Making of — Das Böse in mir

Hor­ror-Sam­mel­band ‘Das Böse in mir’ – Mak­ing Of

In der Antholo­gie beschäfti­gen sich 25 Autoren mit dem Bösen, das in uns liegt. Natür­lich wer­den manche nun auf­begehren und meinen. „Ich bin ein guter Men­sch“ oder „In mir ist nichts Bös­es“. Und es wird wirk­lich bei eini­gen wahr sein.

Aber was liegt wirk­lich tief in uns drin­nen? Wirft unsere Seele einen dun­klen Schat­ten, der sich nur unter bes­timmten Umstän­den man­i­festiert? Im All­t­ag ver­hal­ten wir uns ‚gesellschaft­skon­form‘, aber was passiert, wenn wir von diesen Zwän­gen befre­it wer­den? Wenn wir – kon­se­quen­z­los – tun und lassen kön­nen was wir wollen?

Diese Macht­fülle, die trunk­en machen kann, die bewirkt, dass die dunkel­sten Fan­tasien an die Ober­fläche gespült wer­den, sei es aus Lust, Trieb oder ein­fach nur Neugi­er. Die Macht und die (Straf)freiheit, welche nette, unbescholtene Bürg­er in Ruan­da zu Jägern und Mördern, in Krisen­ge­bi­eten zu Kriegsver­brech­ern, im drit­ten Reich zu Holo­caust-Ver­brech­ern und Gläu­bige zu religiöse Fanatik­er macht. Zu Tätern, die am Ende des Tages liebend zu ihrer Fam­i­lie zurück­kehren und vorgeben nur ihre ‚Pflicht‘ getan zu haben; das, was sie mussten, das, was durch eine Hand­lung der Gegen­seite schein­bar legit­imiert wird. Oder doch eher das, was sie mit ihrem freien Willen ohne­hin schon immer tun woll­ten? Die Chance zu ergreifen, denn wir wis­sen: Gele­gen­heit macht Diebe

Und genau das ist für mich die Def­i­n­i­tion des Bösen: purster Ego­is­mus. Um Aleis­ter Crow­ley zu zitieren: ‚Tue was du willst.‘ Wenn jed­er nur das tut, was er selb­st möchte, ohne Rück­sicht auf andere, dann ist alles möglich. Psy­chopa­then, Soziopa­then, Dik­ta­toren, die alles und jedem ihren Willen aufzwin­gen. Der Täter, der seinen Trieb, seine Lust, seine Ziele, seinen Willen über den Willen und das Woh­lerge­hen seines Opfers stellt, wird landläu­fig als „böse“ beze­ich­net, doch ist er — nüchtern betra­chtet – nicht doch bloß ein extremer Egoist?

Die AutorIn­nen und Autoren der Antholo­gie ver­set­zen sich in einzelne dieser Per­so­n­en hinein um deren Geschicht­en zu erzählen, ihre Motive zu erläutern, und ihre Tat­en aufzuzeigen. Wagen Sie mit uns einen Blick in die Verderbtheit der men­schlichen Seele.

Anett Arnold, Autorin von „Der Zuhörer“:

“Wort­spiele sind mitunter das Schön­ste, was unsere Sprache zu bieten hat.

Durch ein Gespräch über ‘Der Vor­leser’ kam ich auf die Idee, dass auch ein Zuhör­er existieren müsse. Allein durch dieses Wort, ent­stand eine tragis­che Geschichte um einen jun­gen Mann, der nie zur Ruhe fand. Wie jede Geschichte begann dieser Text mit nur einem, einzi­gen Wort.”

