DIE GOLDENE SCHWANENFEDER 20201125

Sarturia® verleiht in regelmäßigen Abständen die „Goldene Schwanenfeder“ für besonders herausragende Werke.

Für den Monat Novem­ber 2020 ver­gab unser Lek­toren-Team als Jury die Gold­ene Schwa­nen­fed­er an das Werk:

• Die größten Lügen der Geschichte: Wie “his­torische Wahrheit­en” gefälscht wurden • 

• Autor: Frank Fabian
• Gebun­dene Aus­gabe : 400 Seiten
• ISBN-10 : 3809425133
• ISBN-13 : 978–3809425137
• Erschienen beim Basser­mann Verlag
• 12. Edi­tion (2. Juni 2009)
• Erhältlich hier bei Amazon

Inhalt: Die Suche nach der Wahrheit hat zu allen Zeit­en die Men­schen beschäftigt. Heute kön­nen wir uns auf mod­ern­stes wis­senschaftlich­es Handw­erk­szeug, auf umfan­gre­iche Quellen und aus­d­if­feren­zierte Meth­o­d­en stützen, um dem Wahrheits­ge­halt his­torisch­er Begeben­heit­en auf den Grund zu gehen – mit der Kon­se­quenz, dass manche Aspek­te der Geschichte im Nach­hinein voll­ständig umgeschrieben wer­den müssen. Im vor­liegen­den Buch wird genau dies unter­nom­men: Per­sön­lichkeit­en und Geschehnisse von Moses bis Bis­mar­ck wer­den von allen Seit­en unter­sucht, beleuchtet und abgek­lopft. Das Ergeb­nis dieser Analyse ist eben­so erhel­lend wie span­nend und lässt uns ange­blich unum­stößliche Tat­sachen kri­tis­ch­er betrachten …

Über den Autor
Frank Fabi­an, Jahrgang 1952, studierte Geschichte und Philoso­phie in Deutsch­land, Eng­land und den USA. Der Best­seller­autor, dessen Büch­er in neun Län­dern pub­liziert sind, wurde mit vie­len Preisen aus­geze­ich­net. In Deutsch­land wur­den seine Büch­er für Regelschulen, Gym­nasien und berufs­bildende Schulen, Aus­bilder und Lehrer emp­fohlen. Fabi­an ist Ehrekn­mit­glied der Mit­tel­stand­sakademie “Made in Ger­many”. Der Autor lebt heute in Flori­da, USA.

Wis­senswertes:
Beim Award ‚Gold­e­nen Schwa­nen­fed­er für Lit­er­atur’ geht es ‚nicht‘ in erster Lin­ie um Verkauf­s­platzierun­gen, son­dern schlicht um den handw­erk­lichen Ver­gle­ich unter den ver­schiede­nen Autoren, aber auch um den Unter­hal­tungswert eines aus­geze­ich­neten lit­er­arischen Werks.
Die entsprechen­den Kri­te­rien wer­den dabei nicht von Laien beurteilt, son­dern auss­chließlich von erfahre­nen Lek­toren aus dem Gremi­um der Sarturia®-Literatur-Akademie, die sich im Rah­men ihrer Auf­gaben ohne­hin per­ma­nent und aus­dauernd mit der Auswer­tung von Lit­er­atur­wet­tbe­wer­ben befassen.

Wichtige Anmerkung:
Wie immer möcht­en wir vor allem unseren Autoren auf den Förder­stufen der Sarturia®-Literatur-Akademie drin­gend ans Herz leg­en, die ‚Fab­u­lierkun­st’ der Werke, die mit der Gold­e­nen Schwa­nen­fed­er für Lit­er­atur aus­geze­ich­net wor­den sind, und vor allem die Werke unser­er Langzeit-Best­seller-Autoren mit der ‚Schreibe‘ in der gegen­wär­tig aktuellen Massen­lit­er­atur zu ver­gle­ichen. Das kön­nte unter Umstän­den helfen, die Leser zurück­zugewin­nen, die derzeit wieder auf­fal­l­end oft die Büch­er aus dem Buch­han­del bevorzu­gen. Der Duden sollte bei diesem lit­er­arischen Aben­teuer auf keinem Schreibtisch fehlen und die Vorschläge aus der Orig­i­nal Sarturia®-Autorenschule soll­ten eben­falls zu einem Ver­gle­ich zur Ver­fü­gung stehen.

Siehe auch: http://www.sarturia.com/verleger-blog/

Info:
Sar­turia® ist die einge­tra­gene Marke des als gemein­nützig anerkan­nten ‚Fördervere­in Sar­turia Autoren­schule e.V.’ Die ‚Sarturia®-Literatur-Akademie’ ist das schulis­che Organ von Sarturia®

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Mein Name ist Dieter König.
Als Leit­er der kom­pe­ten­zori­en­tierten Sarturia®-Literatur-Akademie und als Vor­standsmit­glied des gemein­nützi­gen ‚Fördervere­in Sar­turia Autoren­schule e.V.’ engagiere ich mich gän­zlich uneigen­nützig für die ‘Förderung von Kun­st und Kul­tur in deutschsprachi­gen Län­dern’. In diesem Zusam­men­hang helfe ich clev­eren Autoren dabei, ihre Ziele zu erreichen.
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LESEPROBE:

1. MOSES, DIE LEGENDE
Die Geschichte der Hebräer, der Söhne Israels, der Juden, ist möglicher­weise die inter­es­san­teste Geschichte der Welt. Kein anderes Volk kann von sich behaupten, einen solchen Ein­fluss auf das Geis­tesleben genom­men zu haben, und das in beina­he allen Län­dern der Erde. Ein­stein, Freud, Spin­oza, Jesus, Marx, sie alle waren Juden. Ganze Wis­senschaften ent­standen, die die Söhne Israels als erste angedacht hat­ten. Bis heute hal­ten Juden Spitzen­po­si­tio­nen in allen Teilen der Welt inne. Die Juden sind ein Volk, das inter­na­tion­al denken und agieren kann. Ihre Fähigkeit, in den unter­schiedlich­sten Kul­turen über­leben zu kön­nen, ist einzigartig.

Die wahren Erfol­gs­ge­heimnisse dieses erstaunlichen Volkes sind nie sys­tem­a­tisch unter­sucht wor­den, aber schon eine ober­fläch­liche Betra­ch­tung lehrt uns, dass Juden eine über­ra­gende Kom­mu­nika­tions­fähigkeit besitzen und in den ver­schieden­sten Meth­o­d­en des Denkens bewan­dert sind. Sie kön­nen kul­turelle Errun­gen­schaften ander­er Zivil­i­sa­tio­nen annehmen, auf­saugen und assim­i­lieren und sind lern­fähig wie kein anderes Volk, sowie oft einzi­gar­tig begabt in Sachen Geschäften. All diese beson­deren Fähigkeit­en und Tal­ente wur­den sicher­lich auch geschult durch die Über­liefer­un­gen, die Reli­gion. Selb­st wenn man kein gläu­biger Jude ist, muss man zugeben, dass die Denkschulen der Rab­bin­er, ihre bewegliche, ausle­gende und inter­pretierende Intel­li­genz, einen Gut­teil zu diesem intellek­tuellen Niveau beige­tra­gen haben.

Es gab (und gibt) inner­halb dieser Reli­gion hun­dert Strö­mungen, Gegen­strö­mungen, Ansicht­en, Lehren und Geheim­lehren, die alle aus­disku­tiert wer­den mussten. Die heili­gen Schriften der Juden enthal­ten die tief­sten Weisheit­en, die man sich vorstellen kann, freilich auch Mei­n­un­gen, über die wir heute lächeln. Aber erstaunlich ist doch, dass schon vor 3000 Jahren solche Weisheit­en zusam­menge­tra­gen wer­den kon­nten und das in beina­he allen Bere­ichen des men­schlichen Lebens. Ein­er der größten Weisheit­slehrer dieses Volkes, der die Kul­tur der Juden entschei­dend prägte, war ein gewiss­er Moses. Seine Lehren, die Zehn Gebote, bee­in­flussten prak­tisch das gesamte Abendland.

