten Parteien­an­dranges, wenn das Schild „Bitte warten!“ an der Tür, die größt­mögliche Qual­ität und Quan­tität an Verärgerung und Unver­ständ­nis bei den Schlange ste­hen­den Bürg­erin­nen und Bürg­ern her­vorzu­rufen imstande ist. Dann ver­sam­meln wir uns tat­säch­lich geschlossen im Keller, um mal so richtig abzu­lachen. Aber wir lachen auch gerne mal zwis­chen­durch, außer­halb dieser Fix­ter­mine. Zumin­d­est hin­ter dem Rück­en unser­er ver­wirrten Klien­ten, die wir stun­den­lang im Amts­ge­bäude­labyrinth heru­mir­ren lassen, oder die wir unter Bergen von Antrags­for­mu­la­ren, Ergänzungsta­bellen und Fake-Vor­druck­en aus unbeschreib­barem Spezial­pa­pi­er begraben.

Nur eines machen wir kat­e­gorisch nie: Einem Kun­den ins Gesicht lachen! Wir ver­mei­den es strikt, fre­undliche Miene zum trau­ri­gen Spiel zu machen. Keines­falls also lachen oder auch nur lächeln! Im Parteien­verkehr ist auss­chließlich Zurück­hal­tung, Ver­ständ­nis­losigkeit und Trauer­miene ange­sagt. Die Bürg­erin oder der Bürg­er kön­nte näm­lich son­st auf den falschen Gedanken kom­men uns Beamte für ein priv­i­legiertes Völkchen zu hal­ten, das leicht Lachen hat.

Equik Bouard ist Autor und Lek­tor bei Sar­turia und aktives Mit­glied im gemein­nützi­gen Fördervere­in Sar­turia Autoren­schule e.V. Wir haben die Genehmi­gung, seine Mini-Short-Sto­ry zu publizieren.

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