Manuel Otto Ben­drin, Autor von „Und erlöse uns von dem Bösen“:

Als ich den Titel der Auss­chrei­bung las, war der Schrei der Antholo­gie danach, wörtlich aus­gelegt zu wer­den, nicht zu über­hören. „Das Böse in mir“. Wer dies liest, muss zwangsläu­fig auch an dämonis­che Besessen­heit und Exorzis­men denken. Doch nicht die allzu bekan­nte Sicht des helden­haften Priesters oder der gequäl­ten Fam­i­lie inter­essierte mich hier­bei, son­dern das viel zu oft ver­nach­läs­sigte Lei­den des Besesse­nen. So habe ich mir der Frage gestellt, wie fühlt es sich wohl an, besessen zu sein und exorziert zu wer­den – und: wer wird den Kampf wohl gewin­nen? — http://www.manuelottobendrin.de

Rafaela Bure­ta, Autorin von „Lei­denslust“:

Die Kurzgeschichte „Lei­denslust“ ist eine mein­er ersten schriftlichen Auseinan­der­set­zun­gen mit dem Bösen. Was sind die tief­sten Abgründe des Men­sch­seins ist die Frage, die mich beschäftigt hat. Als spir­itueller Men­sch war mir schnell klar, Leid zufü­gen. Meine Lebenser­fahrung hat mir gezeigt, dass das schlimm­ste Schmerz keines­falls kör­per­lich­er Natur ist. Das find­et der Pro­tag­o­nist der Geschichte nach und nach her­aus und geht den Weg zur ulti­ma­tiv­en Lei­derzeu­gung bis zur let­zten Konsequenz.

Mike Chick, Autor von „Die Insel“:

„Die Insel“ basiert im End­ef­fekt auf ein­er wahren Begeben­heit. 2011 brachte Anders Behring Breivik in Oslo und auf der Insel Utoya ins­ge­samt siebe­nund­siebzig Men­schen um. An einem Tag. Breivik wurde von nation­al­sozial­is­tis­chem und radikalchristlichem Gedankengut ges­teuert, was mir wiederum für „die Insel“ nicht behagte. Ich wollte, dass mein Pro­tag­o­nist ein­fach nur böse ist und sich selb­st nicht erk­lären kann, warum. Außer­dem reizte es mich in der Ich-Per­spek­tive zu erzählen. Da gab es nur ein Prob­lem. Ich wollte, dass dieser Jemand nicht ein­fach wil­len­los Leute umbringt. Das wäre lang­weilig. Stattdessen sollte er selb­st vor etwas Angst bekom­men. Nur was?

Die Antwort darauf war eigentlich ziem­lich sim­pel: Vor etwas, von dem man nicht erwartet, dass es noch bös­er ist. Schließlich wis­sen wir nie, was sich hin­ter den Augen eines Nach­barn oder guten Fre­un­des ver­birgt, oder nicht? Vielle­icht eine nette Seele. Wom­öglich aber auch ein beißwütiges Mon­ster mit spitzen Zäh­nen. Wir wis­sen es erst dann, wenn es sich uns offenbart.

Sarah Drews, Autorin von „Endlich Ruhe“:

Wie bin ich auf die Geschichte gekom­men? Meinen ersten Stephen King habe ich mit zwölf Jahren gele­sen. Seit­dem fasziniert mich das Genre rund um Hor­ror, Grusel, Thriller sehr. Es spielt mit den Äng­sten, zeigt wozu Men­schen fähig sind — Wir tauchen ein in diese erschreck­enden Wel­ten und sind froh, wenn wir am Ende das Buch zur Seite leg­en und merken, dass unsere Welt doch nicht so schlimm ist, wie wir immer denken. Das The­ma — Das Böse in mir — war mein erster Ver­such. Ich hat­te ger­ade ange­fan­gen zu schreiben und wollte unbe­d­ingt so viele Gen­res aus­pro­bieren, wie ich kon­nte. Ein­fach um mich selb­st zu ent­deck­en, denn ich selb­st lese bunt gemis­cht und wollte mich am Anfang nicht fes­tle­gen, wenn es ums Schreiben geht. Die Idee war sim­ple und ein­fach. Man nehme einen Psy­chopa­then, Mord und stelle sich das ganze ein­fach als Artikel in der Klatsch- Presse vor. Meist heißt es dann nur, Durchge­drehter tötet eigene Mut­ter und seine Fre­undin. Aber warum? Einzelne Hin­weise sick­ern durch, aber nie kommt die Wahrheit ans Licht. Deswe­gen fand ich es ein­fach span­nend diese Per­spek­tive zu beleuchten.

