Making of – Im Bann der Dämonen

Mak­ing Of – Im Bann der Dämonen.
Ver­ant­wortliche Edi­tions-Assis­tentin: Lau­ra Cabrera 

Das Böse ist immer und über­all! Es scheint nur manch­mal zu schlum­mern, aber nur um uns genau dann, wenn wir es am aller­wenig­sten erwarten, hin­ter­rücks anz­u­fall­en und mit seinen gieri­gen Klauen zu pack­en. Das Böse schlum­mert aber auch in uns selb­st. So manch­er als angenehm beschriebene Zeitgenosse wurde über Nacht zur Bestie und brachte unsag­bares Leid über Fre­unde und Feinde.

Was ist es, das uns da urplöt­zlich erfasst und zu wahren Greueltat­en antreibt? Was ist es, das uns alle ängstigt? Dieser Frage sind die Stu­den­ten der Sar­turia-Lit­er­atur-Akademie nachge­gan­gen, um in ein­er Rei­he tief­sin­niger und teil­weise recht gruseliger Kurzgeschicht­en, eine Antwort zu finden.

Das Fol­gende haben unsere Autoren im Zuge ihres Stu­di­en­gangs zu Papi­er gebracht:

Was kann ich für Sie tun?
Christo­pher Riedmüller

Was wäre, wenn sie einem Men­schen begeg­nen, der ganz und gar von einem Dämon besessen ist? Was wür­den Sie tun, wenn Sie dies bemerken?
In der vor­liegen­den Geschichte bringt ein Dämon seinen Wirt­skör­p­er dazu, sich zum Psy­chother­a­peuten zu bewe­gen. Er möchte, dass er selb­st sich im Kör­p­er des Wirts heimisch fühlen kann.
Dr. Kris­nov ahnt jedoch nicht, was ihm da gegenüber sitzt und insofern entspin­nt sich eine denkwürdi­ge Unterhaltung: 

… „Nun“, fuhr der Dämon fort, „seit einem Jahr unge­fähr füh­le ich mich ein­fach nicht mehr wohl in mein­er Haut. Ständig beschw­ert sich mein Wirt, sobald ich zurückkomme.“
Er wippte mit dem Fuß, ehe er fortfuhr:
„Neulich zum Beispiel habe ich ein Pärchen im Auto gegen den Baum fahren lassen; ein irrer Spaß, kann ich Ihnen sagen. Danach kam ich, wie immer, zurück zu ihm. Und kaum, dass wieder da bin, fängt er an, virtuell mit Laven­del, Salz und Rosenkränzen um sich zu wer­fen. Ich so: ‚Mann, was soll das?’ und er so: ‚Hau ab! Bleib weg, ich will dich nicht mehr in mir haben‘.“
Der Kör­p­er, der den Dämon beherbergte, stellte einen entrüstet wirk­enden Gesicht­saus­druck zur Schau, ehe er weit­er­sprach: „Stellen Sie sich nur mal vor, wie ich mich dabei gefühlt habe, Dok­tor. Das bren­nt – sowohl emo­tion­al als auch materiell!“

Der Psy­chi­ater wartete, auf das, was da noch kom­men könnte.
„Wenn ich in ihm bin“, fuhr der Dämon fort, „tue ich ihm nie etwas an, ich kon­trol­liere bloß seinen Kör­p­er, bin aber sehr vor­sichtig, was ihn bet­rifft. Ich habe mich immer um ihn geküm­mert und er hat per­fekt ausgesehen.“
Er star­rte an sich hinab.
„Und nun? Sehen Sie ihn sich jet­zt ein­mal an: Dreck­ig, herun­tergekom­men, eine einzige Schande!“ …

Die Unter­hal­tung spitzt sich natür­lich zu und es wird immer fraglich­er, ob der Psy­chi­ater über­haupt heil aus der Affäre herauskommt.

