Making of — Das nackte Grauen

Hor­ror-Sam­mel­band ‘Das nack­te Grauen’ – Mak­ing Of

Das Wovor des Erschreck­ens ist zunächst etwas Bekan­ntes und Ver­trautes. Hat dage­gen das Bedrohliche den Charak­ter des ganz und gar Unver­traut­en, dann wird die Furcht zum Grauen.
(Mar­tin Hei­deg­ger, Sein und Zeit, 1927)

Ein san­fter Schreck, der einen durch­fährt, wenn man des Nachts am Spiegel vor­beiläuft und dann bemerkt, dass der Schemen, den man eben aus dem Augen­winkel gese­hen hat, man selb­st war. Ein Gefühl der Beobach­tung auf dem nächtlichen Nach­hauseweg, die Nack­en­haare stellen sich auf, Schritte hin­ter einem, man dreht sich panisch um, und sieht den net­ten Mann aus dem Bus, der einem die vergessene Brief­tasche hin­ter­herträgt. Der Herz­schlag beruhigt sich schnell wieder, ein Kopf­schüt­teln über sich selb­st — da hat man sich mal wieder ganz ohne Grund erschreckt.

Doch was ist, wenn der Schemen im Spiegel nicht von einem selb­st stammt? Wenn er plöt­zlich näherkommt, die Bar­riere zwis­chen (Alb-)Traum und Real­ität durch­bricht? Was, wenn man sich umdreht, und hin­ter einem nie­mand ist? Oder einen gar blutrote Augen aus der Dunkel­heit anfunkeln? Was, wenn das Bekan­nte, Ver­traute plöt­zlich dem Frem­den, Unheim­lichen weicht, man nicht mehr weiß, was Ein­bil­dung und Wirk­lichkeit ist und Schreck­en und Angst sich in nack­tes Grauen verwandeln?

Mit diesem stärk­sten Gefühl der Angst beschäfti­gen sich die 20 Geschicht­en des vor­liegen­den Sam­mel­ban­des. Auf ganz unter­schiedliche Art und Weise inter­pretieren die Autoren das Grauen, das mal in einem selb­st entste­ht, mal durch eine bes­timmte Sit­u­a­tion her­vorgerufen wird aber immer völ­lig unvor­bere­it­et über die Pro­tag­o­nis­ten here­in­bricht: In Form von ural­ten und grässlichen Wesen aus Sage und Mytholo­gie, als Krea­turen des klas­sis­chen Hor­rors, in Verbindung mit ver­wun­sch­enen Gegen­stän­den oder als düster­er Wahn im eige­nen Kopf. Mal sub­til und schle­ichend, mal ras­ant und expliz­it, aber immer hochspan­nend, erzählen die Autoren dieser Antholo­gie ihre grauen­vollen Geschicht­en und bescheren dem geneigten Leser damit nicht nur ein­mal einen wohli­gen Schauer …

Da es auf­grund der sehr unter­schiedlichen The­menin­ter­pre­ta­tion unmöglich und auch wenig sin­nvoll war, die Antholo­gie nach einzel­nen Bere­ichen zu sortieren, sind die Geschicht­en nun alle­samt gut durchgemis­cht und ganz ver­schiedene Schw­er­punk­te in dieser Kurzgeschicht­en­samm­lung vertreten. Zudem wäre mein­er Mei­n­ung nach eine gezwun­gene Ord­nung und Rei­hen­folge hier auch schade gewe­sen, denn die Vielfalt macht diese Antholo­gie so beson­ders und das “Grauen” ist ganz offen­sichtlich in den ver­schieden­sten Bere­ichen zu find­en. So schaf­fen es unsere Autoren immer wieder, den Leser mit ein­er neuen Idee oder Herange­hensweise zu über­raschen — und wer möchte nicht gerne gut unter­hal­ten werden!