Das Chris­ten­tum sog seine Lehren in sich auf und proklamierte sie später als seine eige­nen Erfind­un­gen. Kein Philosoph kam in der Folge daran vor­bei, über Moses und seine Zehn Gebote, die höch­ste ethis­che Maßstäbe set­zten, nachzu­denken. Buch­stäblich Tausende von Büch­ern, Kom­mentaren, Trak­tat­en und Inter­pre­ta­tio­nen sind deshalb bis heute über diesen leg­endären Moses erschienen, und wenn man Geschichte wirk­lich ver­ste­hen will, kommt man nicht daran vor­bei, sich inten­siv­er mit ihm auseinan­der zu setzen.

Wenn „große Män­ner“ zitiert wer­den, kommt Moses noch vor Alexan­der, Cäsar, Paulus, Jesus, Mohammed, Luther oder Napoleon. Die bildlichen Darstel­lun­gen über ihn kön­nen kaum ser­iös bez­if­fert wer­den. Zahlre­iche Filme wur­den über den wirk­lichen oder ange­blichen Moses gedreht. Er ist unser Urvater, ob wir dies wollen oder nicht. Kon­stan­tin der Große pries seine unendliche Weisheit, Augusti­nus kni­ete vor ihm und Mar­tin Luther über­schlug sich förm­lich: „Denn es ist nicht ein solch­er tre­f­flich­er, hoher Mann je gewe­sen, der da Gottes Wort hat­te gepredigt, als eben Moses.

Die anderen Propheten sind alle seine Dis­cip­uli: Moses ist der Meis­ter aller Meis­ter, er ist die Quelle und Brunn, daraus die anderen Propheten geflossen sind!“ Herder lobte den „edlen Moses“ und machte darauf aufmerk­sam, dass es schwieriger sei, ein Staats­grün­der (wie Moses) zu sein, als ein Gedicht zu schreiben. Friedrich Schiller verneigte sich vor ihm, Goethe erwies ihm Ref­erenz und Hein­rich Heine ohne­hin. „(Er) baute Men­schen­pyra­mi­den, er meißelte Men­schen-Obelisken, er nahm einen armen Hirten­stamm und schuf daraus ein Volk, das … den Jahrhun­derten trotzen sollte, ein großes, ewiges, heiliges Volk, ein Volk Gottes, das allen anderen Völk­ern als Muster, ja der ganzen Men­schheit als Pro­to­typ dienen kon­nte. Er schuf Israel!“, jubelte Heine.

Die Büch­er, die sein­er Exis­tenz ihr Fun­da­ment ver­danken, lassen sich kaum zählen: Hun­dert­fach erscheint bis heute Erbau­ungslit­er­atur, auf Moses fußend. Anwen­dungsmöglichkeit­en für die Jugend sind im Schwange 1, und das ist nur die Sekundär- oder Ter­tiär­lit­er­atur! Das Orig­i­nal­w­erk, die FÜNF BÜCHER MOSES, die Moses zugeschrieben wer­den, sind mit­tler­weile, man muss es sich vorstellen, in über tausend Sprachen über­set­zt. Kein anderes Buch erre­ichte je diesen Reko­rd. Den Ein­fluss kann man also nur erah­nen, die Anzahl der Edi­tio­nen lässt sich längst nicht mehr zählen. Mil­liar­den­fach wur­den diese Büch­er gelesen.

Die Bibel ins­ge­samt wird heute jedes Jahr rund 100 Mil­lio­nen Mal verkauft! Der Ein­fluss ist mithin uner­messlich, aber nicht nur im ortho­dox­en jüdis­chen Raum, son­dern auch in all den hun­dert christlichen Sek­ten und Grup­pierun­gen, die alle eigene Neu­for­mulierun­gen, Über­ar­beitun­gen und Inter­pre­ta­tio­nen vor­legten. Darüber hin­aus wird Moses im nichtjüdis­chen und nichtchristlichen Ter­ri­to­ri­um disku­tiert. Denn noch ein­mal: Wie kann man Gebote wie DU SOLLST NICHT TÖTEN, DU SOLLST VATER UND MUTTER EHREN, DU SOLLST NICHT BEGEHREN DEINES NÄCHSTEN WEIB bess­er for­mulieren? Sind hier nicht das erste Mal ewige Geset­ze ent­deckt worden?

Geset­ze, die über Jahrtausende Bestand hat­ten? Geset­ze, an denen sich zahllose juris­tis­che Codices ori­en­tieren soll­ten – in über 100 Län­dern? Welch ein Ein­fluss! Welch eine Leis­tung! Welch ein Zivil­i­sa­tion­ss­chock! Umso wichtiger ist es, sich mit diesem Moses näher zu beschäfti­gen! Fra­gen wir uns also als erstes, wer dieser Moses wirk­lich war. Die (the­ol­o­gis­che) Über­liefer­ung, der wir zunächst fol­gen wollen, erzählt das berauschende, ein­ma­lige und pralle Leben dieses Moses wie folgt.

DER BIBLISCHE MOSES
In Ägypten herrscht der allmächtige Pharao. Ägypten ist die unange­focht­ene Welt­macht, die bere­its Tausende von Jahren Bestand hat. Der Pharao ist der Sohn des Amun-Re, des höch­sten Gottes, er ist mithin der Sohn Gottes! Die Pyra­mi­den sind wei­thin sicht­bare Zeichen der Macht der Ägypter, es sind gigan­tis­che Grabkam­mern der Pharao­nen, mit denen sie mit dem Jen­seits in Verbindung ste­hen. Ein fleißiges, unter­jocht­es Volk dient diesem gottgle­ichen Pharao, die Hebräer, auch beim Bau dieser sein­er Pyra­mi­den. Aber sie sind ein aufrührerisches Völkchen, sie besitzen ihre eigene religiöse Über­liefer­ung und glauben, dass aus ihren Rei­hen eine Führergestalt her­vorge­hen wird, die sie eines Tages von dem unerträglichen ägyp­tis­chen Joch befreien wird.

Der Pharao befiehlt deshalb, alle neuge­bore­nen hebräis­chen Knaben im Nil zu ertränken, um den Wider­stand dieses wider­spen­sti­gen Völkchens zu brechen. Unvorstell­bare Grausamkeit! Ein Kindlein, Moses, ger­ade geboren, entkommt diesem infa­men Anschlag. Er wird, ger­ade drei Monate alt, in einem Wei­denkör­bchen auf dem Nil aus­ge­set­zt. Hatschep­sut, die Tochter des Pharao, ent­deckt das Kind und empfind­et unendlich­es Mitleid mit dem Neuge­bore­nen. Sie fis­cht das Baby aus dem Nil und ver­traut es einem gewis­sen Jokebed an, der es später adop­tiert. Alles geschieht unter größter Geheimhal­tung! Moses kann her­anwach­sen, der Gott der Hebräer hat schützend seine Hand über ihn gehal­ten! Moses (der Name bedeutet wörtlich:

„Ich habe ihn aus dem Wass­er gezo­gen!“ auf hebräisch, auf ägyp­tisch bedeutet Moses „Mein Sohn“) wächst am Königshofe her­an, am Hofe des Pharao. Hier erhält er Ein­blick in die Geheimnisse der Ägypter und schnup­pert die gefährliche Luft der hohen Poli­tik. Noch immer weiß nie­mand, wer er wirk­lich ist. Er dient sog­ar dem Pharao in einem erfol­gre­ichen Feldzug (gegen die Nubier), die den Süden Ägyptens bedro­hen. Aber eines Tages schlägt das Schick­sal zu: Moses tötet einen Ägypter, weil dieser gegen einen Hebräer mit Gewalt vorge­gan­gen ist. Obwohl er die Leiche hastig im Sand ver­schar­rt, wird er beobachtet.

