Janos Teleki — Ich halte deine Hand

Es ist schön, deine Hand zu hal­ten. Das war es schon immer. Seit dem allerersten Mal. Ob ich mich daran erin­nere? Du machst Scherze. Aber natür­lich. An jeden einzel­nen Augen­blick, als wäre es gestern gewesen.

Wir waren fün­fzehn. Ich der kleine Pum­melige, du die rothaarige Schöne. Da war diese kleine Katze, die sich auf eine Baustelle verir­rt hat­te und nicht mehr zurück fand. Über­all war frisch­er, weich­er Beton. Und all diese Schilder: „Betreten verboten!“

Ich hätte mich doch niemals getraut, auf das Baugelände zu gehen. War doch ein viel zu großer Schiss­er. Aber du hast ein­fach meine Hand genom­men und gesagt: „Komm, hilf mir. Alleine schaffe ich das nicht.“

Plöt­zlich war ich der mutig­ste Junge auf der ganzen Welt.

Wir haben die Katze gerettet.

Von da an war es immer so. Wenn du meine Hand genom­men hast, habe ich mich ver­wan­delt gefühlt. Wie Super­goofy. Weißt du noch? Wenn er eine Erd­nuss aß, bekam er auf ein­mal Superkräfte. Genau so ging es mir.

Ja, sich­er, für dich war das eben­so. Aber das hast du mir erst ver­rat­en, als wir schon viele Jahre zusam­men waren. Wir haben uns gegen­seit­ig immer Kraft gegeben. Das gab uns das Gefühl, zusam­men alles bewälti­gen zu kön­nen, wofür wir alleine zu zaghaft waren.

Selb­st als wir vor drei Jahren erfahren haben, dass du Lun­genkrebs hast.

Du hast gekämpft. Ich weiß das, denn ich war bei jedem Schritt an dein­er Seite. Ein weit­eres Mal waren wir siegre­ich geblieben. Es ging dir bess­er. Selb­st den Tod kon­nten wir gemein­sam über­winden. Für einige Monate zumindest.

Doch der Sense­mann ist ein hart­näck­iger Geselle. Wenn er ein Leben fordert, dann lässt er sich nicht so ein­fach wieder abwim­meln. Wenn er eine Weile präsent ist, gewöh­nt man sich an ihn. Fürchtet sich immer ein kleines biss­chen weniger. Irgend­wann erken­nt man, dass es Schlim­meres gibt.

Dich so lei­den zu sehen. Mit all den Schläuchen in deinem Kör­p­er. Den Maschi­nen, die dich zu jedem Atemzug zwin­gen. Was gibt Ärzten das Recht, Men­schen so zu foltern? Wie kann sich eine Gesellschaft zivil­isiert nen­nen, wenn sie Ster­ben­den ver­wehrt, in Würde zu gehen?

Es gibt eine Zeit, in der man hofft und kämpft. Doch es kommt auch die Zeit, in der man seinen Frieden macht. Das ist ein ganz pri­vates Recht, das einem nie­mand nehmen darf.

Du weißt, ich glaube an keinen Gott, der einem nur dann hil­ft, wenn man ihn anbetet. Das wäre für ein allmächtiges Wesen doch sehr klein­mütig. Ein ewiges Geschöpf hat das nicht notwendig. Deshalb ist es barmherzig. Immer und für alle.

Ich habe dir ver­sprochen, dass ich dich niemals ver­lassen werde. Diese Vere­in­barung erlis­cht nicht mit dem Tod. Schlafe nur ruhig.

Ich bin hier, lege mich zu dir, bin an dein­er Seite, halte deine Hand …!

Janos Tele­ki ist Stam­mau­tor bei Sar­turia, arbeit­et als Coach und Lek­tor und greift auf­streben­den Autoren unter die Arme.

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