Michelle K. Dun­can, Autorin von „Der Schleuser“:

Die Idee zu „Der Schleuser“ ist tat­säch­lich mehreren Din­gen geschuldet. Zum ersten wäre da mein Kon­takt zu US-Häftlin­gen in Michi­gan, den ich für ein anderes Pro­jekt aufge­baut hat­te. Die Insassen dort sind aus den ver­schieden­sten Grün­den inhaftiert. Manche sind psy­chopathisch ver­an­lagt und haben schwere Ver­brechen began­gen, während Andere nur kleine Straftat­en vol­l­zo­gen, die den­noch hart bestraft wur­den. So fand ich ein bre­ites Spek­trum an Gesprächspart­nern. Doch vor allem die Psy­chopa­then und ihre Straftat­en faszinierten mich: Ihre Ansicht­en, ihre Gefüh­le. Ich habe mich aus­giebig mit ihnen darüber unter­hal­ten, ohne sie zu verurteilen. Alles was ich wollte, war, sie zu ver­ste­hen – nicht immer leicht, ihrem Charme nicht zu ver­fall­en. Immer wieder musste ich mir in Gedanken rufen, dass das ein Teil ihrer Masche war. Aber ich schaffte es und im End­ef­fekt halfen mir diese Gespräche und die Bekan­ntschaften, wert­frei an dieser Kurzgeschichte zu schreiben.

Zum zweit­en gab es einen Antag­o­nis­ten in einem Videospiel, der mir den endgülti­gen Kick für diese Sto­ry gab. Ihn als Vor­bild mit meinem Wis­sen über das Wesen eines Psy­chopa­then und den tat­säch­lichen Umstän­den, die in Kam­bod­scha herrschen, ergaben für­mich ein glaub­haftes Szenario. Es ermöglichte mir, eine authen­tis­che Kurzgeschichte zu ver­fassen, gespickt mit so viel absur­der Tiefe, dass mir beina­he vor mir selb­st graute, wenn ich nur daran denke, wie tief ich mich selb­st in diese Kurzgeschichte gekni­et hat­te, um authen­tisch schreiben zu kön­nen. Ich ver­set­zte mich in den Pro­tag­o­nis­ten und tat alles, um zu denken wie er, zu fühlen, wie er, zu sein, wie er. Trotz allem siegt die Neugier

… Buck ist mir auf grausige Art sym­pa­thisch gewor­den und ich komme kaum von dem Gedanken los, ihm weit­ere Geschicht­en zu wid­men. So ist es wohl, das Böse, das in uns schlum­mert … https://www.michellekduncan.de/

Ulrike Fei­far, Autorin von „Dorothea“:

Mit „Dorothea” kon­nte ich meinen inneren Schweine­hund von der Kette lassen, und ihn dann genüsslich umbringen.

Maria Grzeschista, Autorin von „Freak“: 

“Freak” ist so eine Sache. Ich tippte eine Geschichte am Lap­top ab, die ich damals noch mit der Hand ver­fasst hat­te, wollte eigentlich eine Pause machen, hörte mir Dis­turbed an — ich weiß sog­ar noch genau, welch­es Lied: Strick­en — und schrieb diese Geschichte – als erste Geschichte über­haupt, die nicht zuerst ein­mal von Hand geschrieben wurde. Damals war ich sehr von Hor­rorhör­spie­len geprägt, welche ich mir bei YouTube reinge­zo­gen hat­te. Ich hat­te plöt­zlich diesen Titel im Kopf und die Worte und Sätze fan­den sich fast von allein.

Wer bitte, ken­nt die Sit­u­a­tion nicht: Ein Außen­seit­er, der sich nir­gend­wo inte­gri­eren kann, kein­er mag ihn, kein­er will etwas mit ihm zu tun haben. Wenn man selb­st noch Schüler ist weiß man ganz genau, dass man sehr schnell abgeschrieben sein würde, wenn man sich mit ein­er solchen Per­son aus Mitleid anfre­un­det – und genau aus dieser Angst her­aus lässt man es dann sein. Man weiß, dass es nicht in Ord­nung ist, dieses Ver­hal­ten zu unter­stützen, doch will man selb­st oft nicht sein eigenes Image opfern. Trau­rig, aber wahr. Man sucht Ausre­den wie: “Ein ander­er Schüler kann das auch tun, wieso denn aus­gerech­net ich?” Doch ins­ge­heim weiß man sehr genau, dass das nichts als Aus­flüchte sind. Wir sind nicht nur für das ver­ant­wortlich, was wir tun, son­dern auch für das, was wir eben ‚nicht’ tun.