Der Mord wird dem Pharao hin­ter­bracht, der sofort seine Krea­turen auf ihn het­zt. Moses flieht. Er ver­birgt sich vor dem allmächti­gen Pharao im Süden der ara­bis­chen Hal­binsel. Dort ret­tet er die Tochter eines Priesters aus lebens­ge­fährlichen Umstän­den. Der Priester gibt ihm aus Dankbarkeit eine sein­er Töchter zur Frau (Zip­po­ra, „das Vögelchen“). Zwei Knaben wer­den ihm geboren. Aber erst jet­zt begin­nt die wirk­liche Geschichte, denn eines Tages offen­bart sich ihm der HERR per­sön­lich in einem bren­nen­den Dorn­busch! Er befiehlt ihm, das hebräis­che Volk aus der ägyp­tis­chen Unter­drück­ung zu befreien! Moses kehrt ste­hen­den Fußes zurück, um dem Befehl des HERRN zu gehorchen.

Den Hebräern berichtet er aufgeregt von sein­er Erschei­n­ung. Der Funke springt über, das Volk wacht auf. Die uralte, religiöse Über­liefer­ung scheint endlich wahr zu wer­den und ein Traum in Erfül­lung zu gehen! Das Ziel ist klar: Auszug aus Ägypten, Einzug in das Gelobte Land! Die Botschaft wan­dert von Mund zu Mund, der HERR, ihr Gott, von dem schon Urvater Abra­ham gesprochen hat, erbarmt sich seines Volkes! Aber noch gilt es, him­mel­ho­he Hin­dernisse aus dem Weg zu räu­men. Noch immer befind­en sich die Hebräer in schmäh­lich­er Abhängigkeit von diesen Ägyptern. Der Pharao ist stark und mächtig, auch seine Priester ver­fü­gen über zauberische Kräfte.

Trotz­dem wird dem Pharao das Begehren der Hebräer mit­geteilt. Aber der Got­tkönig antwortet mit bru­taler Unter­drück­ung und knechtet die Hebräer noch stärk­er. Also beg­ibt sich Moses per­sön­lich zum Pharao. Vor seinen Augen ver­wan­delt er einen Stab in eine Schlange und beweist seine Zauberkräfte, indem er ver­schiedene Pla­gen über Ägypten kom­men lässt. Ungeziefer, Heuschreck­en, Insek­ten, Krankheit­en und Hagel suchen das Land heim. Moses Zauberkraft ist stärk­er als die Zauberkraft der ägyp­tis­chen Priester, sein Gott ist größer und mächtiger als der Pharao und selb­st Amun-Re. Zäh­neknirschend erlaubt der Pharao schließlich den Auszug.

Die Hebräer kehren Ägypten unter unvorstell­barem Jubel den Rück­en. Sie ziehen begeis­tert durch die Wüste, während ihr Gott Wun­der über Wun­der wirkt. So teilt sich das Meer, das sie trock­e­nen Fußes durch­schre­it­en, während die Ägypter, die sie schließlich doch ver­fol­gen, in den Fluten ertrinken. Nichts, nichts kann sie mehr aufhal­ten! Die Stim­mung ist unbeschreib­lich, der HERR ist mit ihnen. Selb­st als das Volk fast am Ver­dursten ist und nur bit­teres, unge­nießbares Wass­er gefun­den wird, hil­ft der HERR.

Moses wirft ein Stück Holz in das Wass­er und das Wass­er wird süß und genießbar. Als eine Hunger­snot die Hebräer heim­sucht, lässt Gott Man­na vom Him­mel reg­nen. Man­na bedeutet „Wun­der­nahrung“, „Him­mels­brot“, im Hebräis­chen bedeutet der Begriff wörtlich „Geschenk“. Ihr Gott ist mit ihnen! Das Volk tanzt und speist fürstlich. Jeden Tag lässt der HERR nun Man­na reg­nen, am Sam­stag sog­ar die dop­pelte Menge, denn Son­ntag ist Ruhetag. Wer hätte je davon gehört, dass ein Gott so gut zu seinem Volk ist? Vierzig Jahre lang wird das Man­na zum wichtig­sten Nahrungsmit­tel für die Hebräer.

Es fällt jeden Tag aufs Neue vom Him­mel. Auch um den quälen­den Durst, der sie je und je heim­sucht, brauchen sich die Hebräer keine Gedanken mehr zu machen. Als Moses mit einem Stab an einen Felsen schlägt, quillt Wass­er daraus her­vor. Sie sind das auser­wählte Volk, der HERR ist mit ihnen! Nie­mand kann es mit ihnen, den Hebräern, aufnehmen, die den stärk­sten Gott besitzen! Sie ziehen weit­er, wer­den ab und an ange­grif­f­en, aber sie siegen und siegen, bis sie eines Tages in der Nähe des Berges Sinai anlan­gen. Und hier geschieht es! Moses ver­schwindet auf dem Berg Sinai und bleibt dort vierzig Tage lang ohne Speise und Trank. Als er zurück­kommt, ist er ein ander­er Mensch.

Der HERR hat erneut mit ihm gesprochen und ihm die ZEHN GEBOTE anver­traut, die auf ein­er stein­er­nen Tafel einge­meißelt sind. Moses berichtet: „Es ward am drit­ten Tag, wie’s Mor­gen wurde, da war Don­ner­schallen und Blitze, ein schw­eres Gewölk auf dem Berg und sehr starke Schall der Posaunen… Der Berg Sinai rauchte all, dar ob dass Er im Feuer auf ihn her­ab­fuhr, sein Rauch stieg wie des Schmel­zofens Rauch, all der Berg bebte sehr…“ 2

Der Jubel ist unvorstell­bar! Der HERR per­sön­lich hat ihnen ein Gesetz gegeben, hat sie, ein winziges, unbe­deu­ten­des Volk, dazu auserse­hen, die wichtig­ste Rolle in der Geschichte zu spie­len. Weit­ere Offen­barun­gen fol­gen, ein ganz­er Geset­zeskanon entste­ht, ein Straf- und Reli­gion­srecht, aus­ge­feilt und aus­geschmirgelt, wie es nie ein Volk vorher besessen hat. Aber noch immer gibt es einige wenige Ungläu­bige. Ein paar Hebräer beten das Gold­ene Kalb an und tanzen also um einen Götzen herum! Moses bestraft sofort die Götzen­di­ener und bestellt erst­ma­lig Priester. Außer­dem beg­ibt er sich erneut auf den Sinai und bit­tet um Verzei­hung für die töricht­en Hebräer. Gott vergibt.

Das Fas­ten (Kip­pur) wird einge­führt, neue Geset­ze wer­den offen­bart, vor allem Speisege­set­ze und Rein­heitsvorschriften. Die Hebräer sind begeis­tert und danken ihrem Führer Moses. Eine Reli­gion wie sie kein zweites Volk ken­nt ist geboren. Nur ein einziger Gott herrscht, aber dieser ist mächtiger als alle anderen Göt­ter. Immer noch leit­et er sie per­sön­lich und immer noch bren­nt die Flamme der Hoff­nung. Das Gelobte Land wartet auf sie! Und so wan­dern die Hebräer weit­er. Sie ver­lassen den Sinai, aber ihr Gott ist mit ihnen. Den­noch scheinen die Schwierigkeit­en unüber­windlich. Zu viele Feinde existieren in den Küsten­re­gio­nen, die wir in den Gebi­eten des heuti­gen Israel, Teilen Syriens und im Libanon zu suchen haben. Einige Hebräer proben den Auf­s­tand, sie sind mit der Führung des Moses nicht mehr ein­ver­standen, einige wollen sog­ar wieder zurück nach Ägypten.

Da erscheint Gott, der HERR, dem Moses aufs Neue: Die Schuldigen müssen ster­ben! Der Rest wird dazu verurteilt, weit­ere vierzig Jahre die Wüste zu durchirren. Das Volk durch­lei­det eine unvorstell­bar harte Prü­fungszeit, aber die Vision des GELOBTEN LANDES ste­ht ihm immer vor Augen. Die Vision lässt es weit­er­ma­chen, durch­hal­ten und allen Gefahren trotzen, lässt es Schlacht­en ver­lieren und Schlacht­en gewin­nen. Aber jet­zt ist der HERR wieder mit den Hebräern, ihr einzi­gar­tiger GOTT, der sie nie im Stich lässt, wenn er sie auch je und je für ihren Klein­mut bestraft. Offen­barun­gen helfen. Immer mehr Geset­ze und Rechtsvorschriften erblick­en das Licht der Welt.