Den Anfang macht Jan Küchen­thal mit seinem Antholo­giebeitrag “Der Käfer — Eine makabre Geschichte”, der leise und fre­undlich mit einem kleinen Prob­lem begin­nt, welch­es sich plöt­zlich in ras­an­tem Tem­po zu einem großen entwick­elt und den Leser zum Ende hin mit Sicher­heit ver­stört zurück­lässt. Der Autor selb­st sagt über sein­er Geschichte: Die ursprüngliche Idee zu „Der Käfer“ sah eine deut­lich län­gere Erzäh­lung vor, zu der die jet­zige Kurzgeschichte nur den Anfang darstellen sollte. Das, was im Kopf des Pro­tag­o­nis­ten her­an­wächst und let­ztlich her­aus­bricht, also das titel­gebende Insekt, war als Teil der Psy­che oder des Unter­be­wusst­seins seines Wirtes gedacht, der von diesem unbe­wusst abgeschoben wird. Dies äußert sich in der vor­liegen­den Kurzgeschichte bere­its ansatzweise im Ver­hal­ten des Pro­tag­o­nis­ten: Sein zu Beginn beina­he uner­schüt­ter­lich­er Opti­mis­mus und der Glaube daran, der Prob­leme sel­ber Herr wer­den zu kön­nen, bis hin zum wahn­haften Ver­such, erst irgendwelche plau­si­blen Erk­lärun­gen für die Ereignisse zu find­en und dann das Prob­lem durch einen drastis­chen Ein­griff sel­ber zu beseit­i­gen. Der Käfer ver­schwindet am Ende der Kurzgeschichte. Im weit­eren Ver­lauf ein­er län­geren Erzäh­lung wäre dieser wieder aufge­taucht und hätte eine über­aus manip­u­la­tive Rolle im Leben, Denken und Fühlen des Erzäh­lers ein­genom­men. Der Plan war, eine makabre, absurde, aber auch von mor­bi­dem Humor durch­zo­gene Geschichte zu entwick­eln, die sich let­ztlich, so hoffe ich wenig­stens, als ein Plä­doy­er für real­is­tis­ches, umsichtiges und möglichst objek­tives Denken hätte ver­ste­hen lassen kön­nen. Da aber mein Konzept für eine solche Erzäh­lung nicht fer­tig war – es man­gelte mir vor Allem am Wis­sen darum, wohin diese Entwick­lun­gen die Geschichte und ihren Erzäh­ler führen soll­ten – und die Geschichte in ihrer jet­zi­gen Form gut zum Konzept einiger Lit­er­atur- und beson­ders Hor­ro­rauss­chrei­bun­gen passte, beschloss ich sie so abzuschick­en. Ich hoffe sel­ber, dass die ursprünglich geplante und län­gere Geschichte eines Tages noch ein­mal Form annehmen darf.

Weit­er geht es mit ein­er Kurzgeschichte in Stephen King Manier: “Die Hecke” von Thorsten Breuer. Der Autor selb­st schreibt über seine Geschichte:
Die Idee zu „Die Hecke“ kam mir eines Abends auf dem Balkon mein­er alten Woh­nung. Ich sah nach­den­klich in den Garten meines Nach­barn und auf die dor­tige Hecke. Ich fragte mich, was passieren würde, wenn die Hecke plöt­zlich ein Eigen­leben führt. Wie würde es einem Jun­gen erge­hen, der hin­ter das Geheim­nis kommt und andere war­nen möchte, aber nur belächelt wird? Die Gren­ze zwis­chen Real­ität und Wahnsinn ist in unserem All­t­ag oft­mals nicht auszu­machen, und das Grauen kann uns jed­erzeit heim­suchen – in welch­er Form auch immer. Das wollte ich mit der Geschichte rüberbringen.

Die Autorin Michaela Ill­ner bringt uns in ihrem Beitrag “Ent­fes­selt” ein altes Fabel­we­sen wieder näher und lässt den Leser durch ihre Ich-Erzäh­lung direkt an den Schreck­en, die die Heldin durch­leben muss, teil­haben. Sie selb­st sagt über ihr Werk:
Die Idee zur Kurzgeschichte „Ent­fes­selt“ hat­te ich während eines Unwet­ters auf dem Heimweg von der Arbeit. Ich habe mich gefragt: „Wie reagiere ich, wenn ich plöt­zlich aus dem drö­gen All­t­ag geris­sen und mit dem Unheim­lichen kon­fron­tiert werde?“
Aus diesem Grund wird die Geschichte auch aus der Ich-Per­spek­tive erzählt und begin­nt mit dem gle­ichen Szenario.
Der Leser und die Pro­tag­o­nistin wer­den plöt­zlich ein­er Sit­u­a­tion aus­ge­set­zt in der sowohl Mon­ster als auch Mon­ster­jäger ein­er reale Bedro­hung sind.

