Making of — Brutus und der Rotlicht-Kolibri

Dieser Krim­i­nal­ro­man ist ein ganz beson­der­er Thriller. Kaum ein Leser ver­mag sich der dicht­en Atmo­sphäre zu entziehen, die der Autor mit seinen Schilderun­gen entwirft und mit jed­er umge­blät­terten Seite dichter wer­den lässt.

‘Bru­tus und der Rotlicht-Kolib­ri’ ist kein Kri­mi, wie man ihn ken­nt. Es ist ein Thriller und eine Wesensstudie in einem. Dr. Paul Sanker beschreibt die Haupt­per­son, einen Rechtsmedi­zin­er, der um seine Rechte kämpft, bis er unverse­hens in den schlimm­sten Alp­traum seines Lebens gerät, deshalb so authen­tisch und wirk­lichkeit­snah, weil er selb­st schon seit Jahren den weißen Kit­tel trägt und darum auf einen fach­män­nis­chen Wis­senss­chatz zurück­greifen kann, der anderen Autoren nur schw­er­lich zugänglich ist.

Paul Sanker nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, das Mil­lieu und die darin verkehren­den Men­schen authentsch darzustellen. Damit schafft er die Grund­lage für eine Fasz­i­na­tion des Lesers, die ihres­gle­ichen sucht. Aber wie ist er ger­ade auf dieses The­ma gekommen?

Paul Sanker erzählt:

Eigentlich waren Krim­is nie mein bevorzugtes Genre. Doch eines Tages bat mich ein Autoren-Kol­lege und Kri­mi-Spezial­ist darum, zusam­men mit ihm und zwei weit­eren Kol­le­gen eine Kri­mi-Antholo­gie zu schreiben. Jed­er sollte seine eigene Sto­ry beis­teuern, die jedoch alle in ein­er gemein­samen Rah­men­hand­lung einge­bun­den sein soll­ten. Wie das eben bei solchen Pro­jek­ten sein kann, kon­nten wir unsere Ideen nicht unter einem gemein­samen Nen­ner vere­inen und das Pro­jekt war gestorben.

Nicht genug damit, dass ich eigentlich nie einen Kri­mi schreiben wollte, noch viel weniger wollte ich aus­gerech­net einen Arzt als Pro­tag­o­nis­ten erschaf­fen. Das Schreiben sollte mein Hob­by bleiben und da wollte ich ganz bewusst eine Dis­tanz zu meinem Beruf schaf­fen. Inzwis­chen war jedoch mein Pro­tag­o­nist, Dr. Bru­tus Schmitz, als eigen­williger Charak­ter des Köl­ner Rechtsmedi­zin­ers inzwis­chen für mich so lebendig gewor­den, dass er sich nicht mehr so mir nichts dir nichts in die Schublade zurück­steck­en ließ. Ich kon­nte also nur noch dafür sor­gen, dass dieser Schmitz nicht unter diesem typ­is­chen Arzt-Klis­chee zu lei­den hätte.

Da mein „Kol­lege“ auf gar keinen Fall eine Mis­chung aus Albert Schweitzer und Mut­ter There­sa wer­den sollte, durfte er auch kein Helfer-Syn­drom besitzen. Bru­tus Schmitz musste Fehler haben, wie jed­er andere Men­sch auch. Er sollte gezielt unvernün­ftig, cho­lerisch, respek­t­los, anmaßend, unzu­ver­läs­sig und lau­nisch han­deln. Er durfte wed­er Gut-Men­sch oder Kostverächter sein. Kurzum: Ich wollte einen sym­pa­this­chen Zeitgenosse, wie dich und mich, der das Herz auf dem recht­en Fleck hat, einen Rhein­län­der also wie er leibt und lebt. Er sollte authen­tisch wirken und im Kern ein sen­ti­men­taler Roman­tik­er sein, ein vom Ausster­ben bedro­ht­es Relikt, das sich wed­er um Trends noch um Kon­ven­tio­nen schert – also erfrischend unbequem.

Da ich selb­st in Köln geboren wurde und meine Heimat­stadt wie meine Wes­t­en­tasche kenne, lag es nahe, die Hand­lung auch in Köln spie­len zu lassen. Ich habe lange im Stadt­teil Köln-Poll gelebt, also direkt am Rhein­ufer, wo ich mit mein­er Fam­i­lie bei Spaziergän­gen unzäh­lige Male die Frachtkähne an uns vor­beifahren sah. Aber auch die Köl­ner-Süd­stadt mit ihrem beson­deren Nachtleben und ihre Orig­i­nale inspiri­erten mich zu dem vor­liegen­den Kri­mi-Plot. Hier wurde übri­gens Wolf­gang Niedeggen geboren, hier ent­standen die Ideen für viele Lieder sein­er Gruppe BAP, die die kölsche Seele in unnachahm­lich­er Weise widerspiegeln.