Gele­gentlich prüft Gott die Seinen. Er prüft ihre Moral und straft sie, wenn sie etwa der Sit­ten­losigkeit anheim­fall­en. Schließlich, Moses ist 120 Jahre alt, hält er seine let­zte Rede. Er übergibt dem Volk weit­ere heilige Schriften und bes­timmt Josua zu seinem Nach­fol­ger. Moses stirbt, aber nicht seine Vision. Moses erlebt es nicht mehr, doch seine Nach­fol­ger erre­ichen tat­säch­lich eines Tages das GELOBTE LAND. Unter den Köni­gen David und Salomon wird ein mächtiges Reich errichtet, wie es die Welt zuvor noch nie gese­hen hat.

RELIGIONSWISSENSCHAFT
So und nicht anders kön­nte man das berauschende, begeis­ternde und ereignis­re­iche Leben dieses Moses nacherzählen, und genau so und nicht anders wird es heutzu­tage nacherzählt, wie gesagt 100 Mil­lio­nen Mal jedes Jahr neu, denn, wieder­holen wir es, so viele Bibeln wer­den alljährlich verkauft. Dabei hat die ver­gle­ichende Reli­gion­swis­senschaft längst Fak­ten und Tat­sachen zu Tage gefördert, die Teile dieser Geschicht­en in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen; denn Wis­senschaft fragt, hin­ter­fragt, erkundigt sich nach dem Ver­fass­er, der Zeit und der Entste­hung ein­er Geschichte. Untern­immt man aber eben dies, gerät man schon nach kurz­er Zeit ins Grü­beln. Pick­en wir einige Beispiele mit spitzer Pinzette heraus:

Ange­blich ließ der Pharao alle neuge­bore­nen Knaben im Nil ertränken, um den Wider­stand der Hebräer zu brechen. Der Reli­gion­swis­senschaftler wird hier jedoch aufhorchen. Diese Geschichte ist nicht neu und wurde auch später wieder und wieder benutzt, um unendliche Grausamkeit zu demon­stri­eren und um auf diese Weise Gefüh­le und Sym­pa­thien zu weck­en. Erin­nern wir uns: später wird man im Neuen Tes­ta­ment lesen kön­nen, dass alle jüdis­chen neuge­bore­nen Knaben getötet wur­den, um Jesus zu verhindern!

Mis­strauisch macht weit­er die Ret­tung des Moses aus­gerech­net durch die Tochter des Pharao. Eine Num­mer klein­er ging es nicht? So kön­nte man iro­nisch fra­gen. Allein die Tat­sache, dass es sich um eine Königstochter han­delt, erin­nert uns in fataler Weise an allzu viele Märchen, in denen der Prinz oder die Prinzessin dazu her­hal­ten müssen, Ereignisse voranzutreiben. Warum? Nun, hochgestellte Per­sön­lichkeit­en sind inter­es­san­ter, sie geben schrift­stel­lerisch etwas her. Schlim­mer ist: Die Leg­ende ist nicht ein­mal orig­inell! Aus einem früheren neuassyrischen Text ken­nen wir bere­its die Geschichte, dass eine Frau eine außeror­dentliche Per­son gebar, sie in ein Schil­fkör­bchen legte und am Ufer eines Flusses aus­set­zte. Wurde hier ein­fach abgeschrieben?

Gle­ichzeit­ig wird unter­schwellig sehr geschickt an das Mitleid appel­liert. Wer kann sich der Aufwal­lung sein­er Gefüh­le entziehen, wenn er vor seinem geisti­gen Auge ein Schil­fkör­bchen mit einem Neuge­bore­nen auf dem Wass­er des Nils schwim­men sieht? Gefüh­le, Gefüh­le, Gefüh­le aber waren schon immer der Leim, der eine Zuhör­erschaft an eine Geschichte fes­selte, Schrift­steller wis­sen das heute und Priester wussten es gestern.

Mis­strauisch machen schließlich auch die entset­zlichen Pla­gen, die ange­blich Moses (oder der HERR) über das Land Ägypten ver­hängte. (Heuschreck­en, Ungeziefer, Krankheit­en, Hagel und so weit­er sucht­en das Land heim). Natur­ereignisse auf Göt­ter oder einen Gott zurück­zuführen war schon immer fes­ter Bestandteil jed­er aber­gläu­bis­chen Gesellschaft. Unglück, Unbill und Krankheit wur­den stets einem Gott oder bösen Geis­tern in die Schuhe geschoben, bei den Griechen, bei den Römern und bei den Chi­ne­sen etwa. Weit­er tobte der irdis­che Kampf zwis­chen zwei Völk­ern des Alter­tums immer auch zwis­chen ihren Göt­tern. Die Seite, die den Krieg schlussendlich gewann, glaubte, dass ihr GOTT natür­lich der stärkere sei. Diesem Glauben hing man noch bis in die Zeit­en des frühen Chris­ten­tums an: Könige bekan­nten sich rasch zu dem Chris­ten­gott, wenn sie glaubten, dadurch das Schlacht­englück wen­den zu können.

Um nun die Macht des eige­nen Gottes zu illus­tri­eren, wur­den alle möglichen und unmöglichen Geschicht­en erfun­den. Die Priester über­schlu­gen sich in ihren Prahlereien, nur um her­auszus­tre­ichen, dass ihr GOTT die größeren Zaubereien (Wun­der) bewirken kon­nte. All das ist Meth­ode, hat­te Meth­ode und war Meth­ode der Priester eines Stammes oder Volkes. Und so ist der Stre­it der ägyp­tis­chen Priester mit Moses (und also den hebräis­chen Priestern) wahrschein­lich nichts als die übliche hüb­sche Erfind­ung, wobei der Aus­gang fest­ste­ht: Natür­lich wird der Gott der Hebräer die ägyp­tis­chen Priester besiegen.

Die Wun­der, bei Licht betra­chtet, sind eben­falls so neu nicht. Dass das Meer sich teilt, so dass die Hebräer trock­e­nen Fußes durch das Meer schre­it­en kön­nen, während die Fluten die ver­fol­gen­den Ägypter ver­schlin­gen, die Macht über das Wass­er mithin, besitzt durchgängig religiös-lit­er­arische Tra­di­tion. Dass das Meer einem Men­schen gehorcht, den man als Gott oder Hal­b­gott betra­chtet, find­en wir später auch bei Alexan­der dem Großen. Macht über das Wass­er demon­stri­erte auch Jesus, der ange­blich auf dem Wass­er wan­deln kon­nte, ja sog­ar einen sein­er Jünger auf dem Wass­er zu sich kom­men ließ. Selb­st der Pharao gebot über den Nil, die Nilüber­schwem­mungen konkret und also das Wass­er, schon lange vor den Hebräern!

Auch die Tat­sache, dass Gott für Nahrung sorgt (Man­na) ist uralt. Speis’ und Trank zählen zu den Grundbedürfnis­sen des Men­schen. Wer­den diese garantiert, und sei es nur im Rah­men religiös­er Märchen, „gewin­nt“ ein religiös­er Führer! Später wird Jesus Chris­tus für die „wun­der­bare Brotver­mehrung“ sor­gen. Die „Wun­der“, die der Pharao in diesem Sinne in Ägypten wirk­te, waren eben­falls zahlre­ich. Über die Nilüber­schwem­mungen gebot nur der Pharao, nur er kon­nte dieses „Wun­der“ wirken. Dafür brachte er zahlre­iche Opfer, betete zu den Göt­tern und hielt Zer­e­monien ab. Die prall­ge­füll­ten Korn­spe­ich­er des Pharao, die nur durch die Nilüber­schwem­mungen garantiert wur­den, waren Beweis sein­er Göt­tlichkeit. Auch er sorgte also für Nahrung. Vielle­icht von den Ägyptern gestohlen, zumin­d­est inspiri­ert von ihnen, sind deshalb diese Geschicht­en über das Man­na, das vom Him­mel reg­net. Aber man kann sich ein Lächeln nicht verkneifen, wenn man liest, dass es am Sam­stag die dop­pelte Menge reg­net, am Son­ntag (dem Ruhetag) aber nichts. Dieser hebräis­che Gott ist offen­bar ein penibler, ein haushäl­ter­isch­er Gott.