Der Freak in der Geschichte ist ein eigentlich net­ter Junge. Jed­er Men­sch hat eine dun­kle Seite in sich; die seine wurde durch die vie­len Gemein­heit­en und den ständi­gen Druck der Angst, was als näch­stes wohl noch kom­men würde, her­vorge­bracht. Natür­lich ist dies keine Entschuldigung für sein Ver­hal­ten. Kein Men­sch hat das Recht, so etwas zu tun, ganz gle­ich, was der andere Men­sch alles an Pro­voka­tio­nen gebracht hat. Ich wollte damit die schlim­men Auswirkun­gen von Mob­bing aufzeigen, denke ich. Lola wäre sich­er nichts geschehen, wenn sie sich nicht ‚so’ ver­hal­ten hätte. Wenn sich ein­er, nur ein einziger Schüler für ihn einge­set­zt und zu ihm gehal­ten hätte, so wäre ihm eventuell egal gewe­sen, was diese Lola so alles sagt und macht. Er hätte jeman­den gehabt, auf den er sich ver­lassen kon­nte. Er wäre nicht allein gewe­sen. Und ist man nicht allein, kann man so ziem­lich alles durch­ste­hen. Aber da war ja keiner …

Ralf Kor, Autor von „Der Menschenfresser“:

Stellen Sie sich vor, Sie lei­den unter einem Zwang. Einen Zwang der Sie zu Din­gen ver­leit­et, die Sie nicht wollen, die falsch oder straf­bar sind. Aus meinen Augen eine erschreck­ende Vorstel­lung. Täter sind oft Opfer ihrer Störungen.

Der­matophagie wird das zwang­hafte Beißen der eige­nen Haut beze­ich­net und ist eine Störung der Impul­skon­trolle. Men­schen mit solch ein­er Zwangsstörung lei­den nicht nur unter den Symp­tomen, den Wun­den, die sie sich sel­ber zufü­gen, son­dern auch unter dem Unver­ständ­nis und Spott ihrer Mit­men­schen. Hin­ter ihrem Rück­en wer­den sie als Beißer oder eben auch als Men­schen­fress­er bezeichnet.

Was wäre, wenn die Symp­tome in diesem Fall als eine Art Blitz­ableit­er fungieren. Wenn jemand den zwang­haften Appetit auf Men­schen­fleisch ver­spürt, ihn aber nicht zulässt. Wenn er bis zur let­zten Kon­se­quenz gegen das ‚böse’ Ver­lan­gen ankämpft. — https://ralfkor.blogspot.de/

Hart­mut Hol­ger Kraske, Autor von „Die Kun­st des Zulassens“:

Was sind das nur für Men­schen die über das Böse schreiben? Während ich diese Zeilen schreibe, kreist ein Kle­in­flugzeug über meinem Wohnge­bi­et. Das Flugzeug stolpert förm­lich durch die Luft. Der Motor stot­tert deut­lich hör­bar. Der Flieger wird doch nicht aus­gerech­net auf mein Haus stürzen? Ich werde den­noch ver­suchen mich auf diesen Text zu konzentrieren.

Also. Was sind das für Leute, die sich so heiß und innig mit dem Bösen beschäfti­gen und darüber schreiben müssen? ‚Das Böse in mir’. Aha! Autoren haben offen­sichtlich viel über das Böse zu schreiben das in den Köpfen und Herzen herum­lungert und sich auf höchst kreative aber ver­störende Art den Weg nach außen bah­nt. ‚Das Bösen in mir’? Ja, klar!

Ich spüre eine Auss­chrei­bung im Inter­net auf. Eine Antholo­gie soll entste­hen. Titel: ‚Das Böse in mir’. Wie unter Strom, sab­bernd wie eine Car­toon­fig­ur set­ze ich mich natür­lich sofort an die Schreib­mas­chine und prü­gle einen Text in die Tas­tatur der die Leser­schaft schock­ieren und ver­stören soll.