Viele Pas­sagen im Kri­mi stam­men aus meinem Erleb­niss­chatz. Sie sind geschehen, wie im Buch beschrieben, oder zumin­d­est recht ähn­lich. Als Stu­dent der Medi­zin und später als Assis­ten­zarzt an der Uni­ver­sitäts-Klinik Köln gab es genug Gele­gen­heit­en, wie zum Beispiel während des Prak­tikums im Rechtsmedi­zinis­chen Insti­tut. Aus meinen Erleb­nis­sen stammt auch der Auftritt von Bru­tus Schmitz vor dem Landgericht Köln, als er als sachver­ständi­ger Zeuge wegen eines Totschlag-Prozess­es geladen war.

Ich will aber jet­zt nicht zuviel ver­rat­en. Deshalb wün­sche ich Ihnen und allen Lesern recht viel Spaß bei der Lek­türe dieses echt kölschen Thrillers.

Ihr ergebenen­er Autor
Paul Sanker
 

Dr. med. Diplom-Krim­i­nologe Sebas­t­ian Schildbach:

Nach­wort zum Krim­i­nal-Thriller „Bru­tus und der Rotlicht-Kolib­ri“ von Paul Sanker, erschienen im Sar­turia Verlag

Der Fall ist gelöst — wieso denn nun noch ein Nachwort?!

Der vor­liegende faszinierende Kri­mi, den Sie immer noch nicht aus der Hand gelegt haben, begin­nt auf der 1. Seite mit der Charak­ter­isierung des Pro­tag­o­nis­ten Dr. Bru­tus Schmidt und über­rascht auf der 2. Seite durch das erste Mor­dopfer. Solch eine Geschichte bedarf keines Vor­wortes. Sie ver­webt das beru­fliche und pri­vate Leben des Rechtsmedi­zin­ers mit einem span­nend kon­stru­ierten, sachkundi­gen Krim­i­nal­fall. Aus medi­zinis­ch­er und krim­i­nol­o­gis­ch­er Sicht ist das Geschehen glaub­würdig und flüs­sig konstruiert.

Es han­delt sich zwar um eine frei erfun­dene Geschichte, doch steigert es das Lesev­ergnü­gen zusät­zlich, wenn man sich vor Augen führt, dass der Autor am Ort des Geschehens, näm­lich in Köln, geboren wurde. Hier spielt nicht nur die Geschichte, son­dern dort absolvierte der Autor sein Medi­zin­studi­um. Als später­er Neu­rochirurg agierte er sel­ber immer wieder an der Gren­ze zwis­chen Leben und Tod. Vielle­icht nur ein Zufall, dass er sich vor 20 Jahren in ein­er Gemein­schaft­sprax­is nieder­ließ, in der ein Namensvet­ter des Pro­tag­o­nis­ten mit ihm zusammenarbeitete.

Die Sit­u­a­tion des Arztes, sein Bezug zum Werk…auch hier ver­schwim­men die Gren­zen, was die Sto­ry so wirk­lichkeit­snah macht. Ein Rechtsmedi­zin­er, der zwis­chen die Mühlsteine der Zuhäl­ter-Mafia gerät, Bor­dellbe­suche, mehrere Todes­opfer, Zwang­spros­ti­tu­tion – Eros und Thanatos, der Lebens- und Tode­strieb, klas­sis­che und bewährte Beiga­ben für einen der­art pack­enden Thriller. Glück­licher­weise umfasst das Buch nur 214 Seit­en, so dass man es gar nicht mehr aus der Hand leg­en mag, bevor man es zu Ende gele­sen hat.

Für das Schreiben gel­ten vielle­icht ver­gle­ich­bare Regeln, wie für das Töten: Was bringt es, etwas zu erzählen, dass keinen Nach­hall hat, wenn man ihn zu Ende gele­sen hat? Sind es nicht mitunter auch die Fra­gen, die sich ein Mörder selb­st stellt: Wie erschaffe ich ein Werk von Bestand? Der Autor wün­scht sich, dass der Leser noch nach der Lek­türe an das Buch denkt. Der Mörder möchte trotz aller Destruk­tiv­ität auch eine Tat von bleiben­dem Wert schaf­fen. Nicht nur für sich sel­ber, son­dern auch für alle Übri­gen, die in das Bedin­gungs­ge­flecht sein­er Tat einge­bun­den sind.

Das Schreiben, die Par­al­le­len zum eige­nen Leben, die Morde – feine Fäden, die zusam­men die Tex­tur aus­machen, die den Leser gefan­gen nimmt.

Dr. med. Diplom-Krim­i­nologe Sebas­t­ian Schildbach

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