Und weit­er: Das ERSTE BUCH MOSE han­delt unter anderem von der Schöp­fungs­geschichte. Nun muss man lei­der kom­men­tieren, dass es Schöp­fungs­geschicht­en in fast allen Reli­gio­nen gab (und gibt). Sie sind ähn­lich struk­turi­ert und ähn­lich unl­o­gisch, religiöse Märchen eben, an die heute nie­mand mehr ern­sthaft glaubt. Sie stell­ten Erk­lärungsver­suche für die Entste­hung der Welt dar, wie sie ein Volk in dieser Entwick­lungsstufe vielle­icht zufrieden stell­ten kon­nten. Zitieren wir: „Am Anfang schuf Gott Him­mel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war fin­ster auf der Tiefe … und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere und ein kleines Licht, dass die Nacht regiere, dazu auch die Sterne.“ 3

Wir wis­sen heute mit unum­stößlich­er Gewis­sheit, dass sich die Sonne nicht um die Erde dreht und dass die Lichter des Him­mels nicht für die Erde gemacht wur­den. Das Wis­sen eines Kopernikus und Galileo Galilei ist inzwis­chen intellek­tuelles All­ge­meingut, das nicht mehr in Frage gestellt wird. Aber wichtiger ist: „Schöp­fungs­geschicht­en“ gab und gibt es zuhauf, bei den Japan­ern, Chi­ne­sen, Griechen und Ger­ma­nen etwa. Die Japan­er sehen sich eben­falls als Kinder Gottes. Izana­gi und Izana­mi, Brud­er und Schwest­er, zwei Göt­ter, erschufen ange­blich Japan. „So stell­ten sie sich denn auf die schwebende Him­mels­brücke, taucht­en einen juwe­lengeschmück­ten Speer in den Ozean und hiel­ten ihn hoch in die Him­melshöhe. Aus den her­ab­fal­l­en­den Tropfen ent­standen die Heili­gen Inseln. Izana­gi und Izana­mi paarten sich und zeugten das japanis­che Volk. Aus dem linken Auge Izanagis entsprang die Son­nengöt­tin, von dem die Kaiser­liche Dynas­tie in Japan abstammt. 4223 Tropfen fie­len von dem juwe­lengeschmück­ten Speer, denn so viel Inseln gibt es heute in Japan.“ 4 Auch diese Schöp­fungs­geschichte glaubt heute nie­mand mehr in Japan, denn die Geschichte der Vulka­ne und Erd­beben wur­den zu genau unter­sucht. Und so kön­nte man fort­fahren und zwanzig andere Schöp­fungs­geschicht­en zitieren, aber man würde immer nur zu dem gle­ichen Schluss kom­men, näm­lich dass sie nicht wahr sind.

Das gle­iche ist von dem Paradies zu sagen. Paradiesvorstel­lung gab es schon vor dem Juden­tum in zahlre­ichen Aus­for­mungen. Paradiese sind wed­er eine jüdis­che noch eine christliche Erfind­ung. Paradiese wur­den unter­schiedlich geze­ich­net, gewöhn­lich in Abhängigkeit von dem jew­eili­gen Land und seinen Knap­pheit­en. In einem Land mit zu viel Sonne und Sand und zu wenig Wass­er han­delte es sich bei dem Paradies immer um einen Garten, in dem es im Über­fluss zu trinken gab. In einem Urwaldge­bi­et sieht das Paradies anders aus. Paradiese gibt es bei den Indern (Nir­vana), Ägyptern, Chi­ne­sen und Etruskern etwa, nichts Neues also. Paradiese sind Erin­nerun­gen an eine großar­tige Ver­gan­gen­heit und Hoff­nung auf eine gold­ene Zukunft.

Das ZWEITE BUCH MOSE erzählt unter anderem von den Zehn Geboten, die ange­blich von Gott auf einem Berg übergeben wur­den. Auch hier ist vieles entlehnt. Dass göt­tliche Geset­ze auf einem Berg von einem Gott übergeben wur­den, ken­nen wir etwa aus der per­sis­chen Reli­gion. Warum auf einem Berg? Da der Him­mel oft mit Gott gle­ichge­set­zt wurde, war man auf einem Berg Gott ein­fach sehr viel näher. Der Berg war schon immer Wohn­sitz der Göt­ter, der Fuji­ja­ma eben­so wie der Himala­ja. Die Über­gabe der Gebote durch einen Gott auf einem Berg ist also ein beliebtes religiös­es Motiv, sehr plas­tisch und anschaulich, wahr ist es bes­timmt nicht!

In dem DRITTEN, VIERTEN UND FÜNFTEN BUCH MOSE schließlich wim­melt es von Regeln, Geset­zen und Anleitun­gen. Wir begeg­nen unglaublich aus­d­if­feren­zierten Regeln, die nahezu jeden Bere­ich des men­schlichen Lebens umfassen. Die Zehn Gebote sind lediglich die Grund­lage für all diese Geset­ze, mehr nicht. Nun wer­den die Gebote sehr viel genauer aus­ge­führt. Die Strafen wer­den fest­gelegt (wer dem Vieh bei­wohnt, soll des Todes ster­ben!) Ver­hal­tensregeln definiert, Reini­gungs­ge­set­ze aufgestellt und sog­ar medi­zinis­che Regeln propagiert sowie Geset­ze über das Erbrecht. Wir haben es hier weit­ge­hend mit einem juris­tis­chen Mach­w­erk zu tun, das die Regeln für ein geord­netes Zusam­men­leben definiert.

Es sind dies teil­weise außeror­dentlich intel­li­gente Geset­ze, teil­weise sind sie völ­lig ver­al­tet. Aller Wahrschein­lichkeit nach han­delt es sich um eine im Laufe der Jahrhun­derte sys­tem­a­tisch gewach­sene Geset­zge­bung. Aber der sprin­gende Punkt ist: Um diesen Geset­zen, Verord­nun­gen und Ver­hal­tensregelun­gen Würde und Wucht zu ver­lei­hen, Durch­schlagskraft und Stoßkraft, musste natür­lich ein Gott her, und zwar der stärk­ste Gott, den man sich vorstellen kon­nte! Nur durch einen Gott kon­nte man den Geset­zen die nötige Wei­he geben! Aber auch dies find­en wir in anderen Religionen.

Um die Legit­i­ma­tion der Geschicht­en weit­er zu unter­mauern, wur­den zahlre­iche Wun­der hinzuge­fügt. Meere teil­ten sich, Dorn­büsche bran­nten, Holzstäbe ver­wan­del­ten sich in sich windende Schlangen (ein alter ägyp­tis­ch­er Priester­trick!). Verzweifelt wurde später von „Wis­senschaftlern“ ver­sucht, für all diese Wun­der natür­liche Erk­lärun­gen zu find­en. Aber selb­st wenn diese existieren, selb­st wenn ein Komet die Erdanziehungskraft zeitweise so verän­derte, dass sich das Wass­er teilte, so sind diese natür­lichen Erk­lärun­gen vergebene Liebesmüh. Wun­der dien­ten seit alters her nur dazu, Legit­i­ma­tion einzu­fordern und die Men­schen namen­los zu beein­druck­en. Das Volk musste staunen! In den indis­chen Reli­gio­nen find­en wir buch­stäblich Hun­derte von „Wun­dern“, die denen der Bibel in nichts nach­ste­hen. Wun­der, meist im Nach­hinein erdichtet, erfun­den und um eine Fig­ur ger­ankt, ver­lei­hen eine über­natür­liche Aura, die notwendig ist, um die Men­schen in Ehrfurcht erstar­ren zu lassen. Moses ver­wan­delte deshalb Wass­er in Blut und gebot ange­blich über Frösche, Stech­mück­en, Vieh­pest, Hagel, Blat­tern und Heuschrecken.