Wieso macht man so etwas? Wieso ich? Wie jed­er gläu­bige moralis­che Men­sch frage ich mich, ob böse Gedanken auch schon böse Tat­en sind? Denken ist ja eine Tätigkeit und die Macht geäußert­er Gedanken sollte nicht unter­schätzt wer­den! Also schreibe ich bess­er doch nicht über mein fik­tives bös­es Alter Ego das wie ein Mis­ter Hyde durch die nächtlichen Straßen irrt und Leute killt. Meine Sto­ry kön­nte Killer in der wirk­lichen Welt zu Gräueltat­en an Unschuldigen animieren!

Aber wer ist schon unschuldig? Und wie genau ist denn „Das Böse“ definiert? Ver­dammt! Inter­essen­skon­flikt. Mein schlecht­es Gewis­sen meldet sich. Eine fette Engel­sputte sitzt auf mein­er recht­en Schul­ter und fragt mich, wieso ich nicht über ‚etwas Schönes’ schreiben kann. Der Fernse­her läuft. Eine Doku über Flugzeugkatas­tro­phen flim­mert über den Bild­schirm. Tolle Spezial­ef­fek­te. Mich faszinieren Dokus über Flugzeu­gab­stürze. Entspan­nt wie bei einem Hor­ror­film fresse ich solche Dokus weg wie Erd­nüsse. Gelassen kann ich mir reinziehen, wie ton­nen­schwere Objek­te vom Him­mel stürzen, Men­schen bren­nen und Ange­hörige weinen.

Wieso kann ich mir so etwas ruhig anse­hen? Weil ich weiß, dass mich keine zehn nack­ten Rasse­heng­ste jemals in ein Flugzeug zer­ren kön­nten. Niemals! Ist nicht drin, dass ich jemals in ein Flugzeug steige. Deshalb kann ich mit den Dingern auch nicht abstürzen. Das ist ein unglaublich beruhi­gen­der Gedanke. Bin ich böse, weil ich Dokus über Flugzeugkatas­tro­phen genießen kann? Ist es nicht so, dass wir uns in der Fik­tion unseren dunkel­sten Äng­sten stellen müssen? Na, klar. Andern­falls wür­den wir wahnsin­nig wer­den und möglicher­weise würde unser unbe­wusstes Alter Ego wirk­lich durch die Nächte irren und morden.

Sind böse Gedanken schon böse Tat­en? Aber auch ängstliche Starre kann böse enden. Zum Beispiel in Form unter­lassen­er Hil­feleis­tung. Man macht doch gar nichts – und man ist den­noch böse. Wirk­lich? ‚Die Kun­st des Zulassens’ beschreibt unter­lassene Hil­feleis­tung in epis­chen Ausmaßen.

Jet­zt ist es soweit. Ich kann mich nicht mehr auf diesen Text konzen­tri­eren. Meine Nach­barin schre­it wie am Spieß. Wird da jemand in der Nach­bar­woh­nung umge­bracht? Sollte ich mal nach­se­hen oder die Polizei rufen?

Mein Blick driftet auf den Fernse­hbild­schirm. Die schlimm­sten Flugzeugkatas­tro­phen passieren bei Start und Lan­dung. Sitzt man mehr als sieben Sitzrei­hen vom Notaus­gang ent­fer­nt ist einem eine Rauch­gasvergif­tung sich­er, sollte es an Bord der Mas­chine bren­nen. Niemals die Ret­tungsweste zu früh auf­blasen! Son­st schwim­men Sie obe­nauf; auf bren­nen­dem Kerosin! Die Schreie mein­er Nach­barin ver­s­tum­men. Auch das stot­ternde Kle­in­flugzeug ist nicht mehr zu hören. Na, endlich! — Bin ich böse?