Sog
Ste­fan Junghanns 

Was wenn die Äng­ste aus den Kinder­tra­gen einen realen Ursprung hät­ten? Wenn es sich nicht um Hirnge­spin­ste han­deln würde, wie unsere Eltern uns glauben machen wollen, son­dern um reale Erlebnisse?
Was, wenn wir uns erin­nern kön­nten wie an alles andere, das wir noch aus der Kind­heit wis­sen. Wür­den wir dann nicht erken­nen, was uns bei Nacht begeg­net, wenn sich uns die Nack­en­haare sträuben und Gänse­haut sich auf unseren Armen bre­it macht?
Paul hat ein solch­es Erleb­nis. Und plöt­zlich begin­nt er sich zu erinnern:

… Die Gestalt aus dem Nichts kam immer näher und näher. Nun erkan­nte Paul das, was ihn als Kind jahre­lang in Angst und Schreck­en ver­set­zt hat­te: Die Hexe. Die buck­lige Hexe. Nur langsam kam sie gegen den Sog an. Doch ihre Augen blitzten auf, als sie Paul erkannte.
Etwas im Schädel des Staunen­den schien ihm sagen zu wollen, dass er sich doch an jene Zeit erin­nern müsse, in der er einst dieser Hexe begeg­net war. Und tat­säch­lich. Die Bilder kehrten zurück: Mit Gänse­haut erin­nerte er sich daran, wie er im Dunkeln auf dem Buck­el der Hexe durch den Flur gerit­ten war. Für diese aufgezwun­genen Dien­ste forderte die Alte als Beloh­nung das Lutschen an seinen Dau­men; obwohl er sich den „Aus­ritt“ nicht ein­mal hat­te aus­suchen können.
Bizarr: Was er damals für Alb­träume gehal­ten hat­te, schien tat­säch­lich alles wahr gewe­sen zu sein.
Die Hexe kam näher. Schemen­haft kon­nte er nun ihren gieri­gen Gesicht­saus­druck erken­nen. Sie nick­te ihm boshaft grin­send zu und deutete mit ihrem lan­gen, knor­ri­gen Fin­ger in den Flur hin­ter Paul.
Paul wandte sich um: Thomas, sein klein­er Sohn, stand in der Tür des Kinderzimmers …

Vielle­icht, lieber Leser, ja vielle­icht wären die Äng­ste von uns Men­schen weit weniger aus­geprägt, wenn wir wüssten, was wir vor uns sel­ber verstecken.

Der Club der magis­chen Zahl
Lena Obscuritas 

Das The­ma ‚Vam­pire‘ hat sich seit Christo­pher Lees Rolle als Drac­u­la grundle­gend gewan­delt. Hat­ten wir sein­erzeit im Kino noch eine Gänse­haut, so gilt es heutzu­tage als schick, mit Vam­piren zu verkehren.
Was aber, wenn man gar nicht mehr erwarten kann, zu ihnen zu gehören? Was, wenn man sel­ber den Drang ver­spürt, endlich dazuzuge­hören zu den Geschöpfen der Nacht?

… Andras schaute auf ihn herab. „Ich dachte, deine neuen Fre­unde haben dich schon aufgeklärt.“
„Ich möchte es aber von dir hören.“
Andras seufzte ergeben. „Genau deswe­gen hole ich so sel­ten Schrift­steller in meinen Club“, entließ er gefasst. „Ihr müsst immer alles hin­ter­fra­gen, wollt immer alles ganz genau wis­sen. Ist es denn wirk­lich wichtig, was mit dir passiert? Du wirst unsterblich wer­den, eine Leg­ende. Ist dir das denn nicht genug?“
„Aber … werde ich dann Men­schen töten müssen, nur um irgend­wie weit­er zu existieren?“
„Das ist ein Dasein“, erin­nerte Andras, „das jed­er Vam­pir zu fris­ten hat. Doch nicht jed­er der Unsterblichen ver­langt Ruhm und Reich­tum.“ Langsam kam er auf Chris­t­ian zu.
„Das ist es doch, was ihr alle begehrt. Son­st würde nie­mand auf mein Rufen reagieren.“
Seine ble­iche Haut wirk­te im schwachen Licht der Lampe wäch­sern. Es ver­schmolz mit dem grauen Haar des ele­gant gek­lei­de­ten Blut­saugers. Jovial griff er an Chris­t­ian vor­bei, angelte nach einem der Joints auf der Theke, und drehte ihn dann zwis­chen den Fin­gern. „Kommst du nun mit oder nicht?“
Chris­t­ian schaute zu ihm auf, „Eine Frage habe ich noch.“
Andras warf den Joint ungeduldig zurück auf die Bar. „Ich habe nicht ewig Zeit, Mensch.“
„Warum mit siebenundzwanzig?“ …

Und dieses Rät­sel wird sich erst lösen, wenn der Fürst der Fin­ster­n­is erlaubt, dass Chris­t­ian die Wahrheit erfährt.

