Felicitas Brandt — Bodenlos

Ich rede mit den Wän­den, nur um eine Stimme zu hören, nur um die Stille zu übertö­nen. Hab deine let­zten Worte aus­gelöscht und alle Spuren abgewaschen.

„Es ist vor­bei, es ist gut! Ich habe keine Angst!“, schrei ich in die Nacht und füh­le, wie in der Dunkel­heit mein eigener­er Schat­ten über mich lacht.

Trä­nen ver­bor­gen, Träume gestor­ben, ein Scher­ben­meer durch das ich bar­fuss laufe.

Blut­spuren.

Da ist der Regen, bald kommt die Traufe.

Schmerz, so tief und heiß; gemis­cht mit Wut und Trauer glüht er in der Ein­samkeit. Kein Feuer der Hoff­nung, nur ein schwach­es Leuchtsig­nal, ein Schrei nach Erret­tung; an wen ist ganz egal.

Ich kön­nte sagen wie es ist, doch ich sollte es nicht. Ich will es auch nicht laut sagen, denn dann wird es real. Ich will nicht fühlen was ich füh­le. Ich will nicht ver­mis­sen was ich vermisse

Hätte ich dich doch bloß nie gekannt!

Flucht in Worte, in Geschicht­en und Träume, doch selb­st sie haben Schat­ten. Abgründe, Kerk­er und dun­kle Räume.

Auch hier lauert der Tod. Es gibt kein Buch in dem er nicht lebt, nicht atmet.

Immer gibt es Ein­samkeit und Tränen.

Ich kann nicht ewig weglaufen, aber meine Beine bewe­gen sich von alleine. Mir fehlt der Atem für eine weit­ere Flucht, doch die Verzwei­flung ist stärk­er als die Müdigkeit.

Ich wün­sche mir Flügel um weit fort zu fliegen; will ein­fach nur zur Ruhe kom­men. Die Zeit ver­rin­nt viel zu hastig. Das Ende kommt rasend schnell näher.

Was ist hin­ter dem Horizont?

Ich schließe die Augen und zäh­le bis zehn. Die Schat­ten bleiben, die Trüm­mer auch. Bin wie ein Igel auf dem High­way, die Angst schnürt mir die Kehle zu. Will nur in deine Arme, in die ver­meintliche Sicher­heit. Und doch wün­sche ich gle­ichzeit­ig, ich hätte dich nie gekannt.

Hab den Weg in dein Herz nie gefun­den, doch deine Worte waren trotz­dem schön. Jet­zt will ich dich nie wieder fühlen, nie wieder etwas fühlen; es soll endlich aufhören.

Wie kann man etwas ver­lieren, das man nie besessen hat? Und doch ist da ein Loch, ein gäh­nen­der Abgrund.

Boden­los.

Und ich falle!

Feliz­itas Brandt ist reg­uläres Mit­glied im Sar­turia Autoren­fo­rum, und nimmt an den Train­ingsauf­gaben teil.
 
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