Solche Märchen begeg­nen uns auf Schritt und Tritt in den religiösen Leg­en­den ander­er Län­der. Mohammed, der öffentlich bekan­nte, nie Wun­der gewirkt zu haben, musste es ein paar hun­dert Jahre nach seinem Tod über sich erge­hen lassen, dass ihm eben­falls zahlre­iche Wun­der angedichtet wur­den, obwohl er aus­drück­lich gesagt hat­te, keine Wun­der wirken zu kön­nen! Aber das Volk liebte diese Geschicht­en. Und suchte nach Erk­lärun­gen für Heuschreck­en, Blat­tern und Hagel. Mehr noch liebten die Priester diese Wun­der. Also wur­den die Göt­ter rasch her­beiz­itiert oder böse Geister.

POLITISCHE KONTROLLE
Man kön­nte an dieser Stelle zahlre­iche weit­ere Querver­weise zu anderen Reli­gio­nen geben, kön­nte ganze Büch­er über Ähn­lichkeit­en, Par­al­le­len und selt­same Übere­in­stim­mungen ver­fassen und käme doch nur immer wieder zu dem gle­ichen Schluss: näm­lich dass es sich bei den FÜNF BÜCHERN MOSE um religiöse Leg­en­den han­delt, die indes mit Bedacht erfun­den und erzählt wur­den, mit ein­er Absicht! Indem wir uns aber der wahren Absicht der FÜNF BÜCHER MOSE näh­ern, wird es auf ein­mal wirk­lich span­nend, es wird ger­adezu aufregend.

Wenn wir anfan­gen, an der Wahrheit der Geschicht­en zu zweifeln, (und das Beweis­ma­te­r­i­al ist erdrück­end) begin­nt man sich zu fra­gen, was die Absicht hin­ter diesen Geschicht­en ist. Ken­nt man jedoch die Absicht, löst sich das gesamte Buch, genan­nt die Bibel, buch­stäblich in Nichts auf. Nun, die Absicht bestand natür­lich darin, die Men­schen zu kon­trol­lieren, poli­tisch zu kon­trol­lieren. Nichts eignete sich dafür bess­er als religiöse Märchen. Die Priester kon­nten mit diesen Geschicht­en auf das prächtig­ste die Men­schen manipulieren.

All diese zahlre­ichen Wun­der, aber auch die vie­len Flüche, dien­ten zur Kon­trolle. Schöp­fungs­geschicht­en wur­den schon immer zur poli­tis­chen Kon­trolle benutzt, um einen Führungsanspruch zu zemen­tieren. Gewöhn­lich stammte der Führer von Gott selb­st ab (wie bei den Griechen, Römern, Ägyptern und Persern etwa der Fall) oder eine beson­dere Verbindung zu dem Gott legit­imierte den Führer (wie im Falle Moses). Schöp­fungs­geschicht­en sind irre­al, sur­re­al und unhalt­bar heute, ver­fol­gten aber wie gesagt eine poli­tis­che Absicht. Kon­nte eine Verbindung zu dem Erschaf­fer der Welt selb­st hergestellt wer­den, bedeutet das, Legit­i­ma­tion von Macht.

Die Meth­ode, ganze Genealo­gien und Geschlechter­fol­gen aufzuzählen, unter­stützte die Glaub­würdigkeit. Schon die alten griechis­chen Könige führten ihren Ursprung gern auf Zeus per­sön­lich zurück! Mit der Paradiesvorstel­lung kon­nte man eben­falls wun­der­bar Kon­trolle ausüben. Wer nicht gehorchte, ver­spielte seine Zukun­ft. Kon­troll­funk­tion hat­ten weit­er die fürchter­lichen Strafen, mit denen die Hebräer belegt wur­den, wenn sie auf­muck­ten. Der Kampf um das Gold­ene Kalb (ein Konkur­ren­z­gott, der eiligst aus­gerot­tet wer­den musste!) wurde eben­so unbarmherzig geführt wie der Kampf gegen Hebräer, die ungläu­big waren. Sie wur­den mit Aus­satz geschla­gen oder auf andere Art hart bestraft. Tat­säch­lich waren die Strafen drakonisch.

40 Jahre lang mussten die Hebräer ange­blich durch die Wüste wan­dern, weil das auser­wählte Volk zeitweilig zurück nach Ägypten wollte. All dies sind lupen­reine religiöse Kon­troll­tech­niken, darauf gezielt, durch Angst Macht über das Denken der Men­schen zu errin­gen. 4000 Jahre Reli­gion­s­geschichte belehren uns, dass diese Art von Kon­trolle immer wieder angewen­det wurde. Auch die zahlre­ichen Erschei­n­un­gen Moses sind in diesem Zusam­men­hang zu sehen. Ständig sprach Moses mit Gott! Erschei­n­un­gen aber, muss man wis­sen, sind ein pro­bates Mit­tel, die nie­mand wider­legen kann:

Erschei­n­un­gen waren schon immer eine prächtige Meth­ode, Regeln einzuführen und Kon­trolle auszuüben. Erschei­n­un­gen bewiesen alles und nichts. Und so lesen wir ständig: „Und es sprach der Herr zu Moses…“ Auf­stände gegen Moses – wur­den mit Erschei­n­un­gen aus dem Weg geräumt. Kriege, die geführt wer­den soll­ten – wur­den mit Erschei­n­un­gen legit­imiert. Selb­st wenn es um die Verteilung der Beute ging (hüb­sch!), gab es – Erschei­n­un­gen! Die Abgabe des Zehn­ten – war göt­tlich­es Gebot! Falsche Propheten (und also Führer, die die poli­tis­che Macht gefährde­ten) – wur­den mit­tels Erschei­n­un­gen aus dem Weg geräumt. Erschei­n­un­gen waren, kurz gesagt, seit alters her höchst prak­tisch, um Geset­ze aufzustellen, Besitzansprüche gel­tend zu machen und poli­tis­che Macht abzuseg­nen. Kon­trolle, Kon­trolle, Kontrolle!

Das Wort „Gott“ besaß einen magis­chen Klang. „Gott“ aber wurde in allen möglichen Kul­turen und Zivil­i­sa­tio­nen dazu benutzt, um Geset­ze abzuseg­nen und Men­schen zu lenken. Mit „Gott“ und der Reli­gion wurde allerorten alles mögliche und nichts bewiesen, wur­den Besitzansprüche legit­imiert und Regeln aufgestellt, die anson­sten vielle­icht nicht akzep­tiert wor­den wären. Es ging mit einem Wort um die bru­tale Macht. Und damit sind wir dem Geheim­nis der Bibel ein wenig auf die Schliche gekom­men! Wenn man aber die grundle­gende Absicht ein­er Sache erken­nt, ver­liert sie ihre Kraft. Trotz­dem kön­nte man an dieser Stelle in aller Naiv­ität fra­gen, wie es denn nun „wirk­lich gewe­sen“ ist? Was ist an dieser Geschichte der Hebräer wahr? Was weiß der His­torik­er mit unum­stößlich­er Gewis­sheit? Was geschah damals tatsächlich?

DIE WAHRHEIT UND NICHTS ALS DIE WAHRHEIT
Die Hebräer waren anfangs aller Wahrschein­lichkeit nach fahrende Kau­fleute. Lange Züge mit Eseln, mit allen möglichen Las­ten beladen, zogen mit ihren Her­ren von einem Han­del­sort zum näch­sten. Da die Hufe ihrer Esel den Staub hoch aufwirbel­ten, Staub, der sich wieder auf den Händlern selb­st nieder­set­zte, erhiel­ten sie den Namen Abiru, was wörtlich über­set­zt die Staubi­gen bedeutete. Später bildete sich hier­aus der Begriff Hebräer. Die „Staubi­gen“ kauften und verkauften Gold, Sil­ber, Kupfer Elfen­bein und andere Waren. Ursprünglich waren sie aller Wahrschein­lichkeit nach am Euphrat und Tigris zu Hause, im heuti­gen Iran also, aber auch in der heuti­gen Türkei.