Nacht­wan­dler
Manuel Otto Bendrin

Kann es sein, dass unsere Alp­träume ein Stück weit Real­ität bein­hal­ten? Kann es sein, dass sie ein Warnsignal bein­hal­ten, das uns vor dem Schlimm­sten schützt?
Was ist denn das Schlimm­ste, das uns passieren kön­nte? Was ist es, vor dem wir solche Angst haben, dass wir des Nachts von schlim­men Träu­men geplagt werden?
Jes­si­ca ist auf dem Weg, genau dies herauszufinden:

… Unbe­wusst nahm sie wahr, dass sie wieder zwis­chen die Bäume des Waldes einge­taucht war. Sie keuchte. Rechts und links von ihr flo­gen die Schat­ten vor­bei. Die Stämme schienen immer schneller an ihr vorüber zu rauschen; die dun­klen Stellen dazwis­chen wur­den immer fin­ster­er, bedrohlich­er, beina­he lebendig. Es war in den Schatten!
Die Verzwei­flung gab ihr neue Kraft und sie beschle­u­nigte ein let­ztes Mal. Schon hat­te sie das Gefühl, den Boden nicht mehr zu berühren. Vielmehr fühlte es sich an, als würde sie fliegen – immer höher, immer schneller. Denn es kam näher.
Sie wollte nach Hause; dort mochte sie wahrschein­lich sich­er sein. Doch die Umge­bung ver­schmolz zu ein­er einzi­gen schwarzen Masse ohne Schat­ten und ohne Licht. Der Mond und die Sterne waren schon längst aus ihrem Bewusst­sein ver­schwun­den und ihre Sinne schwiegen; alle, außer dem Instinkt für Gefahr. Blinde Panik trieb sie voran.
Doch es holte weit­er auf. Beina­he hat­te es sie einge­holt. Schon spürte sie die eisige Hand des Todes nach ihr greifen. Und die Schwärze wurde tiefer …

Nichts ist sich­er! Nicht ein­mal ob das Unaussprech­liche Jes­si­ca wirk­lich einholt.

Dschun­geldä­mo­nen
Peter Splitt

Eine ganz andere Art von Dämo­nen betritt unter der Fed­er­führung von Peter Splitt die Bühne unsers Vorstellungsvermögens.
Noch weiß Roger nichts von all dem, was hin­ter seinem Rück­en vor sich geht. Er genießt nur das Ambi­ente im Dorf eines der let­zten Indi­ge­nen Völk­er, das sich, von der Zivil­i­sa­tion abgeschnit­ten, im Urwald verbirgt.
Was ihm der Häuptling erzählt, berührt ihn zutief­st und er nimmt sich vor, der Wahrheit auf den Grund zu gehen:

… Wieder füllte der Alte erst seinen, dann Rogers Bech­er nach.
„Trink!“, befahl er. „Trink Roger! Heute Abend musst du meinen Maiss­chnaps trinken!“
Und Roger trank.
Der Dor­fäl­teste nick­te vor sich hin. „Und ich“, entließ er dann, „Awan Enyeto, der ich hier heute Abend in mein­er Hütte sitze und mit dir trinke, ich warne dich: Suche nicht nach diesem Dämon. Du gehst in die Wälder und hörst selt­same Laute. Töne, die du noch niemals zuvor gehört hast. Wenn du dann deinen Weg zurück­ge­hen willst, fühlst du dich krank. Und wenn du wieder im Dorf bist, dann stirb­st du.“
Roger star­rte zu Boden. „Und so etwas passiert immer wieder?“, erkundigte er sich vorsichtig.
Wieder nick­te der alte Mann. „Manch­mal bringt der Dämon Helfer mit sich“, fuhr er dann fort. „Sie ver­fü­gen über Gewehre und aus­re­ichend Muni­tion. Dage­gen kön­nen wir uns mit unseren prim­i­tiv­en Waf­fen nicht wehren.“
Roger spürte ein Ziehen im Nack­en. Die Sache schien eine Wen­dung zu nehmen, die ihm über­haupt nicht behagte …

Trotz aller Irrwege ken­nt Roger Peters schließlich nur noch ein einziges Ziel: Er will und muss dieses liebenswerte Volk vor einem rasenden Dämon beschützen.

Engels­bild
Clau­dia Plachetka

Dämo­nen sind schreck­liche Wesen, die dem Gläu­bi­gen die Seele rauben und sie in ewige Ver­damm­nis führen.
Was aber, wenn es einem Dämon gelingt, dich zu seinem Fre­und zu machen; wenn er dir zeigt, dass die Kirche nicht in allem Recht hat, was der Pas­tor predigt? Was mag sein, wenn dein Welt­bild plöt­zlich ins Wanken gerät und du Fre­und und Feind nicht mehr zu unter­schei­den weißt?

