Making of — Im Bann der Anderswelt

Her­aus­ge­ber: Thomas J. Bürvenich

Im Bann der Ander­swelt entspricht nicht wirk­lich der Gat­tung Fan­ta­sy, denn ges­tartet wurde die Antholo­gie sein­erzeit von Her­rn Dr. Anton Vogel, einem wahren Ken­ner der Lit­er­atur­gat­tung ‘Sagen und Mythen’, was man seinem geschätzten Sto­ry-Beitrag zu diesem Sam­mel­band auch anmerkt.

Lei­der ergaben sich Prob­leme mit dem Zugriff auf die gemein­sam genutzte Cloud — und danach vor allem mit den weniger gefes­tigten Laien­helfern — und so musste dieses her­rliche Werk eine unver­ant­wortlich lange Zeit liegen­bleiben, bis der jet­zige Her­aus­ge­ber, Thomas J. Bür­venich behände einge­sprun­gen ist, um den Sam­mel­band so schnell wie möglich fertigzustellen.

In dieser Antholo­gie nun durften die frühen Stu­den­ten der Sarturia®-Literatur-Akademie ihr wach­sendes Kön­nen demon­stri­eren. Und trotz aller Hemm­nisse ist ihnen das auch gelun­gen, obwohl unter den erfahre­nen Kön­nern, wie dem Preisträger für die ‘Beste Sto­ry’, stets auch neue und uner­fahrene Schüt­zlinge zeigen durften was in ihnen steckt.

Wikipedia schreibt zum vor­liegen­den Genre: Eine Sage (v. ahd. saga, „Gesagtes“; Prä­gung durch die Brüder Grimm) ist, dem Märchen und der Leg­ende ähn­lich, eine zunächst auf mündlich­er Über­liefer­ung basierende, kurze Erzäh­lung von fan­tastis­chen, die Wirk­lichkeit über­steigen­den, Ereignis­sen. Da diese mit realen Begeben­heit­en, Per­so­n­en- und Ort­sangaben ver­bun­den wer­den, entste­ht der Ein­druck eines Wahrheits­berichts. Die ursprünglichen Ver­fass­er sind in der Regel unbekan­nt, im Gegen­satz zu den Samm­lern und Her­aus­ge­bern, welche die schriftlich fix­ierten Fas­sun­gen oft inhaltlich und sprach­lich bear­beit­et und lit­er­arisch geformt haben. Stoffe und Motive wer­den häu­fig von anderen Völk­ern und Kul­turen über­nom­men (Wan­der­sagen) und mit land­schaftlichen und zeitbe­d­ingten Eigen­tüm­lichkeit­en und Anspielun­gen vermischt. .

Abwe­ichend zur ursprünglichen Inten­tion bewegte sich der Inhalt im Laufe der Zeit mehr und mehr ein wenig hin zur Fan­ta­sy, was jedoch der Orig­i­nal­ität der Geschicht­en kein­er­lei Abbruch tut. Im Gegen­teil: Der vor­liegende Sam­mel­band zeigt deut­lich auf, welche Hür­den unsere Schüt­zlinge bere­its genom­men haben und welche Hin­dernisse noch zu bewälti­gen sind. Das Ziel unser­er Stu­den­ten war und ist auf jeden Fall die Weit­er­en­twick­lung zum pro­fes­sionellen und anerkan­nten Schrift­steller — und vielle­icht sog­ar das Errin­gen eines lukra­tiv­en Ver­trags bei einem der großen Publikumsverlage.

Das Fol­gende haben unsere Autoren im Zuge ihres Stu­di­en­gangs zu Papi­er gebracht:

Shee­ban
Thomas J. Bürvenich

Wenn dich das Rufen eines Klageweibs verärg­ert, dann kann es sein, dass du nicht ver­stehst. Denn manch­mal gilt ihr Rufen dir oder den Deinen, und du weißt nicht, wohin es dich führen wird, wenn du ihm folgst.

… Also spurte ich die Straße wieder hoch, zur Ecke mit den Müll­ton­nen, dort ste­ht die Klage­frau wieder. Bin ich jet­zt kom­plett ver­rückt gewor­den? Ich laufe weit­er in Rich­tung Haustür, drehe mich noch kurz um zu der Schreck­ens­gestalt und sehe – Alba. Sie ste­ht dort bei ihr. Wieso um alles in der Welt sehe ich Alba jet­zt neben der Frau ste­hen? Habe ich jet­zt Hal­luz­i­na­tio­nen? Der Schweiß rin­nt von mein­er Stirn und läuft mir beißend in die Augen, und der glühend heiße Asphalt bren­nt unter meinen Füßen. Mir gelingt es nicht, klare Gedanken zu fassen. Sie schaut zu mir, sieht nicht mehr krank aus, aber verängstigt. Wie kann das sein, was geschieht hier eigentlich?