Flo­ri­an Krenn, Her­aus­ge­ber und Autor von „Lei­den­schaft“:

Die Idee, über einen empathis­chen Mörder zu schreiben, der seinem Opfer erk­lärt, warum er es ger­ade hier und jet­zt töten muss, und dabei ver­sucht, es für die Idee zu gewin­nen, hat­te ich schon länger. The­ma­tisch ist der Text zwis­chen dem Film ‚The Cell‘ und dem Lied ‚Sam­mellei­den­schaft‘ der öster­re­ichis­chen, lei­der nicht mehr aktiv­en Met­al­band ‚Van­i­tas‘ — ja, das war ein Anspieltipp — ange­siedelt. www.floriankrenn.at

Andreas Kro­hberg­er, Autor von „Frosch im Brunnen“:

Schon immer hat mich fasziniert, dass der Men­sch einen Teil seines Bewusst­seins abspal­ten kann. Ohne ‚uns selb­st’ zu fra­gen, entschei­det das Bewusst­sein, ob es die Erin­nerung an schreck­liche Erleb­nisse zulässt oder sie an einem ‚Spe­icher­platz’ ver­steckt, zu dem wir keinen Schlüs­sel haben. Selb­st im ganz nor­malen All­t­ag nützt uns diese Fähigkeit, denn wir rech­nen uns gerne zu den ‚Guten’, zu den Humor­vollen, den Intel­li­gen­ten, obwohl wir vielle­icht ganz schön böse, humor­los und dumm sind. Dass wir den Brud­er um das Erbe geprellt, die Frau bet­ro­gen, das Kind ver­nach­läs­sigt und den Nach­barn wegen ein­er Kleinigkeit angezeigt haben, spal­ten wir ein­fach ab.

Nicht ein­mal unseren gieri­gen Blick oder unseren Speck­nack­en nehmen wir wahr. Das Bild, das wir im Spiegel sehen, ist nicht das­selbe, das andere von uns haben. Und natür­lich gibt es psy­chis­che Störun­gen, bei denen diese zum Selb­stschutz gedachte Fähigkeit außer Kon­trolle gerät. So kam mir die Idee zu ein­er Geschichte, bei der ein Junge entset­zt auf die sex­uelle Gewalt reagiert, die einem Mäd­chen ange­tan wird, das er begehrt. Er real­isiert nicht, wer ‚wirk­lich’ dieser Triebtäter ist. Sein Bewusst­sein hat den entsprechen­den Teil seines Ichs ein­fach abgespalten …

Maria Catha­ri­na Madaf­fari, Autorin von „Gast Nr. 13”:

Eine Nacht. 13 Gäste. Wer überlebt?

Die Idee zu „Gast Nr. 13“ ist im Früh­ling 2016 ent­standen – damals noch unter dem Arbeit­sti­tel „Hasen­mord“. Ursprünglich trug der erste tote Gast ein Hasenkostüm. Mir gefiel der Gedanke, eine ver­meintlich harm­lose Kostüm­par­ty zum Schau­platz eines wahren Hor­rorszenar­ios wer­den zu lassen. Inspiri­ert hat mich vor allem die Stim­mung, in die ich immer rund um Hal­loween komme. Aber auch der Gedanke daran, wie ich als Schulkind nach der Wei­h­nachts­feier mit meinen Klassenkam­er­aden in der Schule ver­steck­en gespielt habe hat mich bee­in­flusst. Damals jagten uns die im Dunkeln liegen­den Gänge des Schul­ge­bäudes eine ganz schöne Angst ein. Die Leser mein­er Geschichte bekom­men es hof­fentlich auch gehörig mit der Angst zu tun …

Jan Niklas Meier, Autor von „Ein Leben im ehernen Zeital­ter des Menschengeschlechts“:

‚Das eherne Zeital­ter des Men­schengeschlechts’ entstammt der griechis­chen Mytholo­gie und beze­ich­net dort das dritte der fünf Weltal­ter. Die Men­schen dieses Zeital­ters beschäfti­gen sich fast auss­chließlich mit Krieg, sie sind ver­dor­ben und sinken nach ihrem Tod alle­samt in den Hades, in die Unter­welt. Die Kurzgeschichte überträgt diese Vorstel­lung auf das Ameri­ka der 1920er Jahre, in dem jemand Morde bege­ht, die der griechis­chen Mytholo­gie entlehnt sind. Das Set­ting ist düster und trost­los, Mytholo­gie wird gepaart mit der inspirien­den ersten Staffel der Serie True Detec­tive und den Werken H. P. Love­crafts. http://www.moerderische-schwestern.eu/wer-wir-sind/autorinnen/m/maria-catharina-madaffari/

 Sven Mey­er, Autor von „In a Dream“:

Die Idee zu dieser recht blutrün­sti­gen Geschichte kam mir nach dem Lesen eines Artikels über Hen­ry H. Holmes.