Eine unheim­liche Forsch­er-Geschichte liefert uns der Autor Marc Nien­dorf mit seinem Antholo­giebeitrag “Der Nachtmahr”, in der die Teil­nehmer ein­er Expe­di­tion plöt­zlich um ihr Leben fürcht­en müssen. Der Autor selb­st schreibt zur Entste­hung seines Werks:
Der Sar­turia-Ver­lag hat in der Ver­gan­gen­heit Geschicht­en für eine Antholo­gie mit dem The­ma “Bes­tiar­i­um” gesucht. Eine Samm­lung mit ungewöhn­lichen Unge­heuern aus dem Reich der Mytholo­gie, bei der es nicht um häu­fige Pro­tag­o­nis­ten wie Vam­pire und Wer­wölfe gehen solle.
Das hat mich zu mein­er Sto­ry „Der Nachtmahr“ inspiri­ert, die nun in “Das nack­te Grauen” veröf­fentlicht wird. Den Nachtmahr fand ich span­nend, weil er nicht zu den üblichen Verdächti­gen der Mon­ster­welt zählt, die das Hor­ror-Genre für gewöhn­lich anbi­etet. Und neben faszinieren­den kün­st­lerischen Darstel­lun­gen aus der Malerei bietet er auch eine inter­es­sante Mythol­o­gis­che Diskus­sion. Da ich mich in meinem Leben auch mit der Kryp­to­zo­olo­gie beschäftigt habe, hat­te ich die Idee, ihn als reales evo­lu­tionäres Tier vorkom­men zu lassen. Ich habe schon Geschicht­en ander­er Gen­res geschrieben und es hat mir Spaß gemacht ein­mal eine Gruselgeschichte zu spinnen.

Die Autorin Alex Gawl­itza kon­fron­tiert den Leser in “Ver­rate niemals eine Vana­di” mit ein­er Geschichte über Ver­lust und Rache, die nicht an expliziten Szenen spart. Sie selb­st sagt dazu:
Die Idee dieser Geschichte existierte schon zu meinen Schulzeit­en, wo ich einen Teil auch schon schrieb und dafür hochgelobt wurde. Daraufhin fasste ich den Entschluss es kom­plett über­ar­beit­et einzure­ichen. Der wichtig­ste Aspekt der Geschichte lag tat­säch­lich nicht auf dem Grauen, son­dern auf der gescheit­erten Beziehung zweier Frauen. Damit wollte ich zeigen, dass auch gle­ichgeschlechtliche Paare als Pro­tag­o­nis­ten geeignet sind. Diese Geschichte ist eine Umschrei­bung meines Lebens, jedoch nur anders ausgeschrieben.

In “Schweigen” hat sich der Autor Oskar See­mann die end­lose, leere Weite der Wüste als Set­ting für seinen Beitrag aus­ge­sucht und schafft so die passende Grund­stim­mung für etwas, das direkt einem Alb­traum entstiegen sein kön­nte. Der Autor schreibt selb­st über die Entste­hung sein­er Geschichte:

Eine erste Ver­sion der Geschichte “Schweigen” ent­stand, als ich vierzehn Jahre alt war. Damals war es bloß eine kurze Geschichte, in der die Wüste und der Man­tikor vorka­men. Sie war düster, rau und hat­te ein tragis­ches Ende, und war dadurch irgend­wie weg­weisend für meine späteren Texte – und ich fand sie viel bess­er, als sie eigentlich war. Ich war eben vierzehn, ja?
Ein paar Jahre später habe ich die Grun­didee für diese Antholo­gie noch ein­mal neu auf­bere­it­et und auf einen neuen Stand gebracht – die generelle Rauheit des Textes ist geblieben, das Grundthe­ma des Mor­dens ist das­selbe, und auch die (ein wenig zu dick aufge­tra­gene) Düster­n­is ist geblieben. Ein ziem­lich gutes Beispiel für einige mein­er Texte aus dieser Zeit.

Mit­tler­weile ist das Ver­fassen dieser Ver­sion der Geschichte auch schon ein paar Jahre her und wie das so ist, entwick­elt man sich weit­er. Heute würde ich ganz anders an diese Geschichte herange­hen – aber ger­ade deswe­gen sehe ich nun den für mich eigentlich inter­es­san­ten Punkt am Text. Das ist nicht die Bru­tal­ität oder das The­ma des Mor­dens, son­dern etwas, das sich durch viele seit­dem von mir ver­fasste Texte zieht: Die Wüste.