Alba und das Klageweib gehen langsam die Straße hin­auf und ich folge ihnen mit einigem Abstand. Ich spüre die Zeit nicht mehr, in dem Gemisch aus Schweiß und heißer Luft ver­schwim­men Ver­gan­gen­heit und Zukun­ft zu einem einzi­gen Fieber­traum. Sie gehen in die Unter­führung hinein, ver­schmelzen mit der Dunkel­heit. Meine Schritte wer­den langsamer, es gelingt mir wieder, etwas klar­er zu denken. Alba war doch krank, lag in mein­er Woh­nung, und jet­zt ist sie hier, wie …
Plöt­zlich ist mir alles klar …

Wie mag sich das Rät­sel wohl lösen? Wird die kranke Alba wieder gesun­den? Oder warum son­st hat das Klageweib die Bei­den zu sich gerufen?

Unter grü­nen Hügeln
Tim Pol­lok

Wenn du als Junge oder Mäd­chen in Irland nichts anderes willst als ein­fach nur abhän­gen und mit dem Handy spie­len, dann kann einem die ver­rück­te Mary schon ganz schön erschreck­en. Aber das ist noch lange nicht alles, denn die Foto-App zeigt etwas ganz anderes als sie soll!

… Kevin ging zunächst ruhig, doch kaum war er außer Sicht fing er an zu ren­nen. Am Strand hielt er einen Moment inne. Dessen Anblick, in der Nacht zuvor noch aufre­gend, wirk­te jet­zt bedrohlich. Langsam ging er zu den Felsen und sah sich dort die Stelle an, an die er sich zulet­zt erin­nerte. Etwas war hier passiert. Etwas, das ihm seine Erin­nerung und seine Schwest­er genom­men hatte.

Er stellte sich auf dieselbe Stelle wie nachts zuvor und sah in dieselbe Rich­tung. Nichts. Instink­tiv zück­te er sein Handy, aktivierte die Kam­era und betra­chtete die Stelle durch die Linse. Die Welt wirk­te anders, wenn man sie durch das Objek­tiv betra­chtete. Das wusste er, und doch über­raschte ihn, was fol­gte. Die Erin­nerun­gen der let­zten Nacht kamen wie ein Elek­troschock direkt an seine Schläfen:

Er machte das Foto, sah Wesen, die aus den Schat­ten kamen, und hörte seine Schwest­er schreien. Sie hiel­ten sie an den Armen fest. Hochgewach­sene Gestal­ten in Klei­dung aus Led­er, und auch wenn Kevin kaum etwas mehr erken­nen kon­nte, meinte er, dass ihre Haut im Mondlicht ungewöhn­lich blass, fast wie aus Elfen­bein gemeißelt, wirk­te. Der Stein unter der Bur­gru­ine leuchtete gold­en, und hin­ter dem Schein meinte Kevin, ein Gebäude zu erken­nen. Seine Schwest­er schrie erneut und er sah, wie die Wesen sie in Rich­tung des Steines zerrten. …

Wird er sie auf immer ver­lieren? Oder kann es ihm gelin­gen, sie aus den Klauen der blasshäuti­gen Gestal­ten zu befreien?

Leviathana
Tino Falke

Ein Mäd­chen, das zusam­men mit den wilden Matrosen zur See fährt, ist undenkbar. Was aber wenn der Wun­sch in einem so über­mächtig wird, dass man alle Gefahren außer Acht lässt, nur um sich des Nachts auf ein Segelschiff zu schleichen?

… Sie fan­den mich am näch­sten Mor­gen. Ich hat­te noch nicht ein­mal ver­sucht, an Deck zu gehen. Mir war schwindelig vom Schwanken des Schiffes und übel vom Geruch der Fäss­er. Nicht, wie ich mir den Beginn meines ersten Aben­teuers auf See vorgestellt hat­te, doch ich wusste aus den Büch­ern, dass ich mich noch daran gewöh­nt hätte. Die Erfahrung wurde mir jedoch ver­wehrt. Nach einem verge­blichen Ver­such, ihnen zu entkom­men, schleiften die Matrosen mich vor ihren Kapitän.