… Pfar­rer Mar­tin grin­ste sie aus­nehmend bre­it an.
„Du wirst nun nie wieder Prob­leme haben“, ver­sicherte er.
Alis­sa kon­nte es trotz allem nicht glauben. „Was haben die Dämo­nen denn gesagt?“, wollte sie wissen.
Sie musste unbe­d­ingt erfahren, was er wusste und wen er alles getrof­fen hat­te. „Wie ist es denn gelaufen?“
„Das lass mal meine Sorge sein.“, antwortete der Geistliche. Er grin­ste dabei noch bre­it­er. Aber Alis­sa fiel den­noch auf, dass irgen­det­was an ihm anders war, sie wusste nur nicht, was.
„Alis­sa, ich freue mich so sehr für dich!“, sagte er, ehe er ihr die Hand drück­te und aufrecht hinausging.
Die junge Frau kon­nte ihr Glück kaum fassen. Sie würde keine Träume mehr haben. Nie wieder würde sie mit Dämo­nen umge­hen müssen. Nun kon­nte sie endgültig ihr Leben leben.
Allerd­ings hat­te sie seit diesem Tag Pfar­rer Mar­tin nicht mehr gesehen …

Vielle­icht kann Alis­sas kleines Töchterchen ihr aus der Ver­wirrung helfen …?

Achiyalatopa
B. B. Beard

Noch heute begeg­nen die Weißen den Riten der Schama­nen mit Mis­strauen und Furcht. Die Gerüchte über die Beschwörung unheim­lich­er Mächte wollen und wollen nicht verstummen.

Vielle­icht ist ja etwas Wahres dran? Vielle­icht soll­ten wir Weißen nicht so sor­g­los mit dem Andenken an Jahrhun­derte altem Erbe der nativ­en Indi­an­er­stämme umgehen.

Wer weiß, welche Magie darin ver­bor­gen liegt.

… Wenig später fiel ein Schat­ten auf den Fleis­chz­er­leger Frank O’Leary, als der Mann den Kühlraum mit den frischen Rinder- und Schweine­hälften im Schlachthof abschließen wollte. Die tief ste­hende Sonne sandte ihre Strahlen durch das weit geöffnete Roll­tor in Halle 3 und über­lagerte die Schat­ten mit flam­mend rotem Lichtschein. Der inten­sive Geruch nach Schwe­fel und Ammo­ni­ak hat­te sich mit dem Ges­tank der Schlachtabfälle in den Müll­ton­nen am Ein­gang ver­mis­cht. In der Folge strit­ten sich Myr­i­aden von Schmeißfliegen sum­mend um die besten Plätze auf dem Aas.

Als O’Leary sich umdrehte, erschrak er und ließ sowohl Schlüs­sel als auch ein Päckchen Koks fall­en. Seine Stimme bebte. „Scheiße! Was willst du von mir?“

Es war still gewor­den in der Halle, nur die Fleis­chhak­en an der Decke klimperten in der Zugluft und die Ket­ten der Seil-züge ras­sel­ten leise; die Kreis­säge im Schlachthaus schwieg jedoch längst. Für einen kurzen Moment heulte die markante Sirene eines vor­beirasenden Ret­tungswa­gens auf und blauer und rot­er Lichtschein huschte über die Wände.

Atem­los tastete O’Leary mit der Recht­en nach dem Bowie-Mess­er in seinem Gür­tel. Dann unter­nahm er einen verzweifel­ten Ausfallschritt …

Nie­mand weiß genau, welche Dämo­nen die Beschwörung eines Zuni-Medi­z­in­manns her­beizu­rufen ver­mag. Nie­mand weiß vorauszusagen, was solch ein Dämon an Unheil zu stiften vermag.

Beben­des Erwachen

  1. Tupole­wa

Diese Sto­ry wurde als beste Sto­ry der Antholo­gie vom Gremi­um der Lek­toren mit der Gold­e­nen Schwa­nen­fed­er für Kurzgeschicht­en aus­geze­ich­net. Die Autorin ist ger­ade dabei selb­st in die Riege der Lek­toren aufzusteigen und wird kün­ftig mit dem Team zusam­men die besten Geschicht­en küren.

In dieser preis­gekrön­ten Sto­ry geht es darum, dass etwas über­lebt hat; etwas Großes, etwas Wildes. Durch ein Erd­beben aus seinem naturgegebe­nen Refugium ver­trieben, ver­sucht es mit Jahrmil­lio­nen alten Instink­ten in der Mod­erne zu überleben.