In irgen­dein­er Form hat dieser Gedanke in vie­len mein­er Texte und sog­ar in meinem ersten Roman stattge­fun­den: Dort draußen in der Wüste, weit weg jeglich­er Zivil­i­sa­tion, kön­nte wirk­lich alles mit dir passieren, ohne dass es jemals jemand erfährt. Dort bist du allein.

Ein wenig Roman­tik inmit­ten von Düster­n­is und Blut lässt sich in Mar­co Callaris Beitrag “Der Kuss des ewigen Lebens” find­en. Er selb­st sagt über die Hin­ter­gründe zu seinem Werk:
Spätestens seit Bram Stoker´s Drac­u­la in den Neun­zigern in den Kinos lief, inter­essiere ich mich für den Vam­pir-Mythos. Mich überkam damals eine regel­rechte Sucht, in der ich zahlre­iche Vam­pir­filme sah und reich­lich Vam­pir­büch­er las. Gefol­gt von zahllosen durchgemacht­en Nächt­en, in denen ich ängstlich wach lag und den Son­nenauf­gang her­beisehnte. In der Zeit schrieb oder malte ich meine eige­nen Vam­pirgeschicht­en. Die generell von eini­gen Jägern han­deln, die einen Ober­vam­pir ver­nicht­en müssen — und das natür­lich ohne Ver­luste schaf­fen (in der Jugend endet irgend­wie alles mit einem “Hap­py End”). Doch seit­dem meine jugendliche Naiv­ität Platz für meinen erwach­sen gewor­de­nen Ver­stand gemacht hat, kom­men meine Fig­uren nicht mehr so glimpflich davon. Wie in meinem Antholo­giebeitrag “Der Kuss des ewigen Lebens”. Die Geschichte behan­delt die Frage, was ein Vam­pir­jäger wohl am Ende seines Lebens tut, wenn er all die Kämpfe gegen das Böse über­lebt hat, aber let­zten Endes doch Gevat­ter Tod an die Tür klopft. Ob das Ende der Sto­ry ein “Bad End­ing” ist oder doch eher wieder ein “Hap­py End­ing”, über­lasse ich dem Leser ;).

In “Tier­garten” greift die Autorin Katha­ri­na Schelp eine unheim­liche Leg­ende eines grauen­vollen Wesens auf, das für Gerechtigkeit sorgt. Sie selb­st schreibt dazu:
Die Idee zu dem Schau­platz der Geschichte kam mir, weil ich selb­st schon ein­mal in ein­er Sil­vester­nacht durch die Parkan­lage Tier­garten in Berlin gelaufen bin; mein dama­liger Fre­und wohnte damals in der Nähe des Parks. Schon in dieser Nacht hat­te ich mir gedacht, dass ich diesen lat­er­nengesäumten, men­schen­leeren Weg im Nebel, diese gesamte ein­ma­lige Atmo­sphäre gerne in ein­er Geschichte unter­brin­gen würde und so fiel es mir später nicht schw­er, einen Ort zu wählen, an dem meine bei­den Pro­tag­o­nistin­nen dem Bar­guest begeg­nen sollten …

Eine weit­ere, unheim­liche Forschergeschichte stellt Georg Bands “Das Grab der Engel” dar. Hier liegt der Fokus allerd­ings auf der Archäolo­gie und in den Tiefen unter ein­er alten Kirche lauert hier das Grauen auf die all zu neugieri­gen Forsch­er … Der Autor erk­lärt die Entste­hung seines Werkes so:

Die Idee zu „Das Grab der Engel“ kam mir ganz spon­tan. Ich las einen wis­senschaftlichen Artikel über die Anfänge der Archäolo­gie und stellte mir beim Lesen die Män­ner beim Graben vor, wie sie im Staub kniend diese müh­same Arbeit ver­richteten ohne Strom und ohne tech­nis­che Geräte. Fasziniert davon, stieg in mir die Frage auf, was wohl wäre, wenn das Aus­grabung­steam etwas Ver­botenes ent­deck­en würde, was es bess­er nicht find­en sollte und die Geschichte dazu schrieb sich dann beina­he von selbst.