Möglicher­weise zogen die Hebräer schließlich etwa 1900 vor Chris­tus nach Kanaan (grob gesprochen im Land des heuti­gen Israel, Syrien, Libanon, gele­gen). Als jedoch eine Dürre und Hunger­snot das Land heim­sucht­en, wan­derten die Hebräer (vielle­icht) nach Ägypten aus. Hier wur­den sie ver­sklavt, wie jeden­falls die Leg­ende weiß, bis ein leg­endär­er Führer die Hebräer aus dieser Sklaverei befre­ite und sie möglicher­weise erneut in das „Gelobte Land“, wo „Milch und Honig fließen“, zurück­führte, nach Kanaan also. Sich­er ist dies jedoch nicht. Nur so viel scheint gewiss: Die Hebräer, beste­hend aus 12 Stäm­men, beset­zten im 13. oder 14. Jahrhun­dert vor Chris­tus Teile Kanaans.

Die zwölf Stämme schlossen sich nach einiger Zeit zusam­men und erkan­nten nur einen Gott an, Jah­we, einen stren­gen, eifer­süchti­gen, stre­it­baren Gott. Die Viel­göt­terei hörte auf. Jah­we wurde, wie der Reli­gion­swis­senschaftler weiß, aus früheren Göt­tern zusam­menge­set­zt. Ein­er davon war ein semi­tis­ch­er Gott, eine Got­theit mit einem riesi­gen Glied, andere waren Tier- und Natur­got­theit­en (Deschn­er). Jet­zt galt nur noch ein einziger Gott. Die Israeliten bekämpften in der Folge viele Stadt­staat­en und errichteten ein Kön­i­gre­ich, immer inspiri­ert durch ihren allmächti­gen, stre­it­baren Gott. Sie ver­nichteten bedeu­tende Reiche, bran­nten Städte nieder, töteten Män­ner, Frauen und Kinder, ver­wüsteten und morde­ten, alles im Namen des HERRN, im Namen Jah­wes, mit ein­er unvorstell­baren Bru­tal­ität, wenn wir ihrer eige­nen „Heili­gen Schrift“ Glauben schenken.

Soviel scheint also festzuste­hen, mehr aber auch nicht. Die wahre Geschichte der Hebräer liest sich also etwas beschei­den­er und ist weniger spek­takulär, wenn man sie all der leg­en­den­haften Züge entk­lei­det. Kom­men wir nun jedoch zu der mit Abstand span­nend­sten Frage und fra­gen wir uns, wie es eigentlich um die Quelle bestellt ist. Die Beurteilung der Quelle, der Wahrheits­ge­halt ein­er Quelle und die Echtheit ein­er Quelle ist immer das let­zte Kri­teri­um, wenn man über Geschichte und Geschicht­en urteilt. Fra­gen wir uns also: Wer war dieser Moses? Existierte er über­haupt? Wenn aber nicht: wer ver­fasste dann diese FÜNF BÜCHER MOSE, die am Anfang der Bibel stehen?

DIE QUELLENLAGE
Die Quel­len­lage ist kurz gesagt dürftig, um das min­deste zu sagen. Unter streng wis­senschaftlichen Gesicht­spunk­ten existiert Moses gewis­ser­maßen nicht. Er ist eine Fig­ur der Leg­ende, von Priestern geschaf­fen und unhis­torisch. Wir wollen dem Leser, zu sein­er und unser­er Erle­ichterung, all die ver­schiede­nen Sta­tio­nen der Tex­tkri­tik ers­paren. Spin­oza schon äußerte seine Zweifel, His­torik­er, Exegeten und The­olo­gen in reich­er Zahl, Schrift­steller, Tex­tkri­tik­er und Wis­senschaftler. Selb­stre­dend set­zte ein unendlich­er Stre­it ein, der von den Gläu­bi­gen bis heute gän­zlich anders beant­wortet wird als von Wissenschaftlern.

Aber selb­st im Lager der Gläu­bi­gen mehren sich die kri­tis­chen Stam­men, denn exak­ten Analy­sen über das Alter bes­timmter Texte kann man sich nicht entziehen. Vergessen wir nicht, dass die „Heilige Schrift“ der Juden erst 90 bis 100 nach Chris­tus endgültig fest­geschrieben wurde! Rund 1200 Jahre brauchte also diese „Heilige Schrift“, um über­haupt zu entste­hen! Wer würde es angesichts eines solchen Zeitraumes wagen, von „his­torisch­er Wahrheit“ zu sprechen? Die „Heilige Schrift“ der Juden umfasste zunächst 24 Büch­er, spätere jüdis­che „Bibeln“ des 15. Jahrhun­derts waren in 39 Büch­er aufgeteilt. Auch ein objek­tives, all­ge­mein anerkan­ntes „Altes Tes­ta­ment“ existiert nicht wirk­lich: Die Katho­liken hal­ten andere Geschicht­en für heilig und von Gott inspiri­ert als die Protes­tanten, die griechis­che Kirche oder das hel­lenis­tis­che Judentum.

Nahezu alle christlichen Sek­ten und Kirchen und selb­stver­ständlich die Juden selb­st anerkan­nten indes fast aus­nahm­s­los die FÜNF BÜCHER MOSE, griechisch auch pen­ta­teu­chos genan­nt, wörtlich das Fünf­be­häl­trige, weil die Schrift früher aus fünf Rollen bestand. Heute weiß die Forschung, dass die FÜNF BÜCHER MOSE beileibe nicht die ältesten Büch­er der „Heili­gen Schrift“ sind, wie ursprünglich angenom­men. Aber wichtiger ist, teil­weise bis ins 19. Jahrhun­dert hinein galt Moses als der Ver­fass­er dieser FÜNF BÜCHER MOSE, wenn es dem aufmerk­samen Leser auch zu denken gab, dass Moses seinen eige­nen Tod beschrieben haben soll.

Aber Moses hat­te ja auch die Entste­hung der Welt beschrieben, chro­nol­o­gisch gese­hen ein noch küh­neres Unter­fan­gen. Aber wie ent­standen diese Büch­er? Zunächst gab es nur mündliche Über­liefer­un­gen und demzu­folge zahlre­iche ver­schiedene Ver­sio­nen. Einige dieser Ver­sio­nen waren länger, andere kürz­er, bes­timmte Texte existierten hier, die dort nicht existierten. Zum Teil gab es sog­ar wider­sprüch­liche Textver­sio­nen! Weit­er geben selb­st The­olo­gen heute unumwun­den zu, dass es mehrere Autoren für die FÜNF BÜCHER MOSE gegeben haben muss. Schon früh fand man her­aus, dass sich min­destens drei ver­schiedene Autoren hin­ter dem Namen Moses verbergen.

Man unter­schied mit der Zeit zwis­chen dem „J‑Autor“, dem „E‑Autor“ und dem „P‑Autor“ (J, weil dieser Autor gern die Worte Jeho­va oder Jah­we benutzte, wenn er von „Gott“ sprach; der „E‑Autor“ gebrauchte dage­gen für Gott vornehm­lich die Vok­a­bel Elo­him; „P“ ste­ht als Abkürzung für Priester, für einen Priester-Autor). Im 19. Jahrhun­dert ließen The­olo­gen einen vierten Autor zu, den sie „D‑Autor“ nan­nten, „D“ zu Deuteron­o­mist. Das griechis­che Wort deuteros bedeutet wörtlich der zweite, nomos bedeutet Gesetz oder Vorschrift. Weil also die Geset­ze Moses zwei Mal im Alten Tes­ta­ment genan­nt wur­den (das zweite Mal im 5. Buch Mose), heißt das 5. Buch Moses unter Experten auch Deuteronomium.