… „Was machst du denn da oben im Baum?“, fragte er ungläu­big. Offen­sichtlich hat­te er den Ernst der Lage nicht begriffen.

Geor­gi schaute sich vor­sor­glich um.

„Leonid und ich sind von einem wilden Tier ange­grif­f­en wor­den“, berichtete er wahrheits­gemäß. „Mach also, dass du wegkommst.“

„Ein Wolf …?“, erkundigte sich Gleb treuherzig. „Oder doch eher ein Bär?“

„Wed­er noch!“ Geor­gi rang nach Atem. „Bist du ihr nicht begeg­net? Ein­er mon­strösen und viel zu groß ger­atene Kreuzung zwis­chen Löwe und Echse, mit langem Schwanz und Tiger­streifen über dem Rück­en … und riesi­gen Säbelzähnen.“

„Ach komm“, ent­geg­nete Gleb, „mach keine Witze.“

Geor­gi fasste sich ein Herz und begann langsam den Stamm hin­abzuk­let­tern, was weitaus müh­samer von­stat­teng­ing, als das Hin­aufk­let­tern. „Wir soll­ten vor­sichtig sein“, warnte er den Kol­le­gen. „Das Vieh muss hier noch irgend­wo sein.“

Gleb wink­te ab; er glaubte nicht an etwas Außergewöhn­lich­es. „Ich fürchte mich nicht vor Bären oder Wölfen“, gab er bekan­nt. „Und vor Wild­schweinen schon gar nicht.“

Geor­gi war einen hil­fe­suchen­den Blick gen Him­mel. „Das war kein Schwein, Gleb“, stellte er richtig. „So groß sind die nicht und sie haben auch keinen so lan­gen Schwanz.“

Er wies auf die Baum­rinde, die immer noch die Spuren mon­strös­er Krallen trug. „So was kön­nen Wild­sauen nicht.“

Plöt­zlich fauchte und knur­rte es fürchter­lich neben ihnen im Gebüsch. Geor­gi erschrak bis ins Mark. „Da ist das Vieh wieder!“, keuchte er. „Lass uns bloß hier verschwinden!“ …

Die Natur hat ihre eige­nen Geset­ze, und der Men­sch tut gut daran sie zu studieren und zu beherzi­gen. Tut er das nicht und lässt es darauf ankom­men, dann gewin­nt die Natur. Immer. Auch wenn sie Jahrtausende braucht, um sich von ihrem aufgezwun­genen Kampf zu erholen.

Der Men­schen­sko­r­pi­on

Utz Anhalt

Gewalt ist manch­mal nur ein Aus­druck fehlen­der Anerken­nung; ein Ven­til unter­drück­ten Gel­tungsver­lan­gens und oft auch die einzige Artiku­la­tion­s­möglichkeit, um in ein­er ungesicherten Umge­bung auf seinem Recht zu über­leben zu bestehen.

Der Wahn erken­nt in der Verk­lärung der Opfer ihre Erniedri­gung. Er macht sich dem Unge­heuer der Herrschaft gle­ich, das er leib­haft nicht über­winden kann.

Theodor W. Adorno

 

Hek­tor ver­sucht in Liv­er­pools sozialem Bren­npunkt zu über­leben. Schon lange. Er beobachtet die Auseinan­der­set­zun­gen zwis­chen Ras­sis­ten und den Mit­gliedernd der migri­erten Bevölkerung; den Hass zwis­chen Schwarz und Weiß. Er hat aufgegeben, sich zu fragen …

Ist es nur seine Ein­bil­dung, oder existiert im Halb­dunkel ver­dreck­ter Hin­ter­höfe ein fleis­chge­wor­denes Unge­heuer, das über den brodel­nden Hex­enkessel sozial bed­ingter Auseinan­der­set­zun­gen herrscht …?

… Hek­tor saß in ein­er Bade­wanne mit ver­wahrlostem Boil­er, der Stun­den brauchte, um zu erhitzen; Zeit, um zu lesen. Er blät­terte in Astrolo­gie für Ein­steiger unter die dun­kle Seite der Sterne:

„Der Sko­r­pi­on will Macht, und wer sich ihm zum Feind macht, den ver­fol­gt er bis zur Vernichtung.

Er ergreift Besitz von Anderen und brodelt in Eifer­sucht. Sein Reich ist die Unter­welt der Seele; in der Hölle fühlt er sich zuhause.“

In Hek­tors Magen kribbelte es. Meine Mut­ter hat am 31.10. Geburt­stag, in drei Tagen. Sie ist Sko­r­pi­on.

