Roselinde Dombach — Alisha

Alisha ran­nte, was das Zeug hielt. Ihre lan­gen, san­ft gebräun­ten Beine bewegten sich in har­monis­chem Rhyth­mus und bracht­en ihre Kraft und Ele­ganz voll zum Aus­druck. Fast wäre Howard in schranken­los­er Verzück­ung ver­sunken, doch ger­ade noch rechtzeit­ig dachte er wieder daran, warum er diesem makel­losen Geschöpf der­art hart­näck­ig auf den zarten Fersen blieb. Doch um sie zu erre­ichen, einzu­holen, musste er seine let­zten Reser­ven mobil­isieren, und was dann noch kam … Ein wohliger Schauer über­lief ihn, und ein wenig über­spülte ihn das Gefühl neuer Energie. Jet­zt wandte sie kurz den Kopf und auf ihrem hüb­schen Gesicht erschien der Anflug ein­er unbes­timmten Emo­tion. Furcht, gar Panik? Ja, dachte er, so nahe bin ich dir schon! Durch die zusam­menge­bis­se­nen Zähne zog er zis­chend die Luft ein und beschle­u­nigte sein Ren­nen. Schon bran­nten seine Lun­gen, doch das ignori­erte er. Wenn sie entkam, bedeutete das für ihn das Ende. Er wollte nicht umson­st gesagt haben, dass nur sie das darstellte, was er unbe­d­ingt erre­ichen musste. Nun, da er ihr die Alter­na­tive offen­bart hat­te, gab es nur diese eine Lösung. Er oder sie – etwas anderes kam nicht infrage. Adren­a­lin kochte in seinen Adern, seine Empfind­un­gen gewan­nen eine deut­liche neue Qual­ität – Aggression.

Sie durfte ihm ein­fach nicht entkom­men! Alles stand auf dem Spiel. Schon erschien in seinem Blick­feld das Gebi­et, auf dem sie vor seinen Absicht­en sich­er sein würde. Täuschte er sich oder wurde sie wirk­lich langsamer? Er ver­warf diesen Gedanken sofort, spornte stattdessen seinen gequäl­ten Kör­p­er noch ein­mal an, erre­ichte nun fast mit seinen aus­gestreck­ten Hän­den ihren wip­pen­den Pferdeschwanz.

Doch … „Das war’s, Dok­tor Croft! Sie hat gewon­nen!“ Die wis­senschaftliche Mitar­bei­t­erin erlaubte sich ein schwach­es Grin­sen. Schnaufend und keuchend, gewis­ser­maßen auf dem let­zten Loch pfeifend, stand Howard mit auf die Knie gestützten Hän­den neben ihr und ver­suchte zu antworten. Er brachte jedoch nur ein abge­hack­tes Krächzen zus­tande, nick­te vage und warf Alisha, die keine Anze­ichen für Ermü­dung zeigte, einen bösen Blick zu.

Und ich war so sich­er, dass ich schneller bin als die blöde Mas­chine. Schließlich war ich Sprint­welt­meis­ter!, dachte er wütend. Fehlt jet­zt nur noch, dass sie diesen Androiden Gefüh­le geben.

Aber dieser Gedanke sollte sich als über­flüs­sig erweisen. Alisha, Num­mer 1 in der neu entwick­el­ten Androiden­rei­he, sah ihm genau in die Augen, zwinkerte schelmisch und streck­te dem Fas­sungslosen die makel­los rosa schim­mernde Zunge heraus.

Roselinde Domabach ist Stam­mau­tor bei Sar­turia und Her­aus­ge­berin im Genre Fan­ta­sy. Neben ihren reg­ulären Auf­gaben greift sie neu hinzugekomme­nen Autoren hil­fre­ich unter die Arme und sorgt dafür, dass sie ihre Ziele ver­wirk­lichen können.

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