Der Autor Janosch Kohler schreibt in “Klopf, Klopf” über Schreck­en, die sich der Pro­tag­o­nist selb­st einge­brockt hat und denen er nicht mehr entkom­men kann, so verzweifelt er es auch ver­sucht. Der Autor selb­st schreibt über die Inspi­ra­tion zu sein­er Geschichte:

Ich hat­te schon immer eine Fasz­i­na­tion für das Über­natür­liche. Geis­ter, Dämo­nen und Mon­ster begleit­en mich bere­its seit mein­er Jugend durch meine wachen Stun­den und Träume. Eben­so faszinieren mich aber die men­schliche Psy­che und deren Abgründe, die sie erre­ichen kann, wenn sie genü­gend provoziert wird. Deswe­gen wollte ich eine Geschichte schreiben, in welch­er nicht klar ist, ob das Phänomen nun nur fin­giert ist, oder ob doch etwas Über­natür­lich­es dahin­ter­steckt, oder aber ob am Ende alles nur im Kopf des Pro­tag­o­nis­ten stat­tfind­et, der ein Trau­ma erlit­ten hat. Inspi­ra­tion für die Geschichte fand ich in den Erzäh­lun­gen von Stephen King. King gilt nicht umson­st als Meis­ter des Hor­rors, da auch seine Geschicht­en oft aufzeigen, dass nicht nur das Über­natür­liche sel­ber das Grauen erweckt, son­dern auch die han­del­nden Men­schen in seinen Büch­ern. King sagte: “Mon­sters are real, and ghosts are real too. They live inside us, and some­times, they win.” Und mit diesem Mot­to ent­stand der hier vor­liegende Text.

Wahrhaftige Bek­lem­mung löst der Autor Michael Wil­son mit sein­er Geschichte “Der Raum” aus. Ganz sub­til und leise kommt hier der Hor­ror daher, um den Leser umso heftiger zu umschlin­gen. Der Autor erk­lärt die Hin­ter­gründe sein­er Geschichte so:
Mit Äng­sten, die man klar benen­nen kann, kann man einen Umgang find­en. Leute mit Flu­gangst nehmen den Zug, Men­schen mit ein­er Keim­pho­bie gehen nur noch in den eige­nen vier Wän­den auf die Toi­lette. So lässt sich die Angst meist ziem­lich ein­fach umge­hen. Was aber, wenn das Grauen dif­fus ist und nicht beim Namen genan­nt wer­den kann? Wohin soll man fliehen, wenn man nicht weiß, woher die Gefahr anrückt?
Eine solche Angst hin­ter­lässt ein Gefühl der Hilf- und Wehrlosigkeit. Man hat den Ein­druck, es sei kein Entkom­men möglich, wohin man sich auch wen­den mag. Diesen Gedanken habe ich in dieser Geschichte sehr wörtlich genom­men: Es gibt keinen Weg hinaus …

Den Abschluss dieser unheim­lichen und erschreck­enden Antholo­gie macht Jens-Philipp Gründlers ele­gant geschrieben­er Beitrag “Destruk­tion”, der sich, ganz passend zu einem Samm­lung von Lit­er­aturbeiträ­gen, mit der wahren Gestalt ein­er knall­harten Lit­er­aturkri­tik­erin auseinan­der­set­zt … Der Autor selb­st schreibt über sein Werk:
Die Inspi­ra­tion für meine Geschichte „Destruk­tion“ kam von zwei Fre­un­den, einem Zoolo­gen, der Rep­tilien und Amphi­bi­en erforscht, sowie einem Jour­nal­is­ten und Autor, der einen faszinieren­den Text über Feuer­sala­man­der geschrieben hatte.
Hinzu kamen zu jen­er Zeit, Anfang des Jahres 2016, neg­a­tive Kri­tiken, die ich für einige mein­er Kurzgeschicht­en erhielt und die mich motivierten, härter an meinen Tex­ten zu arbeiten.

Daraus ent­stand dann die Geschichte „Destruk­tion“, ein­er­seits bee­in­flusst durch die Her­petolo­gie, ander­er­seits inspiri­ert durch Kri­tik­er, die kein gutes Haar an einzel­nen Tex­ten ließen.

Bei dem The­ma „Grauen“ und der Kat­e­gorie „Hor­ror“ han­delt es sich nicht um meine favorisierten Gebi­ete. Hor­rorsto­rys hat­te ich noch nie zuvor ver­fasst, deshalb dachte ich, es sei an der Zeit, auf diesem Feld ein wenig zu exper­i­men­tieren. Und ich hoffe, dass mein Exper­i­ment geglückt ist.

