Viktor Guzinski — Biker-Samstag

„Reichst du mir den Dreizehn­er rüber?“, ver­langte Karl, ohne sich vom Chromdeck­el sein­er Harley abzuwenden.

„Ich dachte immer“, ent­geg­nete Fred, in der Werkzeugk­iste kra­mend, „diese Ami-Gurken hät­ten Inch-Maße.“

„Denkst du allen Ern­stes“, brummte der bre­itschul­trige Harley-Freak seinem Fre­und über die Schul­ter zu, “ich kön­nte mir bei der Menge Schrauben, die diese Müh­le ver­liert, noch irgendwelch­es Zoll-Gedönse leisten?“

„Nu‘ hör mal“, feixte Fred grin­send, „wer sich ein Mil­wau­kee-Sofa leis­ten kann, der sollte dann auch das Geld für die passenden Schrauben haben.“

„Ha, ha!“, brummte Karl und wandte sich wieder sein­er Arbeit zu. „Das haben nur diejeni­gen übrig, die noch nicht ver­heiratet sind … Und jet­zt halte keine Volk­sre­den und reich mir den Schlüs­sel rüber.“

„Hier!“ Fred gab seinen Fre­und den ölver­schmierten Maulschlüs­sel; der nahm in schweigend an. Und nach ein­er kleinen Weile stöh­nte er erle­ichtert auf: „So, das war’s! Wenn ich jet­zt noch die Getriebeaufhän­gung nachziehe, müsste die Müh­le wieder ein­satzbere­it sein.“

„Na, das hoffe ich doch“, ent­geg­nete Fred und schaute auf die Uhr, “denn son­st haben wir gar keine Zeit mehr für einen kleinen Abstech­er zur Stammkneipe.“

Karl richtete sich auf und wis­chte die Hände an der Hose ab.

„Hör mir bloß auf“, erwiderte er deprim­iert, „Son­ja macht deswe­gen eh‘ Zick­en. Jet­zt gib mir mal den ‚Elf-Sechzehn­tel’ rüber!“

„Wie“, wun­derte sich Fred, „du hast den­noch Zollschrauben verbaut?“

Karl grin­ste. „Wo denkst du hin? Das entspricht bloß dem Siebzehn­er. Und jet­zt mach hinne.“

Und wirk­lich: die let­zten vier Schrauben waren schnell nachge­zo­gen. Erle­ichtert atmeten die Fre­unde auf.

Doch plöt­zlich fiel ein Schat­ten durch die offene Gara­gen­tür auf sie.

„Ich wün­schte“, don­nerte die Stimme Son­jas durch die Werk­statt, „du würdest mit mir genau so viel Zeit ver­brin­gen, wie mit diesem ver­dammten Motorrad!“

„Wieso,“ brummte Karl schlagfer­tig zurück, „hast du auch ein paar Schrauben locker …?“

Als sich Fred, am Abend auf dem Sofa bre­it machte, reka­pit­ulierte er – nicht ohne Schaden­freude – dass sein Fre­und nicht ger­ade weise gewe­sen sein kon­nte, seine ange­taute Ehe­frau, eine Ex-Box­erin, der­art zu reizen …!

Vik­tor Guzin­s­ki ist Autor und Web­mas­ter bei Sar­turia. Er sorgt als ‚Aktives Mit­glied’ dafür dass in den Arbeits­foren alles seinen richti­gen Platz findet.

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