Plöt­zlich waren also min­destens vier Autoren von offiziellen The­olo­gen zuge­lassen. Wieder­holen wir: Selb­st nach dem Zugeständ­nis der „Gläu­bi­gen“ schrieben min­destens vier Autoren die FÜNF BÜCHER MOSE! Aber was ist mit all der mündlichen Tra­di­tion? Den ver­schiede­nen Vari­a­tio­nen? Den späteren Ein­schiebun­gen? Mit Fug und Recht müsste man unseres Eracht­ens noch weit­ere Autoren annehmen, was diese fünf Büch­er ange­ht. Fest ste­ht heute immer­hin unum­stößlich, dass Moses nicht der Ver­fass­er der FÜNF BÜCHER MOSE ist.

Wahrschein­lich ist unseres Eracht­ens dies: Viele Gen­er­a­tio­nen von Schrift­stellern, Priestern, Rab­bis, Lehrern und Propheten tru­gen diese Büch­er zusam­men, bei denen es sich um eine unzusam­men­hän­gende, nicht logis­che, willkür­liche Mate­ri­al­samm­lung von Mythen und Helden­sagen han­delt, die sich teil­weise wider­sprechen und sich häu­fig wieder­holen. Vieles wurde ohne Frage nachträglich hinzuge­fügt oder gestrichen, alles Einzel­heit­en und Details, die der Wis­senschaftler heute anhand von Stilun­ter­suchun­gen zweifels­frei fest­stellen kann.

Es gab Zusätze, Änderun­gen, Kor­rek­turen und Inter­po­la­tio­nen (= nachträgliche Ein­schiebun­gen von Wörtern und Sätzen). Die Zehn Gebote stam­men wahrschein­lich aus der Königszeit (Salomon, David) andere Teile aus dem 13. Und 14. Jahrhun­dert, „nicht weniger als 60 Kapi­tel“ 5 aus dem 5. Jahrhun­dert! Priestern obla­gen also die Redak­tion und die Endredak­tion. Noch ein­mal: All die Ein­schal­tun­gen, Wucherun­gen, Verän­derun­gen, Vari­anten und Par­al­lelver­sio­nen ent­standen über einen Zeitraum von 1200 Jahren, man muss es sich vorstellen! Soviel hat his­torisch-wis­senschaftliche Analyse zweifels­frei bewiesen.

Es gibt zahlre­iche Aus­gaben, Ver­sio­nen und Vari­anten. Meis­ter­rechercheur Deschn­er spricht von ins­ge­samt 250.000 Textvari­anten (der gesamten Bibel), eine Viertelmil­lion Leseart­en also! Nichts ist somit sich­er. Aber wichtiger: Wir kön­nen nicht umhin, anzunehmen, dass zahlre­iche Priester die FÜNF BÜCHER MOSE ver­fassten! Für den his­torischen Moses selb­st gibt es indes kein­er­lei archäol­o­gis­che Hin­weise. Keine Texte bei den Baby­loniern, Ägyptern oder Griechen bezeu­gen seine Exis­tenz. His­torisch gese­hen ist dieser Moses nicht greif­bar und nicht fass­bar. Außer­halb der Bibel, ein schw­er­wiegen­der Vor­wurf, gibt es kein­er­lei Zeug­nisse über diesen Moses.

Die gewöhn­lich sehr sorgfälti­gen Aufze­ich­nun­gen der ägyp­tis­chen Pharao­nen erzählen nichts von ihm. Weit­er gibt es keine exak­ten chro­nol­o­gis­chen Anhalt­spunk­te in der Bibel selb­st, keine Urkun­den, keine Gräber und keine Doku­mente. Der His­torik­er ken­nt also Moses nicht, er weiß nur, dass Mythen und Leg­en­den über eine solche Fig­ur existieren und dass es eine falsch zugeschriebene Ver­fasser­schaft von fünf Büch­ern gibt. Diese Fig­ur des Moses, der nicht his­torisch bezeugt ist (was selb­st Katho­liken, Protes­tanten, Chris­ten und Juden heute zugeben) wurde im Laufe der Zeit immer weit­er ausgeschmückt.

Neue Leg­en­den wur­den erson­nen, neue Märchen gestrickt und in unser­er Zeit sog­ar Filme über ihn gedreht. Filmemach­er klebten ihm einen gewalti­gen Bart an und Ton­tech­niker ver­liehen ihm eine don­nernde Stimme. Moses wurde dadurch „wirk­lich­er“ und „lebendi­ger“ als wenn er je gelebt hätte. Die Mythengestalt, das religiöse Märchen, wurde uner­schüt­ter­lich konkret, „wahrhaftig“ und „wirk­lich“, ver­gle­ich­bar ein­er Roman­fig­ur, die ein Schrift­steller beson­ders wirk­lichkeit­secht aus dem Nichts stampft. Moses „existierte“ nach ein­tausend, zweitausend, dre­itausend Jahren, obwohl er so sich­er nie existiert hatte.

FAZIT
Damit bleibt als Faz­it fol­gen­des: Die FÜNF BÜCHER MOSE wur­den nicht von Moses geschrieben. Zahlre­iche Priester sind die wahrschein­lichen Ver­fass­er der FÜNF BÜCHER MOSE, die in einem Zeitraum von über 1200 Jahren ent­standen, zumin­d­est aber vier unter­schiedliche Autoren. Für Moses Exis­tenz selb­st gibt es kein­er­lei objek­tiv­en Beweise. Trotz­dem inspiri­erten die „Idee des Moses“, wie man vor­sichtiger­weise sagen muss, Mil­lio­nen, ja Mil­liar­den von Men­schen, gle­ich ein­er Romanfigur.

Sie wurde zu ein­er der größten Lügen der Geschichte, die inzwis­chen immer­hin rund 3200 Jahre lang Bestand hat und von Mil­liar­den von „Gläu­bi­gen“ wortwörtlich über­nom­men wurde. Heer­scharen von Priestern der ver­schiede­nen Kon­fes­sio­nen erzählen sie bis heute. Was aber bleibt damit von Moses zu guter Let­zt? Hat er nun gelebt oder nicht? Der His­torik­er kann ehrlicher­weise nur so darauf antworten: Möglicher­weise. Dass das Volk der Hebräer aus Ägypten einst aus­zog, wiewohl nicht in den ägyp­tis­chen Aufze­ich­nun­gen belegt, ist denkbar. Lediglich bei dem römis­chen His­torik­er Tac­i­tus gibt es in sein­er „His­to­ri­ae“ eine dünne Anmerkung, denn er beschreibt, dass die Ägypter von ein­er Seuche heimge­sucht wur­den, woraufhin Pharao Bock­cho­ris befahl, das Land von ein­er „frem­den Rasse zu reinigen“.

Das liest sich jedoch bere­its etwas weniger hero­isch. Dass sich ein Führer anbot, um diesen Exo­dus (Auszug) anzuführen, ist eine logis­che Notwendigkeit, sofern es diesen Auszug gab. Warum sollte er nicht Moses geheißen haben? Es bleibt damit ein leg­endär­er Führer übrig, mit ange­blich hohem Alter (120 Jahre), dem nachträglich zahlre­iche Wun­der zugeschrieben wur­den. Aber diesen Moses, wie wir ihn heute durch die FÜNF BÜCHER MOSE ken­nen, gab es sicher­lich nicht. Der Mosescharak­ter, der Moses­ty­pus, ist eine Erfind­ung von Priestern, eine unvorstell­bar geschick­te Erfind­ung allerd­ings, weil sie so raf­finiert par­al­lel zu den Äng­sten, Uräng­sten und Hoff­nun­gen der Men­schen gelagert ist. Wie der mögliche Moses wirk­lich aus­ge­se­hen haben mag, wie er wirk­lich agiert hat und was er wirk­lich in die Wege geleit­et hat oder nicht, falls er existierte, weiß nie­mand. Die Wahrheit ist heute vom Winde ver­we­ht und im Sande der Wüsten Ägyptens und Israels auf immer vergraben.

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