Über die beteiligten Autoren der Hor­ror-Antholo­gie “Das nack­te Grauen”:

Jan Küchen­thal ist aus­ge­bilde­ter Fremd­sprachenko­r­re­spon­dent. Da er aber beschloss, zu viel Büroar­beit liege ihm nicht beson­ders, änderte er die von ihm eingeschla­gene Rich­tung und zog sich aus der Wirtschaft zurück. Von da an ist sein Kar­ri­ereweg größ­ten­teils von Erfol­gen ver­schont geblieben, hat ihn aber immer­hin durch ver­schiedene Orte in ganz Deutsch­land geführt. Sein Steck­enpferd ist, neben der Musik, die Schreiberei. Auch wenn dies seine erste Veröf­fentlichung ist und sich seine bish­eri­gen lit­er­arischen Ergüsse, die ihren Weg an die Öffentlichkeit fan­den, auf Met­al-Reviews und wenige Auf­tragsar­beit­en beschränken; so warten noch andere Geschicht­en darauf, ihren Weg zu möglichen Lesern zu find­en und noch weit­ere wer­den fol­gen. Nur hadert er immer ewig damit, diese über­haupt mal jeman­dem zu zeigen. Wird er nach lit­er­arischen Vor­bildern gefragt, legt er sich ungern fest, aber es wäre keines­falls falsch in diesem Rah­men Namen wie Poe, Doyle, Love­craft, Bark­er, sowie Adams und Pratch­ett zu nen­nen. Das spiegelt sich wohl auch in seinen präferierten Gen­res wider: Hor­ror und Satire. Na ja, und Sci­ence Fiction.

Thorsten Breuer wurde 1987 in Frank­furt am Main geboren, ist ver­heiratet und lebt heute mit sein­er Frau am Fuße der Schwäbis­chen Alb. Bere­its in der Schule schrieb er mit Begeis­terung Gruselgeschicht­en und inter­essiert sich auch heute noch für Hor­ror und übersinnliche Phänomene. Im Jahre 2009 absolvierte er in ein­er Psy­chi­a­trie in Frank­furt seinen Zivil­dienst. Seine erste Kurzgeschichte „Der Spiegel der Seele“ erschien 2009 in der Antholo­gie „Das Stöh­nen im Gebälk“ vom Balthasar-Verlag.
Web­seite: www.thorstenbreuer.de

San­dra Schnei­der *1990 geboren in Worms, lebt seit Kind­heit­sta­gen in dem idyl­lis­chen Bad Dürkheim, wo sie auch das Wern­er-Heisen­berg-Gym­na­si­um besuchte.
Neben ihrer Arbeit als Masken­bild­ner­in wid­met sie sich dem Schreiben und dem Fotografieren. Hier kann sie Geschicht­en erzählen und in sur­reale Wel­ten eintauchen.
Ihre Arbeit­en find­et man unter adreamersart.de

Michaela Ill­ner, *1982 aus dem Ruhrge­bi­et, ent­deck­te während der Grund­schulzeit ihre Liebe zum Lesen und Schreiben und ver­fasste erste eigene Geschicht­en. Als Inspi­ra­tionsquelle dient ihr oft die Schön­heit und Unberechen­barkeit der Natur. Sie schreibt und liest vor­wiegend Fan­ta­sy, Sci­ence Fic­tion und Lit­er­atur aus der Epoche der Romantik.
www.facebook.com/illnermichaela
Bish­erige Veröffentlichungen:
Kurzgeschichte „Gold­marie und Pech­marie“, in: „Grimms Märchen Update 1.2 — Der Wolf und das böse Rotkäp­pchen“, Machan­del Ver­lag, 2012.
Kurzgeschichte „Das Schick­sal der Black Mer­maid“, in: „Die Pirat­en und ihre leg­endären Geschicht­en“, net-Ver­lag, 2012.
Kurzgeschichte „Das Labyrinth der Göt­ter“, in: „Zeit der Stürme“, Freie Redak­tion XUN, 2012.
Kurzgeschichte „Stur­mvo­gel“, in: „Eine Seele aus Flam­men – Phönix“, net-Ver­lag , 2015.

Aaron Schauerte *1996, studiert momen­tan Lehramt HRGE in Siegen (Bio/Englisch). Er liest sehr gerne und schreibt auch seit län­gerem als Hob­by, seit etwa einem Jahr auch für Ausschreibungen.