Er las weit­er: „Mafi­a­bosse, Dik­ta­toren und Serien­mörder sind meist in diesem Sternze­ichen geboren.“ Er schüt­telte den Kopf: „So schlimm ist meine Mut­ter nun doch nicht, oder?“

Er grü­belte darüber nach, heute Nacht zu jen­em Hof zu gehen. Er wollte wis­sen, warum die Nacht in Tox­teth schwärz­er war als an anderen Orten. Was ver­barg sich in der Dunkel­heit? Formte die Nacht selb­st ein Leben, einen Geist des Tötens und des Todes? War die Schwärze selb­st lebendig? …

Wer der Gefahr zu lange ins Auge schaut, ver­liert zuweilen die Boden­haf­tung, dann kann es sein, dass er sich als Unter­legen­er unter Unter­lege­nen wiederfind­et, ohne den Kampf jemals zu Ende führen zu können.

Mut­terge­füh­le

Niklas Nis­sen

Den Award für die beste Kurzgeschichte der Antholo­gie aus der Sicht unser­er V.I.P‑Lese-Gruppe, erhielt Niklas Nis­sen für die span­nende Sto­ry Mut­terge­füh­le.

Wenn dein Aus­flug anders endet als geplant, wenn du dich mit­ten in der Nacht mit defek­tem Navi heil­los ver­franzt hast und beim besten Willen nicht weißt, wie du aus dem beängsti­gen­den Dunkel eines fin­steren Waldes her­auskom­men sollst, dann wirkt auch der kle­in­ste Lichtschein als paradiesis­che Verlockung.

Für Lisa und Max scheint der Lichtschein aus dem Fen­ster ein­er herun­tergekomme­nen Hütte wie das ver­lock­ende Licht am Ende eines beängsti­gend fin­steren Tun­nels. Sie atmen erle­ichtert auf, als sie ein­ge­lassen wer­den. Doch sie wis­sen noch nicht, dass sie dem eigentlichen Schreck­en erst noch begeg­nen werden:

… Plöt­zlich ertönte lautes Krachen. Das Rat­tern des Strom­gen­er­a­tors erstarb mit kläglichem Laut. Für einen Moment hiel­ten die Strahler das Licht noch auf die Fen­ster gerichtet, doch ein­er nach dem anderen gab den Geist auf und erlosch.

„Oh Gott …“, wis­perte Max unwillkürlich.

Nur noch das Feuer im Kamin zauberte flack­ern­den Wider­schein an die Wände. Kein Geräusch von draußen war zu hören; bloß das Knis­tern der Flammen.

„Schnell jet­zt“ fordere Frank, „uns ren­nt die Zeit davon.“ Er ließ von Vic­tor ab und ging mit schnellen Schrit­ten zur Falltür.

„Was hast du vor?“ Lisas Stimme zitterte.

Er schaute zu ihr zurück. „Ihr sagtet, ihr seid mit dem Wagen gekom­men? Wisst ihr noch, wo der steht?“

„Ja, aber da kom­men wir doch gar nicht mehr hin.“

Frank nick­te. „Ich habe einen Plan … Hal­tet aber auf jeden Fall eure Waf­fen auf die Fen­ster gerichtet.“ …

Es ist schlimm genug, wenn du den Feind kennst, der darauf lauert, dir den Garaus zu machen. Weitaus schlim­mer ist es, wenn du gar nicht weißt, was gle­ich durch die split­ternde Tür kom­men wird, um dich zu zerfleischen …

Das sind nur einige der Teas­er von ins­ge­samt achtzehn span­nen­den Erzäh­lun­gen, die Sie in der Train­ingsan­tholo­gie ‚Im Bann der Dämo­nen finden.

Sie find­en das Werk in unserem Bestseller-Shop:

http://sarturia.com/Bestseller/index.php?kat=Horror#a98025

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Mein Name ist Dieter König.

Als Leit­er der kom­pe­ten­zori­en­tierten Sarturia®-Literatur-Akademie und als Vor­standsmit­glied des gemein­nützi­gen ‚Fördervere­in Sar­turia Autoren­schule e.V.’ engagiere ich mich gän­zlich uneigen­nützig für die ‘Förderung von Kun­st und Kul­tur in deutschsprachi­gen Län­dern’. In diesem Zusam­men­hang helfe ich clev­eren Autoren dabei, ihre Ziele zu erreichen.

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