Gegen Ende des 19. Jahrhun­derts führte Holmes ein “Mörder­ho­tel” in Chica­go, in dem er ver­steck­te Räume und sog­ar ein eigenes Kre­ma­to­ri­um einge­baut hat­te. Er soll min­destens 27 Men­schen, vornehm­lich alle­in­ste­hende Frauen, grausam ermordet haben.

Da mich dieser kranke Geist irgend­wie beschäftigte und nicht mehr losließ, habe ich die Bilder in mein­er Kurzgeschichte ver­ar­beit­et. Damit die Geschichte nicht allzu plump daherkommt habe ich ver­sucht, eine über­raschende Wen­dung einzubauen. www.motionist.de

Jes­si­ca Riedel, Autorin von „Lasagne“:

Bei dem Titel ‚Das Böse in mir’, begann ich mir vorzustellen, was aus einem Kind alles wer­den kön­nte, wenn es kein Ven­til für all die Phan­tasie gäbe, die tief in dem Inneren eines kleinen Men­schen schlum­mert. So spin­nt sich ein rot­er Faden von Szene zu Szene, ver­woben mit den Erin­nerun­gen an die eigene Kind­heit und die Geschichte erwachte just zum Leben.

Ute Zem­b­sch, Autorin von Gege­nan­griff”:

Zu mein­er Kurzgeschichte ‚Gege­nan­griff’ inspiri­erte mich die Über­legung, wer tat­säch­lich die Macht über das eigene Leben besitzt und einen dadurch zum Opfer wer­den lassen kann. Wie entschei­de ich mich trotz aller Bedräng­nis frei, wie ich mich fühlen und was ich tun will? Meine Haupt­fig­ur musste erst an den Punkt kom­men, an dem sie (schein­bar) nichts mehr ver­lieren kon­nte. Erst dann begann sie, sich das zurück­zu­holen, was nie­mand das Recht hat­te, ihr zu nehmen. Möglicher­weise ani­miert meine Geschichte andere dazu, die Opfer­rolle zu ver­lassen und sich selb­st­bes­timmt gegen Über­griffe zu wehren. Vielle­icht nicht unbe­d­ingt mit diesem Verlauf. 😊

Cov­ergestal­tung:

Clau­dia Gornik ist seit gut zwei Jahrzehn­ten als freie Kom­mu­nika­tions­de­signer­in tätig. Ein Faible für Buchgestal­tung entwick­elte sie bere­its im Studi­um. Auf www.coverboost.de bietet sie indi­vidu­elle Designs und Pre­Mades für Self­pub­lish­er und Ver­lage an, sowie Unter­stützung bei der Buch­block-Gestal­tung und Ausstat­tung mit Werbe-/Pro­mo-Mate­r­i­al.

Danksa­gung:

Her­zlich bedanken möchte ich mich bei allen Kol­legin­nen und Kol­le­gen die aktiv an der Entste­hung des Buch­es in Coach­ing, Lek­torat, Kor­rek­torat und beim Cov­er mit­gear­beit­et haben:
Manuel O. Ben­drin, Elis­a­beth Gehring, Clau­dia Gornik, Chris­tine Jurasek und Chris Kolb
Ohne Euch wäre die Antholo­gie kaum zu stem­men gewesen!

Flo­ri­an Krenn
Her­aus­ge­ber

Wir wün­schen stel­lvertre­tend für alle Autoren viel Lesev­ergnü­gen und angenehmes Schaud­ern. Und nicht vergessen: Vor dem Schlafenge­hen über­prüfen, ob die Tür abgeschlossen ist …

.

Dieser Beitrag wurde unter Makingof abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.