Marc Nien­dorf ist in Tel­gte geboren und in Mün­ster aufgewach­sen. Dort hat er mit dem lit­er­arischen Schreiben begonnen. Später hat er Ger­man­is­tik und Philoso­phie in Würzburg auf Mag­is­ter studiert und in ver­schiede­nen Antholo­gien Gedichte veröffentlicht.
Bish­erige Veröffentlichungen:
Bib­lio­thek Deutschsprachiger Gedichte 2009
Bib­lio­thek Deutschsprachiger Gedichte 2012
Frank­furter Bib­lio­thek der Brentano-Gesellschaft 2012
Bloemlezing/Anthologie 1e Eure­gio Poeziepri­js 2013
Bib­lio­thek Deutschsprachiger Gedichte 2013
Brombeer­rausch: Raja Chili: HOT! (Chiliv­er­lag) 2014
Bib­lio­thek Deutschsprachiger Gedichte 2014
PSYCHONYMOUS — Vergel­tung: Kurzgeschicht­en (Chiliv­er­lag) 2015
Stro­hblu­men­störung: Poli­tis­che Dich­tung der Gegen­wart 1 (Chiliv­er­lag) 2015
Bib­lio­thek Deutschsprachiger Gedichte 2015
Bib­lio­thek Deutschsprachiger Gedichte 2016
Bib­lio­thek Deutschsprachiger Gedichte 2017

Alex Gawl­itza, *2001, gab sich schon in jun­gen Jahren dem Schreiben hin. Beson­ders fasziniert war sie vom Über­natür­lichen und ang­ste­in­flößen­den Geschicht­en. Sie hat in ihrem jun­gen Alter schon viel durchgemacht, was sie in die Geschicht­en ein­fließen lässt. Die meis­ten der Geschicht­en bauen auf per­sön­lichen Erfahrun­gen auf, die sie anders ver­packt. Hat Alex eine Idee, wird sie sofort auf das Blatt gebracht, egal wie kurios und merk­würdig sie ist.

Oskar See­mann schreibt Phan­tastik – so gut wie immer die der düsteren Sorte. 2013 begann er seine Geschicht­en selb­st einzus­prechen und als Hör­spiele auf YouTube hochzu­laden. Nach mehreren Ver­to­nun­gen veröf­fentliche er mit achtzehn auf eigene Faust seinen ersten Roman »Blaue Tulpen« (2017). Im sel­ben Jahr trug er zwei Geschicht­en zur Hor­ror-Antholo­gie »Rest­men­sch« (2017) bei. Sei­ther begann er irgen­dein Studi­um und hört weit­er­hin nicht auf die Empfehlun­gen, sich einen richti­gen Job zu suchen, son­dern arbeit­et stattdessen weit­er an zukün­fti­gen Büchern.

Schon als Kind hat sich Mar­co Callari für Geschicht­en und Charak­tere inter­essiert. Seine ersten eige­nen Geschicht­en brachte er in Form von Comics aufs Papi­er. In der Schulzeit schrieb er Drehbüch­er, die er mit Fre­un­den und Klassenkam­er­aden ver­filmte. Aus Geschicht­sideen, die unver­film­bar waren, wur­den Büch­er. Seit 2010 konzen­tri­ert sich Mar­co Callari kom­plett auf das Schreiben.

Maria Oehl ist eine Pfälz­er Autorin.

Simone Preußner, Jahrgang ’93, schreibt bevorzugt Geschicht­en der Phan­tastik. Sie liest auch gerne und viel, ist dabei aber weniger an ein bes­timmtes Genre gebun­den (es dür­fen auch gerne Sach­büch­er und Fach­lit­er­atur sein). Sie studiert derzeit in Köln Englisch und Geschichte auf Lehramt für Gym­na­si­um und Gesamtschule.
Bish­erige Veröffentlichungen:
„Kannst du die Stimme hören“ in der Antholo­gie „Lachen­der Tod“ her­aus­gegeben von Chris­tine Jurasek (Sar­turia Ver­lag e.K.).
„Die Kalte Pest“ in der Antholo­gie „Das nack­te Grauen” her­aus­gegeben von Lisa-Katha­ri­na Hensel (Sar­turia Ver­lag e.K.).