„Ab in Davy Jones’ Lock­er!“, riefen die Män­ner, als man mein Haar ent­blößte. „Ein Weib an Bord, das bedeutet großes Unglück! Versenkt sie, bevor ein Sturm aufkommt!“ Ein­er war sich sich­er, bere­its die ersten Gewit­ter­wolken sehen zu können.

„Lasst uns erst ein biss­chen Spaß mit ihr haben!“, gröl­ten andere. Man hätte nicht ver­mutet, dass sie noch am Vortag die Haut ihrer Frauen hat­ten spüren können.

„Bringt eine Truhe!“, ertönte eine ver­traute Stimme aus der Masse. Zwis­chen den Seeleuten trat ein junger Mann her­vor. Sein dun­kles Haar war länger als bei unserem let­zten Tre­f­fen, seine Schul­tern bre­it­er und seine Miene fin­ster­er, doch ich erkan­nte Dry­den sofort. Wie er es zum Kom­man­dan­ten gebracht hat­te, habe ich nie erfahren. Regungs­los star­rte er mich an.

Ein­er der Män­ner schob seine Hand in meinen Kra­gen. Mit einem Tritt kon­nte ich mich befreien, dem näch­sten Auf­dringlichen fuhr ein kurzes Mess­er aus meinem Stiefel durchs Gesicht. Dann riss ein kräftiger Zug an meinem Haar mich zu Boden. Die Män­ner lachten …

Was geschieht mit ihr auf Hoher See so mut­tersee­le­nallein und gän­zlich ohne Hil­fe? Aber das Schick­sal gibt ihr eine zweite Chance – und nun sin­nt sie auf Rache …!

Ein Leben für ein Leben
Dr. Anton Vogel

Gewin­ner des Awards „Beste Geschichte“ der Antholo­gie ‚Im Bann der Anderswelt‘.

Tirol, gegen Ende des achtzehn­ten Jahrhun­derts. Der fromme Bauer weiß um die Geset­ze der Natur, die von den ‚Heili­gen Madeln‘ geschützt wird. Und doch ver­stößt er auf der Jagd dage­gen, obwohl er ein schlecht­es Gewis­sen dabei hat.

… Schw­er­mütig schleppten sich die Gedanken des Bauern zum höch­sten Talschluss hin­auf, über das Tisen­joch und die Gletscher­bre­it­en, über die der erste blaue Schat­ten kroch. Dort hinüber war sein zweit­er Sohn, der Mat­tis, mit den Schafher­den der umliegen­den Gemein­den gezo­gen. Er hat­te beim Wei­deumtrieb ins Ötz­tal einen mageren Lohn für die Fam­i­lie ver­di­ent. Und schließlich am Sim­i­laun den Tod gefunden.

„Der Mann vom Fern holt dann und wann die Leut‘…“, hieß es unter den Bewohn­ern des Hochtals. Die Geschicht­en, beim Spin­nen, Strick­en, Weben oder Wursten in der ofen­war­men Küche von Mund zu Mund gegeben, erzählten, dass vor Urzeit­en ein Mann auf der Stein­wild­jagd dem Haupt des Berges zu nahe gekom­men und in den Bann der anderen Welt ger­at­en sei. Auf Nim­mer­wieder­se­hen ver­schloss ihn der Fern­er in seinem blau­grauen Eis. Die drei Sali­gen, Aubet, Querre und Cubet, die Weißen Frauen aus dem Berg, hät­ten den Jäger bestraft, weil er einen Stein­bock aus ihrem ver­bote­nen Reich geschossen, in der Kar­mulde ein Feuer ent­facht und das gebratene Fleisch verzehrt habe.
Das­selbe Verge­hen, das ihn nun verfolgte?…

Ist es wirk­lich die Rache, der ‚Sali­gen‘, die den Nach­barhof anzün­det und die Magd mit ihrem Kind in den Flam­men ein­schließt? Ist es seine Bes­tim­mung, dass der Bauer sein Leben riskieren muss, um sie zu ret­ten? Ein Leben für ein Leben? Oder schlägt die Stunde des Schick­sals einem Anderen?

Mein Name ist Dieter König
Als Leit­er der kom­pe­ten­zori­en­tierten Sarturia®-Literatur-Akademie und als Vor­standsmit­glied des gemeinnützigen‚Förderverein Sar­turia Autoren­schule e.V.’ engagiere ich mich gän­zlich uneigen­nützig für die ‘Förderung von Kun­st und Kul­tur in deutschsprachi­gen Län­dern’. In diesem Zusam­men­hang helfe ich clev­eren Autoren dabei, ihre Ziele zu erreichen.
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