Katha­ri­na Schelp ist 22 Jahre alt und schreibt seit der ersten Klasse Geschicht­en. Zurzeit wohnt sie in Mainz, studiert Ger­man­is­tik und Philosophie/Ethik auf Gym­nasiallehramt. Schon seit eini­gen Jahren nimmt sie immer wieder erfol­gre­ich an Schreib­wet­tbe­wer­ben oder Auss­chrei­bun­gen für Kurzgeschicht­en teil. Neben­bei schreibt sie auch an einem Roman; mal sehen, ob er bald fer­tig wird …

Anne Kay ist Päd­a­gogin im echt­en Leben, Autorin im näch­sten. Zu beschäftigt mit Real-Life um Wun­sch-Life (haupt­beru­flich­es Schreiben) zu real­isieren. Anson­sten aber gut dabei.

Georg Band, *1987 in Halle/ Saale, studierte Geschichte, Ital­ienisch und Philoso­phie in Dres­den. Seit 2016 ist er als Lehrer tätig und nutzt die Ferien zum Schreiben von Kurzgeschicht­en und Roma­nen, die vor­rangig von mys­ter­iösen und unerk­lär­lichen Ereignis­sen erzählen.

Janosch Kohler, *1995, ist ein Schweiz­er Autor von Kurzgeschicht­en. Er ent­deck­te schon früh seine Lei­den­schaft für das geschriebene Wort und was dieses ver­mit­teln kon­nte. Die Tiefen der men­schlichen Psy­che inter­essieren ihn eben­so wie Folk­lore und Geis­tergeschicht­en aus aller Welt. Gegen­wer­tig studiert er in Basel Ger­man­is­tik. Kohler wurde schon in eini­gen Antholo­gien veröffentlicht.

Michael Wil­son ist ein Schweiz­er Schrift­steller und Musik­er. Er lebt zusam­men mit sein­er Part­ner­in in Schwe­den. Die dicht­en Wälder, die tief­blauen Seen und die lan­gen Tage und Nächte haben es ihm beson­ders ange­tan. Manch­mal sei er von ihnen inspiri­ert, manch­mal fasziniert und gele­gentlich auch eingeschüchtert. In jedem Fall nutze er diese Ein­drücke, um die eigene Kreativ­ität anzuregen.

Jens-Philipp Gründler, 1977 geboren in Biele­feld, erlangte 2006 den Mag­is­ter Artium im Fach Philoso­phie in Mün­ster, wo er seit­dem als Schrift­steller und Altenbe­treuer lebt und arbeit­et. Sein Roman „Rebellen des Lichts“ sowie die Kurzgeschicht­en­samm­lung „Flüs­sige Schw­ert­er“ sind 2015 erschienen. Des Weit­eren wur­den die Antholo­gie „Glaspyra­mide“ wie auch mehrere Erzäh­lun­gen in ver­schiede­nen Sam­mel­bän­den und Lit­er­aturzeitschriften, wie eXper­i­men­ta, veröf­fentlicht. Seit Novem­ber 2016 ist der Autor als Redak­teur für dieses Mag­a­zin tätig.

Über die Her­aus­ge­berin der Hor­ror-Antholo­gie “Das nack­te Grauen”:

Lisa-Katha­ri­na Hensel, Jahrgang 1989, stammt ursprünglich aus Deutsch­lands Süden – wohl fühlt sie sich aber (fast) über­all. Nach einem Jahr auf den Spuren der Samu­rai in Japan, hat sie sich dem Studi­um der Medi­en­wis­senschaften gewid­met und dieses 2017 mit dem Mas­ter in Bonn abgeschlossen. Neben­bei sam­melte sie prak­tis­che Erfahrun­gen in der Film- und Fernse­hbranche, in der sie nun auch tätig ist.

Von Kind­heit an ist sie von den Wel­ten in Büch­ern und Fil­men fasziniert, ins­beson­dere von den fan­tastis­chen und unheim­lichen. Seit­dem schreibt sie selb­st, am lieb­sten Kurzgeschicht­en. Des Weit­eren hat sie diverse Drehbüch­er ver­fasst; Zwei davon wur­den bere­its in ein­er uni­ver­sitären Koop­er­a­tion umgesetzt.

Das Schreiben ist ihre Lei­den­schaft und so freut sie sich, wenn sie ihr Wis­sen nutzen und teilen und von und mit anderen Autoren ler­nen kann, wie dies beispiel­sweise bei der Antholo­gie “Das nack­te Grauen” der Fall war, die sie als Lek­torin und Her­aus­ge­berin begleit­et hat.

Dieser Beitrag wurde unter Makingof abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.